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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1896-04-10 · 15 (10.4.1896) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
13 (1896)
Issue
15 (10.4.1896)
Date
1896-04-10
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Nr. 15. Dr. Bloch’s Jahrgang Centralorgan für die gefammten Interessen des Iudenthums. K. k. Kostspsrkaffen-Amt Tlesrinsverkrhr Nr. 810.976. NrLsrUon und Administration: Wien N.Lntrre Nuga»trnstratzr is Talephon-Nf. 6535 —^— Wien, 10. April 1896. - - Erscheint jeden Freitag. -'H1 «■»!■ - ag Man abonnirt bri allen Postanssalten des In- und Auslandes. Sepkgsvrri» für Oesterreich: Halbjährig 4 fl. 8 J?r. Einzelexemplare 25 kr. Für'» Ausland: halbjährig 5 fl. — 10 Lr. ganzjährig 10 „ — 20 „ Anzeigen: Die 4mal gespaltene Pekitzeile 12 kr. Inhalt: Leitartikel Ein antisemitischer Ritnalnwrd. — Die Pessimisten und die Optimisten. — Die antisemitische Sehnsucht nach einer Schulch-rn-Aruch-Uebersetzung. — Beitrag zur Geschichte der russischen Inden. — Zadoc Kahn (Grand Rabbin de France). — Mutter und Tochter. — Vom Jahrmarkt des Lebens: Der arische Ehrenbürger. Selbstmord. Gegen den Führer der Antisemiten. Ahlwardt's Redacteur vom Stamme Inda. Germanischer „Reinfall". Gemeinde und Rabbiner. Cardinal und Rabbi. Carl Paasch über Freiherr» v. Langen. Ein jüdisches Bergvolk. Ein jüdischer Landwirth. Bildnisse Richard Wagner's. Die Schüler Schönerer's. — Correspond enzen: Wien, Brünn, Proßnitz, Brvdy, Jglau, Krakau, Budapest, Bon den Ufern der Newa, London, Kairo, New-Iork. — Vermischtes: Wien, Bad Hall, Neubydzow, Waag-Neustadtl, Waidhofen an der Thaya, Neutra, Lemberg, Italien, Rom, Padua, Bern, Edinburg, London, Calcutta. — F e ui l l e t o n: Kinder des Ghetto. — Literatur. — Briefkasten. — Inserate. Ein antisemitischer Ritualmord. Papst Gregor X. bemerkt in der Bulle vom 7. October 1272, „daß chr istlich e Väter heimlich ihre Kinder verbergen, um den Juden etwas anhaben und als Preis des Loskaufens von den Quälereien eine gewisse Summe Geldes von den Juden erpressen zu können". * In dem Gutachten, das Cardinal G a n g a n e l l i (der spätere Papst Clemens XIV.) über die Blutbeschuldigung erstattet hat, heißt es: „Was würde aber der Fiscus von L u c e o r i a sagen, daß ein gleiches entsetzliches Verbrechen mehrere Male (Gott wolle es nicht, daß immer) von Christen begangen worden ist, sogar vom Vater s e l b st, und darauf den unglücklichen Juden in die Schuhe geschoben? Ich schäme mich, den Verdacht auszusprechen, aber vielmehr dringt es mich außer Fassung, hiefnr den authentischen Beweis (bezeichnet litera D.) darzubieten. Dort lese man, daß ein Vater eineseiner zarten Töchter an verschiedenen Theilen verstümmelte, . . .. daß dasselbe Kind, welches nach göttlichem Willen länger lebte, mit eigenem Munde bekannte, vom eigenen Vater mit vielen Wunden und Verstümmelungen zugerichtet worden zu sein. Und doch hatte sich schon der Verdacht gegen die Juden gerichtet, schon wollte man gegen die Juden Vorgehen." Strack („Der Blutaberglaube") erwähnt zwei Fülle, in denen Mütter ihre Kinder ermordeten, während die Juden des Verbrechens beschuldigt wurden (S. 128—129). Ein derartiger Fall ist noch im Jahre 1892 in Jngrandes (Departement Iuär68 et Loir) authentisch festgestellt worden. (Siehe Antisemitenspiegel S 322 ) Während die dortigen Blätter von Ritualmord fabelten, wurde die eigene Mutter nach einiger Zeit des Verbrechens überführt und darauf mit 20 Jahren Zuchthaus bestraft. Aehnlich hat, wie wir vor einem Jahre gemeldet haben, in Labischin (Provinz Posen) der Mordeines Christenkindes stattgefunden, wo die eigenen Eltern des scheußlichen Verbrechens überführt worden find, um hernach die Schuld auf die Juden zu wälzen. Daß der Mörder des armen Joanchen Hegmann in kanten in den Reihen der internationalen Antisemitenbande sich verbirgt, ist heute für jeden Kenner der Verhältnisse nahezu zweifellos. Wo nur die Blutfabel irgendwo auftancht und die öffentliche Aufmerksamkeit fesselt, hat die Polizei alle Ursache, sofort an antisemitische Urheber zu denken. Daß dies richtig ist, zeigte der Ausgang einer Ritualmord-Affaire, welche im Verlaufe der letzten Wochen in P h i l i p p o p e l in Bulgarien sich abgespielt hat. Das „Deutsche Volksblatt" vom l. April 1896 brachte nachstehende sensationelle Meldung unter der Ueberschrift: „Ein neuer rälhselhafter Mord?" Philippopel, 24. März. „Bereits seit drei Jahren verschwinden in einzelnen Ortschaften des Landes stets vor dem jüdischen Passahfeste christliche Kinder. Vor zwei Jahren geschah dies in Praca, voriges Jahr in Tatar-Basardschik und Heuer gar in Philippopel selbst. „Der diesjährige Fall ist besonders aufsehenerregend und hat auch in der Stadt das größte Aufsehen hervorgerufen. Es handelt sich um einen fünfjährigen Christenknaben, der vom Elternhause vor einundzwanzig Tagen auf ganz unerklärliche Weise verschwand. Die Polizei, der das Verschwinden des Knaben angezeigt wurde, leitete sowohl in der Stadt, als auch in der Umgebung die eifrigsten Nachforschungen ein, das Kind blieb jedoch verschollen. „Vor drei Tagen ließ nun der Polizeipräfect von Philippopel den Vater des Knaben zu sich bescheiden und bedeutete ihm, daß alles Suchen vergebens gewesen sei und man nunmehr darangehen werde, bei seinen Nachbarn Hausdurchsuchungen vvrzunehmen.Obzwar der Vater des Kindes dies als überflüssig bezeichnete, indem er von seinen Nachbarn keinen verdächtigen könne, blieb der Polizeipräfect dennoch dabei, am nächsten Morgen die Hausdurchsuchung vorzunehmen. Als der Vater des verschwundenen Kindes nach Hause kam, theilte er seiner Frau das Vorhaben der Polizei mit, und beauftragte, sie, die Nachbarsleutehiervonin Kenntniß zu setzen, damit sie s i ch a m nä ch st e n Morgen nicht ängstigen. Die Frau that, wie ihr geheißen wurde. Thatsächlich erschien am nächsten Tage zeitlich Morgens die Polizei, aber noch viel früher hatte man ein

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