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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1896-01-24 · 4 (24.1.1896) · page 20

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
13 (1896)
Issue
4 (24.1.1896)
Date
1896-01-24
Page
– (sequence 20)
Language
German
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Seite 80 Nr. 4 Dr. Vlvch's Wochenschrift. erregten Anstoß. Er saß eine dreimonatliche Kerkerstrase ab j und schrieb und sprach dann — noch schärfer. Er Härte die meiste Zeit seines Lebens auf Staatskosten leben können, wenn nicht eine mächtige Persönlichkeit sich seiner angenommen und ihn geschützt hätte. Dieser scharfe, rückhaltslose Kämpfer für Recht und Wahrheit war im Privatleben die Güte und Milde selbst, er hatte ein kindliches Gemüth und war glücklich, wenn er Wohlthaten üben konnte. Seine Herzensgüte und seine Vertrauensseligkeit wurden oft in nichtswürdiger Weise ausgenützt und er gerieth oft selbst in Situationen, wo ihm das Nöthigste fehlte. Das kümm.rte ihn wenig. Er sagte: „Für mich habe ich immer genug; meinen Hunger kann ich mit einem Stück Brod stillen." Eines Tages rief Dr. Basch Heinrich Pollack, der damals die Absicht hatte, seine Universitätsstudien in Wien zu vollenden und nur nebenbei als Berichterstatter beim „Oest.- Ungar. Lloyd" arbeitete, zu sich in sein Zimmer und sagte zu ihm: „Kommen Sie morgen etwas zeitlicher ins Bureau. Ich will mit Ihnen zum Minister gehen." „Zum Minister?!!" „Sie kennen ja die Beziehungen, die zwischen Bruck und mir bestehen und seine Beziehungen zu unserem Blatte. Da es sich um eine wichtige Angelegenheit des Blattes handelt, bei welcher Ihnen die Hauptrolle zugedacht ist, so will ich Sie dem Minister vorstellen." „Wie? Ich verstehe nicht." „Nun denn, staunen Sie, so viel Sie wollen. Sie geyen für den „Lloyd" als Berichterstatter ins Hauptquartier nach Italien!" „Ich? Ich als Kriegsberichterstatter? Ich war ja noch nie . . . ." Da man dem Dr. Basch in redactionellen Angelegenheiten direct nicht widersprechen durfte, so hoffte Pol lack, der Minister werde seine Ansicht theilen, daß er für den Posten nicht tauge. Der Minister versicherte ihm jedoch huldvoll, daß er überzeugt sei, der Mann, den Dr. Basch für eine Stelle als den richtigen bezeichne, sei für dieselbe gewiß der geeignetste. Er hatte es nicht zu bereuen. Und wohl auch die Leser nicht, die sein fesselnd geschriebenes Buch gewiß mit steigendem Interesse bis zu Ende lesen werden. — a — Literatur.. „Im Norden". Unter diesem Titel veröffentlicht Doctor Paul Ko h n, ein junger, hochbegabter Schriftsteller, Sohn des CultusvorstehersHerrn Salo K o h n,eine Reihe von Ecinnerungsblättern, welche die Frucht einer im Jahre 1895 unternommenen Reise nach Norwegen sind. Der Autor hat mit offenem Auge Land und Leute, die Schönheiten der Natur und die Eigenthümlichkeiten der Menschen beobachtet; er hat mit der frischen Empfänglichkeit der Jugend die Eindrücke ausgenommen und für dieselben die künstlerische, styl- und geschmackvolle Gestaltung gefunden, die das Interesse des Lesers gewinnt und festhält. Das sehr interessante Buch bildet ein Pendant zu dem bereits früher von demselben Autor veröffentlichten Werke „Skizzen aus dem Orient", in welchem er mit glühenden Farben das Morgenland schildert. Die künstlerisch werthvollen Illustrationen, welche die beiden Bücher zieren, bilden eine höchst dankenswerthe Beigabe. Briefkasten. R. G. in H. Wilhelm Cahn, Legationsrath im Auswärtigen Amt, ist Jude. Er war zur Zeit des Krieges bayrischer Legationskanzler in Paris und auf Grund einer nach der Kriegserklärung ersolgteu bayrisch-französischen Vereinbarung während des Krieges, der Belagerung und der Commune in Paris geblieben, wo er der mit dem Schutze der Bayern und Badenser betrauten schweizerischen Gesandtschaft ossiciös attachirt war. Nin E. Weh lau ist ebenso wie Leist Christ, Fritz F r i e d m a n n ist, wie der „Freist Ztg." authentisch mitgetheist wird, als Christ geboren: sein Vater hatte sich taufen lassen. Weil der in Paris in einer Erpressungs-Affaire compromittirle Mitarbeiter des ,,Figaro",Jacques Sa in 1-C e re,ursprünglich Rosenthal hieß, aus Bayern nach Frankreich kam und vor dem „reinigenden" Bade der Taufe der irsaelitischen Confessio» angehörte, spricht die „Re ich sp oft" von einem „jüdischen" Gauner. Ist aber Herr Anton Weimar, dessen Eltern von unverfälscht jüdischer Abstammung waren, Spitzer hießen und aus Breslau nach Oesterreich wanderten, ein österreichischer Katholik, dann ist auch Saint-Cere kein „jüdischer" Gauner. Entweder sind Weimar und Saint-Cere Beide Katholiken, dieser ein französischer, jener ein österreichischer, oder Spitzer-Weimar hat das gleiche Anrecht ans das Epitheton „jüdisch" wie Saint-^ere Rosenthal. L. B -ii, Brünn. Sie lachen darüber, daß Schönerer sich zu der Gründungsseicr des Deutschen Reiches gratnliren läßt. Er freut sich wohl, daß er alle Schlachtfelder, ans denen Deutsche im Jahre 1870 bluteten — nur von: Hörensagen kennt'. A. Mero. Sie machen uns auf das „letzte" Plagiat Bergan i's aufmerksam. Warum sagen Sie das „letzte"? Hat denn Vergant die Absicht, die Schriftstellerei anfzngeben. A. R. Lassen Sie die kleinen antisemitischen Kläffer. Sie sind durch ihren jüngsten Verrheidiger genug — gestraft. Dr. B., Olmüy. Es ist noch gar nicht entschieden, wem die Leute vom Ealiber des Paulus Meyer mehr Schande machen, den Juden, aus deren Mitte sie ausgestoßen sind, oder Jenen — die sie mit Freuden zu den Ihrigen rechnen. Leo G., Ncn-Suudec. Wir möchten Ihnen nicht weh thun, aber wir müssen Ihnen den aufrichtigen Rath ertheilen : Erfreuen Sie sich lieber an den Dichtungen — Andere r. W F. New-Uork. Wir senden Ihnen Blvch's, „Einblicke in die Geschichte der Entstehung der talmudischen Literatur". Wilhelm Sträustler, 2. Bez. Untere Augarlenstraße 25 Nach unseren Informationen har die freischlagende jüdische Verbindung S o l i a in W ürzburg an ihren Wechnachtsbaum eine Schweinsblase gehängt und nicht „laurer Schweinsblase»," wie ein Geistlicher in der „Nieverbaier. Landeszeitung" schreibt, was an der Beurtheilung des Falles freilich nichts ändert. Gegen dieses durchaus ungehörige Gebühren haben bereits die andern jüdischen Studentenvereine in Würzburg Verwahrung eingelegt. 5t. H. W., Wien. Sie wissen selber ganz genau, daß sowohl die Frau von Fritz Friedmann, wie Flora Gaß germanische Stammesgenossinnen sind. Allein zum Metier des germanischen Journalisten gehört wohl in erster Linie das dreiste Lügen. Sigmund Metzl, Wien. Für uns ungeeignet. Ein Jude. Das „Prager Tagblatt" meldet unter dem Schlagwort: „Ein Dorf aus d e m E r l ö s e v o n B riesln a r k e n" : „Der Versuch, aus dem Erlöse entwertheter Brief- > marken ein christliches Dorf am Congo zu gründen, ist geglückt. Aus allen Theilen der Welt sind in Brüssel über 40 Millionen Briefmarken zusammengeflvssen und ihr Erlös hat ansehnliche Summen erbracht. Der Eongostaat hat dem Dorfe im Süden von Busambo am rechten Flußufer 400 Hektar abgetreten". Die Inden sollten Aehnliches versuchen. Rabbiner Tänzer, Totiö. Abonnement bis 15. Juni erhalten. Dr. Kahan, Leipzig. Der Aufsatz enthält nichts Neues. Cassel (Deutschland) Israel. Tochter-Pensionat VOn Frau Hermine Heine, Grüner Weg 29. 1877 Gegründet 1877. Gründliche wissenschaftliche, gesellschaftliche sowie wirtschaftliche Ausbildung, letztere unter persönlicher Leitung der Vorsteherin. Beste Referenzen im In- und Auslande. An unsere gesell ätzten " in Russland- Unser bisheriger General-Agent J. Cli, Tawjew, Riga, Parkstrasse Nr. 6 ist mit 1. Jänner 1896 von der Generalagentur des Vereines zurückgetreten und verbleibt als Agent der „Oesterr. Wochenschrift“ für Kiga und Kurland. Wir bitten unsere geehrten Abonnenten davon Kenntniss zu nehmen. Die Administration von Dr. Bloch’s „Oesterr. Wochenschrift“ Wien, II/3, Unt. Augartenstr. 1a. Als Comptoirist oder Lagerist sucht junger Mann, der eine Handelsakademie in Ungarn absolvirte und bereits mehrere Monate in einem grossen Exporthause einer Weltstadt thätig war, Stelle in einem Samstag und an jüdischen I Feiertage streng geschlossenen Geschäfte, gleichviel welcher Branche. Bescheidene Ansprüche. Offerte erbeten sub H. F. 2 an die Administration dieses Blattes. Herausgeber u. verantw. Redacteur: Dr. Josef S. Bloch' — Druck v. L. Beck & Sohn, Wien, VIII., Lerchenfelderstr. 46. 193456

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