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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1896-01-17 · 3 (17.1.1896) · page 16

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
13 (1896)
Issue
3 (17.1.1896)
Date
1896-01-17
Page
– (sequence 16)
Language
German
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Seite 60 Dr. Vloch's Wochenschrift. Nr. 3 Kaum hatte sich jedoch der Zug gebildet, siehe, da nahm der schlaue Bräutigam den Hut als und hielt ihn unter dem Arm fest an sich gedrückt. Bei dieser kühnen Abweichung von aller Tradition erhob sich ein Sturm von Widerspruch. „Nein, nein, aufsetzen, aussetzen!" rief es aus Aller Munde. ' Aber Bär preßte den seinen fest zusammen und marschirte stumm weiter. „Abtrünniger!" rief der Rabbi, setz' den Hut auf!" Der Versuch, die religiöse Sanktion durchzusetzen, mißlang ebenfalls. Bär hatte mehrere Gulden auf seinen Kopfschmuck verwendet und sah den Witz von der Sache nicht ein. So kämpfte er sich durch einen Sturm von Mißbilligung zu seiner erröthenden Chase durch. Das ganze Leben hindurch behielt Bär Belcowitsch jene widerspruchvsollen Charakterzüge, welche den Anfang seines Ehelebens bezeichneten. Geld herzugeben, war ihm verhaßt, er verschob das Bezahlen von Rechnungen bis auf den letzten Moment und Pflegte sogar seine Arbeiter anzuflehen, sich noch einen Tag oder zwei wegen des Lohnes zu gedulden. Es war ihm ein angenehmes Gefühl, all' das Geld in der Tasche zu haben. Und doch hatte er „zu Hause" in Polen den Officieren und Edelleuten immer Geld geliehen, wenn sie beim Kartenspiel in zeitweilige Verlegenheit geriethen. Sie klopften ihn manchmal mitten in der Nacht heraus, um sich von ihm die Mittel zur Fortsetzung des Spieles zu holen. Und in England weigerte er sich, für seine armen Freunde gutzustehen, wenn einer eine Anleihe machen wollte. Diese Anleihen beliefen sich auf drei bis fünf Pfund, aber wie hoch der Betrag auch sein mochte, er wurde nur selten bezahlt. Die Leihämter hielten sich wegen des Geldes an ihn, und er bezahlte, ohne zu murren, mitleidig den Kopf über die armen „Schlemiehlim" schüttelnd und vielleicht durch das Bewußtsein seiner Ueberlegenheit getröstet. Nur wenn der Borger es unterließ, ihn zur Besiegelung der Gutschrift mit einem Glase Schnaps zu bewirthen, wurde das Kopfschütteln Bär's mehr Vorwurfsals theilnahmsvoll und er murmelte: „Fünf Pfund und nicht einmal einen Schnaps für das Geld!" Die Schmucksachen, die er seinen Frauensleuten freigebig spendete, waren eigentlich ein bloßer Anlagecanal seiner Ersparnisse. Er vermied dadurch das Risico des Bankcontos und häufte seinen Besitz in tragbarer Form an. Dazu bewog ihn ein Instinkt, den Jahrhunderte der Unsicherheit entwickelt hatten und die Zinsen der so aufgelegten Summe war die Befriedigung eines anderen orientalischen Instinktes, der Prunkliebe. - (Fortsetzung folgt.) Briefkasten. L. H., Professor der kath. Theologie in K. Wir empfehlen Ihnen Geigers, „Das Judenthum und seine Geschichte". Breslau 1664. K. H. W., Wien. Daß „Eduard Stransky" und „Gustav Bodirsky" dem Präsidenten Krüger klagen, daß „sie mit Slaven und anderen fremdartigen, culturell min de rwerthi gen Stämmen in einem Staatswesen leben" müssen, erinnert an die racenreinen Nachkommen von Schmul Leb Kohn. Gustav Wolheim in Novagradiska. Der Drechsler I. Rabinowitz in Jerusalem ist ein einfacher Geschäftsmann und seine Angebote wollen lediglich von diesem Standpunkte aus beurtheilt werden. M. R.. Wien. Es ist richtig, daß im „Eszterhazy-Bad" unter ven vielen Journalen, welche es hält, kein einziges liberales Blatt zu finden ist! Dagegen sind dort s ä m m t l i ch e Wiener antisemitische Blätter zu haben. Eine Ausnahme wird mit dem „Wiener Extrablatt" gemacht, das doch nicht ein ausgesprochen liberales Parteiblatt ist. In früheren Jahren hielt man dort auch die „Neue Freie Presse" und das „Tagblatt", diese sind nun verschwunden. L. r« Brünn. Die Deutsche Volkspartei in Mähren wird selbstverständlich dem mährischen Deuischthum den Todesstoß versetzen. K. Mt Berlin. Ahlwardt kommt in Amerika nicht auf seine Kosten. Er hatte eine große Tournee nach dem Westen angekündigt, aber aus ihr konnte nichts werden, da er kein Reisegeld besaß. So ließ er denn mitrheilen, daß er vorläufig in New-Iork bleiben und erst nach Gründung einer antisemitischen Organisation nach dem Westen abreisen werde. Dr. F., Wien. Die „Social-Hygiene des Judenthums" von Dr. Alfred Rassig erhalten Sie in jeder Buchhandlung. B. Lemberg. Der Bericht kam für die vorige Nummer zu spät. Herrn M. A. in Böien. Der aus Berlin durchgebrannte Advocat Fritz Friedmann ist Christ. Die katholische „Köln. Bolksztg." sieht sich nachträglich zu der Bemerkung veranlaßt: „Dem Judentum soll Friedmann, der ersten Annahme entgegen, nie angehört haben." Herrn A. B. in Berlin. Interessant ist der Schlußsatz eines Briefes der Frau v. Hammerstein an eine Freundin, worin es heißt: „Mein Mann ist als Betrogener zum Betrüger geworden. Wir haben Alles verloren, leider wird es einen Scand'alproceß geben, aber er wird Vielen noch unangenehmer sein als mir und meinem Manne, der keine Rücksicht nehmen wird." L. Ihre Anfrage, betreffend den Vortrag des bekannten Schriftstellers S. Kohn in Prag, Theingasse 17, „Bilder aus längst vergangener Zeit", wird Ihnen Derselbe auf eine briefliche Anfrage bereitwilligst beantworten. I. K. . Die Hetze der Engländer gegen Deutsche ist zwar auch ein nettes Stück, aber sie unterscheidet sich doch, sowohl ihren Gründen als ihren Zielen nach, wesentlich von der Judenhetze. A. L. Das „Deutsche Volksblatt" schreibt: „Einige ganz junge bartlose, socialdemokratische Burschen benahmen sich sehr ungeberdig." Der Casus macht sie lachen? Uns auch. Fleißiger Leser. Sie machen uns auf die Verstöße gegen die Geographie aufmerksam, deren sich Herr V e r g a n i schuldig macht. Du lieber Himmel, wenn das Gewissen des guten Mannes nicht wegen anderer Verstöße sich beunruhigt fühlte .... die Geographie hält schon was aus. Ausweis und Dank. Die Unterzeichneten sagen hiemit allen hier genannten edlen Spendern wärmsten Dank für ihre Unterstützung zur Errettung und Hilfe des schwerkranken Lehrers dahier. Weitere milde Spenden werden dankbarst entgegengenommen. — Herr Adolf Weigl, Koste!, 1 fl.; Herr Moritz Fveund, städt. Volksschullehrer, Wien, 2 fl.; Herr David Weinberger, Koste!, 3 fl.; Herr M. K o h n, Lehrer, Karlsdorf, 1 fl.; Herr D. Stransky, Lehrer, Melnik, 1 fl.; Sammlung durch Herrn Lehrer Moritz Bader, Pohrlitz, 15fl.; Frau Katharina Abel es, Brünn, 2 fl.; Ungenannt, Pisek, fl. 1; Ungenannt, Kostel, 11 fl.; aus Eisgrub durch Herrn Metzger Bauer, 19 fl.; Herr Johann Spitz, Saitz, 1 fl.; Herr Edmund Stern, Saaz, 5 fl.; M. A. in Saaz, 5 fl.; Herr H. Ehrlich, Roth-Kostelez, 1 fl.; Herr Fran k, Metzger, Lundenburg, 2 fl.; N. N. durch Frau von P o r t h e i m, Wien, 10 fl.: Herr Paul Mittler, Wien, 1 fl.; Herr Moses Pick, Lehrer, Wien, 1 fl.; I. L. L. V. 5 fl.; Herr I. Ka is e r, Wien, 1 fl.; Israelitischer Betverein in Zeravitz durch Herrn I. Körner 6 fl.; durch Frau Johanna Mandl in Ung.-Ostra 3 fl.; Sammlung durch Herrn Bürgerschullehrer Bernhard Mandl, Budapest, 5 fl.; durch Herrn M. F r i e d m a n n, Horazdiowitz, dabei Chewra-Kadischa, 7 fl.; Herr Berth. Steinschneider. Brest, 5 fl;; Herr Johann Ma tzner, Lundenburg, 1 fl.; Herr Bernhard R o s e n b e r g, Tracht, 1 fl.; Herr Alb. R o s e n z w e i g, Borititz, 1 fl.; Herr Adolf Stern, Teplitz in Böhmen, 2 fl.; durch Herrn Michael Weigl Sammlung im Leseverein Kostel, 13 fl. 50 kr.; Herren Josef Herz und Söhne, Neutitschein. 1 fl. 50 kr.; Herr Jacob B o d e k, stuä. jur., Lemberg. 50 kr.; Frieda und Anna Heller, Wien, 3 fl.; Herren Reinholdt und Weber, Lemberg, 2 fl.; Herr B. B e r g e r, Wien, II. 1 fl.; Herr Moritz Glück, Göding, 1 fl.; Herr Josef Stern, Zwittau, 1 fl.; Herr N. Egger, Wien, VI., 2 fl.; Herr Jacob Kohn, Feldsberg, 3 fl.; Herr Adolf Basel, Wien, I., 5 fl.; Herr- Bernhard A b e l e s, Hohenbruck, 1 fl.; Herr Leopold Kellner, Lundenburg, 1 fl.; Herr Em. Grünwald, Floridsdorf, 1 fl.; Herr L. Brattmann, Wien, 1 fl.; Herr Simon Cucka, Pawlovik, 2 fl.; Herr Alb. Kohn, Feldsberg, 2 fl.; Herr Berth. Morg enstern, Wien, 3 fl.; Herr Ei sing er, Poisdorf, 3 fl.; Ungenannt 10 fl. Josef R o s e n z w e i g, Rabbiner Dr. S. Mandl Bürgermeister. - in Kostel. kn unsere geschätzten Abonnenten in Russland- Unser bisheriger General-Agent J. Ch. Tawjew, Riga, Parkstrasse Nr. 6 ist mit 1. Jänner 1896 von der Generalagentur des Vereines zurückgetreten und verbleibt als Agent der „Oesterr. Wochenschrift“ für Riga' und Kurland. Wir bitten unsere geehrten Abonnenten davon Kenntniss zu nehmen. Die Administration von Dr. Bloch’s „Oesterr. Wochenschrift“ Wien, II/3, Unt. Augartenstr. la. Herausgeber u. verantw. Redakteur: Dr. Josef S. Bloch. — Druck v. L. Beck & Sohn, Wien, VIII., Lerchenfelderstr. 46.

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