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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1896-07-17 · 29 (17.7.1896) · page 20

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
13 (1896)
Issue
29 (17.7.1896)
Date
1896-07-17
Page
– (sequence 20)
Language
German
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Sette 580 Nr. 29 Dr Vlortz's Wochenschrift was der Prophet Elias uns gesandt hat!" Dann eilte sie aus den Marktplatz, kaufte Wein und ungesäuertes Brot, bittere Kräuter und alles Andere, was für die Sedertafel nothwendig ist, auch einen kleinen Fisch, der noch vor Abend sertig gekocht werden konnte. Das alte Paar war sehr glücklich, gab dem Affen ein ehrliches Begräbniß und füllte Elias' Becher bis zum Rand, bis der Wein auf das weiße Tischtuch floß." Esther schnüffelte verächtlich vor sich hin, als sie plötzlich dieser glücklichen Lösung gedachte. Ihr oder den Ihrigen würde kein solches Wunder geschehen, Niemanden würde es einfallen, einen todten Affen vor ihre Dachstube zu legen. Dann vergaß ihr seltsames, kleines Gehirn seinen Kummer, um darüber zu speculiren, was sie wohl denken würde, wenn sie ihr Geld plötzlich zurückbekäme. Das Grübeln füllte ihr Schluchzen, sie ttockenete skepttsch ihre Thränen und als sie aufblickte, sah sie Malka's Zigeunergesicht über sich gebeugt. Sie roch nach Pfeffermünz. „Was weinst Du, Esther?", fragte sie nicht unfteundlich. „Ich wußte nicht, daß Du eine Heullise bist." „Ich habe meine Börse verloren", schluchzte Esther, durch den Anblick eines fteundlichen Gesichts von Neuein weich gestimmt. „O Du Schlemchl! Du bist ganz so, wie Dein Vater! Wie viel war in der Börse?" „4'/- Schilling", schluchzte Esther. „Tu, ttr, tu, tu, tu", rief Malka entsetzt. „Du bist der Ruin Deines Vaters!" Dann wandte sie sich zu einem Fischhändler, mit dem sie soeben einen Handel abgeschlosseir, und zählte ihm 35 Schilling in die Hand. „Da, Esther", sagte sie, „ttag' meinen Fisch, und ich werde Dir einen Schilling geben!" Ein kleiner dünner Knabe, der erwartungsvoll daneben gestanden, warf Esther einen bösen Blick zu, als sie mühsam den schweren Korb hob und hinter ihrer Verwandten einherschritt, deren Herz in Selbstzuftiedenheit schwoll. Glücklicherweise war der Zachariasplatz in der Nähe und Esther empfing bald einen Schilling. Der Fisch wurde in Milly's Wohnung abgegeben, die hell erleuchtet war und der armen Esther, wie ein prachtvoller Palast vorkam. Malka's eigene Wohnung, die schräg über dem Platz lag, war finster und düster. Da die beiden Häuser in Frieden lebten, war Milly's Wohnung das Hauptquarüer der Familie und der Kleiderbürste. Alles war zu den Feiertagen zu Hause. Malka's Gatte, Michael, und Milly's Gatte, Ephraim, saßen am Tische, rauchten große Cigarren und spielteu Karten mit Sam Levine und David Brandon, denn sie zum Vierten gepreßt halten. Die beiden jungen Gatten waren erst am selben Tage vom Lande zuriickgekehrt, denn man kann in den Hotels kein ungesäuertes Brod bekomnien. David war ttotz einer stürmischen Ueberfahrt eine Stunde ftüher als er erwartet hatte, von Deutschland zurückgekehrt, und da er nicht wußte, was er anfangen sollte, hatte er sich auf dem Markt Herumgetrieben, bis Sam ihn traf und ihn nach dem Zachariasplatz mitschleppte. Es war für heute Abend zu spät, Hanna zu besuchen und sich ihren Eltern vorzustellen, besonders da er telegraphirt hatte, daß er am nächsten Tage kommen werde. Es war auch keine Aussicht vorhanden, Hanna im Verein zu treffen, denn es war ein allzugeschäftiger Abend für alle Engel des Herdes. Selbst morgen, am Abend des Festes, konnte sich ein junger Mann nicht mit seinen Liebesangelegenheiten einem Haushalt aufdrängen, der mit den wichtigeren Angelegenhetten der kulinarischen Vorbereitungen beschäftigt war. Und doch konnte sich David nicht entschließen, noch einen Tag zu leben, ohne das „Licht seiner Augen" gesehen zu haben. Lea half Milly in der Küche. Die beiden jungen Frauen waren mit Mehl, Oel und Fett bedeckt, und die hübschen, groben Gesichter waren geröthet, denn sie hatten den ganzen Tag Hennen ausgenommen, Pflaumen und Aepfel geschmort, Fische ausgeweidet, Fett geschmolzen, das Geschirr gewechselt und die tausenderlei Dinge gethan, welche die Dankbarkeit für die Errettung am Rothen Meere erforderte. Ezechiel schlummerte oben in seiner Wiege. „Mutter", sagte Michael, indem er sich nachdenklich den Schnurrbart strich und seine Karten anblickte, „das ist Herr Brandon, ein Freund von Sam! Bleiben Sie sitzen, Brandon! Wir machen hier keine Umstände. Sie sind an der Reihe — ah, Trumpf neun". „Glückliche Männer", rief Malka mit feiertägiger Schalkhaftigkeit. „Während ich mein Abendbrod herunterwürgen muß, um Fische kaufen zu gehen, und Milly und Lea in der Küche schwitzen müssen, könnt ihr euch niederhocken und Karten spielen". „Ja", lachte Sam und fügte auf hebräisch hinzu: „Gelobt seist Du, o Herr, der Du mich nicht zum Weibe gemacht hast". „Na, na", .sagte David, indem er den jungen Mann scherzweise die Hand auf den Mund legte: „Genug hebräisch! Erinnern Sie sich, was neulich geschah? Vielleicht steckt auch darin irgend eine geheimnißvotle Bedeutung und Sie sind wieder in einer Patsche, ehe Sie „piep" sagen können". „Sie werden mich wirklich nicht hindern, die Sprache meiner Väter zu reden", pustete Sam und begann, als David die Hand von seinem Munde entfernt hatte, eine lustige Operettenmelodie zu pfeife». „Milly, Lea!" rief Malka: „Kommt her und seht Euch meine Fische an! Eine solche Mezieh!*) Schaut, sie sind noch alle lebendig". (Fortsetzung folgt.) Literatur. Von Herrn Rabbiner Dr. S. Gelbhaus in Wien erscheint nächstens im Verlag der Buch- und Antiquariatshandlung des Herrn Richard Löwit in Wien, I., Rothenthurmstraße, 22 eine literarische Arbeit beütelt: „Die Apologetik des Judenthums". Das Buch befindet sich bereits unter der Presse. S.Kohn's Alte und neueErzählungen.S.Kohn.derbewährte Meister der Ghettogeschichten, hat seinen alten und jungen Freunden durch das soeben unter dem voranstehenden Titel (Cäsar Schmidt, Zürich) erschienene Buch eine wahre Freude bereitet. Alle die Vorzüge Kohn's, sonniger Humor und ergreifende Innigkeit, heiterer Scherz und tiefsittliche Auffassung kommen auch in den Erzählungen zur Geltung, welche dieses Buch enthält. Wir wären in Verlegenheit, welche von den fünf Erzählungen, die hier zu einem Bande vereint erscheinen, wir als die beste bezeichnen sollen, und so empfehlen wir dem Leser: Prüfet alle und wählet selbst. Wolf's „Biblische Geschichte", II. Theil, umgearbeitet von Dr. A. Pollak in 15. Auflage bei A. Holder. Mit aufrichtiger Freude begrüßen wir dieses neu umgearbeitete Werk. Dem Herrn Dr. Pollak, einem bewährten Schulmanne, ist es gelungen, jene Schwächen, welche dem sonst guten Buche anhasteten, auszumerzen. Manche Stellen wurden weggelassen, viele dem kindlichen Geiste mehr angepaßt, einiges für den Schüler Wichtige neu hinzugefügt. Die Ausstattung ist eine vorzügliche. Wir wünschen, daß es dem Autor gelingen möge, die anderen Theile dieser biblischen Geschichte in gleich glänzender Weise umzugestalten. Allen Religionslehrern sei das Merkchen, das bereits die behördliche Approbation erhalten hat, wärmstens empfohlen. _ A. F. Briefkasten. L. M. Herr V e r g a n i hätte bei seinem bekannten Edelmuth es gewiß gerne gesehen, wenn die milde Gabe, mit der er Feichtinger unterstützte, verschwiegen worden wäre. Dr. B. H. In Graz gibt es keine Salvator-Medaille. Vielleicht hätte sie F e i ch 1 i n g e r sonst bei früherer Gelegenheit erhalten. A. Die Antisemiten rufen neuestens „Hoch Lueger! Hoch der Kaiser!" Das ist wohl der Gipfel des — Antisemitismus. B. G. Dieser Abel ist keineswegs so harmlos. H. L—g. Fiir Schneider gibt es keine Schonzeit, wenn es die Jagd gegen die Juden gilt. AB E h r e n z e l l e n für hervorragende Antisemiten gibt es noch keine. Vielleicht mit der Zeit. Z. Ein Gruppenbild, wo alle Antisemitenführer beisammensitzen, wäre in der That hübsch. Samuel Thaler, Buczaez. Die Broschüre ist einem Mitarbeiter zur Recension übergeben worden. I. S. Daß die Mörder in Wien einen Unterschlupf suchen, ist begreiflich. Sie finden hier verwandle Naturen politisch thätig. Jonas Löbl, Holics. M. E. ist ein Antisemit. A. M., Wien. Wir können Ihrer Ansicht nur beistimmen, das ist eine Charakterlosigkeit. P. Daniel in Piatra. Eine Vervielfältigung der Photographie ohne Erlaubniß ist nicht gestattet und Sie müssen sich an den Herrn selbst wenden. t *) Billiger Einkauf. Herausgeber u. verantw. Redakteur: Dr. Josef S. Bloch — Druck v. L. Beck & Sohn Wien, VIII., Lerchenfelderstr. 46.

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