Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 13 (1896)
- Issue
- 14 (3.4.1896)
- Date
- 1896-04-03
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
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Seite 284 Dr. Vlortz's Wochrnschrist- Nr. 14 Straftenscenen. Die zahlreichen Besucher der Kaffeehäuser in der Weihburggasse und am Parkriuge wurden Sonntag Nachmittags durch lärmende Straßeusceuen in ihrer Lectüre gestört. Gegen 6 Uhr war nämlich eine antisemitische Fcauenversammlung in den Rotundensälen der Gartenbau-Gesellschaft geschloffen worden und die Theilnehmerinnen an derselben gaben Ms der Straße ihrer Begeisterung für Dr. Lueger so lauten Ausdruck, daß sich größere Menschenmengen ansammelten. Grünfeld's Concert in Abbazia. Aus A b b a z i a wird uns geschrieben: Im Theatersaale des „Hotels Stefanie" in Abbazia fand Donnerstag Abends ein Concert des Kammervirtuosen Alfred Grünfeld statt. Ein distinguirtes Publicum füllte den Saal, auch die Frau Kronprinzessin-Witwe Erzherzogin Stefanie war in Begleitung des Obersthofmeisters Baron G u d e n u s erschienen. G r ü n f e l d's Spiel fand enthusiastischen Beifall. Die Kronprinzessin-Witwe dankte dem Meister nach Schluß seines Concertes für seine künstlerischen Darbietungen. Brünn. (B r ü lt it e r Handelska m m e r.) An Stelle des vor Kurzem verstorbenen Zuckerfabrikanten Adolf Redlich wurde der Glasfabrikant Ignaz Reich in Gaya als wirkliches Mitglied in die Brünner Handelskammer berufen. Brünn, 25. März 1896. Bor einigen Tagen wurde hier ein Mann zu Grab: getragen, welcher in jeder Hinsicht als Zierde der hiesigen Gemeinde, als einer der wackersten Vertreter des Judenthums im edelsten Sinne des Wortes bezeichnet werden konnte, Herr Salomon Löw-Beer. Ein tragisches Geschick hatte ihn vor 23 Jahren seiner Gattin beraubt, welche holde Anmuth und edle Herzensgute in ihrer Person vereinigte. Dieser Schlag hatte den bis dahin schaffensfreudigen Mann hart getroffen; er har ihn eigentlich nie verwunden Ans der Fabriks-Firma Moses Löw-Beer, derer bis dahin angehört hatte, trat er nun aus und lebtejetzt nur dem Wohle seiner Kinder, seiner Religion und Werken der Wohlthatigkeit. Er übte diese im Geheimen aus und gar mancher Arme, der von seinen Unterstützungen lebte, weinte au seinem Sarge. — Was seine religiöse Ueberzeugung anbelangt, so neigte diese der conservativen Richtung zu, ohne jedoch in Fanatismus auszuarten; er schätzte Jedermann, der treu zu seinem Glauben hielt. Bon seinen Kindern, denen er eine vortreffliche Erziehung angedeihen lieh, ist eine Tochter an den hiesigen allgemein geachteten Advocaten Dr. Alexander Popp er vermählt. Tragisch, wie das Leben Salomon Löw-Bee r's, war auch sein Tod; er konnte im eigentlichen Sinne des Wortes sprechen: „Ich gehe zum Sterben". — Non einem Besuche, den er seiner in Wien wohnenden Tochter gemacht, zurückkehrend, ereilte den 63jährigen Mann der Tod in der Nähe der Station Floridsdorf, da der Zug kaum das Weichbild Wiens verlassen. Die Leiche wurde hiehergebracht und unter dem theilnehmenden Geleite der hervorragendsten Mitglieder der hiesigen Gemeinde, sowie der Honoratioren unserer Stadt zu Grabe getragen. Herr Landes -Nabbin er Dr. B. B l a c z e k widmete dem Verstorbenen einen tiefempfundenen ergreifenden Nachruf, in welchem er die Verdienste des Heimgegangenen würdigte, einen Nachruf, der kein Auge trocken lieh. Das Andenken des Verstorbenen wird immerdar ein gesegnetes sein! Prag. (Ein Veteran der I o u r n a l i st i k.) Der ehemalige Herausgeber und Redacteirr der „Prager Handels- Zeitung", Herr Heinrich K a tz, beging vorige Woche seinen achtzigsten Geburtstag. Herr K a tz hat vor mehr als 40 Jahren die erste Handelszeitung irr Böhmen, das „Prager Handelsblatt", in's Leben gerufen und dasselbe bis zu dessen Eingehen vor 15 Jahren selbstständig redigirt. Als langjähriger Vorsitzender der beeideten Wechsel- und Waarensensale hat Herr K a tz das Vertrauen seiner Fachgenosien besessen. Den wirthschaftlichen Interessen des Landes widmete er sich als wirkendes Mitglied der früheren Patriotisch-öconomischen Gesellschaft mit dem Eifer und dem Fleiße, der sein ganzes arbeitsreiches Leben kerrrrzeichrret. Jamuitz. Zum Rabbiner der hiesigen israelitischen Cultusgemeinde wurde Herr Dr. A. Morgenstern aus Weihiirchen einstimmig gewählt. E. B. Prosnitz. Louis Schnabel, Institutsd i r e c t o r i n N e w - P o r k, unser berühmter Landstnann, hat der hiesigen Dr.Gideon-Brecher-Siechenhansstiftung eine Spende von hundert Gulden zukommen lassen, gleichzeitig aber auch einen jährlichen Beitrag von zehn Gulden zugesichert. Dieser hochherzige Act und Ausfluß humanitärer Gesinmlng hat in unserer ganzen Gemeinde den besten Eindruck gemacht. Jnsbesonders hat es sympathisch berührt, daß Herr Schnabel, der schon nahezu 40 Jahre von Proßnitz fern weilt, für seine Vaterstadt noch iminer so tief empfundene Gefühle des Patriotismus besitzt und auch über dem Meere, in weiter Ferne seiner Heimat wohlwollend gedenkt. Möge unserem Landsmann von der gütigen Vorsehung ein hohes Alter beschieden sein und er sich all wulte« annos voller körperlicher Kraft ungetrübter geistiger Frische erfteuen, zur Freude seiner Verehrer und zur Zierde der Gelehrtenwelt, deren Heros er ist. Troppau. Der zweite Ferialcommers jüdischer Hochschüler in Troppan — ein Damenabend — fand Mittwoch den 25. März statt und war vom besten Gelingen gekrönt. Die zahlreiche Betheiligung der Stammesgenossen aus Troppan und aus den Nachbarstädten Teschen, Ostrau und Jägerndorf bezeugt die sympathische Ausnahme, die auch hier in Schlesien der jüdisch-nationalen Idee entgegengebracht wird. Der Verlaus des Commerses, der hauptsächlich dadurch ein so erhebender wurde, daß die Wiener jüdisch-akademischen Verbindungen zahlreich vertreten waren, möge hier nur eine kurze Wiedergabe finden. Jurist Otto Eibuschitz („I v r i a") eröffnete den Commers mit einer herzlichen Begrüßungsansprache, in der er allen Gästen — insbesondere dem hiesigen Rabbiner Dr. A. Blüh, den Vorstehern der hiesigen Cultusgemeinde Herrn Dr. Sonnenschein und Herrn S. Spitzer, den Vertretern des jüdisch-literarischen Vereines in Troppau Herrn Dr. Eibuschitz und Herrn Hermann Kulka und denen des Synagogenchores in Troppau Herrn Dr. Eckstein und Herrn Obercantor Singermann, sowie den Vertretern der jüdisch-akademischen Verbindungen „Jvria", „K^dimah" und „Unitas", ferner den Vertretern der jüdischen Hochschiller aus Teschen, Ostrau und Jägerudorf — den Dank für ihr Erscheinen aussprach. Nachdem die altehrwürdige Weise des „Gaudeamus" verrauscht war, ergriff der Senior der Verbindung „Jvria" Druck. zar. Karl Ko^n das Wort zur Tendenzrede. In formvollendeter Darstellung entwickelte er die Ziele der jüdisch-nationalen Bewegung, die heute schon aujgehört habe, eine rein studentische zu sein. Nach der mit rauschendem Bcifalle aufgenommenen Tendenzrede wurde das Bundeslied „Wißt Ihr, woher die Einheit stammt" mit brausender Begeisterung gesungen. Hierauf sprach der Vertreter der „K a d i m a h", ihr Äftbursch mack. Druck. I. Schalit. Derselbe erörterte zuerst die letzten Ereignisse an der Wiener Universität und ging sodann auf die Judenfrage überhaupt und auf deren Lösung durch den Zionismus über. Den zündenden Worten des Redners folgte andauernder Beifall. Lleck. Druck. L. Poborsky „Jvria" trug hierauf die von echt orientalischer Schwermuth durchglühten syrischen Melodien und das „Cedernlied" vor. Eine Glanzleistung, zu derem Gelingen wesentlich die prächtige Clavierbegleitung des Frl. Irma Goldberger beitrug, welche durch nichtendenwollenden Applaus belohnt wurde. Es folgte nun die Rede Sr. Ehrwürden des Herrn Rabbiners Dr. A. Blüh. In glänzender Anssührung gab derselbe seine Zustimmung zu den Reden der Hochschüler. Namentlich ävandte er sich an seine ehemaligen Schüler, welche jetzt der „Jvria" angehören; er ermahnte, diese immer den Namen „I v r i a" hochzuhalten, das Vorbild des Jvrianers möge der Aelteroater der Juden „Abraham" sein, denn dieser schon sagte: „I v r i onauch i“. Hierauf sprach Herr Dr. Beer aus Jägerndorf, welcher, auf dem Standpunkt des jüdischen Nationalismus stehend, das Erwachen dieser Bewegung in Troppau mit Freuden begrüßte. Bon stürmischem Beifall begrüßt, erhob sich nun Dr. S. Eibuschitz. welcher im Namen des jüdisch-literarischen Vereines sprach. Ferner versicherte derselbe die jüdischen Hochschüler in jeder Weise, wo es noththue, seiner Unterstützung. Zum Schluffe sprachen Stein („Unitas") und zur. Jmmcrglück („Jvria"). Jener überbrachte den Troppauer Bundesbrüdern die Grüße der akademischen Verbindung „Unitas" in Wien, dieser sprach im Namen der „Jüdischen Hochschüler in Ostrau". Der ofsicielle Theil des Commerses wurde mit der Verlesung der brieflichen und telegraphischen Sympathiekundgebungen geschlossen. Diejenigen von Herrn Dr- Theodor Herzl, von allen jüdisch-akademischen Verbindungen, von dem Vereine jüdischer Mädchen „Moria" aus Wien, von der Verbindung „Humanitas" aus Graz und dem „Jüdisch-Literarischen Vereine in Ratibor" mögen neben zahlreichen Telegrammen von Privatpersonen aus Wien, Ratibor, Ostrau rc. erwähnt werden. Der inoficielle Theil hielt die ganze Corona noch lange in der fröhlichsten Stimmung beisammen. Ekke. Jena, 19. März. Der außerordentliche Professor Dr. Ed. R o s e n t h a l ist zum Ordinarius für Staats-, Völker- und Verfassungsrecht -ernannt worden. Dürkheim a. d. H., 17. März. Bei der Centennarfeier des hiesigen Israelitischen Jünglingsvereins wurde an Se. K. H. den Prinz-Regenten folgendes Huldigungs-Telegramm abgesandt: „Zahlreiche Israelitische Bürger der Stadt Dürkheim a. d. H. senden anläßlich der 100jährigen Jubelfeier ihres Kranken- und Unterstützungs-Vereins (Jünglings-Verein) Ew. Königlichen Hoheit unterthänigsten Gruß und die Versicherung unverbrüchlicher Treue. In tiefster Ehrfurcht: Nathan Wolf, 1. Vorsitzender." Auf diese Depesche lief folgende Antwort ein: „Se. K. H. der Prinz-Regent lassen für die anläßlich der gestrigen Jubiläumsfeier des Kranken- und Unterstützungs-Vereins Dürkheim in treuergebenster Gesinnung dargebrachte Ovation allen Theilnehmern Allerhöchst ihren huldvollsten Dank entbieten. In Allerhöchstem Aufträge Freiherr v. Zoller, Generallieutenant, Generaladjutant." Nürnberg, 15. März. Das „Bayer. Vaterland" des Reichen tagsabgeordneten Dr. S i g l hatte behauptet, daß bei den Gerichtsin Nürnberg schon mehr jüdische als katholische Richter angestellt