Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 13 (1896)
- Issue
- 16 (17.4.1896)
- Date
- 1896-04-17
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
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Nr. 16 Dr. Vloch's Wochenschrift. heimer (Der Pentateilch. Erste Auflage, Bernburg 1841, richte, welcher übersetzt: „Du sollst nicht Zinsen geben Deinem Prüder u. s. w." und dies in der Anmerkung mit dem Hinweise ans den Talmud (Mezia, Leite 70) begründet, „wonach das Hiphil verschieden ist vom Kal und eigentlich heißt: Du sollst nicht machen, daß er (Dich) beiße." Bc.it aller Hochachtung Tr. P o l l a k Rabbiner. Die beantragte Uebersetzung der 2 Bibelstellen ist bereits vor mehr als einem halben Jahrhundert von Herrn Dr. Salomon H e r x h e i m e r, dessen treffliche Bibelübersetzung von den christlichen Consistorien zu Bernburg und Sondershausen für alle Pastoren ^es Landes angeschafft wurde, gemacht worden und lautet: Dem Ausländer magst Du Zinsen geben, aber Deinem Bruder darfst Du nicht Zinsen geben. Diese Uebersetzung begründet er in der Anmerkung durch den Talmud — Mezia, Seite 70 und nicht wie Dr. Rieß mit Seite 61 citirt — wonach das Hiphil verschieden ist vom Kal und eigentlich heißt: Du sollst nicht machen, daß er (Dich) beiße gleich ihm nicht Zinsen geben u. s. w. Der Grund dieses Verbotes, nicht Zinsen zu geben, wird in der Anmerkung näher erklärt. 1. D. Löbliche Redactivn! Mit Bezug auf den von Herrn Dr. Rieß in Rr. 1-7 der „Oesterreichischen Wochenschrift" gestellten Antrag zur Aeuderung der Uebersetzung zweier Bibelverse (Deuter. XXIII, 20—21; erlaube mir ans Hirsch's Pentateuch-Uebersetzung z. St. zu verweisen. Derselbe übersetzt: „Du darfst Deinem Bruder keine Zinsen geben „Dem Fremden darfst Du Zinsen gebeir ... ." und fügt in seinem Commeutar zu St. hinzu: Lo taschich ist das Verbot, an den Anleiher keinen Zins für Darlehen zu geben (6. M. 61 a u. 75 a). Es liegt dies in der Hiphil-Form. Nuschach im Kal eigentlich Beißen, heißt: Abbruch thun und bezeichnet das Zinsennehmen. Daher im Hiphil: Zinsen geben. Boskowitz, im April. Hochachtungsvoll §. Liturgik, Orchvth-chajim. Ritual- und Ceremonialgesetze mit besonderer Rücksicht auf die Liturgre in Synagoge und Haus. Bon I. Gut m a n n, Religionslehrer in Tesche n. Teschen 1806 (Stuks). 60 kr. Das Merkchen wird seinen Weg machen, gerade weil es, wie der Verfasser einleitend sagt „ein Schmerzenskind der modernen Zeit" ist. Das flunkerhafte Phrasenjudenthum hat genug an dem ehrwürdigen Gebäude unserer heiligen Gesetze gerüttelt und geschüttelt. Das abgebröckelte Gerölle hat ein gut Stück Judeuthum begraben. Die traurigen Zeilverhältnissk, die böswilligen Aufeiudnngen haben einigermaßen zu Bewußtsein gebracht, daß wir der inneren Stärkung durch Religiosität und frommgläubige Lebensführung gar sehr bedürfen. Traurig genug, daß in manchen Kreisen dem flachen Salo»- jndenthnm noch immer das Wort geredet wird. Herr Lehrer Gutmanu hatte das richtige Gefühl, als er an die Abfassung seines Büchleins ging; er drückt es in den Worten aus : „In früheren Zeiten hat die fromme Erziehung im Elternhause ein solches Buch ganz entbehrlich gemacht. Der religiöse Umgang in der Familie einerseits und der fleißige Besuch des Gotteshauses andererseits waren ein aufgeschlagencs Buch, dessen Schriftzeichcu für das empfängliche Gemüth der Kinder leserlich und verständlich genug waren. Heutzutage aber, wo sowohl das Eine als auch das Andere von der verheerenden Strömung der Zeit schonungslos hinweggespült wird, muß dem Kinde wenigstens theoretisch das geboten werdet!, was ihm das praktische Leben wegen anderweitiger Anforderungen unwillkürlich entzieht!- Der Verfasser wird seiner Aufgabe in vollem Maße gerecht. In 306 Paragraphen wird das ganze religiöse Leben kurz und bündig behandelt; es weht durch das Ganze sittlicher Ernst und religiöse Würde. Die religiösen Gebräuche und Vorschriften sammt den zugehörigenGebeten werden gewissenhaft durchgenommen; es zeigt sich nirgends die Lauheit und ausweichende Aengsttichkeit, welche zunächst die in unseren Schulen eingeführten Religivnsbücher charakteristren, die den Pelz waschen wollen, ohne ihn naß zu machen. Alle sogenannte,» Ceremonialgesetze, die sammt und sonders zum eisernen Fond des jüdisch-n Lebens gehören, werden richtig und angemessen beleuchtet; warum fehlen aber die Sabbathvorschtiftcn? Sehr gut ist die Behandlung der Gedenktage nach Monaten. Bei den „Benedeiungen" fehlt mir der schöne Satz, der des Morgens zu sprea-en ist: modeh ani lefonecho etc.; der sehrgut S. 93 unten an seiner Stelle gewesen wäre; bei den Speisegesetzen wären ethische Gründe für dieselben nicht überflüssig gewesen. — Recht instructiv ist auch der Anhang, behandelnd die Bücher der Seile 327 heiligen Schrift in knappen Inhaltsangaben, die Apokryphen, die mündliche Lehre, Wochenabschnitte, Namen aller Fest- und Gedenktage. Das Vocabular, der terra. techn. für Gottesdienst, Synagoge, Thoravorlescn und das jüdische Leben überhaupt ist erschöpfend und geschickt zusammengestellt. Das Ganze ist doch endlich einmal gesunde und kräftige religiöse Kost nach so vielem Zuckerwasser und verwaschenen Glaubensartikelchen, wie sie gang und gäbe geworden sind. Ich kann Gutmanu's Werkchen auf das Allerwärmste empfehlen und nur wünschen, daß für den Religionsnuterrichl an Volks- und Mittelschulen einmal etwas Aehnliches geschrieben werde, damit auch aus diesem die Phrase schwindet und ernste, religiöse Unterweisung an deren Stelle tritt. Nikol s b u r g, im April 1896. R a b b. Dr. D. F e u ch t w a n g. Briefkasten. Honorar 1000: Anonyme Zuschriften werden nicht berücksichtigt. S. Krieger, Biala Die Schrift von Herrn Dr. Theodor Herzl „Der Jndenstaat" ist in der Buchhandlung M. Breitenstein, Wien, IX., Währingerstraße 5, erschienen. I. B Die Klage ist wohl überreicht, wir wollen indessen das Weitere abwarten. L. B. Man muß allerdings etwas weit gehen, bis man die Worte eines Bischofs hört, der wie der katholische Bischof von Wladikawska von der Kanzel herab Gottes Segen für alle guten Leute, ohne Unterschied des Glaubens, erfleht. Tr. G. K. In Salzburg, wo es jetzt keinen einzigen Libetaleu in der Stadtvertretung gibt, haben die „Psendoliberalen" sich eben an den Wienern ein Beispiel genommen. H. N. Nicht nur in Wien hat der unchristliche Antisemitismus seine priesterticheu Förderer. In Graz wird der dortige Lueger, Herr F e i ch t i n g e r, von dem Lehrer an dem sürsterzbischöflichen Knabenseminar S ch e l l a u f in seiner Hetzthätigkeit lebhaft unterstützt. G. K. Aurelius P o r; e r ist bei Schönerer in Ungnade gefallen. Darüber tröstet ihn V e r g a u i mit den Worten „er gehöre nicht zur Trottelgarde eines Tummkovfes". Eine recht hübsche Sprache das unter „Gesinnungsgenossen". Der Antisemitismus bildet seine Leute. A.—Z V e r g a n i gehörte lange Jahre zur Garde Schönere r's. G—tt. Sie glauben der Mann weiß, wo — Bartl den M o st holt? Wir werden ja sehen: a. Nicht nur Lueger bedarf der Erholung. Mehr noch als er habenJene ein Bedürfniß nach Ruhe, die durch die gehässige Thätigkeit der Antisemitenführer ln ihrcr Ehre und in ihrem Erwerbe geschädigt werden. Tr. G. H. Gedroht hat der Gute schon oft; aber er war schließlich immer froh, wenn ihn die austießen, die er packen wollte. A. H. Dr. Lueger hatte nur den Ehrgeiz, einmal — aber längere Zeit hindurch Bürgermeister von Wien zu sein. Mildem oftmaligen G e w ä h l t w e r d e u allein ist ihm wenig geholfen. Tr. H. R. (Prag). Man sieht ja die Folgen. In Folge der hetzenden Osterpredigt eines Geistlichen in Krain schlugen die Bauern zwei liberale Christen tvdt. „Achi". Eine so tiefgehende Bewegung kann durch das Schweigen der Presse nicht todtgemacht werden. L—ch. Lächerlich. Warum sollte der Mensch nur Gedanken stehlen. ni. Fragen Sie doch lieber das „Deutsche Bolksblatt" um derlei Auskünfte. Brünn. Schneider hat auf dem Congreß in Troppau eine Züchtigung erfahren, über die selbst dieser mit einer eisernen Stirne ohnegleichen begabte Mann nicht gleichmnthig hinwegkommen wird. R. Die Ausflüge der Antisemiten sind schon recht. Schade nur, daß sie nicht dauernd fortbleiben. G —n. Das Inserat ist diesen „gesinnungstüchtigen" Organen das Höchste auf Erden. Für baares Geld druckt dieser Herausgeber vielleicht auch die Einsendung ab, er sei ein, wenn auch noch nicht gerichtsvrdnungsgemäß, entlarvter Schurke. H. B. Vielleicht. Doch Geduld! W. D. Danken für das Gedicht. Paßt nicht in den Rahmen oieses Blattes. A. L —ch. Die Broschüre ist bereits ungemein verbreitet. Leoninus. Sie irren, Mancher ist auch dann ein Schuft, wenn er nicht-anonym kommt. Dr. T. in T. Ihre Einsendung kam zu spät, indem eine andere bereits im Satz war. R. Tanziger, Wien II. Fugbachgaffe. Das Pamphlet in der ..Neunkirchencr Zeitung" ist eine reine Erdichtung und wurde vor Jahren bereits in der „Oesterreichischrn Wochenschrift" nach Gebühr gebrandniarkt. Ein Nichtorthodoxer : Wir erachten Ihre Millheilung als Verleumdung, insolange Sie den Namen nicht nenne».