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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1896-04-03 · 14 (3.4.1896) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
13 (1896)
Issue
14 (3.4.1896)
Date
1896-04-03
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 14 Seite 275 Dr. Vloch's Wochenschrift Die Geschwornen (Obmann Dr. Desi der F i t t l e r) beant' warteten nach dreiviertelstündiger Berathung unter athemloser Spannung des Auditoriums die ihnen vorgelegten fünf Fragen wie folgt: auf die erste Frage, ob in dem incriminirten Artikel der Thatbestand des Preßvergehens der Verleumdung enthalten sei, mit 12 Stimmen (e i n st i m m i g) Ja, in Folge dessen entfiel die zweite Frage (die Thatfrage der Ehrenbeleidigung); auf die dritte Frage, ob Hilfsseelsorger Johann Fuß der Autor des incriminirten Artikels sei, mit 12 Stimmen Ja; auf die vierte Frage, ob Hilfsseelsorger I o h a nn Fuß dieses Preßvergehens der Verleumdung schuldig s ei, mit 8 I a gegen 4 Nein; die fünfte Frage (Schuldfrage der Ehrcnbeleidigung) entfällt. Privatklägerischer Vertreter Dr. G u t h i beantragt, mit Rücksicht darauf, daß hier keine mildernden Umstände vorliegen, die Anwendung des § 90 St.-G.-B. bei Bemessung der Strafe. Unter Einem beansprucht er vom Angeklagten die Bezahlung seiner Kosten in der Höhe von 300 fl. Vertheidiger Dr. Hortovänyi macht mildernde Umstände geltend und bittet, den § 92 St.-G.-B. anzuwenden. Der Gerichtshof verurtheil t auf Grund dieses Verdictes den Angeklagten Johann Fußwegen Preßvergehens der Verleumdung gemäß der § 258 und § 259 St.-G.-B. unter Anwendung des § 91 St.-G.-B. zu 14 T a g e n G e f ä n g n i ß und zu 50 fl. Geldstrafe, im Nichteinbringlichkeitsfalle zu weiteren 5 Tagen Gefängniß; ferner zur Bezahlung der Gerichtskosün im Betrage von 81 fl. 10 kr. und zur Zahlung von 80 fl. an den privatklägerischen Advocaten. Die Freiheitsstrafe hat der Gerichtshof deshalb so niedrig bemessen, weil er zahlreiche überwiegende Milderungsgründe obwalten sah, so die Aufregung, die den Angeklagten beim unmittelbaren Anblicke der Leiche erfaßte, seine einseitige Erziehung, daß er erst kürzlich die Schule verließ, in Folge dessen er sein intellectuelles Gleichgewicht nicht zu bewahren vermochte, welches die Erfahrung verleiht und schließlich, weil der Artikel sich nicht so sehr gegen eine Person, als gegen die Behörde richtet. Zugleich wurde die Publicirung des Urtheils im „Magyar Allam" auf Kosten des Berurtheilten angeordnet. — Der Verurtheilre wurde gegen Gutstehung des Dr. Josef Hortovänyi und des Dr. Josef Prem vorläug auf freiem Fuße belassen. Die Verhandlung war um 9*/, Uhr Abends zu Ende. Nach der Verhandlung begaben sich die Geschwornen zum Präsidenten Leo Zsitvay und der oppositionelle Abgeordnete Otto Fö r st e r verdolmetschte die Gefühle der Geschwornen dieses Quartals, die anläßlich ihrer letzten Function heute nicht umhin können, dem Präsidenten für dessen vollkommen gerechte, unparteiische und taktvolle Leitung der Verhandlung aufrichtigen Dank und Anerkennung zu zollen. Präsident Zsitvay dankte gerührt für diese Aufmerksamkeit Was sollen wir Inden für unsere Wiener Studenten thun? II. Es ist bereits etwas und nichts Unbeträchtliches geschehen. Gleichzeitig mit unserer vorwöchentlichen Besprechung dieser Frage bemächtigte auch der hiesige „Politisch e B o l k sv e r e i n" derselben und faßte über Initiative und nach einer überaus beifällig aufgenommenen Begründungsrede seines Präsidentens, des Hof- und Gerichtsadvocaten Dr. Fialla, in seiner Plenarversammlung vom 19. März einhellig eine Resolution, welche dem Vereine die Aufgabe stellte „d t e weiten hilf sbereiten Kreise u n s e r e r G e s i n n u n g su u b Glaubensgeno s sen z u r t h a t k r ä f t i g e tt m or a l i s ch e n u n d m a t e r i e l l e n Förderung der W i e n e r j ü d i s ch - a k a d e m i s ch e n Studentenschaft h e r a n z u z i e h e n." Behufs Durchführung dieses Beschlusses trat über Einladung des Vorstandes dieses Vereines schon am 22. März eine größere Gruppe gleichgesinnter Freunde zusammen, welche die Erlassung und Versendung eines Aufrufes beschloß, den Umfang und Zweck der Aufgabe darlegen und die Glaubensgenossen zur eifrigen Sammlung finanzieller Mittel auregen solle. Wir können diesen Tendenzen kaum besseren Ausdruck geben, als indem wir diesen vortrefflichen, aus der Feder des Vereins- Präsidenten Dr. F i a l l a stammeirden Aufruf wörtlich reproduziren, der durch die Mitfertigung einer stattlichen Reihe unserer notabelsten Gemeindemitglieder ausgezeichnet ist. Der Arrfrrrf lautet: G e e h r t e G l a u b e n s g e n o s s e u! In ebenso ernster als beredter Weise haben die Vorgänge der letzten Tage an der Wiener Universität unsere Anfnrerksamkeit der jüdischen Studentenschaft der Wiener Hochschulen zugewandt. In greller Beleuchtung steht plötzlich vor uns die schon seit Jahren sich vorbereitende und nunmehr vollzogene Thatsache, daß antisemitische Feindseligkeit und Unduldsamkeit u n s e r e S ö h n e aus ihrer akademischen Laufbahn hinauszudrängen und ihnen dadurch den Weg zu allen höheren Berufen planmäßig abzuschneiden gewillt ist. Muthvvll und mannhaft sind unsere jüdischen Studenten dem terrvrrstischen Attentate auf ihre Ehre entgegengetreten und pflichttreu und gerecht mögen, wie wir hoffen wollen, die eompetenten Factoren ihres Amtes walten, um entartete Anchchreitnngeu zu sühnen mld hinanzuhalten — unsere, der Väter und Glaube u s g e n v s s e n, 'Ausgabe beginnt erst und wächst in dein Maße, als man unserer jüdischen Jugend ihre akademische Stellung zu verleiden, zu vergällen und eine würdige, ihrem Talente, Fleiße, Charakter und Streben adäquate Zukunft zu vereitelst sucht. Das ist die Gefahr, die in den letztwöchentlichen Vorkommnissen mahnend und warnend sich manifestirt, diesem drohenden Unheile sofort und im ersten Momente zil begegnen, ist unsere ernste, verantwortungsvolle Pflicht. Dieser Pflicht können wir nur gerecht sverden durch die nachdrücklichste und entschiedenste Förderung und Unterstützung der jüdisch-akademischen Studentenschaft in Wien auf allen Gebieten ihres ethischen und wissenschaftlichen Strebens, sowie in ihren unerläßlichen Bemühungen zur Vollkommnnng ihrer persönlichen Tüchtigkeit und Wehrhaftigkeit. Gewiß.eine große, aber auch iluendlich würdige Aufgabe: unserer bedräilgten ititi» bedrohten jüdischen Studentenschaft, welche für ihre persönliche Ehre und die Unverletzlichkeit ihres Bekenntnisses selbstständig und bis in die letzten Conseguenzen einzutreten entschlossen ist, einen S t ü tz Punkt zu schaffen, von welchein aus sie Förderung und materielle Nt i t t e l empfängt für all ihre e d l e n Best r e b n n g e n, z u g l e i ch a u ch R a t b u n d M a h n u n g, s i ch f e r n z n h a 1 t e n von allen i h r e r I n g e n d noch n u z u g ä n g l i ch e n Gebieten, sowie von e x e e n t r i s ch e n, durch d i e V e r h ä l t n i s s e der Gegenwart leicht begreiflichen Einseitigk e i t e n und etwaiger unreifer U e b e r h e b u n g. Was unsere jüdischen Studenten bisher organisatorisch in ihren Kreisen geschaffen, entstammte ihrer eigenen Intelligenz, ihrer eigenen Kraft uitö dem Bedürfnisse, in dem eonfessivnellen und socialen Kampfe unserer Tage durch gegenseitigen Anschluß sich zu stärken, den Einzelnen durch die Gesamnltheit zu fördern und zu schützen, nach Junen wissenschaftlichen Fortschritt und getreue Pslichterfüllung zu üben und nach Außen ehren- und charaktervoll ihre akademische Stellung zu bewahren. Es konnte gleichwohl unserer Anftnerksamkeit nicht entgehen, daß die jüdisch-akademischen Vereine aller Art, jene, welche sich lediglich wissenschaftlichen und ästhetischen 'Aufgaben widmen, sowie jene, welche die Ausbildung der Wehrhaftigkeit zum Zwecke haben, mühselig um ihr Dasein ringen, außer Stande, unter ihren Mitgliedern die Mittel für ihren Bestand und ihre Thätigkeit anfzubringen, in unzulänglichen Räumlichkeiten untergebracht, ohne Möglichkeit, sich würdig zu repräsentiren, und aller Behelfe bar, welche die Erreichung ihrer verschiedentlichen Vereinszwecke zu sichern geeignet sind. Wir suchen daher, Dank der 'Anregung und Mühewaltung des „P v l i t i s ch e n B o l k s v e r e i n e s" i n W i e n und in Ausführung der in seiner Plenarversammlung vom 19. d. M. unter großer Betheiligung gefaßten Resolution, mittelst dieses Appells an unsere einsichtsvollen Glaubensgenossen das für unsere großen Ziele erforderliche Capital, welches bestimmt sein soll, in zweckbewnßter Verwendung unserer jüdischen akademischen Jugend nach allen vvrbezeichneten Richtungen hin c o n st a n t e, d a n e r n d e F ö r d e r u n g angedeihen zu lassen, welche nicht in einen! einmaligen, kränkenden Almosen, vielmehr den Vereinen gegenüber in möglichst stabilen Jahres-Snbventivnen zu bestehen hätte, durch welche deren wirksarner Bestand gesichert, deren bescheidenes Jahresbudget unterstützt, deren Entfaltung ermöglicht und unsererseits auch eine stetige, wohlwollende Jnteressenahme für ihre Thätigkeit und Ziele begründet würde. Freunde und G l a u b e n s g e n o s s e u! Ermöglicht durch Euere Spenden und Beitrüge die rasche Erftillung dieser pflichtmäßigen und erhabenen, hier rmr in großen Zügen darstellbaren Mission unserer studentischen Jugend, unserer nachwachsenden Generation, welche die Ehre des Judenthums

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