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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1896-01-31 · 5 (31.1.1896) · page 24

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
13 (1896)
Issue
5 (31.1.1896)
Date
1896-01-31
Page
– (sequence 24)
Language
German
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Seeit 104 Dr. Bloch's Wochenschrift Nr. 5 „Ich werde für Jecheskel beten," sagte Moses. „Bet' auch für Milly, wenn Du schon dabei bist, damit sie sich erinnert, was sie ihrer Mutter schuldig ist, ehe die Erde mich deckt! Ich weiß nicht, was über meine Kinder kommt. Schau meine Lea an! Sie will durchaus diesen Sam Levine.heiraten, obwohl er einer laxen, englischen Familie angehört, und ich glaube seine Mutter ist eine Proselytin. Auf jeden Fall kann sie keine Fische backen. Ich Hab nichts gegen Sam, aber ich glaube, meine Lea hätte es mir früher sagen können, ehe sie sich in ihm verliebte! Und doch, wie behandle ich sie! Mein Michael machte für sie einen Mischeberach in der Synagoge am Samstag nach der Verlobung — natürlich war das in unserer eigenen Chevre, abgesehen von der Guinee, die mein Michael in der Dukesplace-Schul' schnoderte Du weißt, wir haben stets auch zwei Sitze in der Dukesplace!" „Großartig!", sagte Moses überwältigt. „Ich thue gern alles mit Anstand," fuhr Malka fort. „Niemand kann sagen, daß ich mich je anders benommen habe, als wie eine feine Person. Du wirst doch mit ein paar Schilling genug haben?" Moses ließ den Kopf noch mehr hängen. „Meiner Mutter geht es recht schlecht", stammelte er. „Sie ist eine sehr alte Frau und wenn sie nichts zu essen bekommt, wird sie nicht lange leben." „Sie sollte in das Heim für alte Witwen kommen. Ich habe ihr meine Stimme gegeben, das steht fest." „Gott wird Euch dafür segnen. Aber die Leute sagen, es sei ohnehin ein großes Glück gewesen, daß mein Benjamin in's Waisenhaus ausgenommen wurde, und daß ich sie nicht von Polen hätte Herkommen lasten sollen. Sie sagen, wir haben hier genug, eigene alte Witwen." Da haben die Leute ganz Recht — wenigstens wär' sie in einem jüdischen Lande verhungert, nicht unter Abtrünnigen." „Aber sie war dort drüben sehr einsam und elend — und ich verdiente ein Pfund per Woche. Damals war die Schneiderei ein einträgliches Gewerbe. Die paar Rubel, die ich ihr zu schicken pflegte, kamen ihr nicht immer zu." „Du hattest kein Recht, ihr etwas zu schicken oder sie Herkommen zu lasten. Mütter sind nicht Alles. Du hast meine Muhme Gittel — Friede sei mit ihm — geheiratet und es war Deine Pflicht, sie und ihre Kinder zu ernähren. Deine Mutter hat Gittel das Brot aus dem Munde genommen, wenn nicht sie, so wäre meine arme Muhme heute noch am Leben. Glaub' mir, es war keine Mitzweh!" „Mitzweh" ist ein „Portmanteauwort": es bedeutet ein Gebot und eine gute That; die beiden Begriffe werden als verwechselbar angesehen. „Nein, da irrt ihr Euch", antwortete Moses. „Gittel war kein Phönix, der einzige Vogel, der nicht vom Baum der Erkenntniß aß und deshalb ewig lebt. Frauen brauchen nicht so lange leben wie Männer, denn sie haben nicht so viele Mitzwehs zu erfüllen wie die Männer und da" — hier verfiel er unwillkürlich in den argumentativen Singsangton — „da ihren Seelen alle Mitzwehs zugutekommen, die ihre Männer oder Söhne ausführen, so wird Gittel die Mitzjvehs zugutekommen, die ich that, indem ich meine Mutter Herkommen ließ, so daß sie nichts dabei verloren hat, selbst wenn sie dadurch starb. Es steht geschrieben, daß der Mann Mitzwehs thun und durch sie leben soll. Leben ist eine Mitzweh, aber offenbar eine von jenen, die zu einer bestimmten Zeit gethan werden müssen, von denen Frauen wegen ihrer häuslichen Pflichten ausgeschlossen sind, woraus ich schließe, daß es für Frauen nicht so nöthig ist zu leben, wie wir Männer. Nichtsdestoweniger würde sie noch am Leben sein, wenn Gott es wollte. Der Allerhöchste — gesegnet sei sein Name — wird für bn Kleinen sorgen, die er in die Welt gesetzt hat. Er ernährte Elia, den Propheten, durch Raben und wird mir nie einen schwarzen Sabbath schicken." „Oh, Ihr seid ein Heiliger, Moische!" sagte Malka. Moses hatte solchen Eindruck auf sie gemacht, daß sie ihn zu der Würde der zweiten Person Mehrzahl zutteß. „Wenn alle soviel Thora könnten, wie Ihr, würde der Messias bald da sein. Hier sind fünf Schillinge. Dafür könnt Ihr auf dem Markt einen Korb Citronen bekommen, und wenn Ihr sie zu einem halben Penny verkauft, habt Ihr einen schönen Verdienst. Von der Einnahme legt fünf Schilling beiseite und kauft wieder einen Korb. So werdet Ihr Euch durchbringen können, bis die Schneiderei wieder in Gang kommt." Moses hörte zu, als wenn er von den Grundprincipien des Handels noch nie etwas gehört habe. „Möge der Ewige — gelobt sei er — Euch segnen und möget Ihr Freude erleben an Euren Kindeskindern!" Moses ging also und kaufte Mittagsbrot, wobei er in seiner Freude seine Kinder mit „Bauglich" (Kipfeln) bewirthete. Aber am nächsten Morgen begab er sich auf den Markt, unter- Wegs an den ethischen Unterschied zwischen den „Pflichten des Herzens" und ^Pflichten der Glieder" denkend, wie Rabbenu Bachja sie in erlesenem Hebräisch erklärt und legte den Rest in Citronen an. Dann postirte er sich in Petticoat Laue und schrie in seinem unvollkommenen Englisch: „Lemonen, serr gitte Lemonen, zwei Stück ä Penny, zwey Stück ä Penny!" (Forschung folgt.) Briefkasten. L. in Wien. Dr. Porzer wies in einer Versammlung, in der er zu Wahlzwecken den Antisemitismus pries, auf die „Name n der socialdemokratischen Führer hin, die schon erkennen lassen, mit welcher Sorte von Gegnern die Christlich-Socialen es zu thun haben". Er stammt von der Familie Kohn ab und hat jedenfalls Recht, auf die Race zu schimpfen. Das Wesen des Antisemitismus besteht darin, die eigenen Vorfahren zu lästern. ( Adolf Netzier, Vitesti. „Israel. Cantorenzeitung", Wien, II. Novaragasse 27. „Ung. Israelit" Budapest. Arnold B. Es gibt keinen Ausdruck, der genügend die Vermessenheit des „Deutschen Volksblatt", in diesem Falle züchtigen könnte. Das Blatt sprach höhnisch von dem Ball der Stadt Wien als von einem „Purimball", obwohl denselben Se. Majestät der Kaiser besuchte. Der Tag der Abrechnung für die Hamans des „Deutschen Volksblatt" wird nicht ausbleiben. B—n. Der Clerus blieb demonstrativ dem Feste fern. So demonstriren die frommen Herren für ihre Kaisertreue — und ihren Lueger-Cultus. A—z. Die Juden haben wahrlich dringendere Humanitätssorgen als für die Armenier Geld zu sammeln. Die Armenier besorgen die Geschäfte Rußlands, und für Rußland zu schwärmen haben die Juden wohl nicht allzuviel Grund. Dr. B—r. Merken Sie denn nicht, daß aus den Leuten schon der pure Größenwahn spricht? „Man" demonstrirt gegen Lueger durch die Abhaltung des Balles der Stadt Wien. Rabbiner Dr. Jacob Sptra, Mährisch-Ostrau. Schreiben Sie den Lehrlingen ein Gesuch an das Curatorium der Baron Hirsch- Schul-Stiftung, Wien, I., Schwarzenbergplatz 4. W. N., Suczawa. Grätz' Geschichte ist antiquarisch schwer erhältlich. G. K., Sniatyn. Herzlichen Dank und Gruß. B. I. Wietschner, Dukla. Der Nachfolger des seligen Rabbiners Spitzer ist dessen Schwiegersohn Rabbiner Kohn, Wien. II., Herminengasse 18. Die Geschichte Israels in Einzeldarstellungen von Hugo Winkler ist erschienen in der Buchhandlung Ed. Pfeiffer, Leipzig. Joseflne, IV. Bez. Das Curatorium des mähr. jüd. Landesmassafondes dürfte in den nächsten Wochen die Generalversammlung halten. Präsident ist Herrenhausmitglied Ritter von Gomperz. M. F. in Str. Abonnement erhalten, besten Dank. Concups. Bei der isr, Cultusgemeinde Ybbs a./Donau ist die Stelle eines Religionslehrers, Schochet^und Vorbeters für den politischen Bezirk Scheibbs, N.-Oest., sogleich zn besetzen. Mit dieser Stelle ist ein Jahresgehalt von 1200 Kronen nebst den üblichen Emolomenten verbanden. Bewerber wollen ihre mit dem Nachweis der öaterr. Staatsangehörigkeit and der Befähigung, an den öffentlichen Volksschulen den Religionsunterricht ertheilen zu dürfen, belegten Gesuche mit Angabe ihres Alters und Familienstandes umgehend an den Gefertigten gelangen lassen. Reisespesen werden nur dem Acceptirten vergütet. Purgstall a. Erlaf, am 28. Jänner 1896. < Für den Vorstand: Emanuel Schulz Vorsteher-Stellvertreter. Herausgeber u. verantw. Redakteur: Dr. Josef E. Bloch. — Druck v. L. Beck & Sohn, Wien, VIII., Lerchmselderstr. 46.

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