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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1896-05-01 · 18 (1.5.1896) · page 19

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
13 (1896)
Issue
18 (1.5.1896)
Date
1896-05-01
Page
– (sequence 19)
Language
German
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Nr. 18 Dr. Bloch's Wochenschrift Seite 367 Haus mit einer feinen Treppe, eine Wiese zum Spielen, Bälle und Spielsachen . . . ." „Eine Wiese!", wiederholte Esther. „Ach, das muß ja so schön sein, wie in Greenwich." .„Viel schöner wie in Greenwich, wohin Ihr Mädchen einmal im Jahre geführt werdet. Das soll ein Ausflug sein!" „Noch schöner als der Krystallpalast, ivo die Knaben hingehen dürfen?" „Der Krystallpalast ist ja ganz in unserer Nähe. Wir können im Sommer jebeu Donnerstag Abend das Feuerwerk sehen." Esther's Augen wurden noch größer, „llnd warst Du schon drin?" „Hundertmal!" „Erinnerst Du Dich, wie Du damals nicht hingehen konntest?", fragte Esther leise. „Sv etwas vergißt man nicht", grollte er. „Ich hatte so große Lust dazu — die Jungens, die schon früher dort waren, hatten mir soviel davon erzählt. Am Tage des Ansflnges war niein Schabbesrvck versetzt, nicht wahr?" „Ja", sagte Esther und ihre Angen wurden feucht. „Du thatest rnir so leid, Benjy. Du wolltest nicht in Deinem Trillrvck gehen und die anderen Jungen wissen lassen, daß Dukeinen guten Rock hättest. Das war ganz Recht von Dir, Benjy!" „Mutter entschädigte mich dafür,_ ich erinnere mich", fuhr Benjamin mit einer komischen Grimasse fort. „Sie nahm mich mit ans den Zachariasplatz und ließ mich dort spielen, während sie bei Malka scheuerte. Milly gab mir einen Penny -und Lea ließ mich ein paar Mal von ihrem Eis lecken, das sie gerade aß. Es war ein heißer Tag — ich werde dieses Eis nie vergessen. Aber Eltern, die den einzigen anständigen Rock ihres Jungen versetzen!" Er strich sich wohlgefällig über seine reingebürstete Jacke. „Ja, aber erinnerst Du Dich auch, daß Mutter ihn gleich am nächsten Morgen, noch vor der Schule, mit dem Gelde, das sie sich bei Malka verdient hatte, heransnahm?" „Aber was nutzte es mir? Ich zog ihn natürlich in der Schule an und sagte dem Lehrer, daß ich krank gewesen sei, um den Jungen zu zeigen, daß ich nicht gelogen hatte. Aber nun war es für den Krystallpalast zu spät." „Ja, aber es war doch gut. Erinnerst Dn Dich nicht, Benjy, wie die Woche darauf plötzlich eine sehr reiche Dame starb?" „Und ob, und ob!", ries Benjannn, plötzlich ganz aufgeregt. „Wir fuhren in eigenen Omnibussen ans den Friedhof, weit vor die Stadt hinaus, sechs von den Besten aus jeder Elaste: ich saß aus den Bock neben dem Kutscher und dachte an die alte Postkutschenzeit und schaute nach Wegelagerern ans. Ans dem Friedhofe schien die Sonne und das Gras war so grün, und als der Sarg vorübergetragen wurde, lagen so schöne Blumen darauf. Und auf dein Rückwege bekamen wir Limonade und Kuchen. Oh, es war herrlich! Ich bin später bei zwei Leichenbegängnissen gewesen, aber das war das hübscheste. Ja, der Rock kam doch zu statten!" Benjamin siel es offenbar nicht ein, das Begräbniß seiner Mutter für ein Leichenbegängniß zn halten. Esther dachte daran und gab dem Gespräch schnell eine andere Wendung. „Erzähl' mir noch mehr!" „Nun, es ist gerade so, als ob jeden Tag ein Leichenbegäugniß wäre. Wir wohnen ganz wie auf denk Land, lauter Bäume und Blumen und Vögel. Denk' Dir nur, ich habe sogar beim Heumachen geholfen!" Esther seufzte vor Wonne auf. „Das ist ja wie in einem Buch!", sagte sie. „Bücher!", rief er. „Wir haben Hunderte uno Hunderte — eine ganze Bibliothek. Dickens, George Eliot, Marryat, Thackeray — Alles habe ich gelesen." „Oh, Benjy, ich wollte, ich wäre an Deiner Stelle!", sagte Esther, die Hände vor Bewunderung über die Bibliothek und den Bruder zusammenschlagend. „Nun, das könntest Dir ja sehr leicht." „Wieso?", fragte Esther eifrig. „Wir haben ja auch eine Abtheilung für Mädchen. Du bist gerade so eine Waise wie ich. Bitte Vater, daß er um Aufnahme für Dich einkommt." „Oh, Benjy, wie wäre das möglich?", seufzte Esther traurig. „Was würde ans Salomon werden und aus Jsy und Sarah?" - „Sie haben doch einen Vater, nicht, und eine Großmutter?" „Dn dummer Junge, der Vater kann doch nicht kochen und waschen! Und die Großmutter ist zu alt." „Nun, ich sage Dir, es ist ein Jammer. Warum kann sich der Vater nicht soviel verdienen, daß er die Wäsche ans dem Haus geben kann? Er hat nie einen übrigen Groschen." (Fortsetzung folgt.', Literatur. Lesebücher. Herr A. S. Gold, der durch seine pädagogische Thätigkeit bekannte Direetor an der „Luca Moise"- Stistung zu Plojeschti, veröffentlicht soeben eine Reihe von Lesebüchern für die rumänisch-israelitischen Schulen. Dieselben sind aus Grund von G. B v ck's Lesebuch bearbeitet und wird ihnen jeder Fachmann das Zengniß geben müssen, daß sie in vortrefflicher Weise der Ausgabe gerecht werden, die sie sich gestellt haben. Der Verfasser verdient für seine Arbeit reiches Lob und Anerkennung. Briefkasten. I. L., Budapest. Wir haben das Pamphlet einer zuständigen Stelle vorgelegt. Custus. Wir müssen vorläufig die Entwicklung abwarten. Ihre Bedenken scheinen nicht ungerechtfertigt, doch wollen wir nicht die Ausrede für eine öffentliche Gesinnungsänderung werden. S. Breiner in 2a. Die ausführliche Geschichte ist empsehlenswerther. Der uns genannte Buchhändler ist ein Jude. „Ein elender Feigling"— ist wohl der, der seine Unterschrift künstlich unleserlich macht, um ungestraft verleumden zu dürfen. Slvet. Das kleine Egerer Äntisemiten-Blättchen lügt schon großartig. Ja, wie die Großen chrumnien, so die Kleinen summen. Das Lügen ist antisemitischer Cultüs. Adolf S. Die antisemitische Idee, A h l w a r d t für 5000 Mk. zur Niederlegung seines Mandates zu bewegen, ist ganz nett. Sie sollte nur auch noch auf ihre anderen Ehrenmänner erweitert werden. B—n Warum gerade Professor Schlesinger, der Konfuseste unter allen Antisemiten zum Bürgermeister candidirt werden soll? Das ist ganz klar. Der confuseste Mann paßt für die confuseste Partei. „Nemo". Auch wir können nur sagen: „Dermalen" verstehen wir die Sache nicht.? Sie fragen, ob es mehr naiv oder mehr frech ist, wenn Herr Zuleger in der „Christlichen Familie" buchstäblich sagt: „Die Judenfrage werde durch den Verein auf einfache und friedliche Weise gelöst, die dahin führen werde, daß sich die Juden wo anders ein Asyl suchen werden". Vielleicht ist es — Beides. L. B. Nach D ü h r i n g ist Bismarck nur eine „Reclame- Größe". Es gibt eben nur einen wahren großen Mann — Dühring. Armin. Ja, es ist wahr, es werden viele Antisemiten wegen Gaunereien eingesperrt. Aber wenn man warten wollte, bis derart der Antisemitismus überwunden werden soll, dürfte es doch etwas zu lange dauern. Leo. Die antisemitischen Blätter verschweigen es absichtlich, daß der so populäre Liedercomponist G u m b e r t ein Jude war. Dafür machen sie aus manchen antisemitischen Lumpen, wenn er einmal eingesperrt ist, gerne einen Juden. 3-kr. Wv die „eiserne Hand" ist? Ja, wie sollen wir das wissen? Adam. Der Größenwahn des Mannes dürste — so unglaublich das klingt — jetzt wieder gewachsen fein. HI. Wie Schönerer über Vergani denkt? Das kann man gar nicht — sagen. Es ist z u ehrenrührig.?? Warten Sie nur! Der Manu kommt auch noch einmal anders in den Gerichtssaal. Dcetns. Diese Arier vom „Deutschen Bolksblatt" können nicht deutsch schreiben und da verlangen Sie von ihnen, sie sollen gut Latein verstehen? Contra. Vielleicht. Aber nicht dermalen. I. E. Wird in Ungarn in allen jüdischen Tempeln gefeiert werden. Hartwig. Es gibt auch hier Ahlwardts und Hammersteins. Nur fübren sie einen anveren Namen. Joeus. Sie glauben im Ernste, H a m m e r st e i n könne später einmal noch in Oesterreich eine Rolle spielen? Vielleicht haben Sie Recht. Benno K. Die Ungarn sind eine ritterliche Nation und Lueger könnte getrost nach Budapest als Gast gehen. Freilich, agitatorische Reden dürfte er dort — zur Erhaltung seiner Gesundheit — nicht halten. „Miriam." Freilich, besonders ehrenhaft ist auch für Fräulein Flora Gaß die Bekanntschaft mit Herrn v. H a m m e r st e i n nicht. Aber die Dame galt wohl nicht als die Repräsentantin jüdischen Geistes nnd jüdischer Sitte. Bruno M. Rohling's Schweigen hat seine guten Gründe. Der Mann weiß — was er nicht weiß. Radautz. Für diese Nummer zu spät.

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