Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 13 (1896)
- Issue
- 31 (31.7.1896)
- Date
- 1896-07-31
- Page
- – (sequence 32)
- Language
- German
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Sette 632 Vr. Vlortz's Wochrnschrtst. Nr. 31 als ob man fürchtete, die arme Kranke in ihrer Schwäche zu zerbrechen. Es machte ihr große Freude, wahre Freude, die ihrer gedachten, wiederzusehen. Sie sagte zu mir: „Erinnern Sie sich, daß Sie mir eine Bibel in sieben Sprachen geschenkt haben, mir, die nichts gelernt hat? Die Bibel ist mein erstes Buch gewesen und wird mein letztest sein; wenn ich allein bin, so durchstreife ich nicht immer mein früheres Leben, in der Urzeit finde ich meine erste Mutter wieder, die göttliche Rachel". Obgleich sie sich ihrer Unwissenheit in allen Dingen rühmte, war sie mtt allgemeiner Einsicht begabt, sie verstand alles beim ersten Wort; daher kam es ihr auch so vor, als hätte sie Egypten; von jeher bewohnt. Sie sagte mit Recht: „Das war mein wahres Baterlarrd." Ich darf sagen, daß sie uns, die wir davon hätten mehr wissen sollen als sie, das alte Egypten mit einigen raschen Strichen hinzeichnete. Plötzlich sagte sie zu mir: „Arsene Houssaye, haben Sie meine Briefe gelesen? — „Ob ich sie gelesen! Ich trage ja noch einen auf meinem Herzen." — „O Sie Lügner, zeigen Sie chn mir doch!" Ich gab ihr den Brief. Sie las ihn laut vor: „Im Schatten der Pyramiden. Mein lieber Houssaye! Sie wissen noch, als wir von meiner Laufbahn sprachen, eine Laufbahn von Marmor, ja, von Marmor für mein Grab. Ich wollte als Gourmande leben. Ich habe in einigen Jahren meine Tage und Nächte verzehrt; doch es ist eben geschehen, und ich sage nicht wie Ihre Büßerin, es ist meine Schuld, meine Schuld, meine Schuld. Wenn man sein Herz nicht in seinen schönen Tagen verbrannt hat, kann man es mit fünfunddreißig Jahren nicht in Flammen setzen. Nein, nein, es ist vorbei. Ach wenn ich nicht zwei Söhne hätte, ich würde mtt Freuden sterben. Doch ich werde zurückkehren. Der Gott Israels wird mir, in meinen Zwischenacten dort oben, erlauben, herabzusteigen, um meine Kinder zu küssen, meine Freunde wiederzusehen im Theatre Franoais, das ich so sehr geliebt habe. , . . . Sie, der Sie als Bewohner der Champs Elysöes jeden Tag an dem Obelisken Vorbeigehen, gedenken Sie der armen Verbannten. Vom Fuße der Pyramiden bettachte ich zwanzig Jahrhunderte, die im Sande verweht sind. O, mein Freund, wie klar ist mir hier die Mchtigkeit der Tragödinnen. Ich glaubte mich pyramidengroß und ich erkenne, daß ich nur ein Schatten bin, der vorüberzieht — vorübergezogen ist. Ich bin hieher gekommen, um das entfliehende Leben festzuhalten, und ich sehe nur Tod um mich her. Wenn man in Paris geliebt worden ist, muß man sterben. Lassen Sie mir schnell ein Grab schaufeln auf dem Pere-Lachaise, und behalten Sie mich in Ihrer Erinnerung. Haben Sie mich vergessen? Ich gedenke Ihrer. Ich schreibe dies, ohne recht zu wissen, was ich sage, aber ich ttockne die Tinte mit dem Staube der egyptischen Königinnen; das ist das Beredtste in meinem Brief. Die vergehende Rachel." Rachel sprach uns von ihrer Reise in Egypten, Sie drückte den Wunsch aus, den Winter in Jerusalem zu verbringen. Ein neuer Traum der Kranken. „Wenigstens", sagte sie, wird man mich dort, wenn ich auf meiner Reise sterbe, am Ufer des Euphrat begraben, dort, wo das Grab der echten großen Rachel, der Frau Jakobs ist, deren Grab man noch sieht. Ich bin stolz darauf gewesen, ihren Namen zu ttagen, den Namen derjenigen, die solche Kinder zur Welt gebracht hat. Ach, meine Freunde, das fehlt mir hier, aber der Gott Israels will nicht, daß ich sterbe, ohne meine beiden Söhne an's Herz gedrückt zu haben. O, die Kinder, das ist noch das Beste, was es auf der Erde gibt." Rachel besttmmte, daß man am andern Tage in den Weinbergen frühstücken sollte. Natürlich wurden alle unsere Freunde eingeladen, und keiner fehlte bei dem Fest. Obgleich wir traurig waren über Rachels Bläffe, setzten wir doch ein lustiges Gesicht auf. Herausgeber u. verantw. Redakteur: Dr. Josef E. Bloch. - „Sie wollen Alle neben mir sitzen," sagte Rachel, „nicht wahr? Ich setze zuerst Thckophile Gautier mir gegenüber, Augier und Houssaye rechts und links, meine anderen Gäste, wie es ihnen gefällt." Wir waren kaum zu Tisch, so sagte Rachel zu Augier: „Sie sind der Glücklichste von uns allen." „Aber hier ist doch Jeder glücklich," antwortete Augier, „fragen Sie nur Houssaye." Ich vollendete den Satz: „Fragen Sie lieber Ponsard." „Mein Gott," sagte Ponsard, „aber der Glücklichste von Allen ist doch Augier, er ist nicht nur der Glücklichste im Theater, er ist es auch im Leben." „O ja," versetzte Rachel, „sein Großvater, Pigault-Lebrun, hat ihm sein helles Lachen vermacht, ohne zu berechnen, daß er durch sein Herz alle Freuden empfängt. Ich hatte es Ihnen gesagt, Emilie Augier, daß die besten von allen Frauen noch die vom Theater sind." „Das ist auch meine Meinung," sagte Augier, „habe ich es Ihnen nicht in der schönsten Stunde meines Lebens gesagt?" Rachel citirte lächelnd, mit bewegter Stimme die schönen Stanzen, die der Dichter der Tragödin gewidmet hatte. Man trank einen einheimischen, ausgezeichneten Wein, den M. Coffiniöres dargeboten hatte. Nachdem der erste Becher geleert, improvisirte Theophile einen prächtigen antiken Hymnus — wie man ihn zweifellos zum Götterfeste sang — welcher die Wangen der Kranken leicht färbte. Ich kann nicht sagen, wie reizend das in freier Natur hergerichtete Frühstück war, inmitten der Weinberge des Herrn, an einem ländlichen Tische, der von der herzlichsten Freundschaft beherrscht wurde. Es war das letzte heitere Frühstück von Mlle. Rachel. Am andern Tage zerstreute sich Alles. Der Tod, der der Fröhlichkeit für eine Stunde Platz gemacht hatte, nahm seine nächtliche Arbeit wieder auf Und fuhr fort, langsam das Leichentuch für die größte Schauspielerin zu weben. Natürlich sprach man von Theben und Paris, Theben, wohin>,mau nicht mehr.gehen würde,- Paris,, wo man sich ein großes Fest versprach bei Rachels Wiedererscheinen im Theatre Franoais. Sie sagte bitter: „Sie sprechen von meiner Heimkehr'? Und mein Abgang?" Trotzdem glaubte sie zu leben. Am andern Tage, nach einem neuen Besuch, verab-redeten wir ein Stelldichein im Theatre Franoais. „Ja", sagte sie, „wir werden uns im Theatre Franoais Wiedersehen", Wir fanden uns wieder in Paris, aber im Theater Pöre- Lachaise. Wir waren alle Fünf da auf dem jüdischen Gottesacker, wohin der Sarg Rachels aus Cannes gebracht worden war- Einheiraten möchte ein 30jähriger, lediger, intelligenter, praktischer Privatbeamter (Ungar), festen Charakters und makellosen Lebenswandels, in fixer Wiener Stellung, in ein gutgehendes Geschäft der Wein-, Getreide-, Leder- oder Bisenbranche, auch Oekonomie. Bedingungen : Hübsches, anmuthiges Mädchen, im Alter von 20—22 Jahren, bürgerlich, israelitisch-religiös erzogen, mit einer Mitgift von 10.000 bis 15.0^0 Gulden und usueller Ausstattung. Reflectanten aus der Provinz (Ungarn oder Oesterreich) werden bevorzugt. Detaillirte, nicht anonyme Anträge sammt Photographien, «eiche retournirt werden, sind unter Chiffre „Ahaweh“ an die Annoncenexpedition Dukes’ Nachfolger 1/1 zur Weiterbeförderung zu richten. In der israelitischen Gultusgemeinüe Mödling werden für die hohen Feiertage zwei Vorbeter unter günstigen Bedingungen aufgenommen. Bewerber wollen sich bis 15. August a. c. bei dem gefertigten Vorstande anmelden. Israelitische Culfusgemeinde Mödling, am 28. Juli 1896. Der Vorsteher: J. Singer. Druck v. L. Beck & Sohn Wien, VIII., Lerchenfelderstr. 46.