Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1896-04-03 · 14 (3.4.1896) · page 18

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
13 (1896)
Issue
14 (3.4.1896)
Date
1896-04-03
Page
– (sequence 18)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3020846-3021115-3021130--05502-3029740
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Seite 286 Vr. »loch'» Wochenschrift. Nr. 14 „Oh!" mehr brachte er nicht heraus. „Ich habe Ihren Namen nicht deutlich gehört." „Ich habe den Ihrigen auch mcht gehört," antwortete sie ausweichend. „David Brandon," erwiderte er sofort. „Ein hübscher Name," sagte sie, sich lächelnd zu ihm umdrehend. Die Aussicht, ihn nach Herzenslust zum Besten haben zu können, stimmte sie ganz milde gegen den jungen Mann. „Wie schade, daß ich mir alle Hoffnung darauf verscherzt habe!" Sie lächelte zum erstenmale, und ihm gefiel das Licht, das um die Curven ihres Mundes, zwischen den Schatten der weichen, dunklen Haut und in der schwarzen Tiefe ihrer Augen spielte. „Wie schade!" sagte er, ebenfalls lächelnd. „Natürlich," rief sie, den Kopf leicht aufwerfend.. „Jetzt können Sie das sagen, denn nun ist keine Gefahr mehr dabei." „Ich würde es auch in diesem Falle sagen." „Es ist leicht, eine Giftschlange zu stteicheln, „wenn ihr die Gistzähne ausgerissen sind," lachte sie. . Nein, ist das aber ein ungewöhnlicher Vergleich? Aber wohin gehen die Leute? Ich hoffe doch, daß das Fest nicht schon ans ist." „Warum wollen Sie denn noch bleiben? Sie tanzen ja nicht." „Eben darum — außer wenn Sie mit mir tanzen wollten." „Dann würden Sie ja gehen wollen?" rief sie mit erheuchelter Empörnng. „Ich sehe schon, Sie sind mir zu schlagfertig," sagte er kläglich. „Wenn man sich so lange unter den Boers am Cap hernmtteiben mußte, versteht man sich nicht mehr auf Complimente." „So!" sagte Hanna, indem sie sich mit dem größten Ernste steif auftichtete. „Ich finde. Sie machen mir viel mehr Complimente, als Sie einer verheirateten Frau gegenüber das Recht haben." Er sah ganz bestürzt aus. „Oh, ich meinte es gar nicht so," stotterte er wie entschuldigend. „Das habe ich mir ohnehin gedacht," entgegnete Hanna. Der Arme wurde immer röther und verlegener. Hanna begann ihn jetzt ordentlich sympathisch zu finden, so vergnügt war sie über die Demüthigung, die sie dem jungen Mann vom Cap bereitet hatte. „Ich muß mich wohl jetzt verabschieden," sagte er unbeholfen. „Ich darf Sie ja doch nicht um die Ehre bitten, Sie zu Tische führen zu dürfen. Wahrscheinlich wird ihr Gatte dieses Privilegium in Anspruch nehmen." „Wahrscheinlich," erwiderte Hanna lächelnd, „obwohl Gatten dieses ihr Privilegium nicht immer zu schätzen wissen." „Ich wäre ftoh, wenn das bei Ihnen der Fall wäre," platzte er heraus. „Besten Dank für Ihre guten Wünsche für mein häusliches Glück," sagte sie sttenge. „Oh, warum entstellen Sie denn Alles, was ich sage?" bat er. „Sie müssen mich für einen schrecklichen Schlemiehl halten. Wer auf jeden Fall hoffe ich, Ihnen noch einmal irgeirdwo zu begegnen." „Die Welt ist sehr klein," erinnerte sie. „Ich möchte gern Ihren Gatten kennen lernen," sagte er kläglich. „Warum?" ftagte Hamm unschuldig. Weil ich ihm dann einen Besuch machen könnte," antwortete er lächelnd. „Nun, Sie kennen ihn ja," fuhr es ihr heraus. „Wirklich?! Wie heißt er denn?" rief er. „Ich glaube, Sie irren sich!" „Er hat Sie mir ja vorgestellt." „Was, Sam?!" fragte David überrascht. .Ja!" „Aber —" rief David, halb ungläubig, halb erstaunt. Er hätte Sam nie die Klugheit zugettaut, sich eine solche Frau zu wählen, und seiner Ansicht nach verdiente er eine solche Frau auch gar nicht. „Aber was?" ftagte Hanna mit reizender Naivetät. „Er sagte — — ich — ich, wenigstens verstand ich es so — ich — ich glaube, er stellte ein Fräulein Salomon als seine zukünftige Frau vor." Salomon hieß Malka's erster Gatte und daher auch Lea. „Das ist ganz richtig," sagte Hanna einfach. „Wa — was?" stammelte er. „Sie w a r seine zukünftige Frau," erklärte Hanna, als erzähle sie die natürlichsten Sachen von der Welt, „wissen Sie, ehe er mich heiratete." „Ich ... ich bitte um Entschuldigung, wenn ich an Ihren Worten zu zweifeln schien, aber ich glaubte wirklich, Sie scherzen." „Wieso kommen Sie auf diesen Gedanken?" „Nun," stottete er, „Sam erwähnte gar nicht, daß er verheiratet sei, und da ich ihn immer mit ihr tanzen sah -" „Ich glaube, er fühlt sich verpflichtet, ihr einige Anfmerksmnkeit zu erweisen — wahrscheinlich zur Entschädigung," sagte Hanna gleichgültig,. „Es würde mich gar nicht wundern, wenn er sie zu Tische führt statt mich!" „Da geht er in den Speisesaal. Richtig, er hat sie am Arm!" „Es wäre schade, sie zu stören," sprach Hanna lächelnd. „Wenn es Ihnen also Rech t ist, können Sie mich am Arm haben, wie Sie sich ausdrücken." Das Gesicht des jungen Mannes strahlte vor Vergnügen, das umso größer war, als es unerwartet kam. „Oh, hol's der Kuckuck!" rief er. „Ich weiß nicht warum, aber ich kann gar nicht glauben, daß Sie eine verheiratete Frau sind." „Spiele ich denn meine Rolle so schlecht?" „Ist es eine Rolle?" rief er eifrig. Sie schüttelte den Kopf, und sein Gesicht wurde wieder ganz lang. Die Veränderung in seinen Mienen konnte ihr nicht entgehen. „Nein, es ist die herbe Wirklichkeit," seufzte sie. „Wollte Gott, es wäre nicht so!" Das war wohl ein kühnes Geständniß, aber leicht verständlich. Sam und Brandon waren alte Schulkameraden, und David hatte keine besonders hohe Meinung von ihm. Er schwieg eine Weile. „Sind Sie nicht glücklich?" ftagte er sanft. „In meiner Ehe nicht." „Sam muß ein ganz roher Patton sein!" rief er empört. „Er versteht Sie nicht zu behandeln. Er verdient Prtigel, wie er dort der dicken Person in Roth den Hof macht." „Oh, Sie dürfen sie nicht so herabsetzen," sagte Hanna, sich mühsam beherrschend, obwohl ihr nicht blos lächerlich zu Mtthe war. „Sie ist meine beste Freundin." „Natürlich, so geht es immer," meinte David orakelhaft. „Aber wie kam es, daß Sie ihn heirateten?" „Durch Zufall!" antwortete sie gleichgiltig. „Durch Zufall?!" wiederholte er mit weitaufgerissenen Augen. „Nun, es thut ja nichts," sagte Hanna, nachdenkend einen Löffel Creme in den Mund steckend, „ich werde morgen von ihm geschieden. Geben Sie Acht! Sie hätten beinahe den Teller zerbrochen." ' David staunte sie mit offenem Munde an. „Morgen von ihm geschieden?" „Ja! Ist das so sonderbar?" „Nun, weiß ich's gewiß: Sie haben mich die ganze Zeit zum Besten gehalten," sagte er, nachdem er eine volle Minute ihre unbewegliche Miene angestarrt hatte. „Mein lieber Herr Brandon, Sie wollen mich also durchaus zur Lügnerin stempeln?" Nun mußte er sich wieder entschuldigen und wurde ein solches Musterbild von Verdutztheit und Verlegenheit, daß Hanna's Ernst zuletzt in die Brüche ging und ihr fröhliches Gelächter sich in das Klirren der Teller und das Geräusch der Sttmmen mischte. „Ich muß mich Ihrer erbarmen und Sie aufklären, aber versprechen Sie mir, es nicht weiter zu erzählen," bat sie. „Es weiß nur unser kleiner Kreis darum, und ich möchte nicht zum allgemeinen Gespött werden." „Natürlich verspreche ich es," betheuerte er eiftig. Sie erhielt seine Neugierde in Spannung, um sich noch ein wenig zu amusiren, aber zuletzt erzählte sie ihm Alles. „Nein, so was!" rief er, als sie geendet hatte. „Aber auf jedem Fall freue ich mich sehr und grattllire Ihnen." „Wozu?" „Daß Sie nicht wirklich mit Sam verheiratet sind."

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.