Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 13 (1896)
- Issue
- 24 (12.6.1896)
- Date
- 1896-06-12
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3020846-3021115-3021140--05709-3029957- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Nr. 24 Dr. Bloch's Wochrnfchrifi Seite 483 Prag. (Ter „Verein der jüdischen Hvchschüler in Prag") veranstaltete am O.d.M. in seinem Locale, Hotel „Kaiser von Oesterreich", einen Vortragsabend, an welchem Herr Jnr. Caud. M ax Bloch das schon durch seine:: Titel vielversprechende Thema: .Der ewige Jude in Sage und Dicht:: ng" in glänzender Weise erschöpfte. Der Referent wußte in seinen: schwungvollen und stylgerechten Vortrage insbesondere die in den verschiedenen Schriften vertretenen Ansichten über die Entstehung der Sage und die Auffassung der Sagengestalt des ewigen Juden in den älteren und den modernen dichterischen Bearbeitungen musterhaft zu beleuchten. An den mit reichlichen: Beifall aufgenommenen Bortrag schloß sich eine gemüthliche Unterhaltung, welche die Anwesenden in ftöhlicher Stimmung noch lange vereinte. Göding, 3. Juni. (I ubil ä u m s f e i e r.) Donnerstag den'28. Mai l. I. waren es 25 Jahre, seit unser hochverdienter Vorsteher Herr Wilhelm Rechner zum erstcnmale an die Spitze unserer Gemeinde trat. Es tvar nur ein Gebot der Dankbarkeit, wenn unsere Cultusgemeinde diesen Tag zu einen: Festtage gestaltete, und die allseitige Betheiligung an dieser Gedenkfeier zeugte von der Liebe und Verehrung, der sich der Jubilar in allen Bevölkerungskreisen erftent. Herr Rabbiner Dr. Groß feierte in einer formvollendeten Rede die Verdienste des Jubilars. Sambor. Am 26. v. M. fand an der Osias Gotthels'schen zweiclassigen, von der hohen k. k. Stalthallerei concessionirten Handelsschule die Abgangsprüfung der Schüler des II. Jahrganges dieser Anstalt statt. Wie alljährlich, war auch in diesem Jahre das den besten Kreisen angehörende Publicum überrascht von den nach jeder Richtung hin vorzüglichen Leistungen der Schüler in sämmtlichen commerciellen Disciplinen. Eine bedeutende Anzahl Frequentanten dieser Schule conditioniren bereits als Comptoirkräste n:r vollsteu Zufriedenheit ihrer P. T. Chefs, welchem Umstande die stetig wachsende Frequenz dieser Schul, zu verdanken ist. Die Jnscriptionen für beide Jahrgänge beginnen am 1. Sevtember. An dieser Stelle sei es auch gestattet, des Herrn Curators Ranunkel zu erwähnen, der in uneigennütziger und aufopferungsvoller Weise viel zur Entfaltung dieses für den Kaufmannsstand wichtigen Institutes beiträgt. St. Petersburg Das Jubiläums-Fest des Herrn Hvfrathes Dr. Dembo wurde in der Wohnung des Herrn Baroil David Ginzburg bei großer Versammlung des Pnblienms mit großem Pomp begangen. Beinahe zehn Adressen ans den verschiede::en Gegenden wurden verlesen. Dazu wäre:: noch Hinderte von Telegrammen ni:d Briefen, die dem Jubilar ans dem Jn- und Auslande die herzlichsten Glückwünsche und Gratnlationei: brachten. Das neue hebräische Werk des Herrn: Dr. Dembo, welches ausführlich die Schechita-Frage behandelt, fand großen Beifall beim lesenden Publicum. Mit Spannung wird der zlveite Band erwartet. London. Ans dem Leben des verewigten Sir Julian Goldsmid wird folgender romantischer Vorfall erzählt. Er war ein eifriger Antiquitätensammler und pflegte auf seinen Reisen in allen Städten größere Einkäufe zu machen. So kau: er einstens, als er längere Zeit in Jtalier: verbrachte, i:ach Florenz, wo er einen jüdischen Kunsthändler von englischer Abstammung, einen gewissen Herrn Phillipsvn, aufsuchte. Er fand die Thüre verschlossen und läutete mehrn:als vergebens. Endlich wurde geöffnet - von einen: reizenden, jungen Mädchen mit blondem Haar und blauen Augen, der Enkelin Phillipson's. Der junge Engländer fing auf der Stelle Feuer und heiratete nach kurzer Zeit Fräulein Birginie Phitlipson, die später in der englischen Gesellschaft so wohlbekannte Lady Goldsmid. New'Jork. Fräulein Alice Anne Mendenhall hat die Professur für Hebräisch am Earlham College in Indiana erhalten. Feuilleton. Kinder des Ghetto. (Roman von I. Zangwill.) (Nachdruck verboten.) „Werden meine 'Artikel nicht genügen?", fuhr Pinkas fort. „Aber wenn sich Niemand finbei, der die Literatur in England beschützt, dann gehen wir fort — hinüber in Ihren Geburtsort, Reb Schemuel, der Wiege großer Gelehrter." Der Dichter sprach noch immer, aber zuletzt hörte Reb Schemuel gar nicht mehr auf ihn hin. Er war in eine köstliche Träumerei versunken; er kostete int Voraus den Sabbathfrieden. Die Arbeit der Woche war gethan, der gute Jude konnte nun seine Ruhe antreten. Die engen, schmutzigen Straßen verschwanden vor dem Hellen Bild, das seine Phantasie ihm heranfbeschwor. „Komm v Freund, komm froh und traut, grüß vereint mit mir die Braut, Sabbathruh' in Freudenlant!" Heute 'Abend konnte er in Wahrheit, gleich dem Rabbi im Talmud, seine Frau „nicht Weib, sondern Heim" nennen. Heute Abend würde sie in Wahrheit Simcha - Freude sein. Eine wohlthuende Wärme schlich sich in sein Herz. Als er sich seiner Thür näherte, leuchteten ihn: trauliche Lichter gleich einem himmlischen Lächeln entgegen. Er forderte Pinkas aus, einzutreten, aber der Dichter hielt es für gerathen, seine Sache erst von Anderen vertreten zu lassen, und entfernte sich, indem er den Finger nochmals mahnend an die 'Aase drückte. Der Rabbi küßte die Mesnsa vor der Thür und in der Thür feilte Tochter, die ihm entgegenkam. 'Alles war, wie er sich's vorgestellt hatte: die zwei großen Wachskerzen in wunderlichen, schwerer: Silberleuchtern, das fleckenlose Tischtuch, die Schüssel mit den gebackenen, mit Petersiliesträußchen aufgeputzten Fischer:, die seltsam gewm:der:en und dick mit Mohr: bestreuten Sabbathbrote, über welche eilt samrntenes, mit hebräischen Worten verziertes Teckchen gelegt tvar, die Flasche Wein und der silberne Becher. Für den einfachen, alten Rabbi war das ein bekannter, aber immer neuer Anblick. Jedes Mal hatte er das Gefühl, als sei er besonders gesegnet. „Gut Schabbes, Simcha", sagte Reb Schemuel. „Gut Schabbes, Schemuel!", arttwortete Simcha. In ihren klugen funkelte das Licht der Liebe und in ihrem Haar eir: gar:z neuer Kamm. Friede, guter Wille und das^Bewnßtsein, die Sabbathlichter gehörig artgezündet und das Stück Teig in das Feuer geworfen zu haben, milderte ihre scharfen Züge. Schemuel küßte sie, dann legte er die Hand auf Hanna's Haupt und murmelte: „Gott mache Dich wie Sarah, Rebekka, Rahel und Lea. Auch Levi segnete er: „Gott mache Dich wie Ephraim und Vianasse." Selbst der verhärtete Levi fühlte, daß ein Hauch von Heiligkeit in der Luft lag, und hatte die vage, beruhigende Empfindung, daß sein Sabbathengel umherschwebe nnd ihn zwei Schatten an die Wand werfen lasse, während sein böser Engel in ohnmächtiger Wuth draußen vor der Thür ftor. Dann recitirte Reb Schemuel dreimal eine Reihe von Sätzen, mit den Worten beginnend: „Friede sei mit Euch, Ihr dienenden E::gel!" und hernach die wunderbare Schilderung einer idealen Frau aus den Sprüchen Salomvn's, wobei er Simcha liebevoll anblickte: „Wer ein biederes Weib findet, deren Werth ist weit größer, denn Rubinen. Das Herz ihres Gatten vertrauet ihr — Gutes thut sie ihm alle Tage ihres Lebens, nimmermehr was Leides — sie steht auf, während es noch Nacht ist, gibt Speise dem Gesinde und 'Arbeit den Mägden. - Sie streckt willig ihre Hand aus den Armen — Kraft und Ehre sind ihre Kleidung, und sie blickt lächelnd dem Morgen entgegen. Sie öffnet den Mund mit Weisheit, und das Gesetz der Güte ist auf ihrer Zunge. Sie achtet auf ihr Gesinde und ißt nicht das Brot des Müßigganges. — Trügerisch ist Lieblichkeit nnd eitel ist Schönheit: aber das Weib, das den Herrn fürchtet, es soll gepriesen werden." Tann wusch sich der Rabbi mit dem gebührenden Segensspruch die Hände, füllte den Becher mit Wein, und während 'Alles ehrerbietig anfstand, „machte er Kiddusch" in dem traditionellen, freudigen Recitativ. „Gelobt seist Tn Herr, unser Gott, König des Weltalls, Schöpfer der Weinftucht, der uns geheiligt hat mit seinen Geboten und sich an uns erfteut. Du hast uns erwählt nnd geheiligt vor allen Völkern und in Liebe nnd Gunst hast Du uns vererbt Deinen heiligen Sabbatb." Der ganze Haushalt sammt dem hungrigen Polen sagte „Amen". 'Alle nippten in gebührender Reihenfolge an dem Becher und aßen ein Stück Brot, das der Vater abgeschnitten und sin Salz getaucht hatte. Hernach theilte die gute Haltsfrau den Fisch aus. Taffen u::d Teller klirrte::, Messer und Gabeln klapperten. Nach ein paar Bissen kam sich der Pole vor wie ein Fürst in Israel und fühlte, daß er unverzüglich eine Maid erküren müsse, um seilte költigliche Sabbathtafel zu zieren. Nach dem Fisch kam die Suppe, und nach dem Mahl wuschen sich 'Alle die Hände in einer kleinen Schüssel. Auch dieser Zug der Etikette einer moderner:, eleganten Tafel ist von den Juden vor so vielen Jahr-