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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1896-01-24 · 4 (24.1.1896) · page 17

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
13 (1896)
Issue
4 (24.1.1896)
Date
1896-01-24
Page
– (sequence 17)
Language
German
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Nr. 4 Dr. Bloch's Wochenschrift. Seile 77 aum Jubilar, welchem derselbe iu wannen Worten die berzlichsteu Glückwünsche im 4tamen aller Lehrer ausdrückte. Bei dieser Gelegenheit wurde auch dem Jubilar eine schöne lithvgraphirtc Dankadresse, in Goldrahmen eingefaßt, überreicht. Zu Thränen gerührt dankte der Jubilar für die ihm zutheil gewordene Huld und versicherte, auch fernerhin das Wohl der Schule zu fördern. Um (> Uhr Abends wimmelte cs von circa 350 Schulkindern, die verschiedeitsarbige Fackeln trugen, vor dem Hause des Herrn H a lp e rn/ Die Musik ertönte und spielte einige Pitzcen. Der Jubilar erschien und wurde von 350 Kehlen jauchzend begrüßt. Die Knaben sangen Lieder, dann wurden sie mit Backwerk und anderen Süßigkeiten reichlich beschenkt, das Lehrerpersonal zum Abendmahl eingeladen. Bei reicher Tafel wurden viele Trinksprüche ausgebracht, wie: aus das Wohl des Hausherrn, der Hausfrau sammt Familie, des edlen Philantrvpen Baron Hirsch, Dr. Friedländer und Andere. Um II Uhr Abends verließen die Theilnehmer das liebenswürdige Haus. HoraLdiowitz, 19. Jänner. Erev Roschchodisch Schevat fand die statutenmäßige Jahresversammlung der hiesigen Chewra-Kadischa bei sehr zahlreicher Betheiligung von Seite der Mitglieder statt. Dieselbe ward mit einem Gottesdienste verbunden, bei welchem HerrReligionsweiser Martin Friedmann eine beifällig aufgenommene Rede hielt. Die Chewra- Kadischa, deren Leitung in den bewährten Händen des Herrn Wilhelm L Kohl ruht, zählt gegenwärtig 90 Mitglieder.— ie Ortsgruppe Horazdiowitz des Vereines „Zion" hielt in oer verflossenen Woche eine Sitzung ab, in der beschlossen wurde, den Betrag 63 fl. an den Obmann des Hauptvereines, Herrn Dr. Otto Kokesch in Wien zu senden und vier Exemplare der von Dr. Heinrich Löwe in Berlin herausgegebenen Monatsschrift „Zion" zu abonniren. — Die israelitischen Kausleute unserer Stadt haben schon vor längerer Zeit den „stillen" Beschluß gefaßt, aus Graz keine Waaren zu beziehen, solange der bekannte, famose Gemeinderathsbeschluß existirt. Ihnen gebührt volle Anerkennung sowie allen israelitischen Wählern der Stadt Horazdiowitz, die bei der letzten Landtagswahl einmüthig und selbstbewußt (ohne jede Agitation) nur solche Wahlmänner wählten, von denen angenommen werden mußte, daß sie ihre Stimmen nicht dem Antisemiten Dr. V a s a t y, sondern seinem Gegencandidaten geben werden. Graz, 19. December 1895. Samstag den 14. December, 8 Uhr Abends, gab der akad. Verein „Humanitas" in Graz seinen ersten diesjährigen Familienabend. Eingeleitet wurde der Abend durch musikalische und deklamatorische Vorträge, an welchen sich Damen und Herren der hiesigen jüdischen Gesellschüft betheiligten und die von Seiten des zahlreich anwesenden, distinguirten Publicums reichlichen, wohlverdienten Applaus fanden. Daran schloß sich ein äußerst animirtes Kränzchen, an dem sich Jung und Alt in gleicher Weise betheiligte und wobei besonders der trefflich arrangirte Cotillon allgemeines Wohlgefallen erregte. In der Pause wurden die von befreundeten Vereinen eingelaufenen Telegramme und Briese zur Verlesung gebracht und mit Beifallsrufen zur Kenntniß genommen. Stauislau, 15. Jänner 1896. Vor einigen Tagen schied hier aus dem Leben in seiner vollsten Mannesblüthe der Magister der Pharmacie Herr Josef K i e s l e r, der Sohn des allgemein beliebten und geachteten hiesigen Bankiers K- Kiesler. Der Verstorbene, obwohl erst im 25. Lebensjahre stehend, genoß in allen Kreisen der hiesigen Gesellschaft die aufrichtigsten Sympathien und zeichnete sich durch seltenen Seelenadel und Herzensgüte aus, wovon das imposante Begräbniß, an dem sich alle Schichten der Bevölkerung betheiligten, beredtes Zeugniß ablegte. Ehre dem Andenken eines solch edlen, und leider zu früh entrissenen Menschen. Trieft. (D e n k m a l s e n t h ü l l u n g.) Am 30. December wurde in Triest das Grabdenkmal des berühmten Samuel David Luzatto feierlich enthüllt. Paris, 20. Jänner. Der „Figaro" meldet, daß sich Baronesse Jeanne Rothschild, Tochter des Baron James Rothschild, mit Baron David Leonino aus Mailand verlobt habe. Die Hochzeit soll im Frühjahre stattfinden. Elberfeld, 20. Jänner. Der „Elberfelder General- Anzeiger" will wissen, Ahlward t werde nicht nach Deutschland zurückkehren, sondern in Amerika bleiben, weil er in Deutschland von Gläubigern stark bedrängt werde. München. Generalmusikdirector L e v i ist nach längerer Krankheit und andauerndem Fernsein wieder hier eingetroffen und hat sich zur Freude seiner Verehrer wesentlich erholt. Er braucht zur Stärkung noch eine Massagecur und dürfte in Kürze seinem künstlerischen Berns wiedergegeben sein. Breslau, 21. Jänner. (P r a k t i s ch e r A n t i s e m i 11» m u s.) Ja S o s n owic e (im russischen ouvernement- Lublin) drangen vorige stacht vierzig Räuber in die Wohnung der jüdischen Familie Feld m a n n und verlangten Geld. Sie erschossen den Familienvater sowie dessen Schwieger - sehn. Während des Kampfes mit den Räubern eilten Polizisten und Privatpersonen herbei. Auch mehrere der letzteren wurden schwer verwundet. Dreißig Bendziner Kosaken, die telegraphisch herbeigerufen worden waren, verjagten endlich nach einem heftigen Gefechte die Räuber und nahmen sechs derselben fest. Die Bande soll 200 Mann stark sein. Die Bevölkerung trat unter Waffen. Korfu, 1. Jänner. Unsere Gemeinde hat einen schweren Verlust erlitten. Im Alter von 72 Jahren staib hier Herr Marco Rieti, Chef des gleichnamigen Bankhauses hier und Präsident des hiesigen Comitös der „Alliance Jsraelite", der sich lim unser Cnltuswesen und um das religiöse Leben der Juden unserer Insel sehr verdient gemacht hat. Jaffa im December. Dem Generalgouverneur des heil. Landes liegt jetzt ein besonderes Colonisationsprojcct zur Begutachtung vor. Bor einigen Wochen haben sich nämlich zahlreiche Familien Bulgariens, besonders aber Ostrumelrens au die türkische Regierung mit dem Ersuchen gerichtet, man möge ihnen die Ansiedlüng in Palästina, und zwar in dem nicht zu übervölkerten Jordauthale gestatten, wo sie sich ausschließlich mit dem Ackerbau, dann mit der Vieh- und Seidenwürmerzucht beschäftigen wollen. Dieses Gesuch wurde unserem General- Gouverneur zur Prüfung und Begutachtung vorgelegt. Feuilleton. Rinder des Ghetto. (Roman von I. Zangwill.) (Nachdruck verboten. Drittes Capitel. Malka. Der Sonntagsmarkt in Petticoat Lane ist stark im Aussterben begriffen und doch in voller Blüthe. An dem trüben, grauen Morgen, au dem Moses Ansell durch das Ghetto schritt, zeigte er sich in seiner ganzen Pracht. Es war nahezu elf Uhr und das Gedränge nahm immer mehr zu. Die Verkäufer schrieen mit Stentorstimme ihre Waaren aus und das Geplapper der Käufer glich dem Gebrauw einer stürmischen See. Die Mauern und Bretterzäune waren mit Placaten beklebt, die auf das Leben der Bewohner schließen ließen. Viele davon waren jüdisch, der corrupteste Bastardjargon, der sich je entwickelt hat. Selbst dort, wo die Worte englisch lauteten, waren die Lettern hebräisch. Volksversammlungen, Gemeindeschule, Predigt, Polizei und andere moderne Banalitäten starrten den Vorübergehenden in dem heiligen Gewände — der Sprache an, die man gewöhnlich nur mit Wundern und Prophezeiungen, Psalmen, Cedern und Seraphim, Hirten und Harfenschlägern in Verbindung bringt. Moses blieb stehen, um diese Bastardplacate anzusehen. Er hatte nichts Besseres zu thun. Er wollte nicht daran denken, daß in zwei Stunden Mittagessenszeit war. Ziellos bog er in die Wentworth-Street ein und studirte ein Placat, das im Ladensenster eines Schuhmachers hing. Es lautete im Jargon folgendermaßen: „Borrichter. Stepper, Leistenschneider, Ausfertiger gebraucht Baruch Emanuel, Schuhflicker, verfertigt und reparirt Schuhe genau so billig wie Mordechai Schwartz Goulston Street 12." Der Name Mordechai Schwartz war mit riesengroßen und tieffchwarzen hebräischen Lettern geschrieben und beherrschte das ganze kleine Ladenfenster. Baruch Emanuel war sich der Ueberlegenheit seines mächtigen Gegners offenbar bewußt, obwohl Moses noch nie etwas von einem Mordechai Schwartz gehört hatte. Er trat in den Laden und sagte auf hebräisch: „Friede sei mit Euch." Baruch Emanuel, der an einer Sohle hämmerte, antwortete gleichfalls hebräisch: „Friede sei mit Euch." Moses verfiel in den Jargon. „Ich suche Arbeit. Bielleicht habt Ihr was für mich zu thun."

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