Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 13 (1896)
- Issue
- 24 (12.6.1896)
- Date
- 1896-06-12
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
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■ »Mir». Seite 488 Dr. Vloch's Wmtzenptzrrst Nr. 24 Bacher umsoweniger außer Acht lassen darf, als er, der berufenste Darsteller und der gründlichste Kenner der agadischen Literatur, die überaus großen Schwierigkeiten einer solchen Aufgabe zu lösen einzig berufen ist. So gewinnt man durch das Bacher'sche Buch wie durch die vorgehenden Bände einen Einblick in das Geistesleben einer Zeit, die in vielfacher Beziehung einzig dasteht. Die Zeit des größten Druckes, die denkbar ungünstigsten socialen und politischen Zustände ließen eine Literautr erblühen, ebenso reichhaltig als werthvoll. Dem Volke, das von seinen Feinden arg bedrückt wurde, erblühte in seinen Denkern und Gelehrten ein geistiges Leben von ungeahnter Pracht und unvergänglichem Werthe. Israel, das draußen dem wilden Sturm ausgesetzt ist, zieht sich in sein Inneres zurück und findet in den Arbeiten seiner Gelehrten jenen Weg angedeutet, den es einzuschlagen hat, den der Wissenschaft. Soll vielleicht das neueste Buch meines geliebten und verehrten Meisters auch für unsere Zeit einen Fingerzeig bedeuten, zurückzukehren zu dem ewig sprudelnden und verjüngenden Quell der jüdischen Wissenschaft? M i ß l i tz. Rabbiner Dr. L. Goldschmied. Hebräische Melodien mran ist der Titel eines bedeutenden Werkes, das soeben in England erschienen ist. Der berühmte Professor Ernst Pauer, ein geborner Hesse, der seit vielen Jahren in England als Musiker und Musikschriststeller eine hervorragende Stellung einnimmt, hat darin zum erstenmale den noch ungehobenen Schatz der jüdischen Synagogalmusik für das Clavier gesetzt, und zwar mit all. der fachmännischen Kenntniß, die alle seine Ausgaben der Classiker charakterisiren. Freilich ist an Sammlungen von hebräischen Melodien für den Synagogalgebrauch kein Mangel; nicht nur in Deutschland, sondern in allen Ländern, wo der Chorgesang eingeführt ist, haben tüchtige Cantoren ihre eigenen Compositionen und die ihrer Collegen gesammelt und durch den Druck Jedermann zugänglich gemacht. Aber diese Sammlungen enthalten eben nur moderne Compositionen, während das Werk Pauer's die alten, echten Synagogalmelodien in ihrer Reinheit publicirt; das ist brs jetzt nur vereinzelt und für bestimmte Gegenden geschehen. John Braham und Jsaae Nathan -schrieben im Jahre 1815 für Lord Byron's Gedichte, „Hebräische Melodien", eine Anzahl' von jüdischen Melodien nieder; Franz, Bruch, Lewandowski, Hamerik haben einzelne Sachen vortrefflich transscribirt. De Sola und Aguilar haben die Melodien der spanischen und portugiesischen Synagoge, Marksohn und Wolf die der Berliner und Breitenstein die der Frankfurter Gemeinde gesammelt. Das Werk von Pauer umfaßt in gleicher Weise deutsche, polnische und potugiesische Melodien. Eine werthvolle Beigabe ist die Einleitung von Francis L. Cohen, der bekannten Autorität auf dem Gebiete der Synagogalmusik. Er gibt eine knappe Uebersicht über die Geschichte der jüdischen Melodien und die nöthige Aufklärung über jede einzelne Nummer. Brau« M. Dr., Geschichte der Juden und ihrer Literatur. (II. Auflage. Breslau 1896, W. Jacobsohn & Co.) Die beste Besprechung dieses Werkes bilden die eigenen Worte des Verfassers im Vorwort zur zweiten Auflage: „Die hier gegebene Darstellung der Geschichte unserer Vorfahren hat über alles Erwarten schnell Anklang und Verbreitung gefunden. Dafür spricht nicht nur die Nochwendigkeit der so rasch begehrten neuen Auflage, sondern auch der Umstand, daß das Buch soeben gleichzeitig ins Hebräische und ins Russische übersetzt wird." Es erübrigt in Folge dessen, die schon ftüher besprochenen Vorzüge des Braun'schen Buches nochmals einzeln auseinanderzusetzen. Thatsächlich vereinigt sich hier Inneres und Aeußeres — zu letzterem rechnen wir den für ein Schulbuch besonders wichtigen Factor der Billigkeit — und machen es zur Thatsache, daß das Braun'sche Werk die beste Darstellung der nachbiblischen Geschichte ist, die für Schul- und Hauszwecke heute vorhanden ist. Wie wir hören, ist das vorliegende Buch für den neueingerichteten Religionsunterricht der Berliner Gymnasien eingeführt worden; es verdient aber, in jeder jüdischen Schule die Grundlage des religionsgeschichtlichen Unterrichts zu bilden. Wer für Verbreitung historischer Kenntnisse, wie für Erweckung echt jüdischen Sinnes in Jsrael's Häusern und Schulen mit Erfolg arbeiten will, der gebe unserer Jugend, wie unseren Erwachsenen Braun's jüdische Geschichte iu die Hand. Auch der beigefügte Quellennachweis wird ob seiner Gründlichkeit und Uebersichtlichkeit, wie auch wegen seiner streng unparteiischen Haltung allen Freunden jüdischer Geschichte, bei sonders aber jeden Geschichtsunterricht ertheilenden Lehrer eine willkommene Zugabe sein. Wir stimmen voll und ganz dem Wunsche des Verfassers zu, daß sein Buch auch fernerhin segensreich wirken möge, und zwar in allen Häusern und Schulen Israels. Dr. Fr. Briefkasten. H. R. (Galizien). Bedauern, paßt nicht für die große Oeffentlichkeit. Juda L. Ihr Bericht scheint denn doch etwas übertrieben zu sein, denn es ist kaum anzunehmen, daß die übrigen Anwesenden schweigende Zeugen dieser Scene geblieben wären. A. S. Dr. Lueger hält sich eben für einen „patentirten" Patrioten und glaubt, er dürfe Alles thun, was bei Anderen für antipatriotisch gilt. Arnold G. Der Umstand, daß Wiener Antisemitenführer in der Millenniumsausstellung ansgehauen zu sehen sind, braucht gerade nicht symbolisch aufgesaßt zu werden. Nemo. Der reichsdeuyche Antisemitenführer P l ö tz, der gegen die Börsespeculationen donnerte, obgleich er selbst da mitgethan hat, erinnert an den geriebenen Geschäftsmann Pfarrer D e ck e r 1, der vor den jüdischen Geschäftsknisfen warnt. A. L. Mechaniker Schneider hat, wie sein antisemitischer Gesinnungsgenosse Cornelius Vetter in einer Brochure schrieb, schon vor Jahren daran gedacht, Illustrationen anfertigen zu lassen, die darstellen, wie Christenkinder geschlachtet werden. X. Die Antisemiten Hetzen gegen Ungarn, weil dort keine Judenhetze aufkommen kann. A—o. Warum das umgereimte Zeug, welches V erg ani zusammenreimt, nicht im „Deutschen Volksblatt" veröffentlicht wurde? Der Mann gönnt alles Böse — Anderen. I. L. (II.Bezirk). Ihre Vermuthung ,daß Dr. P o r z e r deshalb in die Commission für die Singer'sche Schulstiftung gewählt wurde, weil er jüdischer Abstammung ist, unterschiebt den Antisemiten eine zarte Empfindung. S. F. (Znaim.) Ihre Frage, wie Herr Steiner über Jesus denkt, dessen Wiege that sächlich in Asien stand, können wir nicht beantworten. L. H. Professor S ch l e s i n g e r's Gedanken passen in der That wunderbar für ein Witzblatt. Argus. Die Antisemitenorgane könnten ohne Scheerc und „Judenblätter" nicht existiren. S. I. Der Gemeinderath und Bürgerschullehrer Rauscher will wohl an die Zweiseelentheorie glauben machen, wonach ein Mensch außerhalb der Schule das Gegentheil von dem sein kann, was er in der Schule sein sollte. Abonnentin III/2. Die einmalige Einschaltung kostet 1 ft. 80 kr. Für streng rituelle Kreise, insbesondere Galiziens, dürfte die Mittheilung, daß das unter Aufsicht Seiner Ehrwürden Herrn I. B. Kohn erzeugte Laureol auch mit Hechscher Sr. Ehrwürden des Herrn Rabbiner Halberstam und des Rabbinats in Lemberg versehen ist, willkommen sein. Hinsichtlich Bezug des Artikels verweisen wir auf das Inserat auf der Rückseite unserer heutigen Nummer. Riunione Adriatiea. Dem Geschäftsberichte der Rinnions Adriatica di Sicurtä in Triest für das 57. Geschäftsjahr (1895), welches in der am 30. Mai v. I. abgehaltenen Generalversamuilung zur Vorlage gelangte, sind folgende wesentlichere Daten zu entnehmen: In der L e b ens v er s i ch e r u n g s section wurden im Jahre 1895 Versicherungsverträge für ein Capital von Gulden 12,490.729 und für Jahresrenten im Betrage von Gulden 33.317 abgeschlossen. Am Ende des Jahres betrug der Versicherungsstand rund achtzig Millionen Gulden Capital und Gulden 215.428 Jahresrenten. Für Prämien wurden eingettvmmen fl. 3,323.880, die Auszahlungen für Todes- und Erlebensfälle bezifferten sich mit fl. 1,621.276 und sind überdies fl. 249.800 für schwebende Schäden reservirt worden. Die Prämienreserve beträgt fl. 19,116.992 und nach Abzug der Rückversicherungen netto fl. 17,737.264. In den E l e m e n t a r- (F e n e ru n d Transport-) Versicherungsbranchen beträgt die Prämieneinnahme fl. 7,259.822, für Rückversicherungen sind fl. 3,376.720 verwendet worden, die Schadenzahlungen erforderten nach Abzug der Rückversicherungsantheile fl. 2,342.871, die Schadenreserve beträgt netto fl. 350.240. Zur Abschreibung vom Buchwerthe der Immobilien sind fl. 100.000 verwendet worden; der Specialgewinnreserve der Lebensversicherungssection wurden fl 100.000 überwiesen und als Dividende werden fl. 70 pro Actie vertheilt. Die Reserven betragen nun fl. 22,864.729, wovon fl. 19,728.746 Prämienreserven (netto, das ist nach Abzug der Rückversicherungsantheile), fl. 2,622.102 Gewinnreserven und fl. 513.881 Cuxsreserven. Herausgeber u. verantw. Redakteur; Dr. Josef E. Bloch. — Druck v. L. Beck & Sohn Wien, VQI., Lerchenfelderstr. 46.