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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1896-07-03 · 27 (3.7.1896) · page 16

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
13 (1896)
Issue
27 (3.7.1896)
Date
1896-07-03
Page
– (sequence 16)
Language
German
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Seite 540 Dr. Vlortz's Wochenschrift Nr. 27 Tie jüdische Lehrerin, Frau Mathilde Salomon, Directrice des College Sevigiw, ist zum Mitgliede des Oberschulrathes ernannt worden. Emil Ulmann, Baumeister der Stadt Paris und des Seine-Departements, hat vom Centralverein der französischen Architekten die große Medaille erhalten. Madame Furtado-Heine besuchte vergangene Woche den Kriegsminister und theilte ihm mit, daß sie weitere Frs. 20.000 jährlich für das von ihr gegründete Reconvalescentenheim in Mzza zu dem Zwecke aussetze, um die Officiere, welche während der Dauer ihres Aufenthaltes im Heim einen Gageabzug erhalten, dafür schadlos zu halten. London, 5. Juni. Aus Johannesburg kommt die Nachricht, daß es dem bekannten Goldkönig B a r n a 1 o (bekanntlich unser Glaubensgenosse), trotz aller Schwierigkeiten dennoch gelungen ist. den P r ä s i d e n t e n K r ü g -e r zur Milde gegen die Mitglieder des Rcform-Comites zu bestimmen. Wie verlautet, wird Barnato für sein erfolgreiches Eingreifen den Dank der englischen Regierung durch eine hervorragende Auszeichnung erhallen. London. Baron Ferdinand von Rothschild hat dem zoologischen Garten ein Paar Silbermöven und zwei schwarze Möven zum Geschenk gemacht. London. Die am 14. d. M. stattgefundene Generalversammlung der „Pedidim" der portugiesischen Gemeinde, in welcher über die leidige Geschichte in Betreff des Ramsgater Rabbinercollegs verhandelt wurde, verlief sehr stürmisch und dauerte trotz der großen Hitze sieben Stunden. Zum Schluffe wurde mit 75 gegen 40 Stimmen für den Director des Collegs, Herrn Oberrabbiner Dr. Gaster, ein Vertrauensvotum angenommen. Washington, 29. Mai. Präsident C l e v e l a n d hat an den Berfaffer des bekannten, auch in ihrem Blatte besprochenen Buches „Der amerikanische Jude als Patriot und Soldat", Herrn Wolf, für die Uebersendung desselben einen Dankbrief gerichtet, in welchem es heißt: „Ich habe mit großem Vergnügen Ihr ausgezeichnetes Werk gelesen, denn es erweist Gerechtigkeit einem Volke, dem sie nicht immer zugestanden wird." Aehnliche Briefe schrieben unter Anderem Cardinal Gibbons, Bischof Keane und eine Reihe anderer bedeutender Männer. Soeben ist die zweite Auflage des Buches erschienen. Cambridge, 18. Juni. Der gefeierte Historiker Prof. Dr. Felix Liebermann in Berlin ist von der hiesigen Universität zum Ehren-Doctor der Rechte ernannt worden. Capstadt, 26. Mai. Herr G. H. Bonas ist in Kimberley zum Friedensrichter gewählt worden. Rom, 21. Juni. An Stelle unseres zurückgetretenen Oberrabbiners Moses Levi Ehrenreich wurde mit der Leitung der Agenden des Rabbinats Rabbi Angel o S ornari betraut. Unsere Consulta (Gemeindevorstehung) hat nun dem neuen Oberhirten auch drei Beisitzer (Dajanim) an die Seite gegeben. und zwar die Rabbiner Leone Racah, Professor am hiesigen Rabbiner-Seminar Jona, ehemaliger Oberrabbiner in Modena und Alatri. Feuilleton. Kinder des Ghetto. (Roman von I. Zangwill.) (Nachdruck verboten.) Mcht einmal Esther's Schreckensschrei beim Oeffnen des Telegramms machte einen sichtbaren Eindruck auf ihn, obgleich er in Wirklichkeit sein Gebet im Wettrenntempo zu Ende flüsterte und die übrigen drei Hüpfer am Schluffe mit krampfhafter Geschwindigkeit abmachte. „Vater," sagte Esther, mährend das Papier in ihren Händen zitterte. „Wir müssen sofort zu Benjy, er ist sehr krank." „Schreibt er das?" „Nein, das ist ein Telegramm. Ich habe schon von solchen Telegrammen gelesen. O, vielleicht ist er todt? So geht es immer in den Büchern. Die Leute theilen Einem die Nachricht mit, indem sie sagen, daß die Todten noch leben." Ihre Stimme erstickte in Schluchzen. Die Kinder drängten sich um sie; Rahel und Salomon rauften sich neugierig um das Telegramm. Ist und Sarah standen ernst und gespannt da. Die kranke Großmutter setzte sich aufgeregt im Bette auf. „Vater, hörst Du?!" drängte Esther, denn Moses Ansell zupfte wie betäubt an dem Telegramm. „Wir müssen sofort in's Waisenhaus." „Lies vor! Was steht in dem Brief?", ftagte Moses. Esther nahm Salomon das Papier aus der Hand. „Da steht: „Sofort kommen, ihr Sohn Benjamin sehr krank." „Tu tu, tu," gluckste Moses. „Das arme Kind! Aber wieso können wir hin? Du kannst nicht zu Fuß hingehen, ich werde drei Stunden brauchen." In seiner Erregung glitt ihm der Gebetmantel von den Schultern. „Du darfst nicht gehen," rief Esther aufgeregt. „Wir müssen sofort zu ihm, wer weiß, ob er noch am Leben ist, wenn wir zu ihm kommen. Wir müssen mit der Bahn von London Bridge aus fahren, wie damals Benjy. O mein armer Benjy.!" „Gib mir das Papier zurück, Esther!", unterbrach sie Salomon, indem er es ihr aus der Hand nahm. „Die Jungen haben gewiß noch nie ein Telegramm gesehen." „Aber wir können das Geld nicht entbehren," seufzte Moses hilflos. „Wir haben gerade genug, um heute durchzukommen." „Dann können wir eben heute nicht essen," sagte Esther impulsiv. Sarah setzt sich auf den Boden nieder und heulte: „Weh is mir, weh is mir!" „Ich habe sie nicht angerührt," schrie Jsi in empörter Verblüffung. „Nicht Jsi", schluchzte Sarah, „Sarah will essen." „Hörst Du," sagte Moses kläglich. „Wir können das Geld nicht entbehren." „Wie viel würde das kosten?", ftagte Esther. „Für jede Person einen Schilling hin und zurück" antwortete Moses, der von seinen früheren Pilgerfahrten her ein Kenner in Fahrpreisen war. „Nein, was redest Du da?", sagte Esther. „Du denkst vielleicht, daß ich schon zwölf Jahre alt bin? Ich werde blos einen halben Schilling kosten." Moses wehrte das Compliment, das Esther seiner strengen Ehrenhaftigkeit zollte, nicht ab und antwortete: „Wo Hab' ich nur meinen Kopf? Natürlich brauchst Du ein halbe Karte. Woher sollen wir aber die 1'/- Schilling hernehmen?" Aber es sind ja nicht IV, Schilling," rief Esther. Die Nothwendigkeit schärfte ihren Geist. „Wir brauchen keine Retourkarten zu nehmen. Zurück können wir gehen." „Aber wir können nicht solange von der Mutter fortbleiben," sagte Moses. „Sie ist auch krank. Und wie können die Kinder ohne Dich auskommen? Ich werde allein gehen." „Nein, ich muß Benjy sehen!" rief Esther. „Sei doch nicht so eigensinnig, Esther!, Außerdem steht in dem Brief, daß ich kommen soll — Dich rufen sie nicht. Wer weiß, ob die feinen Leute nicht böse werden, wenn ich Dich mitbringe? Benjamin wird es gewiß bald besser gehen, er kann noch nicht lange krank sein." „Aber dann rasch, Vater, rasch!", flehte Esther, vor den mannigfachen Schwierigkeiten der Lage zurückweichend. „Geh' sofort! Du mußt gleich gehen und hin und her fahren. Woher werden wir sonst wissen, was geschehen ist? Ich werde mein neues Preisbuch versetzen, dann hast Du Geld genug." Esther stürzte mit dem Pfand aus der Thür. Es war ein prächtig gebundenes Buch, betitelt „Schätze der Wissenschaft", und Esther kannte es beinahe auswendig, da sie es zweimal von einem vergoldeten Deckel bis zum anderen gelesen hatte. Nichtsdestoweniger würde es ihr sehr abgehen. Der Pfandleiher wohnte gleich an der Ecke, denn wie der Schankwirth schießt er überall auf, wo die Bedingungen günstig sind. Er war ein Christ. In Folge einer seltsamen Anomalie liefert das Ghetto nicht seine eigenen Pfandleiher, sondern entsendet sie in die Provinzen oder in das Westend. Vielleicht fürchtet sich der Geschäftsinstinct vor dem der Race. Esther's Pfandleiher war ein stattlicher, runder Mann. Er kannte das Schicksal Hunderter von Familien durch die Gegenstände, die sie bei ihm ließen oder wieder Zurücknahmen. Auf seinen vollgestopften Fächern hatte der Rock des armen Benjamin fein säuberlich zusammengepackt gelegen, während er im Park des Krystallpalastes so schön hätte lüften können. Aus seinen vollgepropften Fächern hatte Esther's Mutter den Rock am Tage nach dem Fest ausgelöst — um bald darauf selbst fein säuberlich in einen Armensarg verpackt zu werden und in der Stille zu erwarten, welche Erlösung ihr bestimmt wäre. „Guten Morgen, Kleine!", sagte der rundliche Mann. „Du bist heute früh, da." In der That hatte der Lehrling eben erst den Laden geöffnet. „Was kann ich heute für Dich thun? Du siehst blaß aus, mein Kind, was gibt's?" „Ich habe ein funkelnagelneues Buch, das TU Schilling gekostet," antwortete sie ihm eilig, indem sie es ihm reichte.

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