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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1896-05-01 · 18 (1.5.1896) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
13 (1896)
Issue
18 (1.5.1896)
Date
1896-05-01
Page
– (sequence 1)
Language
German
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»r. 18 Dr. Bloch’s Jahrgang XIII Trntrslorgsn für die gesammten Interessen des Iudenthums. Brief-Adresse: Wien, I., Hauptpostamt — Fach. Telegramm-Adresse: Bloches Wochenschrift Wien. »rprgz-Prri, für : Halbjährig 4 fl. 8 Stt. Einzelexemplare 15!c. 301*» Ausland: halb ährig 5 fl. 10 Kr. ganzjährig 10 „ 30 „ Lnzeigen: Die 4mal gespaltete Petitzeile IS kr. L. ft. poSsparcallen-Amt Clrartttgv erkrhr Nr. 8l0.976. Lrdarlion und Adminivratton: Wien >., Untere Nugardenpratzr l»- Telephon - Nr. 6535. Inhalt; Leitartikel: „Dermalen?!". — Der hundertste Geburtstag Adolphe Cremieux's. — 10 Jahre Oesterreichijch-Jsraelitiscbe Union- — Politische Zauberkünstler. — Zur Geschichte der russischen Juden. — Vom Jahrmarkt des Lebens: Aufruf. Ein seltener Erlaß. Christlicher Radfahrfport. Die Sieger von Olympia. Das Blutmärchen von Mährisch-Trübau. Wenn einer mit einer krummen Nase Antisemit sein will. Ahlwardt und Hammerstein. Jüdische Matriken. Warnung. Eine Forscherin fin de siede, — Correspond enzen: Wien, Graz, Budapest, Lemberg, Troppan, Brody, Neubydzow, Krvnstaot, Damhoritz, Lnmnitz. Sniatyn, Berlin, London, Bon den Ufern der Newa, Aus Rußland, Madrid, Massauah, Philadelphia, Bombay, Sydney, Rio de Janeiro. — Vermischtes : Wien, Preßburg, Lemberg, Brody, Ronsberg, Krakau, Wiesbaden, Aachen, Paris. — Feuilleton: Kinder des Ghetto. — Brieftasten. — Inserate. „Dermalen?!" Dr. Karl Lueger ist vom Kaiser in Audienz empfangen worden und hat über Wunsch des Monarchen auf die Annahme der Bürgermeisterwürde verzichtet. Es ist ein ungewöhnliches Ereigniß, ein außer jeder Berechnung gestandenes Mittel, durch welches der Ausweg aus einer ungemein schwierigen Situation gewonnen wurde. Die öffentliche Meinung ist durch den Vorgang stark alterirt worden und die Erregung prägt sich in den Organen aller Parteien aus. Vom Standpunkte der jüdischen Interessen jedoch ist kaum ein Anlaß zu einer besonderen Emotion vorhanden. Unsere Leser erinnern sich, daß wir nach der ersten Wahl Dr. Lueger's im Herbste vorigen Jahres f ü r d e s s e n B est ä t i g u n g cingetreten sind. Wir vertraten langst die Ansicht, daß die Gefährlichkeit der antisemitischen Partei sich in erster Linie gegen ganz andere Factoren als gegen die Gemeinschaft unserer Glaubensgenossen richtet. Dr. Lueger hätte kein magistratisches Anit an einen Juden vergeben, aber das hat «auch Dr. Prix nicht mehr gethan; und die Staatsgrundgesetze zu ändern liegt nicht in der Beacht des Wiener Bürgermeisters. Warum sollten die Wiener nicht jenes Stadtoberhaupt bekommen, das sie verdienen? Wir Juden hatten kein Interesse daran, den Gang der Dinge aufzuhallen, wir waren uns bewußt, daß der eventuelle Verzicht Dr. Lueger's auf das so heiß ersehnte Lebensziel nur mit einem Opfer erkauft werden könnte, welches viel schwerer wiegen mußte, nls die Bestätigung des antisemitischen Führers. Diese Voraussicht ist heute eingetroffen, aber jetzt wie damals sind wir der Ansicht, daß der Judenhaß mit der Bestätigung oder Nichtbestätigung nichts zu thun hat. Gründe rein politischer Natur waren es, welche im Herbste die Nichtbestätigung veranlaßt haben und rein politische Erwägungen find es, welche heute für den kaiserlichen Appell an Doctor Lueger bestimmend waren. Nicht für Dr. Lueger allein, auch für uns Juden hat ein Wunsch des Kaisers die Kraft eines Befehles. Gegenüber dem Willen des Monarchen, dem wir in Liebe und Treue anhängen, auf dessen Schutz wir vertrauen, dessen streng constitutionelle Gesinnung sich tausendfach erprobt hat, schweigt jede Kritik. Und wir dürfen uns umso mehr bescheiden, als die Weisheit des Monarchen auch in diesem Falle den Werth des Mannes und den Werth der Thalsachen richtig abgeschätzt hat. Se. Majestät erklärte, daß er die Wahl des Dr. Lueger „d e r m a l e n" nicht bestätigen könne. Der Kaiser kennt Dr. Lueger, er weiß, daß er ein st in der Reihe der Liberalen, dann in jenen derDemokraten stand, er weiß, daß der h ent ig e Jud enfr esser früher einFreund der Juden war. Den mannigfachen Wandlungen des Dr. Lueger kann in Anhoffung der kaiserlichen Huld eine neue folgen, aus dem Agitator und Oppositionsführer, gegen dessen Bestätigung „dermalen" politische Rücksichten sprechen, kann mit der Zeit doch ein Mann der bürgerlichen Ordnung, des Friedens und der Duldsamkeit werden. Die Bestätigung ist heute nicht möglich, aber sie kann morgen, übermorgen möglich werden, wenn Dr. Lueger sich wieder einmal gehäutet haben wird. Wir begreifen die Unruhe, welche heute im antisemitischen Lager herrscht. Aus dem Volke ist Dr. Lueger hervorgegangen, von den breiten Schultern des Volkes wurde er getragen, und erfüllt von dem Bewußtsein der Stärke, die ihm die Massen verliehen, rief er noch am Tage seiner jüngsten Wahl aus, daß er „keinen Fußbreit zurückweichen werde". Und nun ist er dennoch zurückgewichen und er hat bekundet, daß es für ihn noch einen höheren Willen gibt, als jenen des „christlichen Volkes". Erwägt man, daß die bisherigen Erfolge der antisemitischen Partei nur durch ein schier übermenschliches Maß an agitatorischer Kraft errungen werden konnten, daß diese agitatorische Kraft ihren vehementesten Ausdruck in der Person des Dr. Lueger fand und daß dieser nun darauf bedacht sein muß, sich die Gnade seines kaiserlichen Herrn nicht zu verscherzen, dann muß man sich sagen, daß die antisemitische Partei wohl Ursache hat, mit einiger Besorgniß in die Zukunft zu blicken. Es wiederholt sich hier mutatis mutandis das Schauspiel, das die liberale Partei nach dem Mandatsverzicht des Herrn v. Plener bot. Die Rivalität zwischen den Christlich-Soci-

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