Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 13 (1896)
- Issue
- 20 (15.5.1896)
- Date
- 1896-05-15
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
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Nr. 20 daß er in England lebe, an ihn geschrieben hatte. Hamburg antwortete ihm, sie sahen sich aber an diesem Tage zum erstenmale, und aus die Bitte des Knaben brachte der alte Gelehrte ihn in diese seltsame Versammlung. Raphael Leon wurde in der Folge das einzige Bindeglied, das Hamburg mit dem wohlhabenden England verband, und obwohl er ihn selten wiedersah, nahm der Knabe in gewisser Hinsicht den Platz ein, den er einen Augenblick lang Joseph Strelitzki zugedacht hatte. An diesem Abend spielte Pinkas die Rolle eines Vaters, aber er mischte eine solche Unterthänigkeit hinzu, daß dem schüchternen, einfachen Knaben ganz unbehaglich zumuthe ward. Freilich, als am nächsten Morgen die erste Post ein Exemplar des neuen Buches Pinkas' (mit einer akrostischen Widmung) brachte, wurde er von begeisterter Bewunderung für das vernachlässigte Genie ergriffen. Die Uebrigen, die da zusammenkamen, uni Israel zu retten, sahen gewöhnlicher aus — ein Pelzmacher, ein Pantoffelarbeiter, ein Schmied, ein Ex-Glaser (Mendel Hyams), ein Zuckerbäcker, ein Melamed, ein Tischler, ein Drucker, ein Cigarrenmacher, ein paar kleine Krämer und endlich und letztlich Moses Ansell. Sie stannnten ans aller Herren Länder, aus Oesterreich, Holland, Polen, Rußland, Deutschland, Italien, Spanien — und fühlten sich doch eins. Umgeben von der Pracht des modernen Babylon, wandten sich ihre Herzen dem Osten zu, wie Passionsblumen der Sonne. (Fortsetzung folgt.) Svgumit Kwirrinski» recte Brrl Blum. Reminiseenzen aus dem Polenaufstande 1863. Von Dmuchalski. H. Nachdruck verboten. Am Bahnhof in Krakau herrscht reges Leben. Endlose Zöge kommen an und werden abgelassen. Die Stationsglocke kommt nicht zur Ruhe und die Reisenden wogen ani Perron hin und her. Beim „Ansgang" ist ein k. k. Polizeieonnnissär mit einigen Soldaten postirt, welche jeden Verdächtigscheineirden anhalten und seine Reisedocumente einer strengen Prüfung unterziehen. Diese Maßregel erwies sich als nothwendig, da es zur Kenntniß der Behörde gelangte, daß eine Merrge junger Leute sich bereits „hinüber" begaben, auch wurde am Stationsplatze Trzebinia ein Waggon mit Waffen und Munition, welcher als „Maschinenbestandtheile" deelarirt war, von der Gendarmerie consiseirt. Die Bewegung war also schon allen Ernstes im Zuge mrd die Behörde traf alle nvthigen Vorkehrungen, nur dieselbe einzudämmen. Kaum war Graf Wladyslaw ausgestiegen, näherte sich ihm ein Jude unter dem Vorwände, ihm Rubel anzubieten oder ausznwechseln und flüsterte ihm ein einziges Wort zu, welches ihn erbeben machte. „Jude! Wie gelangst Du zur Kenutniß dieses, nur den hervorragendsten Anfiihrern bekannten Losungswortes? Weißt Du auch, daß der Mißbrauch dieses Wortes mit dem Tode bestraft wird!? „Herr Gras", rief der Jude, alles das ist mir wohlbekannt. Wie Sie sehen, setzt der ßzad narodowy (Nationalregiernng) großes Vertrauen in mich, welches ich aber niemals mißbrauchen werde. Ich diene mit Eifer der guten Sache, da es gegen unseren gemeinsamen Feind geht. Mein Leben steht jede Minute aus dem Spiele, da ich behnss Empfangnahme der Aufträge von der Nationalregierung öfters die Grenze passirenmuß, wobei ich gefährliche Schriften mitflihre. Auch fiir Sie habe ich eine Depesche und würde wahrlich nicht zu beneiden sein, wenn ich damit „jenseits" erwischt werde. "Unauffällig zeigte der Jude, aber nur fiir Wladyslaw sichtbar, ein eigenthümlich geformtes Spielkartensragment, unter der Klappe seines Kaftans angeheftet, welches ein Carreau-Aß vorstellte. Der junge Edelmann war beruhigt — und bedeutete deur Vertrauensmanne eine Fahrkarte dritter Classe bis Przemysl zu lösen und ihn.in einem Nichtrauchereoupö zu erwarten. Knapp vor der Abfahrt stieg Wladyslaw in das von seinem neuen Bekannten occupirte Coups, wo sich sonst zufällig kein weiterer Passagier befand, welches Beiden sehr gelegen kam, da sie einander Mittheilungen zu machen hatten, welche keinesfalls Unberufene hören durften. Graf Wladyslaw begann als der revidirende Condnctenr das Coups verließ: „Wie ist Dein Name, lieber Freund?" „Wie kamst Du zu dem Vertrauen, welches nur den intimsten Eingeweihten geschenkt wird?" „Seit wann und durch wem bist Seite 407 Tn empfohlen, und in welcher Weise wirst Du honorirtr" „Mein Name ist Salamon Blum, doch werde ich kurzweg Szloma genannt. Seit meiner Kindheit lebe ich aus dein Gute Ihres Onkels, des Herrn v. Feliksiewicz, wohin mich mein Stiefvater Mvrdkv, der in Czestvchvwa wohnt, gebracht hat. Ihr Herr Onkel faßte bald volles Vertrauert zrr mir, und betraute mich, als ich herangewachsen war, mit den verschiedensten Missionen. So war ich einmal geschäfilich nach Warschau beordert. Dort war ich unwillkürlich Zeuge verschiedener Vorgänge, an welche ich mit Entsetzen zurückdenke. Vor der Kathedrale, an welcher mich mein Weg vorübersührte, hatten sich Soldateic ausgestellt, ich dachte, es iväre eilte „Kirchparade" uttb blieb neugierig stehen, da es mir auffallend schien, bei diese m Anlasse Militär eommandirt zu sehen, wo aus dem Gotteshanse die bekannten Atrien der patriotischen Gesänge : „Bo/.e cos yolske“ und „Zdymem puzarüw“ vernehmbar waren. Als die andächtigen Sänger ans dem Hanptpvrtale heransstrvmten, wurde „Feuer" eommandirt, woraus eine Salve krachte. Immer noch glaubte ich an eine Parade, wurde aber durch den markerschütternden Aufschrei der zu Tode Getroffenen, sowie durch den sich ergießenden Blutstrom eines Anderen belehrt. Einen Ohnmachtsanfall mühsam bekämpfend, biß ich mir die Lippen wund und mußte aus meine Rettung bedacht seilt, als der Platz vor der Kirche durch die ausgerückten Truppen geräumt wurde. Plötzlich wurde ich von einem Osffcier bei den Schultern ersaßt, der mich scharf fixirte und den Soldaten befahl, mich sestzunehmen, da ich ein verkappter Pole sein müsse, tvvfür mein entsetzter Gesichtsausdruck deutlich spreche. — Hieraus wltrde ich, nebst vielen Anderen, daruttter Frauen ttnd Greise, in die Citadelle abgesührt. Schon am nächsten Tage wurde ich, ohne auch nur verhört zu werden, zur Deportation nach Sibirien bestimmt, da verlangte ich in aller Frühe Tallis uttb Tefilin, um mein Gebet zu verrichten. Alan hielt dieses für eine Finte, doch gelang es mir, dltrch eilt untrügliches Zeichen meine Zugehörigkeit zum jüdischen Stamme zu beweisen, woraus ich wieder die Freiheit erlangte. Rach Hause zurückgekehrt, fand ich die Herrschaft in großer Erregung die Abreise vorbereiten, und Herr von Feliksiewicz übergab mir in Eile verschiedene Aufträge nebst Jnstructiviteit und Papieren, welche ich an Personen verschiedenen Standes zu übergeben hatte, sowie das Zeichen meiner Legitimation, das Spielkartenfragment. Meine Mission, die Beförderung eines Waggons Waffen lind Munition Volt Trzebinia über die Grenze mißlang durch die Umsicht des Gendarm-Oberlieutenants M., dessen Verfolgung ich nur mit knapper Roth entkam, um Ihnen dieses Schriftstück einznhändigen, da mir Ihre Ankunft ltach Krakau bereits früher avisirt wurde. — Mit dent nächsten Zltge muß ich, behufs Entgegennahme weiterer Allsträge, wieder nach Warschau und Hoffe, mit Ihnen bald wieder zusammenzutreffen. Für meine Bemühmtgen nehme ich unter keiner Bedingung eine Entlohnung an und bedauere nur, daß ich die Vergütung der Reisespesen anzunehmen gezwungen bilt, sonst Nichts! Ter junge Edelmann reichte gerührt dem Juden die Hand, wobei Thränen in seinen Augen hervorgltollen. „Gott vergelte es Dir, rnein Freund, ttutt bin ich überzeugt, daß Wisniewski Recht hatte und will mich danach richten." „Przemysl!", rtes der Cvndncteur als der Zug hielt, Szloma verließ rasch das Cvupä und Gras Wladpslaw rollte gegen Lemberg weiter, wo ihn seine Equipage erwartete, die ihn nach Hause bringen sollte. «Fortsetzung folgt.) Briefkasten. „Auch eine Emaneipirte". Wir empfehlen Ihnen Kochbuch von Marie Kauders, Prag, Altstädter Ring 935, Verlag von Sam. W. Pascheles und Kochbuch von Frau Josefine Gnmprich, Trier 1888. Letzteres mehr für deutsche Küche. Frau Rosa Feigenbaum. Die Aeußerung des verstorbenen, Cardinals Galimbertr zum Gutsbesitzer Herrn Engel de Jaucht ist allgemein bekannt und auf verschiedenen Tafeln verewigt. L. B., Wien. In eine Deckert-Polemik uns derzeit einzulassen, fehlt jeder plausible Grund. L. B. Wir gönnen Herrn D e r g a n i die große Freude, die er über das Eingehen der zwei dcutschnationalen Alitifemitenblätter, des S ch ö n e r e r'schen „Deutsches Montagsblatt" irnd des Pacher'- schen „Politisches Bolksblatt" äußert. Vielleicht erlebt auch Herr Schönerer einmal eine ähnliche Freude an Vergani's Blatt. Dr. G L. Abwarten! Dr. Vlochs' Wochrnirtzrifi.