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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1896-03-13 · 11 (13.3.1896) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
13 (1896)
Issue
11 (13.3.1896)
Date
1896-03-13
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 11 Dr. Vloch's Wochrnsttzrist. Seite 219 Gäste zu betrauen. Die Scene hatte aber ein interessantes Nachspiel. Der Eigenthümer des Restaurants, Herr Marcus Straß mann ist ein — Jude und dieser machte dem Obmanne der erwähnten antisemitischen Tischgesellschaft die Mittheilung, daß er auf seinen und seiner Gesellschaft Besuch in Zukunft entschieden verzichte. Er wolle lieber sein Local schließen, bevor er solche Vorfälle dulde. Krakau, 6. März. (Clericale K a m p f w e i s e.) Pater Chotkowski ist im reichsräthlichen Polenclub der leidenschaftlichste Kämpfer für die Einführung confessioneller Schulen. In seinem heiligen Eifer hat er am vorigen Montag im Reichsrathe in seiner Rede zum Unterrichts-Budget einen Aufsehenerregenden Fall mitgetheilt,der sich jedoch nachträglich als ein ungeschickt erfundenes Märchen herausstellte. Pater Chotkowski erzählte zur Bekräftigungseiner Ausführungen gegen die iuterconfessionelle Schule, daß der Schulinspector in Krakau die Vertretung des Religionsunterrichtes der katholisch en Kinder in den hiesigen Schulen einem jüdischen Lehrer übertragen habe, daß Letzterer zwar nur das Alte Testament, das Juden und Christen gleich heilig ist, vortrug, daß jedoch dem genannten Schulinspector die Kenntniß des Unterschiedes zwischen der jüdischen und christlichen Auffassung des Alten Testamentes abzugehen scheine. Dieses „Geschichtchen" hat hier um so größere Entrüstung hervorgerufen, als der vom Abgeordneten Chotkowski bloßgestellte Schulinspector, ein allgemein geachteter Mann, als guter Katholik bekannt ist, der die ihm in der Phantasie des geistlichen Abgeordneten zugedachte Handlung nie begehen würde. — Der betreffende Schulinspector hat bereits die erforderlichen Schritte bei dem hiesigen Consistorium eingeleitet, damit Pater Chotkowski zu einer Revocirung seiner im Parlamente vorgebrachteu falschen Mittheilung veranlaßt werde. Inzwischen hat dieser Vorfall, wie bereits gemeldet, auch Anlaß zu einer lebhaften Debatte in der Sitzung des Gemeinderathes geboten. Bürgermeister F r i e d l e i n erklärte auf eine an ihn gerichtete Interpellation als Obmann des städtischen Schutrathes, daß der vom Abgeordneten Chotkowski im Rüchsrathe mitgetheilte Fall der Wahrheit nicht entspreche. Ueberdies habenffämmtliche Krakauer Lehrer und Lehrerinnen jüdischer Coufession im „Dziennik Krakowski" eine Erklärung veröffentlicht, daß in den hiesigen Schulen die Vertretung des Religionsunterrichtes für katholische Kinder bisher nie an jüdische Lehrer übertragen wurde. Dieser charakteristische Vorfall zeigt wieder, zu welchen Mitteln ctecicale Heißsporne greifen, um für ihr; auf Confessionalisicung der Schule gerichteten Pläne Stimmung zu machen. Wieliezka. Nicht nur Wien, auch unser kleines Wieliczka wurde in Folge der Gemeinderathswahlen aus seinem Schlummer aufgerüttelt. Ja! Leider auch wir haben ein großes Fiasco zu verzeichnen, das uns aber umso schmerzhafter berührt, da unsere Bürger mosaischer Coufession den Antisemiten zu ihren Mandaten verhaften. Bor 18 Jahren gelang es mit schwerer Mühe, unseren Cultus-Präsidenten Herrn A. Seidenfrau als jüdischen Vertreter in den Gemeinderath dnrchznbringen. Also 18 Jahre bekleideten unser Cultus-Präsident Herr A. Seidenfrau und Cultus-Borsteher Herr Pinkas Ziminels das Amt eines Gemeinderathes. Ersterer, ein bekannter Wohlthäter, der weder finanzielle, noch moralische Mittel schont, um Jedem, ohne Unterschied der Confession, an die Hand zu gehen, unternahm einen schweren Kampf, an die Spitze dieses Gemeinderathes ein liberales Haupt zu fetzen, und seit 18 Jahren steht ein Liberaler an der Spitze dieses Gemeinderathes. Am 5. d. M. sollte die Wahl des lll. Wahlkörpers vorgenommen werden. Wie üblich seit 18 Jahren, lud unser Cultus-Präsident Herr A. Seidenfrau die Wähler jüdischer Confession zu einer Vorwahl ein, bei welcher die Versammlung für die vorgeschlagenen Candidaten sich feierlich verpflichtete. Was aber bis ltitit nicht geschehen, hatte sich plötzlich ereignet. Die Juden theilten sich in zwei Lager und diesem Umstande verdanken mehrere Antisemiten ihren Sieg. Noch war aber unser Leidenskelch nicht voll. Am 11. sollte die Wahl des II. Wahlkörpers stattfinden. In diesem Wahlkörper eben wurde unser Cultus-Präsident Herr A. Seidenfran schon 18 Jahre gewählt und plötzlich erschienen Placate, in welchen Herr A. Seidenfrau ans sein 'Mandat verzichtet und die eventuelle Wahl nicht anzunehmen erklärt. Alle Bitten und einflußreichen Versuche, ihn von seinem Vorhaben abzubringen, scheiterten, er beharrte in Folge obiger Vorgänge bei seinem Vorsätze. Das Ausscheiden dieses Mannes aus dem Gemeinderath ist ein schwerer Verlust. Speciell wir Inden sehen mit Bedenken der künftigen Gestaltung unserer autonomen Verhältnisse entgegen. Hoffen wir, daß mich in Zukunft Herr A. Seidenfrau, wenn er mich nicht im Gemeinderath sitzt, die Leitung unserer Angelegenheiten in seiner Hand behält. Lemberg. Bekanntlich wurde hier durch Herrn Dr. Holzer und Frau Rabvinerin Schmelkes ein Verein zur unentgeltlichen Verabreichung von Koscher-Kost an israelitische Kranke des hiesigen allgemeinen Krankenhauses gebildet. Als unlängst der Landmarschall, Se. Excellenz Herr Stanislaus Graf Badeni, das allgemeine Krankenhaus mit seinem Besuche beehrte, wurde ihm die Comitedame obigen Vereines Sali Mayer vom Spitals- Director vorgestellt. Der Herr Landmarschall geruhte die Speisen zu besichtigen und äußerte sich sehr lobend über dieselben, ebenso über die musterhafte Ordnung und Reinlichkeit. Auf die Frage Sr. Excellenz wieviel jüdische Kranke mit dieser Koscher-Kost gespeist werden, antwortete der Herr Spitalsver- Walter 60, und die weitere Frage, ob der Landesausschuß für diese Kost dem Vereine zahlt, erwiderte der Herr Verwalter „nein-. Der Präsidentin dieses Vereines Frau Rabbinerin Schmelkes und der Comitedame Frau Sali Mayer gebührt Dank und Anerkennung für ihre Mühewaltung, und wäre zu wünschen, daß viele Mitglieder diesem humanen Vereine beitreten sollen. Lemberg. Vor mir liegt das Berzeichniß der Strafverhandlungen, die im l. Semester dieses Jahres vor dem hiesigen StrafgerichtezurBerhandlung gelangen. DieNamen und die Confession der Angeklagten sind bekannt und es dürfte vielleicht die Äser dieses Blattes interessiren, daß unter sämmtlichen Angeklagten auch nicht ein einziger Jude f i g u r i r t. Die Antisemiten werden da nicht den Vorwurf machen dürfen, daß sich die Juden überall vordrängen und die armen Antisemiten in ihren Positionen bedrohen. Die Liste der Verbrechen, welche das mir vorliegende Berzeichniß enthält — Betrug, Raub, Brandlegung, Mord sind darin vertreten — ist eine reichhaltige, aber wie gesagt, die Juden participiren an derselben auch nicht mit dem bescheidensten Percentsatz. Marburg, 26. Februar. Die im vergangenen Monat vordem Marburger Schöffengericht verhandelte Beleidigungsklage des antisemitischen Reichstagsabgeordneten Pfarrers I s k r a u t gegen den Universitätsprofeffor Dr. E. Stengel, die mit der Freisprechung Stengel's endete, gelangte gestern Vormittags vor dem hiesigen Landgerichte in der R e v i s i o n s i n st a n z nochmals zur Verhandlung. Auf wiederholtes Zureden der Richter kam gestern schließlich nachstehender Vergleich zu Stande, der protokollirt wurde: „Pfarrer Jskraut gibt an, daß er die von ihm am 25. Jänner 1895 über den Cigarrenfabrikanten Hesse in Waldkappel gethane Aeußerung im gutem Glauben an ihre Richtigkeit gethanhabe; Professor Stengel erklärt, diese Angabe nicht bezweifeln zu wollen und darum den mit Bezug auf jene Aeußerung gebrauchten Ausdruck „grobe Lüge" zurückzunehmen." Pfarrer Jskraut ließ darauf seine Klage fallen. Die Gerichtskosten werden von beiden Parteien zur Hälfte getragen. Berlin, 4. März. Soeben ist das erste Heft der im Verlage von S. C a l v a r y und Comp, hier erscheinenden neuen „ZeitschriftfürhebräischeBibliographie", welche von Dr. H. B r o d y unter Mitwirkung von W. B a ch e r, A. Berliner, S. I. H a l b e r st a m m, D. Kaufmann, A. Neubauer, M. Schreiner, M. Steinschneider und anderen Fachgelehrten herausqegeben wird, zur Ausgabe gelangt. Die Zeitschrift soll, als Fortsetzung der seinerzeit von Steinschneider redigirten „Hebräischen Bibliographie" (Hamaskir), wie diese ein Repertorium über die das Judenthum und seine Quellen betreffende Literatur für die Wissenschaft und den Buchhandel werden und verspricht einem in der That tiefgefühlten Bedürfnisse abzuhelfen. Dieselbe soll jährlich 6 Hefte zum Preise von 6 Mark bringen. Wir werden auf das Unternehmen an anderer Stelle zurückkommen. Berlin, 3. März. Jeden, der nur einigermaßen Musikliebhaber ist, dürften die jetzt so zahlreichen Notizen der Tagespcesse, in welch;» über die Ankunft und das Auftreten eines Wunderkindes auf dem Gebiete der Instrumentalmusik Bericht erstattet wird, in Erstaunen versetzen. Dieser an sich merki würdigen Erscheinung wird man umsomehr ein warmes In-

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