Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 13 (1896)
- Issue
- 14 (3.4.1896)
- Date
- 1896-04-03
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Jär. 14. Dr. Bloch's Jahrgang XIII. Centralorgan für die gefammten Interessen des Iudenthums. K. k. Postspsrksssen-Amt Clearingverkehr Nr. 610.976. NeLariion und Administration: Wir« tt.«Äntrrr Nugartenstratzr 1». Telephon-Nr. 6535. --— Wien, 3. April 1896. -4—ch.- Erscheint jeden Freitag. -’i** ’b-i —- M Man abonnirt bei allen Postanssaltrn des In- und Auslandes. Bejugaprita für Oesterreich: Halbjährig 4 fl. — S Kr. Einzelexemplare SS lr. Mr's Ausland: halbjährig S fl. — 10 Kr. ganzjährig 10 „ — 20 „ Anzeigen: Die 4mal gespaltene Pelitzeile IS kr. =* Inhalt: Leitartikel: Der antisemitische Bruderzwist. — Des Wiener „alten Tempels" 70 Jahre. — Die Garam-Kis-Salloer Blutbeschuldigung. — Was sollen wir Inden für unsere Wiener Studenten thun? — England über den „Judenstaat". — Von den Ufern der Newa. — Zwei Geschichten. — Vom Jahrm arkt des Lebens: Deutsch oder Liberal. Lccky über den Antisemitismus. Eine heitere Ehren-Affaire des Dr. Geßmann. Ein Duell. Eine Scene im modernen Wien. Das wandernde Heine- Denkmal. Antisemitismus — unchristlich. Juden in der Geschichte der Nordpolfahrten. Flora Gaß als Schriftstellerin. „Magyar Allam" contra Hortovanyi. Ahlwardt als Schnorrer. Von einem antisemitischen Denuncianten-Stücklein. Für die armen Brustleidenden! — Correspond enzen: Wien, Budapest, Trencsin, Berlin, Breslau, London,"Salonichi. — Vermischtes: Wien, Brünn, Prag, Proßnitz, Jamnitz, Troppan, Jena, Dürkheim, Nürnberg, Paris, Brailu, Cambridge, London, Odessa, Marokko, Liverpool. — Feuilleton: Kinder des Ghetto. — Der Flickschneider. — Briefkasten. — Inserate. Der antisemitische Bruderzwist. Im antisemitischen Lager herrscht großer Spektakel. Wie im Deutschen Reiche draußen die Deutsch-Conservativen den Stöckerianern. so sind bei uns die Deutschnationalen den Christlich-Socialen in die Haare gefahren und nun sagen einander die streitenden Gruppen die saftigsten Wahrheiten in's Gesicht. Das Schauspiel ist sein Geld werth, denn die arisch-germanischen Ehren- und Biedermänner, die solange Schulter an Schulter mitsammen gekämpft haben, kennen einander gründlich, und wenn sie sich gegenseitig der ärgsten Gaunerei und Niederträchtigkeiten beschuldigen, so muß alle Welt solche Zeugenschaft als eine classische gelten lassen. In Deutschland ist soeben eine kleine Schrift unter dem Titel: „Zum Austritte Stöckers aus der conservativen Partei" erschienen, in welcher über die wahrhaft verzweifelte Parteinahme Stöcker's für den famosen Freiherrn v. Hammerstein noch zu einer Zeit, wo bereits die stärksten Beschuldigungen gegen den braven „Kreuzzeitungs"-Mann Vorlagen, die merkwürdigsten Dinge erzählt werden. Aber unsere Lueger, Wolfs und V e r g a n i lassen sich nicht spotten, sie nehmen es in „deutscher Treu' und Redlichkeit" mit den Führern des reichsdeutschen- Antisemitismus beiderlei Schattirung auf! Den Anlaß zu dem „Bruderzwiste im Hause Antisem" gab eine Wanderversammlung der Wiener Christlich- Socialen in Amstetten, in welcher die Herren Lueger, Geßmann und Consorten als Clericale vom reinsten Wasser auftraten. Darob großes Weh- und Klagegeheul unter den hiesigen dentschnationalen Verbündeten, welche bei den Gemeindewahlen mit den Luegerianern durch Dick und Dünn marschirten, nun aber über schwarzen Verrath an der Sache des christlichen Volkes jammerten. Der Leibknappe Schönere r's, K. H. Wolfs, berief eine Protestversammlung in's Hotel Wimberger ein, in welcher er im Vereine mit seinen Getreuen H a u ck und G u t t m a n n die Christlich-Socialen gewaltig herunterkanzelte, dabei aber der Gegenwehr der ungeladen erschienenen Lueger, G e ßm a u n und G r e g o r i g begegnete. Herr Wolf nennt in seiner „Ostdeutschen Rundschau" dieses Wortgefecht eine „Klärung" und bemerkt dazu: „Diese Auseinandersetzung war nothwendig. Der tiefgehende Unterschied in den politischen Anschauungen der Deutschnationalen und Christlich- Socialen ist niemals ein Geheimniß gewesen, der klaffende Spalt, der diese beiden Parteien trennt, ist wohl zu Zeilen nothdürftig überbrückt (!), niemals aber ausgefüllt worden. Das ist überhaupt unmöglich! Zwei so ausgeprägt gegensätzliche Elemente lassen sich niemals in Eins verschmelzen, Feuer und Wasser vernichten sich gegenseitig, so lange die Welt besteht." Weiter heißt es: „Nicht mehr um die Gegensätze zweier heutiger politischer Parteien handelt es sich, vielmehr um das Gegenüber von Päpstlich und Deutsch, von Kirchlich und Menschlich, von Geistesfreiheit und dogmatischer Knebelung." Und schließlich wird versichert, daß „die tactijche Scheidung zwischen Deutschnationalen und Christlich-Socialen endgiltig vollzogen ist." Der pathetische Leitartikel der „Ostdeutschen Rundschau" wurde dann in den Versammlungen in persönliche und sehr grobkörnige Schimpfereien umgesetzt. So griff der deutschnationale Abgeordnete Pacher den edlen V e r g a ni in einer Versammlung von Schönerianern in „ehrenrühriger Weise" an, was dieser mit großer Entrüstung constatirt und sich gegen den Vorwurf Pachers verwahrt, daß er dem Grafen Taaffe „o f f i c i ö s e D i e n st e" geleistet habe. Das Alles, sagt der ehrenfeste Vergani, dereinst zu den Füßen des Rosenauer Schloßherrn um Rettung gewinselt hatte, seien „Lausbübereien der Schönerianer". Die Deutschnationalen bei Wimberger nennt er „eine Schaar grüner Jungen, die hinter den Ohren nicht trocken sind, und die wie besessen brüllten und bellten, weil sie von ihren „Führern" bis zur Tollheit aufgereizt waren? Diese Mine der „Radaubrüder" sei von Rosenau aus gelegt worden, wo vor Kurzem wieder „Jemand" Audienz nahni, um eine Bitte vorzubringen, deren Erfüllung auch gewährt wurde, freilich unter der Bedingung, daß in Wien wieder einmal aufgemischt werden solle. Die Schönerer'sche Clique sei ein „Parasit am Leibe der antisemitischen Partei", ein „Wuchergewächs", und-der Sprengungsversuch habe mit der Ausstoßung unreifer und unsauberer Elemente aus der Partei