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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1896-07-17 · 29 (17.7.1896) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
13 (1896)
Issue
29 (17.7.1896)
Date
1896-07-17
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Lr. 29. Dr. Bloch’s! Jahrgang Xlil. Cenkralorgan für die gelammten Interessen des Iudenthums. T R. k. Poflsparraffen-Amk Clraringderkrhr > Ar. 610.976. I Ardtclton und Administration: Wien .. Lnlrrr Vugarirnflratzr t». 1 Telephon-Nr. 6535. j Men, 17. Juli 1896. -—- Erscheint jeden Freitag. Brief-Adresse: Wien, I., Hauptpostamt — Fach. Telegramm-Adresse: Bloches Wochenschrift Wien. I! Brrng»prri» für Srflrrrrird:!! i Halbjährig 4 fl. — 8 Ar. I Einzelexemplare SS lr. i!! Mr'» Ausland:;j > halb'flhrig 5 (1. 10 Stx. Ji | ganzjährig 10 „ — 30 „ jUnzeigen: Die 4mal gespaltete' I Petitzeile 13 fr. j Inhalt. Leitartikel: Christus und die „Deutschvolklichen"! — Nationale Prügelknaben. — Der verjudete Lueger. — Die ,antisemitische Corriiption".— Der 'Antisemitismus in Galizien. — Beitrag zur Geschichte der russischen Juden. — Dr. Theodor Herrl über seinen „Judenstaat". — Vom Jahrmarkt des Lebens: Die Rechtsverkümmerung der Juden. Für unseren Justizminisler. Eine Schaudermähr! Selbstmordversuch eines Fabrikanten. Das Lueger-Baterunser. Die fünf Dienstmänner beim Landhaus.. Die Fabrication der Blutlüge. § 1552 im Entwurf des deutschen bürgerlichen Gesetzbuches und — im Talmud. — Correspon d e n z e n: Wien, „Derartige Patrioten", Antisemitische Stud-nten. Ein antisemitischer Scherz, Budapest, Ein Adjurant Görgep's, Fogaras, Littau, Wreschen, Italien, Paris, London, Constantinvpel, Jassy, Sofia, Marokko, Chicago. New-Uork. — Vermischte s: Wien, Budapest, Prag, Horitz, Karlsbad, Zloczow, Zborow, Rokycan, Rumburg, Gliniany, Essegg-Unterstadt, Bilin, Berlin, Leipzig. Ein verurtheilter Redacteur, London, Cardiff. — Feuilleton: Am neunten Ab. — Kinder des Ghetto. — Literatur. — Briefkasten. — Inserate. Christus und die „Deutschvolklichen"! (Zum Capitel der „Berjudung".) „Den Josephus mußt Du lesen"; dieses an Moor adressirte Mahnwort Spiegelberg's wird neuerdings immer mehr verständlich und actuell. Die deutschnationale Bewegung zeitigt in ihren Führern nicht blos eine Geringschätzung aller menschlichen Ideale, eine Verhöhnung der edelsten humanen Empfindungen; ihre politischen Leiter, Schriftsteller und Redacteure offenbaren eine derart crasse Ignoranz, wie man sie bei dem ehemaligen Volke der Dichter und Denker niemals für möglich gehalten hätte. Und es ist das eine vordringliche, protzenhafte und freche Ignoranz, eine Unwissenheit welche prunkt, aus alle Resultate der Geschichtswissenschaft mit Verachtung herabblickt. Ignoranz ist der Stolz geworden des „deutschvolklichen" Mannes, seine Zierde, die Feder am Hut, mit der er prahlt. Man lese nur in einem Leitaufsatz der „Ostdeutschen Rundschau" vom 9. Juli 1896: „Die jüdische Moderne" folgende wissenschaftliche Blüthe: „daß es nicht im Entferntesten bewiesen ist, daß Christus auch wirklich jüdischer Abstammung gewesen sein muß. Abgesehen davon, daß Christus rothblond und blauäugig und sein Vater ein Zimmermann war, also ein Handwerk betrieb, welches erwiesenermaßen ein Jude noch nie (!!) ausgeübt hat, so wird dieser Gegenbeweis durch die jüngsten Ergebnisse der Forschung bestärkt, daß mindestens schon 1500 v. Chr. eine blondhaarige und blauäugige Race nach Palästina einwanderte und seitdem dort neben dem dunklen Racengepräge des Orients hauste. Und gibt man auch zu, daß mütterlicherseits (!!) eine hebräische Trübung des germanischen (!!) Blutes erfolgt sein könnte, dann ließe sich immer noch H. W. Hoffmeister's Bemerkung in's Feld führen, daß, wie Christus — nach jüdischer Trübung durch das Hebräerblut seiner Mutter —in eigene Person zu seinem deutschen Blute zurückgekehrt, so auch das Christenthum zu seiner germanischen Heimat zurückgewandert sei. An den Früchten, die der christliche Geist gerade unter die Deutschen — natürlich vom Clericalismus abgesehen, welcher im Gegensätze zu wahrem christlichen Geiste noch immer im jüdischen Boden des Alten Testamentes wurzelt — getragen hat, erkennt man, daß der Socialismus Christi ein deutscher und keineswegs ein jüdischer war." In einer jüdischen Flugschrift war die Bemerkung zu lesen, „daß das jüdische Volk in Moses, Jesaias, Jesus, Lassalle und Marx die größten und nachhaltigsten Socialisteu der Welt hervorgebracht hatte". Dieses stolze Wort hat den Zorn des Ostgermanen gereizt. Wenn der Jude diesen Antheil an der Culturentwicklung der Menschheit für sich reclamirt, was bleibt dem Deutschen? Somit muß Christus für die germanische Race annectirt werden. Also Christus war rothblond und blauäugig, demnach trotz „jüdischer Trübung durch das Hebräerblut seiner Mutter" —germanischer Race, deren Angehörige „1500 Jahre früher" nach Palästina eingewandert waren. Allein eine neue Entdeckung möchten wir den deutschnationalen Gelehrten anvei trauen. Im hohen Liede VII, 5, 6 preist der Dichter die Schönheit der Sulamith, daß ihr „Hals weiß wie Elfenbein und ihres Hauptes Haar gleich Purpur". Demnach war das Ideal des Königs Salomon eine rothblonde Germanin. Sulamith zeichnet ihren Geliebten V, 11 allerdings mit „schwarzgelocktem Haare", allein sein „Leib ist weiß wie Elfenbein", seine „Augen wie Tauben, die sich in Milch baden". „Mein Geliebter", sagt sie, „ist weiß und roth". Also auch König Salomon hatte eine — germanische Blutmischung. Die ethnographische Wissenschaft läßt sich ihre historischen Documente nicht von den Deutschnationalen liefern. Von dem Typus der alten Hebräer existiren genaue Beschreibungen aus der grauen Vorzeit und die Racenmerkmale bei Christus entsprechen vollständig jenen Zeichnungen, welche die althebräischen Dichter von ihren eignen schönen Männern und schönen Frauen uns hinterlassen haben. In ältester Zeit bereits waren die Juden die — Europäer des Orients. Zur Zeit Jesu allerdings gab es bereits germanische Volkselemente in Palästina — das römische Besatzung sh e er bestand aus germanischen Kriegern. Thatsache ist auch, daß Pontius Pilatus, der die Kreuzigung Jesu angeordnet und vollziehen ließ— ein Germane war, aus Pforzheim am Rhein gebürtig. Wie bei jeder Verschwörung der europäischen Reaction gegen die Volksfreiheit, so waren auch bei jenem Verbrechen Germanen betheiligt!

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