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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1896-01-24 · 4 (24.1.1896) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
13 (1896)
Issue
4 (24.1.1896)
Date
1896-01-24
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Nr. 4 Bloch’s Jahrgang XIII. Centralorgan für die gesammten Interesten des Iudenthums. K. k. Postsparkassen-Amt Clearingverkehr Nr. 810.976. NeLartion und Administration: Wien Hnlrrr Vriga. irnprafjs la. Telephon* Nr. 6535. — Wien, 24. Jänner 1896. Erscheint jeden Freitag. -- sg Wan alwnnirt bti allen Pollanllallrn des In- und Auslandes. 8L- Sezugsvreis für Oesterreich: i Halbjährig 4 fl. — 8 Kr. Einzelexemplare 25 kr. lüt’8 Ausland: halbjährig 5 fl. — 10 Kr. ganzjährig 10 „ — 20 Anzeigen: Die 4na( geipallene Penr;e,!e 12 ir. * Inhalt: Leitartike l: Eine Demission. — Vom deuischen Hammerstein und Hammergmt. — Die israelitischen Districtspräsidenten Ungarn's bei den Ministern. — Ans der Oesterreichisch-Jsraelitischen Union. — Zur Geschichte der Juden in Prag. — Vom Jahrmarkt des Lebens: Der Patriotismus und die Kaisertreue. Die Krise im Raimundlhkaier. Ter erwischte Bergani. Wie reimt sich das znsamm'? Unterschlagene Kirchengelder. Arische Aerzie im Mittelalter. Antisemitismus in Jeitschriiten. Gin neues Mißverstcmdmß des Herrn Stöcker! Bismarck und die Juden. Desider Szi'agyi an die Araber israelitische Gemeinde. Flora Gag. Hammer stein und Chamerstein. Ausgrabungen in Jtrusalcm. Schriststellerjubilänm des Professors Benedilt. Die Geschichte der Juden in Wien. — Correspond enzen: Wien, Schaffa, Budapest, Prag, Brünn, Graz, Berlitt, Paris. London, Constanza, Jnisa. — Vermischtes : Wien, Stanislau, Horairdiowit;, Graz, Triest, Paris, Elberfeld, München, Breslau, Kvrsu, Jossa. — Feuilleton: Kinder des Ghetto. — „Dreißig Jahre ans dem Leoen eines Journalisten." — Literatur. Briefkasten — Inserate. Eine Demission. Im Vorstände der Wiener israelitischen Cnltusgemeinde hat sich dieser Tage ein bemerkenswerthes Ereigniß vollzogen. Herr Moriz K a r p e l e s, der mehrere Jahre hindurch die Stelle eines Obmannes der Finanzsection bekleidete, hat diese Stelle niedergelegt und ist damit auch aus dem Vertreter- Collegium geschieden. Der Anlaß dieses Rücktrittes ist kein erfreulicher. Als Herr K a r p e l e s vor Jahren die Function eines Obmannes der Finanzsection übernahm, fand er ein Deficit vor und er richtete im Vereine mit den übrigen Mitgliedern der Section all' seine Bemühungen darauf, dieses Deficit zu beseitigen. Durch rastlosen Fleiß, durch eine wahrhaft aufopfernde Pflichterfüllung, durch unermüdlichen Eifer ist ihm dies auch thatsachlich gelungen — das Gleichgewicht im Budget der Cnltusgemeinde wurde für einige Zeit wiederhergestellt und das beste Theil dieses Verdienstes durfte Herr K a r p? les für sich in Anspruch nehmen. Aber der erzielte Erfolg war nicht lange festzuhalten und heute weist das Budget neuerdings ein Gebäht rungsdeficit von mehr als h u u d e r t t a u se u d Gu ld e n auf. Das ist eine Ziffer, die nicht leicht zu nehmen ist, und der Umstand, daß ein so pflichttreuer Mann wie der bisherige Obmann der Finanzsection nicht länger die Verantwortung für einen solchen Abgang tragen will, beleuchtet deu gauzeu Ernst der Situation. Die Bedürfnisse der Wiener Cnltusgemeinde, die Obsorge für das Armenwesen, für den Religionsunterricht, für die Krankenanstalten, wachsen von Jahr zu Jahr, während die Steuereingänge damit nicht gleichen Schritt Hallen. Es ist das eine charakteristische Erscheinung unserer Zeit! Tie Annahme,daß die Steuerkraft der Gemeindegenossen sich verringere, würde der Wahrheit nicht entsprechen; aber die Cultussteuer wird von Vielen als eine lästige Contribution empfunden, der man sich nach Möglichkeit zu entledigen trachtet. Zum Mindesten sucht man sie auf den geringsten Satz herabzudrücken. Unter solchen Verhältnissen würde das größte Finanzgenie an der Aufgabe scheitern, den wachsenden Bedürfnissen der Gemeinde gerecht zu werden. Das ist der Grund, weshalb Herr Moriz K a r p e l e s zum tiefsten Bedauern seiner Collegen im Vorstande und gewiß auch all' derer, welche die tüchtigen Fähigkeiten dieses Mannes und seine eiserne Ausdauer kennen, seine Stelle als Tbmanu der Finanzsection uiedergelegt hat. Herrn Commercialratb Moritz L e in k a u f, welcher nnmnehr das Finanzreferat übernommen, muß die Gemeinde für seinen Opfermuth Tank wissen; allein sein gewiß ausgezeichnetes Talent, seine wissenschaftliche Gründlichkeit und sein Scharfblick werden kaum hinreichen, eine Besserung der Situation herbeizuführen. Wie ist nun zu helfen? Wenden wir unfern Blick nach anderen jüdischen Großgemeinden! In Berlin, in Paris ja selbst in Budapest sind die Gemeindegeuossen weit Höher besteuert als in Wien und die pünktliche Entrichtung der Cnltusstener gilt ihnen als eine heilige Pflicht. Unsere Wiener Glaubensgenossen — wir sprechen selbstverständlich von den bemittelten — halten für interconf e s s i o n e l l e Zwecke immer die Hand offen, obgleich sie dafür wahrhaftig wenig oder gar keinen Dank ernten. Die eigene Cultusgemeinde aber ist in finanziellen Nöthen! Die Nächstliegenden Zwecke, die Sorge für die Armen und Kranken, für die Witwen und Waisen, müssen leiden, weil noch immer Tausende und Abertausende solchen Anstalten zugewendet werden, die zwar im Re innen interconfessionell, im Geben aber „judenrein" sind. Das kann so nicht fvrtgehen! Wir sind weit entfernt davon, die jüdische Nächstenliebe nach berühmtem Muster dahin zu definiren, daß sie bei uns selbst anfange und aufhöre und daß wir dem Elend unserer andersgläubigen Mitmenschen unser Herz verschließen sollen. Aber zu allernächst haben wir der Bedürftigen unter unseren eigenen Glaubensgenossen zu gegedenken, zu allernächst die materielle Grundlage jener großen Gemeinschaft zu sichern, welche uns in diesen Tagen schwerer Bedrängniß eine feste Stütze, eine wohnliche Zuflucht gewährt! Jedermann muß es als eine Ehrenpflicht erkennen, die Cultussteuer nicht nur willig und pünktlich, sondern auch nach Maßgabe feiner Kräfte zu entrichten. Wir wenden uns mit dem ernsten und dringenden Appell an alle unsere Glaubensgenossen, sich in dieser Ehrenpflicht zu üben! Ter tiefsinnige jüdische Spruch: „Wohlthun bewahrt vor dem Tode!" findet hier eine andere actuelle Deutung. Tie Festigung und Sicherung unserer ehrwürdigen Cnltusgemeinde ist eine Wohlthat in höherem Sinne, und diese bewabrt uns vor jenem politischen Tode, den unsere Gegner uns zngedacht haben.

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