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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1896-07-10 · 28 (10.7.1896) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
13 (1896)
Issue
28 (10.7.1896)
Date
1896-07-10
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Br. 28. Dl9■ Istzrgangj Xlll. Centralorgan für die gefammten Interessen des | ä. h. PDßfpartaffen-Hmt! Clearing Verkehr j Nr. 810.978. Lkdarlton und Rbmhrförattrm: Vien .. i ntrrr ViitzarirnNra^e I«! j l'elepkon-ks,-. 6S3S.!' Br ■■■■■■■ -* Wien, 10. Juli 1896. ————— Lrfcheint jeden Freitag. Brief-Adreffe: Wien, I., Hauptpostamt — Fach. Telegramm-Adresse: Bloch's Wochenschrift Wien. Judenthums. X-. - > - .--D I »rrug»prrt» für Srstrrrrtrh: | Halbjährig « fl. — S Ar. ' Einzelexemplare >5 kr. Mr'» JUnalanb: halb'ährig » fl. — 10 Ar.! ganzjährig 10 „ 30 „! Rn »eigen: Die 4mal gespaltete ' I Petitzeile 13 kr. u Inhalt. Leitartikel: „Sodoma und Gomorrha". — Der Winkelried von Graz. — Verein zur Abwehr des Antisemitismus. — Der Antisemitismus in Galizien. — Vom Jahrmarkt des Lebens: Sand in die Augen. Gregorig in Karlsbad. Die „Race" im Wiener Gemeinderath. Die Abrechnung mit den Magistratsbeamten. Deutschthum oder Judenhaß. Vergani, Pfister, Sonnenthal und Dräsche. Defraudation beim Verein „Christliche Familie". Russische Christen wegen Blutritus unschuldig verurtheilt. — Worauf fußte bei der Aufnahmsprüfung aus der jüdischen Religion in erster Linie gesehen werden? — Correspondenzen: Wien, Graz, Lemberg, Krakau, Brünn, Eger, Budapest, Prag, München, Berlin, Petersburg. — Vermischte s: Wien, Prag, Stcmislau, Preßburg, Budapest, Lemberg, Waag-Neustadtl, Berlin, Obernik, Stargard i. P. — Feuilleton: Kinder des Ghetto. — Eine Mutter im Israel. — Literatur. — Briefkasten. — Inserate. „Sodoma und Gomorrha". (Wien und Gras.) Vor dem Grazer Landesgerichte steht in diesen Tagen der Antisemitismus in seiner ganzen widerwärtigen Blöße. Die Justiz hat vier antisemitische „Führer" gepackt, welche unter der Maske von Corruptionstödtern die schamloseste Corruption trieben. Sie haben durch die wüsteste Judenhetze den süßen Pöbel der steirischen Landeshauptstadt genau nach dem Recepte der Wiener Antisemitenhäuvtlinge zu bethören gewußt und sich auf den Schultern der sogenannten „Gewerbepartei" zu Mitgliedern des dortigen Gemeinderathes hinausgeschwungen. Das öffentliche Amt aber war für sie der Freibrief zu einer Reihe gemeiner Verbrechen. Der Eine, Namens Feichtinger,— auch der „Grazer Lueger" genannt — trat an die Spitze eines antisemitischen Revolverblattes, veruntreute die eingegangenen Administrationsgelder, nahm Schweiggelder von Juden, griff friedliche Geschäftsleute zu den: Zwecke an, um von ihnen Geld zu erpressen und machte schmutzige Schulden bei Krethi und Plethi, bei Ariern und Semiten. Der Andere, ein Advocat Namens Dr. S t a r k e l, secundirte seinem Freunde Feichtinger in dieser „anticorruptionistischen" Wirksamkeit mit seinen juristischen Kenntnissen, fälschte Bilanzen und benützte das erwähnte Revolverblatt zu einer unverschämten Reclame, durch welche seiner beschäftigungslosen Kanzlei Clienten zugetrieben wurden. Der Dritte und Vierte sind in ihrer Eigenschaft als Vorstandsmitglieder des antisemitischen Preßvereins der schuldbaren Crida, einer überdies noch des Verbrechens des Betruges durch falsche Zeugenaussage angeklagt. Diese Gesellschaft von Gaunern und Spitzbuben hat jahrelang das öffentliche Leben der steirischen Landeshauptstadt beherrscht, sie hat die öffentliche Meinung mit denselben Lügen, Verleumdungen und Schimpfworten, mit derselben Rohheit und Niedertracht, welche das Rüstzeug der Wiener Antisemitenführer bilden, vergiftet, und damit der Zusammenhang zwischen den Herrn Fe ich tingerund Genossen und Lueger und Genossen außer jedem Zweifel stehe, hat sie sich Herrn Lueger nach Graz kommen und ihn daselbst in einer „Volksversammlung" gegen ein Entree von 50 kr. sprechen lassen. Der erste Vicebürgermeister Wiens ist auch durchaus nicht im Stande, dieses Gesindel von seinen Rvck'chößen abzuschütteln. Er hat das nichtswürdige Treiben dieser Leute mit dem Gewichte seiner Autorität unterstützt, er hat diese Lunrpen unbesehen zu seinen Freunden gemacht, lediglich deshalb, weil sie das von ihm betriebene Werk der Bürgerverfolgung von Wien nach Graz verpflanzt haben. Man kann nicht sagen, daß Dr. Lueger ein Opfe' seiner Vertrauensseligkeit geworden ist. Denn genau dieselben Typen, welche heute vor den Schranken des Grazer Landesgerichtes stehen, bilden in Wien den engeren und engsten Freundeskreis des Dr. Lueger, und diese seine Wiener Freunde kennt er bis auf Herz und Nieren, ja sogar bis ins — „Beusche l" hinein. Allerdings, die Herren Schneider, Gregorig, Pfi st er und Vergani sind bis heute noch nicht vor dem Strafgericht gestanden, wenn auch der Eine und der Andere nur mit genauer Noth dem Arme der Justiz entgangen ist. Aber die moralische Qualität eines Menschen wird ja nicht ausschließlich vom Staatsanwalte bestimmt, und die große Oeffentlichkeit ist mit ihrem Urtheile über diese engste Gefolgschaft Luegers längst fertig. Während in Graz ein ganzer Rattenschwanz von Verbrechen ihrer Genossen aufgedeckt, während dort die antisemitischen Corruptionstödter geradezu als die Züchter der scheußlichsten Corruption entlarvt werden, wagen Gregorig und Schneider im niederösterreichischen Landtage gegen die Juden eine Sprache, die man wahnsinnig nennen müßte, wenn nicht soviel Methode darin steckte, wagen sie den jüdischen Aerzten die Menschlichkeit, den jüdischen Advocaten die Rechtschaffenheit, den jüdischen Kaufleuten die Ehrlichkeit und den jüdischen Frauen die Sittsamkeit, ja den Juden überhaupt die Menschenwürde abzusprechen. Das ist derselbe Gregorig, der auf Hintertreppen seinem Sohne zu einem Landesamte verhelfen wollte, und derselbe Schneider, welcher der Verbreitung zur falschen Zeugenaussage, der Stampiglien- und Stimmzettelfälschung

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