Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 13 (1896)
- Issue
- 6 (7.2.1896)
- Date
- 1896-02-07
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Br. 6. Dr. Bloch’s Jahrgang XIII. Centrslorgan für die gefammten Interesten des Iudenthums. K. ft. PostspsrftLsien-Kmt Clearingverkehr Nr. 610.976. Nrdsirtion und Administrslion: Wien > '..UnfnrVug^truflrsYrla. lTelephon*Nr. 6535. «- - - Wien, 7. Februar 1896. -- Erscheint jeden Freitag. ->» >-<> - Man abonnirt bet allen Postanstalten des In- und Auslandes. * : — -=-=--=% I Ve;ugsvrris für Oesterreich: Halbjährig 4 fl. — 8 J?r. Einzelexemplare 25 kr. j lür's Ausland: halbjährig 5 fl. 10 Är. ' ganzjährig 10 „ 20 „ j! Anzeigen: Die 4ma£ gespaltene Petitzeile 12 kr. ^. .r Ä Inhalt: Leitarti kel: Das jüdische Weib. — Das Parlament der Religionen. - Das Judentum und die sittlich'-retigiöse Erziehung. — Vom Jahrmarkt des Lebens: Das Reuegatenthuiu. Max Anton Löiv. Die Vorgänge im nieder österreichischen Landtag. Der gestohlene Kopf, Antisemiten bei der Arbeit auf einem Friedhof. Antisemitische Dienstgeber. Arische Arbeitslöhne. Victor Hugo und Ernst Renan über die Ritualmord-Verleumdung. Der Primär von Dorohoi und die Juden. Nuntius Galimberti. Tie Weiber von Weinsberg im Midrasch. Zur Geschichte der Juden in Prag. —C v r r e s p o u d e n; e n: Wien, Mödling, Aussig, Prag, Brünn, Aus der vornehmen Gesellschaft, Horazdiowitz, Dukla, Lemberg. Hamturg, London. — B e rmischres: Wien, Ans Tulln, Waidhofen a. d. Thaya, Mährisch-Ostrau, Mistelbach, Brünn. Prag, Podwoloczyska, Gnrahumora, Tarnopol, Trohobyrz, Neusandec, Gießen, Heldenbergen, Paris, Brüssel, London, Bern, Nizza. — Feuilleton: Kinder des Ghetto. — Literatur. — Briefkasten — Inserate. Das jüdische Weib. In dritter Auflage liegt das Werk von Nahida Ruth Jazarus (Nahida Remy) „Das jüdische Weib" im Berlage von Siegfried Cronbach in Berlin vor. Bekannt und selbst verbreitet genug für deutsche Verhältnisse, verdient es immer noch seinen nachdrücklichsten Hinweis. Denn in einer Zeit, die den Juden Alles bestreiten will, worauf sie vordem stolz sein durften, geziemt es sich doppelt, sich des einen Ruhmestitels zu freuen, den kein Haß verkleinern kann. Die Rolle aber, die das Weib in der Geschichte der Inden spielte, ist ein Ehrendenkmal beiden Geschlechtern und zugleich der Religion, die jedem von Beiden gestattete, sich so ganz nach Naturanlage und Art zu entwickeln. Und wenn die kluge, vielbelesene Frau Nahida Remy auch nichts sonderlich Neues beibringt, so hat sie doch spürend und weithin Umschau gehalten; mit einer Gelehrsamkeit, die es ihr gestattet, sogar zwischen strittigen Übersetzungen eines Bibelverses zu wählen, ist sie ausgerüstet. So übersieht man denn in ihrem Buche auf einen Blick den ganzen Hort edler, todesmuthiger Frauen, der sich im Judenthume durch die Jahrhunderte gesammelt hat. Kennte das Judenthum etwas Aehnliches, so wäre das allein ein „Hort der Gnaden", wie ihn der Katholicismus trotz seiner Thesaurirung der Verdienste der Frommen und Heiligen kaum besitzt. .. . Zunächst also ist es das Judenthum, das seine ganze Ethik auf dem Begriffe der Familientugenden aufbaut. Diese sind allerdings im weitesten Sinne zu nehmen, soferne wieder .das ganze Volk als Familie Gottes zu nehmen ist. Während der Orient das Weib in den Harem sperrt, kennt das Gesetz Mosis niemals etwas Aehnliches. Hellas und Rom belegen ihre Frauen mit beständiger Unmündigkeit und befreien sie daraus nur durch die Unsittlichkeit. Die Hetäre kann sich frei bewegen, und die Römerin gewinnt erst in der allgemeinen Zersetzung jeder Sitte, wie sie sich zu Ende der Republik einstellte, die Rechte, über ihre Habe und über sich frei zu verfügen. Dem Christenthüme ist das Weib das Böse an sich. Besonders die Doctrin des Paulus — Petrus blieb mit den Semen immer der Mutterreligion näher — verfolgt es geradezu mit seinem Hasse und gestattet Gemeinschaft der Geschlechter nur um der allgemeinen Schwachheit willen. Der ehelose Stand wird immerdar erhöht. Ihm nach eifert der zornige Tertullian, dem keine Schmähung zu grimmig ist. Erst durch den Minnedienst des Mittelalters, erst durch den Mariencultus kam eine höhere Auffassung von der Stellung des Weibes in das Mittelalter. Diesmal aber wurde durch Ueberstiegenheit, der natürlich der Rückschlag niemals erspart bleiben konnre. ebenso gesündigt, wie vordem durch Herabwürdigung. Verleugnung jeder Bande des Blutes aber finden wir in fast allen Legenden, bis späthin als Grundbedingung und Ankündigung späterer Heiligung. Und das, nachdeni schon durch Jahrhunderte im Judenthume das richtige- Maß lebte, selbst für die Poesie des wechselseitigen Verkehres durch manchen Brauch Lorge getragen war. Nichts schöner, als jene Sitte am Kippur- Feste, wenn die Mädchen in die Weinberge wanderten. Reich und Arm tauschten die Kleider, damit nichts verratbe, welchen Besitzstandes sich Eine erfreue. Ihnen nach zogen die Jünglinge, Wechselgesänge, lockend, werbend, erschollen. Von mancher Vorschrift des Ritualgesetzes war dieFrau befreit. Befreit, nicht ausgeschlossen sagt die geistvolle Verfasserin. Denn ihr war als nächste und höchste Aufgabe gestellt, Mutter zu sein. Das heißt mehr, als Kinder hecken und das läßt nicht so viel Zeit, um all die umfänglichen Gesetze und Regeln zu beobachten. In diesem Sinne war die Jüdin immerdar verehrungswürdig. Wie wenig man aber daran dachte, sie trotz einer anscheinend demüthigenden Gebetformel Herabdrücken zu wollen, dafür gibt's unzählige Zeugnisse. Einmal, sollte man meinen, müßten sie sich selber bei ihrer unbestrittenen Klugheit über ihre Position klar gewesen sein. Da ist denn nun die Antwort bezeichnend, die Rabbi Meier's Weib Beruria dem Jünger gab, der sie damit aufzießen wollte, daß Gott dem Adam die Rippe entwendet habe, während er schlief, so daß Eva einem Diebstahle ihr Dasein danke. „Ein Dieb ist bei mir eingebrochen" entgegnete die Frau. „Er nahm mir einen silbernen Becher und ließ mir einen Goldenen. Hat er mich geschädigt?" Nem! „Nun. und Gott nahm dem Adam eine Rippe und gab ihm dafür eine Gefährtin." Die so spricht, die fühlt sich gewiß nicht als Magd. Unzählig sind die Vorschriften für den Mann, seine Genossin mit Geduld und Neigung zu behandeln. Zu einer kleinen Frau soll er sich niederbeugen und ihr in's Ohr flüstern. Das heißt wohl nichts Anderes, als, steht Dein Weib unter Dir, so neige Dick — lasse Dich aber nicht herab zu ihr. In keiner Literatur der Welt wird das Lob der Frau so unablässig, in so vielen Varianten gesungen, als in der hebräischen und dabei bleibt man immer auf dem Boden der Wirklichkeit. Schon aus dem Umstande, daß Gott dem ersten Menschen nur die Eva bei-