Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 13 (1896)
- Issue
- 26 (26.6.1896)
- Date
- 1896-06-26
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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fir. 26J Dr■ Bloch’s Jahrgang Xlll. Crnkralorgan für die gesammlen Interessen des Iudenthnms. K. ft. Poysparraffen-Ami ClraringverKrhr Nr. 810.976. Xrd«rtion und Administration: Wien tlnirre Vugartrnflratze 1» Telephon>Hr. 6535. -X Wien, 26. Juni 1896. Erscheint jeden Freitag. Brief-Adresse: Wien, I., Hauptpostamt — Fach. Telegramm-Adresse: Bloches Wochenschrift Wien. »rpigLpret» für Sest«rrirtz: Halbjährig 4 fl. — » Ar. Einzelexemplare 15 kr. Sftr’a Ausland: halbjährig S fl. — 10 Ar. ganzjährig 10 „ JO „ Anzeigen: Die 4mal gespaltet« Petitzeile lL kr. Inhalt. Leitartikel: Eine Begegnung zwischen dcm rumänischen Ministerpräsidenten Sturdza und Dr. Lueger. — Der „gewisse Lueger."— Vom Jahrmarkt des Lebens: Der Bildungshaß. Die Pfisterei. Georg Schönerer über Dr. Lueger und Pfister. Eine heitere Geschichte. Marquis Mores. Eine Jüdin als Wachtmeister in den Freiheitskriegen 1813/14. Vor 25 Jahren. Wir condoliren der „Ostdeutschen Rundschau". Rudolf Virchow und Baron Rothschild. Der ehemalige Redacteur der „Kreuzzeilung". < „Jack der Aufschlitzer". — Vom goldenen Horn. — Kunst und Nationalität. — Wie man von seinen Feinden Nutzen ziehen kann. — Correspondenzen: Wien, Budapest, Friedek, Bad Hall, Olmütz, Teschen, Saaz, München, London, Sofia. — Vermischtes: Wien, Rzeszow, Bolechow, Prag, Brünn, Olmütz, Lemberg, Krakau, Preßburg, Marokko. London. — Ffe u i l l e t o n ' Kinder des Ghetto. — Eine Mutier in Israel. — Briefkasten. — Inserate. Eine Begegnung zwischen dem rumänischen Ministerpräsidenten Sturdza und Dr. Lueger. Der Antisemitismus ist stets auf Reisen. Die in dieser oder einer anderen Münze bezahlten Oommls voyageurs des Antisemitismus erholen sich von der Hetze, die sie in dem einen Orte gegen die Juden arrangirten, durch die Agitation in einem anderen Orte. So bringen sie Abwechslung in ein Metier, das seinen Mann, wenn auch nicht redlich, so doch reichlich nährt. Die Herrschaften bleiben daher auch nicht immer im Lande; sie gehen auch über die Grenzen. Zu den unermüdlichsten 6owwis voyageurs des Antisemitismus zählen Lueger und Schneider. Fort und fort hört man, daß sie bald diese, bald jene Stadt mit ihrer Anwesenheit beglückt hatten, auf einer dieser Geschäfts-Reisen, die zugleich das Vergnügen dieser Profeffionshetzer bilden, geschah es, daß der Vice-Bürgermeister des Wiener Gemeinderathes Dr. Lueger und der rumänische Ministerpräsident Sturdza in einem Eisenbahn- Coupe sich trafen. Nicht nur große Geister, auch gleichgesinnte begegnen sich. Da die Wände im Allgemeinen, die der Eisenbahn-Coupes aber insbesondere Ohren haben, sind wir in der Lage das Gespräch des großen Antisemiten und kleinen Staatsmannes fast wortgetreu mittheilen zu können. Dr. Lueger: Ich bin glücklich, den leitenden Staatsmann eines Cultnrstaates begrüßen zu dürfen, aus den wir alle als auf das gelobte Land unserer Wünsche Hinblicken, auf das Land, in welchem nicht Milch und Honig, aber manchmal das Blut der Juden fließt .... S t u r d z a (sich verbeugend): Man thut, was man kann. Wir sind uns der hohen vorbildlichen, civilisatorischen Aufgabe bewußt, die uns zu Theil wurde, nachdem die verkommenen alten Staaten wie England, Frankreich, Italien, rc. derselben nicht gerecht zu werden vermögen. Dr. Lueger: Ja, wir haben stets mit einen von Neid und Bewunderung gemischtem Gefühle auf Ihr Reginie und Ihr Land hingeblickt! Dort hat man mit dem alten Schwindel von Gleichheit und Gerechtigkeit ein Ende gemacht, dort herrscht die wahre Freiheit gegen die Juden! ... Und doch . . . verzeihen Excellenz, aber in den letzten Tagen schien es mir, als ob eine Maßregel Ihrer hohen, erleuchteten Regierung ein wenig bedenklich ... ich möchte sagen etwas inconsequent . . . S t u r d z a (unterbrechend): Ich bin überrascht, das von Ihnen zu hören! Welche Maßregel können Sie da meinen? Sind die Juden, mögen sie zehnmal im Lande geboren sein, nicht mehr als „Fremde" stigmatisirt? Dr. Lueger: Gewiß . . . gewiß . . . S t u r d z a: Ist den Juden etwa plötzlich die Ausübung der Advocatur oder die Uebernahme eines ärztlichen Postens, oder ein Dienst in irgend einer Apotheke gestattet worden? Dr. Lueger: Bewahre! Das ist nicht geschehen, aber. . . S t u r d z a (mit edlem Feuer sortfahrend): oder ist bei uns den Juden, diesen: Schachervolke, die Ausübung irgend einer Art von Maklergewerbe gestattet worden? Oder der Handel mit Getränken? So sprechen Sie doch! Bekennen Sie, Sie haben Ihre fürchterliche Anklage unbedacht erhoben! Dr. Lueger (nach Worten suchend): Ich ... ich wollte nur sagen, daß der . . . S t u r d z a (sich immer mehr ereifernd): Oder wagt Jemand vielleicht die steche Lüge gegen uns zu erheben, daß wir den jüdischen Kindern plötzlich den Zutritt zu nattonalen Bildungsstätten, den öffentlichen Volksunterrichts-Anstalten eröffneten? Dr. Lueger: Niemand wagt das. Jedoch . . . Sturdza (mit flammenden Augen) : Es ist wahr, wir lassen die Juden an allen Steuerzahlungen parttcipiren. Wer erstecht sich aber zu behaupten, daß wir ihnen auch das geringste Wahlrecht einräumten? Es ist wahr, wir lassen die Juden mit unseren eigenen Kindern in den Krieg ziehen, sie dürfen mit ihnen das Blut für unser geheiligtes Vaterland vergießen. Aber Niemand wird die schamlos steche Beleidigung gegen uns schleudern dürfen, daß es bei uns für die jüdischen Soldaten ein Avancement, eine Begünsttgung, eine Auszeichnung gibt. Dr. Lueger: Gewiß, das ist Alles herrlich, wahr und bewunderungswürdig schön. Ich meinte aber .... Sturdza (energisch): Ich möchte wirklich endlich wissen, was Sie meinten. Welches die Regierungsthat ist, die in Ihnen Zweifel und Bedenken erregte? Dr. Lueger: Excellenz verzeihen, aber ich muß es klipp und klar heraussagen: die jüngste 4"stige rumänische A n l e i h e, auf derer: P r o s p e c t der Name Rothschild steht... hat mich zu dem Gedanken veranlaßt, daß . .