Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 13 (1896)
- Issue
- 7 (14.2.1896)
- Date
- 1896-02-14
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
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Seite 140 Dr. Vloch's Wochrnschrifi. Nr. 7 der russischen Consuln im Gebiete der Vereinigten Staaten, Bürger über ihre Race und Religion zu befragen und ihnen, wenn sie sich als Juden bekennen, die Bisirung der Paffe oder anderer in Rußland nöthiger gesetzlicher Dvcumente zu verweigern. Insofern als dieses Vorgehen eine Entrechtung involvirt und in Fällen einer Erbschaft zu einem Bruche der vertragsmäßigen Rechte unserer Bürger führen könnte und endlich ein ungerechtes (obnoxious) Eingreifen in unsere territoriale Gesetzgebung ist, hat es auf unserer Seite zu entschiedenem Einspruch geführt, deffen Resultat die Ursache der Beschwerde aus dem Wege räumen wird. Trawsvaal. Mr. Cohen, der Präsident der jüdischen Gemeinde in Krügersdorp, ist ein persönlicher Freund des Präsidenten Krüger und verhielt sich als solcher in der jüngsten Krise neutral. Am Neujahrstage machte Herr Cohen einen Besuch in Johannesburg; auf dem Ri'ckwege wurde er von einigen Boers angegriffen und in's Gefängniß geschleppt, in dem er die Nacht zubrachte. Gleichzeitig wurde ihm mitgetheilt, er würde wegen Hochverrath angeklagt und wahrscheinlich auf dem Marktplatze erschossen werden. Doch wurde er am nächsten Morgen sammt seinem Bruder, den man auch ins Gefängniß geworfen hatte, entlassen. Die Gesundheit Mr. Cohen's hat durch die rohe Behandlung, die er erfahren hat. so gelitten, daß er sich entschlossen hat, Genugthuung zu verlangen. Zu diesem Zwecke hat sich Mr. Cohen nach England begeben. Er ist noch unterwegs. Wie«. (Verlobung.) Fräulein Anna L ö b l. die Tochter des Präsidenten des ..Zion"-Bereines Herrn Leopold Paul Löbl, bat sich mit Herrn Theodor Weiß, Fräulein Cornelia Brandt, Tochter des Fabrikanten Herrn Leo Brandt, hat sich mit Herrn Hugo Großmann verlobt. Wie« (Commercialräthe). Seine Majestät der Kaiser hat dem Industriellen, Herrn Hermann Robitsek, in Anerkennung seiner verdienstvollen Wirksamkeit in der Permanenzeommiffion für die Handelswerthe, bei seinem Austritt aus derselben. auf Lebensdauer den Titel eines Commercialrathes taxfrei verliehen, sowie auch gestattet, daß dem kaiserlichen Rrth Herrn Heinrich K l i n g e r und dem Generalsecretär Herrn Moritz L e i n k a u f der Ausdruck der allerhöchsten Anerkennung für ihre bisher bethätigte vieljährige und verdienstvolle Wirksamkeit in der Permanenzcommiffion für die Handelswerthe bekannt gegeben werde. Wie«. (Permanenz-C omm i ssi on für dieHändelswerth e).DerHandelsminister hat zu Mitgliedern der Permanenz- Commission für die Handelswerthe ernannt die Industriellen Jakob Bettelheim, Moritz Brach, Adolf Bernfeld, Eduard B ud i e, Jacob Dannhauser, Samuel Eisenberger, ^ocob Eissler, Ignaz Fluß, Moriz Honig, kaiserlichen Rath Heinrich Kling er, Moriz Latzko, Moriz- Leinkauf, Isidor Mautner, Josef Mayer, Moriz I. Oberländer, Ignaz Ortmann, Wolf Po laczek. Alfred Pollak, Ritter v. Rud i n, Alois Pollak, Julius Po ll ak, Alois Reik, Eduard Reich. Julius Reis, Theodor Reitlinger, Simon Rosenberger, Jacob Schnabl, Franz S t ia s n y, Hermann S t i a ß n y, Leopold Trebi 1 sch, Bernhard W e tz l e r und Ignaz Zucker. Wien. Zu Rathssecretären sind ernannt worden die Gerichtsadjuncten: Dr. Jacob. Julius Fluß, Dr. Markus Tschiaßny, Dr. Sigmund Preuß, Dr. Eduard Rittermann, Dr. Heinrich Goldmann, Dr. Joachim Tilles in St. Pölten und Dr. Abeles. Wien. (Todesfall.) Die Mutter des Herausgebers des „Wiener Tagblatt". Herrn Moriz Szeps, Frau Fanny S z e p s, ist im Alter von 84 Jahren nach längerer Krankheit gestorben. — Ferner ist hier Frau Josepha N a tz l e r, die Mutter des von seiner Wirksamkeit am Carl-Theater und Raimund-Theater bekannten Schauspielers Natzler, im 75.Lebensjahre gestorben' Wien, 29. Jänner. Nach den Aufzeichnungen der statistischen Central-Commission beträgt die Anzahl der Juden in Oesterreich 1,141.165, nach den einzelnen Krouländern geordnet, wie folgt: Niederösterreich (mit Wien) 128.784, Oberösterreich 1078, Salzburg 157. Steiermark 1997. Kärnten 164, Krain 89, Küstenland 5268, Tirol 737, Böhmen 94.479, Mähren 45.324, Schlesien 10.042, Galizien 770.468, Bukowina 82.717 und Dalmatien 329. Auf je 1000 Einwohner der Monarchie kommen 47 Juden. Wien. Allgemeine Theilnahme erregt das Hinscheiden e^nes edlen Menschenfreundes, des Herrn Adolf Kohn. Der Heimgegangene war einst Mitchef der Firma Jacob und Josef Kohn, aus welcher er aber bereits vor 20 Jahren ausgetreten. Er war ein Freund und Förderer der jüdischen Literatur und Wissenschaft, er saß jahrelang im Vorstand des Wiener Beth- Hamidrasch und verwaltete dieses Amt mit großer Fürsorge. Er stiftete ein Stipendium von fl. 300 jährlich für jüdische Theologen. Den Männern der jüdischen Wissenschaft herzlich zugeneigt, ein Bewunderer und Kenner der jüdischen Literatur, ließ er sich seit Jahren von einem bekannten jüdischen Gelehrten, dem Lector M. Friedmann, privatim über die verschiedensten jüdischen Wiffensfächer Vorträg» halten. Er war ein würdiger Sohn des Judenthums, der sich in den weitesten Kreisen Zuneigung und Werthschätzung erworben hat. An seiner Bahre trauert seine würdige Gattin, welche seine Ideen und Bestrebungen theilte, und die einzige Tochter, welche an einen Herrn Langfelder, einem Manne von verwandter Gesinnung, vermählt ist. Die zahlreiche Betheiligung an dem Leichenbegängnis gab Zeugniß von der Verehrung, welche der Verstorbene sich erworben hat. Herr Oberrabbiner Dr. Güdemann hielt den Nachruf und zeichnete in kräftigen Worten das Leben und den Charakter des Verstorbenen. Wien. (O e st e r r e i ch i s ch-J sraelitische Unio n.) Samstag den 22. Februar 1896 findet um halb 8 Uhr Abends im Restaurant Khuner, I., Schottenring 19, eine Vereinsversammlung der Oesterreichisch-Jsraelitischen Union statt, in welcher die Besprechung der bevorstehenden Gemeinderathswahlen auf der Tagesordnung steht. Samstag den 8. d. M. hielt dieser Verein eine zahlreich besuchte Plenarversammlung ab. Der Vorsitzende, Cultusvorsteher Dr. Josef Grünfeld, machte zu Beginn der Versammlung die Mittheilung, daß der Vorstand dieses Vereines den Beschluß faßte, Samstag den 15. Februar d. I. behufs Besprechung der kommenden Gemeinderathswahlen eine Vereinsversammlung einzuberufen. Hierauf hielt Dr. Josef M. L o e b e l seinen angekündigten Vortrag: „Die jüdische Frau im Alterthum." Die trefflichen Ausführungen des Redners fanden stellenweise, sowie am Schluffe lebhaften Beifall. An diesen Bortrag knüpfte sich eine sehr lebhafte Debatte, deren Tenor in den verschiedenen Ansichten über die Berufspflichten der jüdischen Frau gipfelte. Es wurde die Klage laut, daß das weibliche Geschlecht den Geschicken des Judenthums kalt und theilnahmlos gegenüberstehe, und daß man auf Mittel und Wege sinnen müsse, unsere weibliche Jugend dem Judenthum und das Judenthum unseren Frauen wieder zurückzuführen. An der Debatte betheiligten sich die Herren: Dr. Bloch, Dr. Elias, Dr. Meitner. Dr. Ascher, Siegfried Beer, Dr. R a f f m a n n und Mandl. Zu vorgerückter Stunde schloß der Vorsitzende die animirte Versammlung. Wien. Der Jahresbericht des Synagogenvereines „Beth Israel", nach polnisch-jüdischem Ritus, U., Leopoldsgaffe 29, für das Jahr 1895 zeigt durchaus zufriedenstellende Ergebnisse der Verwaltung und eine materielle Consolidirung des Vereines. Der Gebahrungsausweis zeigt Einnahmen von über fl. 20.000 und schließt mit einem Saldo von mehr als fl. 2000. Dabei war der Verein in der Lage, die restlichen Schulden aus der Bauführung an die Internationale Electricitäts- und an die Wienerberger.Gesellschaft aus den laufenden Einnahmen zu tilgen, so daß er nunmehr — abgesehen von der Hypothekar-; schuld, deren Amortisation vertragsmäßig vor sich geht — vollkommen schuldenfrei ist. Das Ansehen, das der Verein genießt, und die Sympathien, die ihm von verschiedenen Seiten zugewendet werden, offenbaren sich auch darin, daß ihm auch in dem Berichtsjahre nahmhafte Schenkungen an kostbaren Thorarollen und Ceremonialgeräthen gemacht wurden, wofür hiemit den Spendern der Dank ausgedrückt wird, ebenso wie jenen, die sich an den Osterbrot-Sammlungen betheiligten. Der Vorstand für das Bereinsjahr 1895 bestand aus den Herren S. Meisels, Obmann; Arthur Edler von Mises, Obmann-Stellvertreter. Ignatz Zolles, Schriftführer; A. M.