Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 13 (1896)
- Issue
- 15 (10.4.1896)
- Date
- 1896-04-10
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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Nr. 16 Seite 305 Dn Bloch's Wochenschrift Waidhofen a. d. Thaya, 31. Mürz. (Israelitischer Frauen-Wohlthätigkeits-Verein.) Unser unter dem wackeren Präsidium der Frau Antonie Singer daselbst stehende Frauen-Wohlthätigkeits-Verein versendet eben den Bericht über das erste Bereinsjahr, in welchem an Gründlings-, Mitgliederbeiträgen und Spenden fl. 351-92 vereinnahmt wurden. Schon im ersten Jahre seines Bestehens entfaltete der Verein seine humane Thätigkeit, indem er an arme Wöchnerinnen, wahrhaft würdige und dürftige Frauen und bei besonderen Unglücksfällen fl. 125 zur Vertheilung brachte. Hierüber liegen, sagt der Jahresbericht, Dankesbriefe unserer unglücklichen Glaubensschwestern vor, deren rührender Inhalt hinlänglich bezeugt, wie nothwendig der Bestand solch' eines jüdischen Vereines in unserem Bezirke war und ist. Mögen demselben, der erst jüngst anläßlich des Pessachfestes wieder fl. 100 armen Familien zuwendete, die Gaben von in der Ferne lebenden Landsleuten reichlich zufließen, damit der einzige jüdische Frauen-Verein im Waldviertel weiterhin segensreich wirke! —w. Neutra. (Resignation.) Der Vicepräsident der hiesigen israelitischen Cultusgemeinde Herr Josef Enget hat auf diese seine Ehrenstelle resignirt und hievon den Präses der Cultusgemeinde brieflich verständigt. Lemberg. Am 5. d. M. hat die hiesige jüdische Gesellschaft einer: schlverer: Verlust erlitte::. Der hiesige Großindustrielle Herr Jacob Sprecher, eine in der hiesigen Gesellschaft wohlbekannte und gut accreditirte Persönlichkeit, ist in: Alter von 56 Jahren gestorben. Der Hein:geganger:e, welcher erst jüngst ii: den Lemberger Gemeinderath gewählt wurde, war Ausschußmitglied der hiesiger: Kaufmannshalle und Besitzer der bedeutendster: Spiritus-Raffinerie in Galizien, und nicht blos seine trar:err:de Gattin, seine geachteten Söhne und Töchter, sondern auch seine zahlreichen Fabriksarbeiter betrauern den Verlust eines väterlicher: Freurrdes und Beschützers. Sein Tod erregt in aller: Kreisen der Gesellschaft ohne Unterschied der Confessio:: allgemeine Theilnahme r:r:d die Achtung, welche der Verewigte durch seine Herzensgüte, durch sein wohlthätiges Wirken, durch seine Biederkeit als Kaufrr:ar:n erworben, zeigte sich bei der Beerdigungsfeierlichkeit! Eine r:ach Tausenden zählende Menge, darunter die Honoratioren der Stadt, auch die Rabbiner Jsak Schmelkes und Dr. Caro aus Lemberg, Rabbiner Chajes aus Brody, geleiteten den Sarg zun: Friedhof. Die hiesige israelitische Gemeinde verliert einer: eifrigen Förderer. Friede seiner Asche! T. H. Lemberg. Unter Aegide des Cultusprüsidenten Edler: von Horowitz, Sr. Ehrwürden Rabbiner Schmelkes, Dr. Caro, Dr. Schaff, Julirrs Hochfeld, G. Dornzweig und Jorras Beiser wurden während der Osterfeiertage 500 jüdische Soldaten der hiesigen Garnison mit ritueller Kost und Osterbrod gespeist, r:r:d der Hochherzigkeit des hiesiger: Commandirenden, Sr. Excellenz, FML. Hans Graf von Schulenberg ist es zu verdanken, daß die Soldater: in der: Feiertagen von: Dienste Befreit wurden, um dem Gottesdienste in dem israelitischen Tempel ur:d den Synagogen unter Anführung der jüdischen Urrterofficiere I. Knicke urrd Bernhard Vogel vom Jnfauterie-Regimente Nr. 15 beiwohnen zr: körrnerr. Obwohl die Kosten dieser blos achttägigen Bespeisung circa 2000 fl. betragen haben, ist es doch eine anerkannte Wohlthat, daß man den jüdischen Soldaten die Freiheit für deren ganzjähriger: schweren Dienst verschaffte. Schließlich kann ich nicht umhin, die Spende des bekannter: Philantropen Dr. Wilhelm Holzer von 2500 Kilogramm. Erdäpfel für verschämte Arme zu erwähnen. Der Vereir: Kimche de Pische unter Leitimg der Herren D. Maschler, S. M. Goldbaum, Julius Hochfeld und Jonas Besser hat auch heuer an verschämte Arme 350 Centner Osterbrode und baar 1800 fl. vertheilt. Italien. Der ausgezeichnete jüdische Staatsmann, Staatsrath Signor Giacomo Malvano, ist zum Bureanchef im Ministerium des Aeußern eritannt worden. Signor Malvano hat schon diesen Posten, sowie der: eines Unter-Staatssecretärs ii: früheren Ministerien inr:e gehabt und hat im Verkehr mit den Gesandten der auswärtigen Mächte eine so vollendete Geschicklichkeit an den Tag gelegt, daß er von ihnen wie der eigentliche Minister des Aerrßern angesehen wurde. Rom. Eine bedeutende Anzahl jüdischer Officiere befindet sich unter der: Truppen, welche neuerdings nach Abeffynien abgegangen sind. Unter ihnen befindet sich Major.Achilles C o e n, der das Commando des 40. Bataillons erhielt. Einige jüdische Officiere kämpften in der unglücklichen Schlacht bei Adua . mit, doch verlautet über ihr Schicksal noch nichts Näheres. , Rom. Rabbiner Leone B a c a h, Professor am jüdischtheologischen Seminar in Rom und Herausgeber der „Corriere Jsraelitico", ist znW Prediger der hiesigen jüdischen Genreirrde eruanrck worder:. Padna. (Unfall desHBaroi:s Franchetti.) Während der Fahrt des Barons Raimondv Franchetti^ eines Neffen der Rothschilds, nach Padrra fcherrter: die Pferde rrnd stürzten famrnt dem Wagen ir: die Brenta. Der Baron, der mehrere Wunder: davontrrrg, wurde nach Padua gebracht. Baron Franchetti ist bekanntlich der Componist der Oper „Asrael". Bern. Professor Asser, Mitglied des Holländischen Geheimrathes, vertrat Holland rrnd Signor Ottolenghi Italien ir: der internationalen Conferenz der Staaten, welche sich der Berner Convention augeschlossen haben. Edinburg. Irr: Verlage von Clark erscheint demnächst ein neires biblisches Reallexikon. Jüdische Kreise wird der Umstand interessiren, daß der wohlbekannte Professor für rabbinische Wissenschaft an der Universität ir: Cambridge, S. Schechter, eingeladen wurde, den Artikel „Talmud" zu schreiben. London. (Eine jüdisch-deutsche Opern w o ch e.) Englische Tagesblätter sind des Lobes voll über eine soeben im Novelty-Theater in Great Queen-Street cursgeftihrte jüdisch-deutsche Oper „Judas Makkabäus" urrd empfehlen aller: Jenen, die sich überhaupt für die Bühne interessiren, diese merkwürdige Art von biblischem Drarrra, das an die Mysterienspiele des Mittelalters erinnere, sich anzuhören. Im Larrfe der Woche komrnen „Rabbi Joselmann", „TieJudenverfolgring in Portugal", „König Salomo" urrd „Sularuith" zur Aufführung. Nicht uu: Alles, schreibt der „Daily C h r v n i c l e", möchten wir auch nur eine einzige Aenderung in den Costümen wünschen," so wenig sie auch der: Ansprüchen geschichtlicher Treue entspreche::, noch wäre es angezeigt, das naive aber ernste Spiel durch moderne Ideen zu beeinflussen. Das Ganze ist ein Ueberbleibsel einer Cultur, die in: Aussterben begriffen ist, und ist nicht alle Tage zu seherr. Calcutta. Bei der jährlichen Prüfung ar: der hiesigen Universität im vorigen Monat war die eirrzige Dame, die das Doctorexamen bestar:d, Fräulein Mathilde Cohen. FeuAeton. Rinder des Ghetto. (Roman von I. Zangwill.) (Nachdruck verboten.) Zwölftes Capitel. Die „Söhne des Bundes". Die „Söhne des Bundes" entsandten feinen Vertreter aus den Vereinsball, wußten weder von Walzern, noch von Fracks zu sagen. Sie bildeten die Gemeinde, derer: Präsident Herr Belkowitsch war, und ihre Synagoge befand sich im Erdgeschosse des Hauses Royal Street. Es waren zwei große, zu eiirem vereirügte Zimmer, derer: Hintergrund ftir die Frauen abgetheilt war. Die Einrichtung bestand aus kahlen Bänken, einer Plattform mit einem Lesepult in der Mitte und einer hölzerner:, verhängter: Bundeslade, in der sich zwei Pergament-Gesetzesrollen befanden, eine jede mit einem silbernen Zeiger urrd silberner: Glöckchen und Granatäpfeln versehen. Das Zimmer war schlecht ventilirt und das Bischen Luft darin wurde gewöhnlich von einer geftäßigen Bande großer und kleiner, in Meffingleuchtern steckenden Wachskerzen verzehrt. Die Hinterfenster gingen aus der: Hof und die benachbarten Kuhställe hinaus, und ein lautes Muh-Gebrüll mischte sich in das leidenschaftliche Flehen der Andächtigen, die zwei- und oft dreimal täglich herkamen, um zu beten und mehrexegetischen als ethischen Predigten zu lauschen. Sie kamen gewöhnlich in ihrem Werktagskleid und Werftagsschmutz, und nie fehlte es an einem Minjan an der vorgeschriebenen Anzahl von zehn Betern. Diese Synagoge war der ganze Luxus, dessen sich viele ihrer Söhne rühmen konnten. Sie war ihr Salon und Lesezimmer. Sie versorgte sie nicht nur mit Religion, sondern auch mit Kunst und Literatur, Politik und öffentlicher: Vergnügungei:. Sie war ihr Heim, ein Ort, wo sie in der: Pantoffeln sitzer: konnten, das heißt bildlich gesprochen, denn wenn sie das auch häufig wirklich thaten, so geschah es aus Ehrsirrcht, nicht aus Bequemlichkeit. „Ganz Israel sind Brüder" — und ir: der That eine seltsame, antike Stammes brüderschaft. die u: der modernen Wel: