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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1896-03-13 · 11 (13.3.1896) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
13 (1896)
Issue
11 (13.3.1896)
Date
1896-03-13
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Nr. 11. Dr. Bloch’s Jahrgang XIII. Centrslorgsn für die gesammtrn Interessen des Iudrnthums. K. k. Postsparkclssen-Nmt Clearingverkehr Nr. 610.976. Rrdsrtion und Administration: Wien II„Nntere Auga.trnfiratzr 1a. Telephon-Nr. 6535 -G— & Wien, 13. Mär; 1896. '^>O Erscheint jeden Freitag. -- 3* Man abonnirt btt allen Postanffalten des In- und Auslandes. Sr;ugsvrriL für ßejierriiü): Halbjährig 4 fl. — 8 Ji •. Einzelexemplare 25 lr. Mr's Ausland: halbjährig 5 fl. — 10 Stx. ganzjährig 10 „ — 20 „ Anzeigen: Tie 4 nal gcipalrcr Petitzeile 12 lr. Inhalt: Leitartikel: De deutschen Tugenden. — Die tapferen Germanen. — Religiöse Freuden — ein Erziehungsmittel. — Christian Wilhelm Christlieb. — Das Judenthum und die sittlich-religiöse Erz-ebung. — Vom Jahrmarkt des Lebens: Ein Opser der Blutlüge. Der Stamm Wurz. Ein christlicher Biermucherer. Zwickau. Der Samariter aus der Linken Bahngasse. Tie Satisfactions-F-rage. Dr. Ignaz Heumann. Eine Rede des Rectors der Technik. Dr. Eugen Dühriug. Christus und — O^in. Missionäre als Zauberer- Jüdische Soldaten in Rußland. — Correspond enzen: Wien, Floridsdorf, Prag. Mährisch-Ostrau. Krakau, Wieliczka, Lemberg, Marburg, Berlin, Driburg, Rumänien, London, Petersburg. —Vermischtes: Wien, Dobrio bei Rokytzan, Budapest, Kojelei», Horazdowitz, Podwoloczyska, Eibenschitz, Böhmisch-Leipa, Troppau, Wieliczka, Tr>est. Schviilanke, Berlin, Posen. Rybn.k, Straßbnra, Paris, London, Petersburg, Tanger, New-Aork, Philadelphia, Capstadt, Coolgardie. — Feuilleto,t: Kinder des Ghetto. — Der Flickschneider, — Literatur. — Brieftasten. — Inserate. Die deutschen Tugenden. Der „Deutschen Zeitung" ist es nicht an der Wiege gesungen worden, daß sie einst neben dem Organe des Ehrenbürgers von Mühldorf eine Säule des Antisemitisnms bilden werde. Die antisemitische Partei hat dieses Blatt enm beneficio oder wenn man will: enm oäio inventarii übernommen. Was dem ehemaligen Betr—auer der Mühldorfer Gemeindecasse erst nach langem und heißem Bemühen gelang: mit der sogenannten Judenpresse erfolgreich um Bank-Inserate und -Pauschalien zu concurriren, das wurde dem Herrn Dr. Wahner und Genossen bei der Uebernahme der „Deutschen Zeitung" schon mit in den Kauf gegeben. Die Geschichte der „Deutschen Zeitung" ist reich an Wechselfällen und an fälligen Wechseln, zu deren Einlösung sehr häufig, ja zumeist das Geld von Juden aufgebracht werden mußte, und wenn sie bei ihrem Uebergang in antisemitische Hände noch einen Activwerth besaß, so ist derselbe lediglich auf die Arbeit und den Eifer jüdischer Journalisten, wie Dr. Maximilian Steiner, Dr. H. F r i e d j u n g, Dr. Johann A u - spitzer, I. Fischer rc. zurückzuführen. Auf den Grund - vesten, welche diese Juden gelegt haben, bauen wohl heute die Herren Wähner und Genossen weiter. Sie nehmen zu den alten Pauschalien und Bank-Inseraten mit deutscher Unentwegtheit und nie erlahmender offener Hand die neuen hinzu, und während sie vorne über die Ausbeutung des christlichen Volkes durch das jüdische Grostcapital der Rothschild, Gutmann rc. zetern, nehmen sie hinten ohne die geringsten Gewissensscrupel die Brocken an, die ihnen von demselben jüdischen Großkapital hingeworfen werden. Die „Deutsche Zeitung" gleicht allen Convertiten. Um ihre Vergangenheit und theilweise auch noch die im volkswirthschaftlichen Theile sich abspiegelnde Gegenwart vergessen zu machen, überbietet sie im Schimpfen und Kläffen über die Juden noch ihre anderen antisemitischen Concurrenten. Siehat nichts dagegen, wenn hinten in den Jnseratenspalten unter einem gutgezahlten Emissions-Inserat der Name: „S. M. von Rothschild steht - - im Leitartikel jedoch wettert sie anläßlich des Ostrauer Strikes ausschließlich gegen die jüdischen Kohlenwerksbesitzer R o t h s ch i l d und G u t - mann. Das ist eine Lumperei in Folio, denn alle Wett, und daher auch die Herren Wähner und Genossen, weiß wohl, daß die Beschwerden der Grubenarbeiter sich fast ausschließlich gegen die arischen W e r k s b e f i tz e r und deren a r t s ch e Beamte richten. Die „Deutsche Zeitung" verschweigt es dem „christlichen Volk", daß der Strike auch diesmal wieder, wie in allen früheren Fällen, in den Gruben des Grafen Larisch, des Grafen Wilczek und des Herrn ZwierLina ausgebrochen ist, und sie verschweigt es ferner, daß gerade auf dem Rothschildfichen Bettina-Schacht die dortigen Bergleute keine Ursache haben, sich zu beklagen und daß just ans den Werken jüdischer Besitzer die besten Einrichtungen zur Sicherung des Lebens und der Gesundheit der Bergarbeiter bestehen. Die Menschenfreundlichkeit und die christliche Liebe der „Deutschen Zeitung" macht vor den arischen Trägern hochadeliger Namen demüthig halt, obgleich je weder Graf Larisch noch Graf Wilczek Pauschalien und Inserate zu vergeben haben. Wir stehen da vor einem interessanten Eapitel zur Psychologie der Judenhetze und vielleicht wird einmal eine berufenere Feder als die unserige die reichlich fließenden Quellen aufdecken, aus denen die antisemitische Journalistik ihre Lebenskraft schöpft. Der Abgeordnete S n e ß war es, der vor Jahresfrist in einem vertraulichen Cirkel auf den seltsamen Widerspruch hiuwies, der zwischen dem politischen und wirthschaftlichen Theile der antisemitischen Blätter besteht. Während man vorne jeden Tag die „jüdische Eorruption" todtschlägt, betet man hinten inbrünstig für den Fortbestand dieser „Corruption", ohne welcher es den Vergani, Wähner und Consorten nicht möglich wäre, ihr höchst ehrenvolles Dasein zu fristen. In derselben perfiden Weise wie die Ostrau-Karwiner Vorgänge bespricht die „Deutsche Zeitung" die Ergebnisse der Enquete über die Frauenarbeit. Man lese die Berichte über diese Enquete und man wird finden, daß sich alle Klagen und Beschwerden der Expertinnen fast ausschließlich gegen arische Unternehmer richten. Wie bei den großen Unternehmungen, wie in Oftran die Herren Rothschild und Gutmann, so sorgt auch in den kleinen Betrieben der jüdische

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