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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1896-05-29 · 22 (29.5.1896) · page 15

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
13 (1896)
Issue
22 (29.5.1896)
Date
1896-05-29
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Nr. 22 Dr Bloch's Wochrnfchrist Seite 443 rief) Berger aus Wien, sowie die Vorsteher Herren Ignaz Lunzer, Aaron Weil und Ignaz Back als Vertreter des Schifftempels in Wien. Weiters die Herren Obereantor Schorr und Wittman, sowie auch die Vorsteher der Talmud-Thora, endlich auch Vertreter der Agramer und Neuhäusler Gemeinde und zahlreiche andere Notabilitäten. Lemberg, 27. Mai. Einer der rührigsten polnischen Antisemitenführer, der frühere Gemeinderath G e t r i tz, der sich während der galizischen Landesausstellung mit dem Mechaniker Schneider verbrüderte, ist bei der engeren W a h l in den hiesigen G e - m e i n d e r. a t h in der M i n o r i t ä t geblieben. Gestern erschien nun Getritz bei dem Vorstande der israelitischen Cultusgemeinde mit der Erklärung, daß er sich von der Schädlichkeit der a n t i s e m i t i s ch e n Tendenzen überzeugt habe und nunmehr bestrebt sein werde, für das Pr-incip der c o n f e s s i o n e l l e u Gleichberechtigung e i n z u - trete n. Er bat schließlich um die Nute r st ü tzn n g de r j ü d.i scheu Wühler bei der neuerlichen engeren Gemeinderathswahl. Lemberg, 24. Mai. In der hiesigen Synagoge Kvwea itim sprach der rühmlichst bekannte hebräische Schriftsteller, Cultusgenieinde-Bvrsteher Herr D a v i d R a p a p o r t am Wvchenfeste vor einer zahlreichen Zuhörerschaft, ivorunter sich viele Mitglieder der Fortschrittspartei befanden. Anknüpsend au die Offenbarung auf dem Siniai sagte Redner, daß diese göttliche, die Welt erleuchtende Gesetzgebung sich gegen den Götzendienst wendet und daß der Antisemitisnuls auch ein Götzendienst sei, da er Menschenopfer fordert und die Gesellschaft in die Barberei zurückzuwerfen droht. Diese schwungvolle, von exegetischen! Scharfsinne übersprndelnde, im fortschrittlichen Geiste gehaltene Rede, wurde mit dem größten Beifall ausgenommen. Lemberg, 20. Mai. Herr Moriz Diamant, der seit einem halben Jahrhundert in glücklicher Zufriedenheit den hiesigen Tempel besucht, hat in frommer Dankbarkeit früher bereits der Gemeinde eine Thorarolle im Werthe von fl. 1000 zum Geschenke gernacht und nun auch derselben einen kunstvoll gearbeiteten Vorhang .für die Bundeslade, sowie eine prachtvolle Altardecke gewidmet. Für den .würdigen Mann knüpfen sich an diesen Tempel überhaupt die pietätvollsten Erinnerungen. Dieser Tenipel wurde vou seiuem ebenso frommen, als wohlthätigeu Großvater erbaut, und Herr Diamant hat als Knabe der Vollendung des Baues beigewohut. Bei dieser Gelegenheit wird es wohl nicht uninteressant sein, darauf hinzuweisen, daß Herr Diamant aus einer Familie stammt, die, was ihren Stammbaum betrifft, mit den ältesten Adelsgeschlechtern Europas wetteifern kann. Herr Diainant ist im Besitze dieses Stammbaumes, der bis zu dem — königlichen Hause Davids reicht. Zahlreiche Generationen berühmter Rabbiner und wissenschaftlicher Talmudisteu zählt diese Familie, welche in der jüdischen Literatur ein eigenes Capitel besitzt. Czernowitz. (Bukowina.) Herr Jacob Schifter, Magister der Pharmacie, Söhn des Secretärs Herrn M. Schiffer hat sich mit Fräulein Fanny Bahr aus Kvlomea verlobt. Preftburg. Se. Ehrwürden B. Schreiber, der bekanntlich längere Zeit hindurch nicht unbedenklich krank war, hielt am 22. d. M. zmu erstenmal seit seiner Genesung einen geistreichen und scharfsinnigen Vortrag. Sämmtliche Bachurim und zahlreiche Zuhörer der hiesigen Gemeinde lauschten mit gespanntester Aufmerksamkeit dem so sehr gelungene!! einstündigen Vortrag. Nachdem Se. Ehrwürden seinen Vortrag beendet hatte, wurde ihm von dem Vorstand der Rabbinatsschnle als Zeichen der unerschütterlichen Treue und Hochachtung ein prächtiger silberner Armleuchter überreicht. 8. 0. Stuhlweißenburg, am 25. Mai. Am zweiten Tage des Schiwuothfestes hat Rabbiner Dr. Steinherz über weiland Baron Hirsch eine ungarische Gedenkrede gehalten, welche der hiesige Fräuenverein herausgibt mit der Bestimmung, daß das Reinerträgniß zu einer Schulstiftnng verwendet werde, bei dessen Verleihung alljährlich der Ortsrabbiner eine Rede an die Schiller zu richten haben wird. Auszeichnung. Der Fezfabrik Mathias Zucker & Comp, in Strakonitz wurde mit dein Erlasse der k. k. Statthaltern vom 7. Mai d. I., Z. 71.363, die Auszeichnung verliehen, den kaiserlichen Adler im Schilde und Siegel zu führen. Ein christlicher Kaufmann in Amsterdam hat durch Vermittlung eines Priesters seiner Religion Herrn Oberrabbiner Dünner 10.000 Gulden für die jüdischen WohlttMigkeitsanstatteu übersandt mit dem Bemerken, daß er ungenannt zu bleiben wünsche, den Betrag sende er aber als Zeichen seiner Hochachtung vor der Rechtschaffenheit der jüdischen Kanflente, mit denen er viele Jahre hindurch in lebhaftem Handelsverkehr gestanden habe. Königsberg i. Br., 13. Mai. Der außerordentliche Professor an der juristischen Facultät der hiesigen Universität Herr Dr. Gradenwitz ist zum ordentlichen Professor befördert worden. Naugard i. P., 15. Mai. Der antisemitische Stadtverordnete Gabler in Gollnow ist wegen Unterschlagung der ihm von mehreren Vereinen anvertrauten Gelder verhaftet worden. Bamberg, 15. Mai. Der Commissionär Rud. Wunderlich, welcher sich als antisemitischer Agitator hervorgethan hat, ist wegen Betruges und Unterschlagung vom hiesigen Schöffengericht zu vierzehn Tagen Gefängniß verurtheilt worden. Karlsruhe i. B., 14. Mai. Die Sammlungen zu Gunsten des Vrojectirten »Asyls für alleinstehende Kranke und arme Israeliten im Großherzogthum Baden" haben bisher in Beiträgen von Gemeinden, Vereinen und Privaten die Summe vou 35.000 Mark erbracht, tyrau Hofrath Salomon Moos hat zur Erinnerung an ihren kürzlich als Professor der Universität Heidelberg verstorbenen Gatten ein Legat von 20.000 Mark gespendet. Johannesburg. Mr. Walter Davies, der in Johannesburg in der Versammlung der Australier gelegentlich der Unruhen den Vorsitz führte und nachher als Hauptmann der berittenen australischen Polizei so gute Dienste leistete, ist ein Glaubensgenosse vvtl uns. Er ist aus Südaustralien gebürtig und die Zeitungen in Adelaide und Melbourne waren voll des Lobes über sein muthiges Vorgehen im Transvaal. London. Mr. Hvlman Hunt und Dr. Theodor Herzl werden die Gäste der „Maccabäer" bei einem Bankett sein, das Ende dieser Woche in London gegeben werden wird. Feuilleton. Rinder des Ghetto. (Roman von I. Zangwill.) (Nachdruck verboten ) Joschi legte den Hobel nieder und richtete sich auf. Einen Augenblick herrschte Schweigen, _ dann sank seine Gestalt wieder zusammen, und sein Kopf fiel über die linke Schulter. „Was Sie da reden, sind lauter Dummheiten! Tie Mädchen lachen mich aus." „Seien Sie nicht ein Bleiklumpen! Ich kenne ein Mädchen, die Sie sogar gern hat." Die schwache Röthe von vorhin, die wieder erblichen war, verwandelte sich in Purpur. Jvschi stand athemlvs da und blickte halb argwöhnisch, halb gläubig seinen streng ehrenhaften Mephistopheles an. Es war gegen sieben Uhr, der Mond hing als gelbes Biercel an dem frostigen Himmel, der mit deutlich sichtbaren Gestirnen besäet war. Der Hof sah in seiner Mischung von Schatten und Mondschein poetisch aus. „Ein schönes, feines Mädchen," sagte Sugarman ekstatisch, „mit rothen Wangen und schwarzen Augen und vierzig Pfund Mitgift." Der Mond segelte lächelnd weiter. Das Wasser lief mit einem beruhigenden, friedlichen Geräusch in die Cisterne. Joschi willigte ein, Herrn Belkowitsch zu besuchen. Herr Belkowitsch machte keine Parade. Alles war wie gewöhnlich. Auf dem hölzernen Tische lagen zwei halbe,^ ansgequetschte Citronen, ein Stück Kreide, zwei zersprungene Tassen und ein Stück zerdrückter Seife. Er wurde durch den Aiiblick Joschi's nicht überwältigt, gab aber zu, daß er solid sei. Sein Vater war als ftomm bekannt und seine beiden Schwestern hatten anständige Männer geheiratet. Vor Allem tvar ec kein Holländer. Joschi verließ als Belkvlvitsch's erklärter Schwiegersohn das Hans Royal Street No. 1. Auf der Treppe begegnete ihm Esther, und der strahlende Ausdruck seines finnigen Gesichtes fiel ihr ans. Er ging beinahe aufrecht. Joschi war thatsächlich sehr verliebt, und Alles, was zu seinen! Glück noch fehlte, war, daß er seine künftige Frau zu sehen bekam. Er hatte jedoch keine Zeit, ihr an anderen Tagen als an Sonntagnachmittagen Besuche abzustatten, und zu der Zeit war sie nie zu Hause. Frau Belkowitsch jedoch entschädigte ihn, indem

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