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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1896-04-17 · 16 (17.4.1896) · page 18

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
13 (1896)
Issue
16 (17.4.1896)
Date
1896-04-17
Page
– (sequence 18)
Language
German
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Seite 326 Dr. Bloch's Wochenschrift. Nr. 16 Was?! Ihr Schwager ist sogar ein großartiger Spieler", ' rief Sugarmcm, sich plötzlich erinnernd, und die Gesellschaft lachte abermals. „Ja", sagte Breckeloss, „aber jetzt will er mir nicht mehr Gelegenheit geben, mein Geld an ihn zu verlieren, ein solcher Kozen ist er geworden. Er geht in die deutsche Schul' und kommt jedesmal sehr spät, und wenn man ihn nach seinem Geburtsort fragt, vergißt er, daß er ein Pvllak ist, und sagt, er sei von „hinter Berlin". Diese satyrische Schilderung erregte noch mehr Heiterkeit und trugen Salomon Ansell und dem Sohne des Schlatten- Schammes ein Biscuit ein. Zu den Gästen, welche sich keine derartigen Vergehen zu Schulden kommen ließen, gehörten der alte Gabriel Hamburg, der Gelehrte, und der junge Joseph Strelitzki, der Student, welche neben einander ihre Plätze hatten. Links von dem etwas schäbigen Strelitzki saß in einem blauen Seidenkleide die hübsche Bessie. Memand wußte, woher das Mädchen sein hübsches Gesicht habe, wahrscheinlich von irgend einer fernen Borfahrerin. Bessie war in jeder Hinsicht das angenehmste Mitglied der Familie Sugarmann; sie hatte etwas vom Verstände ihres Vaters geerbt, schlug aber sonst klugerweise ganz nach jener Vorsahrerin. Gabriel Harnburg und Joses Strelitzki standen schon seit längerer Zeit in Beziehungen zu dem Hause Royal Street Nr. 1: trotzdem hatten sie schwerlich je ein Wort mit einander gewechselt^ und als sie sich an diesem Tische begegneten, waren sie einander fremd, als hätten sie sich noch nie gesehen. Strelitzki war erschienen, weil er bei Sugarmann die Kost hatte, und Hamburg war erschienen, weil er manchmal Jonathan Sugarmann über eine Stelle im Talmud zu Rathe zog. Gabriel Hainburg war ein großer Gelehrter, der aus Liebe zur Wissenschaft und wegen sechs Menschen irr Europa, die seine Arbeiten verfolgten und aus ihnen Nutzen zogen, alles Erdenkliche erttug. Er kämpfte mit einem der zahllosen Probleme der jüdischen Literaturgeschichte nach dem andern, stellte Daten und Autoren fest, löste die Bücher der Bibel in ihre Haupttheile auf, indem er bald eine Lüste vor: Jahrhunderten zwischen die zwei Hälften ein und desselben CapitAs schob, bald das Licht einer neuen Theorie aus die Entwickümg der jüdischen Theologie warf. Er wohnte in der Royal Stteet und im Britischen Museum, denn er verbrachte den größten Theil seiner Zeit unter den Folianten und Manuscripten und brauchte nichts mehr als das kleine, mit verwitterten Büchern angestopfte Schlafzimmer hinter dem Wohnraume der Familie Ansell. In England wußte Niemand, der etwas bedeutete, von seiner Existenz, aber er arbeitete, weder von Gönnerschaft, noch von einem vollen Magen gehindert, unverdrossen weiter. Auch das Ghetto selbst wußte wenig von ihm, da er nur mit Wenigen verkehren wollte. Die Gelehrsamkeit hat sein Herz nicht verdorrt, denn er besaß einen tüchtigen Vorrath von Humor und sanfter Satyre und liebte seine Nächsten um ihrer Thorheit und Beschränttheit willen. (Fortsetzung folgt.) Jüdische Humoresken. Notirt von Sigmund R o s e n z w e i g, W i e l i c z k a. I. Reb Jizchak Dajin. Reb Jizchak Dajin war nächst dem Rabbiner, den er substituirte, die angesehenste und geachtetste Persönlichkeit des Städtchens B . . . . Man schätzte an ihm seine umfassende und erschöpfende Talmudgelehrtheit uno seine Erfahrenheit in weltlicher Beziehung. Alan rühmte ihm nach, er sei der beste Politiker der Welt, was zwar angezweifelt werden kann, da der Gesichtskreis des Städtchens B . . . . für politische Ereignisse noch ein zu enger war, immerhin verdiente er diese Benennung, sobald es sich um Gemeindeangelegenheiten des Städtchens handelte, die ost alle Gemüther in Erregung hielten, denn Reb Jizchak verstand es, die verwickeltsten Kehilafragen in glatter Weise zu lösen. Nicht umsonst sagte man, Reb Jizchak sei ein Weltschochim'); Seinen auf gegenseitiger Einigung basirenden und schiedsrichterlichen Entscheidungen muh man einen sehr hohen Grad von Vollkommenheit bei. Seine Umsicht und Weisheit war so groß, daß, wie mau sich allgemein erzählte, noch dem geschlichteten Din Thora-) keine einzige Partei unzufrieden davon gegangen sei. Diese hervorragenden Eigenschaften brachten ihm nebst der allgemeinen Verehrung manche Ehrenämter in B . . . . ein, und zwar fast alle jene, die nicht dem Rabbiner gesetzlich oder etiquettemäßig zukonuucn. Darunter befand sich ein Amt, welches ausschließlich Privilegium unseres Reb Jizchak Dajin war. An Jahrzeilen3) ward ihm stets die Ausgabe zutheil, den Tikunschnaps 4 *) an die Anwesenden zu vertheilen. Hiebei beobachtete er immer die Ordnung, sich zuletzt zu bewirthen, wobei er die weise Vorsicht übte, in der Flasche einen Inhalt zurückzulassen, .der genügte, mehr als ein Gläschen zu füllen. Eines Tages — es war eine Jahrzeit — geschah etwas Unerwartetes. Anstatt, wie man es gewohnt war, der Letzte zu sein, schenkte Reb Jizchak sich bas erste Gläschen ein, und begann erst dann den übrigen Tikunschnaps an die am Minjan 9) Theilnehmenden zu vertheilen. Alle Anwesenden stutzten. Diese Ausnahme von der Regel verblüffte geradezu. Man hatte nicht erwartet, daß ein solch' conservativer Mensch, wie Reb Jizchak Dajin von den einmal gefaßten Gewohnheiten, von der alten Lebensweise und Führung, selbst bei dem geringfügigsten Anlässe auch nur um ein Haar breit abweichen werde und doch.anstatt des letzten Gläschens schenkte sich Reb Jizchak das erste ein, sagte „Lechajim"9 *) und trank es. Jeder zeigte ein verwundertes Gesicht. Man winkte sich im Stillen zu, doch Niemand wagte, den geachteten Dajin zu rnterpelliren. „Er hat wahrscheinlich seine Gründe dabei", dachte sich Jeder und damit schien die Angelegenheit vorderhand abgethan. Doch Reb Eli, der jüngste Eidam des Rosch-ha-Kohol7) brachte Reb Jizchak nicht jenen besonderu R-spect, dessen er sich im ganzen Städtchen erfreute, entgegen. Er erhob sich von seinem Platze und richtete an ihn, etwas lächelnden Tones, folgende Ansprache: „Ihr werdet mir hundertmal meine Schates manche!9) sein, Reb Jizchak, aber eppes "y muß doch an der Sache sein, daß Ihr heute meschane haminag ") habt gewesen." „Wenn dem Olem l2) niche13) ist, den Taam "). zu hören, werde ich ihm sagen," erwiderte Reb Jizchak. „Wir wollen hören, wir wollen hören," stürmte es von allen Seiten. „Nu chapt nischt," 1S) sagte Reb Jizchak. „Bei einem solchen Geräusch hält man fast das eigene Wort nicht." Der Lärm legte sich allmälig; in verhältnißmaßig kurzer Zeit trat außer dem unvermeidlichen Räuspern und Husten vollständige Ruhe ein. „Durch einen Cholim")" b gann Reb Jizchak, indem er seinen langen Bart zwischen dem Daumen und Zeigefinger nahm und ihn saust glättete, „bin ich zum Sechel17) gekommen, daß mein Regiles, '3) das letzte Glas zu trinken, mir kann gaurem hesikI9) fein. Es hat sich mir nämlich gescho'imt,29) daß ein reicher Posessor 2') von unserer Gegend vor unsere Klaus' 22) gefahren kam, um seine Jahrzeit zu halten. Nu, wißt Ihr, was er als Tikun mitgebracht hat? Ich sehe, Ihr wisset nischt. Ihr mögt hören. Er hat mitgebracht einen ganzen Topf -3) Schnaps. In der Klaus' war eine Simche24) t'bejmei Schlome. 25) Wie heißt? Ein' ganzen Topf Schnaps. Das is' vorgekommen das erste Mal in meinem Leben und ich, Rabausa, 2G) bin schon kein junger Mensch. Nach dem Dawinin27) ließ ich mir bringen vom Schames -*) ein großes Glas. Als ich dem Olem schon ganz zufrieden gestellt Hab', blieb noch für mich ein' mone jofe29) in der Flasche zurück. Ich goß mir das Glas voll, rief dem Olem und dem Posessor lustig Lechajim zu und setzte es an die Lippen, um zu trinken, doch plötzlich hat angefangen mein kleiner Sohn, Schmul'lsche, zu weinen und — weckte mich auf, noch bevor ich einen Tropfen probirt habe." „Nun sagt, Rabausa," setzte Reb Jizchak fort, „war ich nichr ein Schaute, 30) mit meinem Regiles das letzte Glas zu trinken? Denn hätt' ich mir eingeschenkt das erste Glas, hätt' ich getrunken, eder34) Schmul'lsche hat angesangen zu weinen. Gleich in der Früh habe ich den Neder32) gemacht, von nun an bei Jahrzeiten das erste Glas zu trinken, denn, Rabausa, man kann kein Chochim sein, Schmul'lsche könnte jede Rege ") wieder anfangen zu weinen." Literatur:. Trebitsch, am 12. April Geehrter Herr N e d a c t e u v! Mein sehr geschätzter Freund und Landsmann, Herr mell. Tr. Rieß in Auspitz, beantragt in Nr. 15, Seite 507, die beiden Verse Deuter. XXIII, 20 und 21 nicht wie üblich irr dem Sinne von „Zms n e h m e n", sondern von „Zins gebe n" zu übersetzen. Ich stimme diesem Atittag vollkommen bei, da ich mich schon jahrelang in der Uebersetzung dieser Stelle nach Herx- 3) Sterbetag des Vqters oder Mutter. 4) Schnaps, der zum Seelenheil des Verblichenen geschenkt wird. *) Gebet- Versammlung. c) Prosit. 7) Cultuspräsident. 8) Frage. 9) verzeihen. 10) etwas. u) Gewohnheit geändert. l2) Versammlung. 13) genehm. 14) Ursache. ") nicht so voreilig. '6) Traum. n) Vernunft. 1S) Gewohnheit. 19) Schaden verursachen. -°) geträumt. 21) Gutsbesitzer. 22) Betstube. 2s) 4 Liter-Flasche. 24) Freude. 25) wie zu Zeiten Salomo's.29) meine Herren. 27) Gebete. 28) Diener. 29) ein schöner Antheil. 3U) Dummkops. 31) bevor. 32) Gelübde. 33) Augenblick. l) Weltwciser. -) Proceß.

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