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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1896-06-26 · 26 (26.6.1896) · page 16

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
13 (1896)
Issue
26 (26.6.1896)
Date
1896-06-26
Page
– (sequence 16)
Language
German
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Seite 524 Dr. Bloch's Wochenschrift Nr. 26 Der Rabbi wand sich sichtbar bei dem Hinweis auf die Lehrer, aber sich vollständig wieder fassend, fragte er in seinem tiefsten Baß: „Hast Du je, meine Tochter, das Gebot vernommen, daß das Weib dem Manne gehorsam sein soll? Du kennst den Willen Deines Gatten; wenn Du ihn nicht kennst, sollst Du ihn jetzt erfahren. Sprich „Judah". Judah, der mit unverkennbarer Billigung den Worten des Rabbi gelauscht und während jeder Pause nachdrücklich genickt hatte, schob nun seinen Stuhl bei Seite und näherte sich Rachel. „Du hast gehört, was der Rabbi sagt," schrie er mit vor Aufregung heiserer Stimme. „Ich bin das Haupt meiner Familie. Ich bin des Knaben Vater und ich befehle ihm und Dir zu gehorchen." „Judah", bat Rachel mit schöner, ergreifender Würde, „ich flehe Dich an, zwinge mich nicht, Dir ungehorsam werden zu müssen. Du weißt, dies ist meine letzte Hoffnung — für welche ich all die Jahre her gelebt und gearbeitet habe." „Ich weiß. Du nährtest thörichte Träume und lehrtest Deinen Sohn auf seinen Vater hinunter zu sehen." „Nein, so wahr mir Gott helfe, das that ich nie!" „Gemrg des Geschwätzes, gib mir den Knaben!" Er stürzte auf David los und ergriff seine freie Hand; aber Rachel riß ihn an chr Herz und hielt ihn mit der Kraft der Verzweiflung umfangen. „Du wirst mich nienials verlassen, David, niemals, niemals?" flehte sie mit ängstlicher Zärtlichkeit in seinen Augen lesend. „ Nein, Mutter, nein", murmelte der Knabe, indem er sich anstrengte, seinen Arm dem Vater zu entwinden. „Fluch über Dich, Du widersetzliches Weib!" kreischte Judah, mit aller Gewalt an seines Sohnes Hand zerrend — „alle Flüche, die der Herr —Sein Antlitz ward purpurroth. seine Augen schienen aus dem Kopfe zu treten. Plötzlich die Haird des Knaben los lassend, stürzte er mit Gepolter gegen einen Stuhl und sank in sich zusammen. Der Rabbi fing ihn auf und richtete ihn in die Höhe, aber mit einem kurzen Röcheln fiel Judah todt zur Erde. „Möge der Gott Israels Dir vergeben!" sagte der Rabbi zu Rachel, „denn Du hast schwer gesündigt!" (Fortsetzung folgt.) Briefkasten. L. SS. Die antisemitischen Delegirten in Budapest fanden jene Behandlung, deren sie würdig waren. H—g. D r u m o n t soll aus Köln stammen, wo seine Ahnen im jüdischen Viertel wohnten. A. Z- Herr von Schorlemer- Alst hat zwar Wechsel gefälscht, aber deshalb ist er doch ein echter Antisemit. K. G. Für die intime Fremdschaft, die Immermann für Heinrich Heine hegte, zeugt auch der von 2. Karpeles in der „Neue Freie Presse" veröffentlichte Brief. „Edom." Die Judenhasser früherer Zeiten zeigten mitunter wenigstens Schamgefühl. Das ist jetzt anders geworden. Die Gemeinheit ist jetzt zum Range einer politischen Ueberzeugung erhoben worden. Adolf B. Mo rufen lebt in Berlin. Sein berühmtes Wort: „Der Antisemitismus ist die Gesinnung der Canaille" wagen die Antisemiten nicht zu bestreiten; sie ducken sich und schweigen. Nemo. Rosegger hat nie einen Bortrag im Volksbildungsverein gehalten, dafür aber ist es wahr, daß Vieser Verein erst kürzlich 500 Bande von den Werken dieses Dichters ankaufte. L. Z. Robert Ham erling hat in einem berühmten Gedichte das vernichtendste Urcheil über Schönerer gefällt. Es ist daher wirklich schön von dem Letzteren, daß er Geld zur Errichtung eines Hamerling-Denkmals sammelt. A. Was wollen Sie, Bergan! kann doch nicht täglich ein neues Plagiat machen. Das würde seine Kräfte übersteigen. H. G. (Brünn.) Man muß der Nichtswürdigkeit rechtzeitig entgegentreten. Principns obsta! 100. Von Herzl's Broschüre ist bereits die dritte Auflage erschienen. Das Todtschweigcn der Presse hat ihr allo nicht sehr geschadet. I. G. Früher wurde den Denunciatoren ein Schandmal auf die Stirne gedrückt. Die Zeiten ändern sich eben. H. B. Unter solchen Umständen darf sich S o n n e n t h a l nur geschmeichelt fühlen, falls — wie das „Deutsche Volksblatl" ankündigte, ihm eine communale Auszeichnung verweigert würde. 7t. V. In Ungarn wurden zwei Rabbiner durch die Verleihung des Franz Josef-Ordens ausgezeichnet. N. H—ch. Sie haben vollständig Recht, es dürfte heute kaum einen Juden geben, der nach der Ehre geizt, unter den gegenwärtigen Verhältniffen in Wien heimatsberechtigt zu werden. Es ist gar kein Zweifel, daß der antisemitische Siadtrath p r i n c i p i e l l keinen Juden in den Gemeindeverband aufnimmt. Hat er ja ebenso „principiell" die Wahl eines jüdischen Stadtrathes abgelehnt. Sie sprechen von ,,objectiver Beachtung der Staatsgrundgesetze?" Ueber solche Schwärmereien muß man sich heutzutage hinwegsetzen' R. Grodek. B. in T. ist ein wüthender Antisemit. S. W. Ungeeignet. A. R. Besten Dank für den Artikel. W. L. in S. Sie irren. D r u m o n t ist nicht der einzige „Heilige". Auch L u e g e r's Bild mit Dornenkrone und Heiligenschein brachte einst der „Kikeriki", ohne daß die Geistlichkeit dagegen Einspruch erhob. Wilhelm Breuer. Sie haben Recht: Der „kleine" Anzeiger prämiirt mit der großen Salvator-Medaille! Fürwahr, das heißt ja, soutenirt die Gesinnung der Canaille. Anzeige. Ich beehre mich ergebenst mitzutheilen, dass ich das Calö Jägerhof, IX., Porzellangasse 22, käuflich an mich gebracht habe. Dasselbe wurde gänzlich renovirt und mit allem Comfort eingerichtet. Für den Sommer steht ein Gartenpavillon meinen verehrten Gästen zur Verfügung. Mit der höflichsten Bitte um zahlreichen Besuch Hochachtend Sigmund Pollai:, Gafetier. Kundmachung. Die Repräsentanz der israelitischen Cultusgemeinde in Przemysl bringt hiemit im Grunde Cultusrathsbeschlusses vom 8. Mai 1896 zur allgemeinen Kenntniss, dass das von ihr neu erbaute, mit dem grössten Comfort ausgestattete, allen modernen hygienischen und rituellen Anforderungen entsprechende Schwitz- und Wannenbadehaus, dieses vom Grunde aus neu erbaute sogenannte „Centralbad“, mit einer Dampfwasserleitung vom Sanflusse nach der neuesten Construction sowie mit elektrischer Beleuchtung aller Räumlichkeiten eingerichtet und im Wege einer öffentlichen Licitationsverhandlung für die Dauer von 1 oder Z Jahren vom Tage der Uebergabe angefangen, zu verpachten ist. Die Inbetriebsetzung resp. die Uebergabe dieses neu erbauten comfortablen in 3 Classen für die Badegäste eingetheilten Badehaüses wird im Monat August 1. J. erfolgen. Diejenigen, welche sich zu diesem Pachte geneigt finden, werden hiermit eingeladen, bei der am 1. Juli 1896 in der hierortigen israelitischen Cultusgemeindekanzlei in der Zeit von 9 Uhr Früh bis 12 Uhr Mittags stattfindenden öffentlichen Licitationsverhandlung ihre schriftlich versiegelten, gehörig gestempelten und mit dem Vadium belegten Offerte zu Händen der Licitations-Commission zu überreichen. Der Ausrufspreis des jährlichen Pachtzinses beträgt 3500 ü. und werden Anbote unter diesem Ausrufspreise nicht berücksichtigt. Das Vadium beträgt 1500 fl. Die Pachtbedingnisse liegen in der Cultüsgemeindekanzlei zu Jedermanns Einsicht auf. Die schriftlichen Offerte müssen die Erklärung enthalten, dass die Pachtbedingungen den Offerenten vollinhaltlich bekannt sind und dass sie sich denselben nnterziehen. Przemysl, den 9. Juni 1896. Repräsentanz der israelitischen Cultusgemeinde Chaim Wolf Concurs. Bei der gefertigten israelitischen Cultusgemeinde wird ein akademisch-gebildeter Lehrer, der die Befähigung besitzt, den israelitischen Religionsunterricht an Mittelschulen — Staats-Obergymnasium und Landes-Oberrealschule — zu ertheilen, aufgenommen. Die Bezüge bestehen in den vom Staate, beziehungsweise vom Lande bemessenen Remunerationen, und zwar von 50 fl. per Stunde, bisher im Ausmasse von 10 Stunden, daher mit 500 fl. jährlich für das Gymnasium und von 50 fl. per Stunde, bisher im Ausmasse von 8 Stunden, daher mit 400 fl. jährlich für die Realschule. Der Antritt hat mit Beginn des Schuljahres 1896/97, zu erfolgen. Die Anstellung ist eine provisorische. Gesuche mit Zeugniss-Abschriften sind bis Ende Juni d. J. an den Vorstand der israelitischen Cultusgemeinde zu richten. Iglau, am 18. Juni 1896. Israelitische Cultusgemeinde _ Der Vorstand_ In einem Herren- und Damen-Confections- und Modewaarengeschäfte wird ein Lehrjunge aus guter Familie mit guter Schulbildung gegen genze Station, sofort aufgenommen. Kenntniss der böhmischen Sprache erwünscht. Edelhofer, Stockerau. für einen 6jährigen Knaben, 1. Elaste, über die Sommermonate nach Nntrr- Purkrrsdorf für einige Stunden in der Woche gesucht, in der Nahe wohnhaft bevorzugt. Gest. Anträge an die Druckerei d. Blattes unter „Lehrer". Herausgeber u. verantw. Redakteur: Dr. Josef S. Bloch. — Druck v. L. Beck & Sohn Wien, VIA., Lerchenfelderstr. 46.

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