Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 13 (1896)
- Issue
- 32 (7.8.1896)
- Date
- 1896-08-07
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3020846-3021115-3021148--05882-3030138- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Nr. 32 Seite 648 Vr. Vloch's Wochenschrift Verehrung, die ihm aber nicht blos von ihr, sondern von Jedermann gezollt wurde. Die Auswahl von Predigten, die Mutter und Sohn mit Umsicht und Geschmack getroffen haben, läßt uns Einsicht nehmen in die rednerische Werkstatt Perles'. Was an den Reden in erster Linie so sehr befriedigt, ist der ernste, würdevolle, tiesreligiöse Zug, der durch die Worte geht und der reine Geist echtjüdischer Lebens- und Weltaussassung, der in jeder Ansprache weht. Unbedeutende Redefloskeln, Phrasenhastigkeit und theatralisch-pastorale Pose scheinen Perles völlig serngelegen zu haben; er hat offenbar im sonstigen Leben nicht anders gesprochen, als aus der Kanzel; beinahe möchte ich vermuthen, daß er auf vollendet künstlerischen Aufbau des Ganzen weniger Sorgfalt verwendet, als auf seelische Vertiefung und Thatsächlichkeit; wenigstens hat er letztere niemals auf Kosten der erfteren übersehen, was so oft bei Kanzelrednern der Fall ist. Sein umfassendes Wissen, die profunde Gelehrsamkeit kommt ihm in allen Fällen zustatten. Die Texte sind originell gewählt und ebenso originell behandelt; aus der ganzen Art der Reden spricht ein Charakter, eine Persönlichkeit, die nie den äußeren Schönheits-, sondern den inneren Sittlichkeitserfolg bezweckt. Die veröffentlichten Festpredigten sind durchwegs äußerst wirkungsvoll, auch im Lesen, besonders die Bersöhnungstags- Predigten. Die Behandlung der Schriftstellen, des Talmud und Midrasch, die Perles reichlich verwerthet, ist sinnreich und immer packend. Jeder Prediger kann von Perles lernen und, abgesehen von dem schönen Acte der Pietät, den Mutter und Sohn durch die hoffentlich noch nicht beendete Publicirung der Predigten vollführt haben, wird ihnen die Wissenschaft und Kunst der Kanzelberedtsamkeit Dank dafür wissen. Mkolsburg, Juli 1896. D. Feuchtwang. Judäa. Vom Anfang des zweiten Staats leben bis zum Abschluß des Talmuds. Ein Buch für Haus und Schule von Dr. M. H. Friedländer, Pisek 1896, Druck und Verlag von Moriz Waizner und Sohn, Wien, DL, Kolingasse 11. Motto: In einem Thal, bei armen Hirten, Erschien mit jedem jungen Jahr, Sobald die ersten Lerchen schivirrten, Ein Mädchen, schön und wunderbar; Und theilte jeden eine Gabe, Dem Früchte, Jenem Blumen aus. Der Jüngling und der Greis am Stabe Ein jeder ging beschenkt nach Haus. (Schiller, „das Mädchen aus der Fremde"). Die Werke, mit denen dieser stille und bescheidene Gelehrte, der ohne die heutzutage in der Gelehrtenwelt übliche Reclametrommel zu rühren, in einem kleinen Orte Böhmens die mühevolle Arbeit des Seelsorgers mir Liebe verrichtet, uns alljährlich beschenkt, sind ebenfalls wie „Blumen und Früchte gereift auf einer anderen Flur", beglückende Gaben für Alt und Jung. Gelehrte vom Schlage unseres Verfassers, welche lediglich aus innerem Drang, ohne Anspruch auf Dank, Anerkennung oder Verbefferung ihrer kümmerlichen Existenz, ja sogar unter materiellen Kämpfen und Sorgen ihr Bestes zum Heile ihrer Mitmenschen bringen, scheinen, zumal in unserem Zeitalter „aus einer anderen Welt" zu kommen und wirken darum umso ersprießlicher, als sie die Person hinter der Sache spurlos verschwinden lassen. Ohne Aufdringlichkeit und breitspurige, himmelstürmende, selbstverherrlichende Titel erscheint ein solches Werkchen, und Jeder, der darin blättert, geht „beschenkt nach Haus". Noch sind uns seine lieblichen, auf Herz und Gemüth tief wirkenden Homilien in frischer, freundlicher Erinnerung und schon hat uns dieser treffliche Gelehrte einen kurzen Umriß einer überaus wichtigen Periode jüdischer Geschichte geboten, in welchem uns in biblisch edler, von Liebe zu seinem Volksthume durchglühter Sprache, eine Helden- und Leidenszeit jüdischer Geschichte vorgeführt und ein tiefer Blick in die Geistesthätigkeit der damaligen Periode, deren Product im Talmud an verschiedenen Stellen verstreut niedergelegt ist, durch entsprechende, das Wesen der Sache beleuchtende und immense Belesenheil verrathende Citate gewährt. In gedrängter Kürze und übersichtlicher Darstellung wird die Geschichte des Judenthums von der Zeit der Erbauung des zweiten Tempels bis zum Abschlüsse des Talmuds behandelt werden, Israels Kämpfe und Siege, sowie sein geistiges Ringen und seine Leiden geschildert und mit lebendiger Deutlichkeit die Gestalten seiner Helden und Priester, seiner Gelehrten und Geistesheroen gezeichnet. Jedes jüdische Haus, welches auf die Pflege des jüdischen Geistes etwas hält, wird dies Büchlein der Belehrung und Erbauung mit Freuden begrüßen und unsere Jugend wird sich an den edlen Vorbildern unserer Helden und Gelehrten begeistern und erheben. Wir können dieses Buch nicht aus der Hand legen ohne den dem Verfasser unser: Vivat 8equen8 zuzuricken. L. W. Vorschriften, betreffend die Verfassung der israelitischen Religionsgenossenschaft, Namenwesen und Matriken der Israeliten, mit Erläuterungen aus den Materialien und der Rechtsprechung, herausgegeben von Dr. Leo Geller, Wien 1896. Verlag von Moriz Per les. Mit diesem jetzt schon in zweiter Auflage vorliegenden Werke hat sich der gelehrte Verfasser, der durch seine Einzelausgaben der österreichischen Gesetze so viel für die Verbreitung der Gesetzeskenntniß leistet, das Judenthum zu Dank verpflichtet, denn die Kenntniß des in Rede stehenden Gesetzes ist unentbehrlich für die Vorstände wie die Beamten der Cultusgemeinden, damit sie ihren Rechts- und Pflichtenkreis kennen lernen und nicht überschreiten oder verengen. Aber auch die einzelnen Mitglieder einer jeden Cultusgemeinde werden, ausgerüstet mit der Kenntniß dieses Gesetzes, der Willkür eines Vorstandes oder den hierarchischen Gelüsten des Rabbiners entgegentreten können, daß bei der neuen Verfassung der Cultusgemeinden sich nicht die alten Schäden erneuern, die zu Uneinigkeiten in den Gemeinden führten, welche zur Schmach des Jndenthums die weltlichen Gerichte beschäftigen mußten und zumeist auch den Jnoisferentismus verursachten, der im Judenthum leider so breiten Boden gewonnen und der Apothasie vorarbeitete. Or Chadasch von B. G o l d e n b e r g in T a r n o p o l, Heft 8, Philologischen Inhalts. Wir haben von den gleichnamigen Arbeiten des Verfassers schon mehrmals gesprochen und seinen geistreichen Bemerkungen, seinem ausgezeichneten hebräischen und seinem reichen fremdsprachlichen Wissen alle Anerkennung gezollt; auch das vorliegende Heft trägt alle diese Attribute. Der Inhalt der Capitel: Grundlagen der jüdischen Religion, der Segen Mosis, das Lied von Deborah übersprudelt von neuen und treffenden Erklärungen vieler religiöser Symbole und dunkler Bibelstellen. Das Capitel: Die Bedeutung der Namen des hebräischen Alphabets zeigt, daß die Reihenfolge der Buchstaben keine willkürlich angenommene war, sondern die Fortschritte in der Cultur bis zur Erfindung der Schreibekunst versinnlicht. Besonders interessant sind in diesem Hefte die mehrere Capitel füllenden Erläuterungen vieler Synonymen und wieder gleichklingender Wörter von vermeintlich verschiedener Bedeutung. Kurz,, das vorliegende Heft ist eine werthvolle Bereicherung der hebräischen Literatur und wird von Jedem, der ihr zugethan ist, mit Spannung gelesen werden. Möge auch der materielle Erfolg dem Verfasser ein Sporn sein, seine Arbeiten fortzusetzen. Briefkasten. V. (Nikolsburg.) Die Wahrheitsliebe der „Morawsfea OrJice“ können Sie am Besten oeurtheilen, wenn Sie als Ergänzung zu der Notiz des Blattes, daß Dr. Feuchtwan ger beu Bischof Bauer als „Herr College" titulirte, erfahren, daß an der ganzen Geschichte kein wahres Wort ist. Dr. S. K. Nur aus „schuldiger Ehrfurcht" vor Dr. Lueger wird jetzt in Wien von „drei Bürgermeistern" gesprochen. A. L. Es ist charakteristisch, daß der Wiener Vicebürgermeister auch diese Reise in Begleitung Schneider's machen wird. H. N. Ha mm er stein erlernt erst jetzt ein Handwerk. Sein Wiener Gesinnungsgenosse bat vielleicht aus Vorsicht dies schon gethan, bevor er seine antisemitische Carriere einschlug. Arthur H. Das veröffentlichte „Protokoll" spricht doch deutlich genug. Protokolle können eben nicht so leicht aus der Welt geschafft werden. I— l. Wenn V e r g a n i klagt, daß man ihn mit F e i ch t i n g e r vergleicht, so kann Niemand Letzterem es verargen, wenn er das Gleiche thut. E. P—ck. Die Geschichte mit den „Armenlosen" wird kaum so rasch dem Gedächtniß der Leser entschwinden. a. Beim jüngsten Antisemitenfeste wurden keine Brillanten gestohlen. Man war gewiß vorsichtiger, trotzdem man ganz antra nons war. H. L. V e r g a n i sitzt zwar jetzt im eigenen Wagen, aber das haben auch schon Andere zeitweilig gethan. Danksagung. Außer Staube, für die vielen uns anläßlich unserer Doppelfeier per Draht und post zugekommenen Glückwünsche einzeln zu danken, erlauben wir uns, allen Freunden, Bekannten und Gönnern für ihre Freundlichkeit unseren verbindlichsten Dank auf diesem Wege auszudrücken. I. Vogelhnt und Familie Herausgeber u. verantw. Redakteur: Dr. Josef S. Bloch. — Druck v. L. Beck L Sohn, Wien. VÜL, Lerchenfelderstr. 46.