Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1896-01-17 · 3 (17.1.1896) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
13 (1896)
Issue
3 (17.1.1896)
Date
1896-01-17
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/3020846-3021115-3021119--05250-3029477
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Bloch’s Jahrgang XIII. Centralorgan für die gesammten Interessen des -...-^- Wien, 17. Jänner 1896. - —-- Erscheint jeden Freitag. -—<■- Won abonnirt bt\ allen Po starr stallen des In- und Auslandes.! TR. ft. Postsparftassen-Aml Clearingverkehr I Nr. 810.976. jScbattinn und Administration: > Wien j ..Nntrrr Vugg^trnfiratzr 1 a. j Telephon - Nr. 6535. m —----■-=» Iudenthnnrs. j Dezugsprris für Sesterreicii: j Halbjährig 4 fl. — 3 Ar.! Einzelexemplare 2ü kr. j Jür’a Ausland: || j halbjährig 5 fl. 10 Ar. jj j ganzjährig 10 „ — 20 ..! Anzeigen: Die 4::ta[ gespaltene!> Pentzeile 12 kr. - ' - » Inhalt: Leitartikel: Zum Proceß Deckert. — Lehrerr als deutschuationale Hetzapostel. — Bruder Hempel und Bruder Lauge. — Eine Statistik des Antheiles der preußischen Inden am Verbrechen aus dem Jahre 1789. — Die Sabbathianer und Frankisreu. — Geschichte Israels in Einzeldarstellungen. — Vom Jahr mar kt des Lebens: Jüdische Handwerker. Bischof ReiukenS über das Blutrituale. Coufessionelle Uebertritte in Rußland. — C o r r e sp o n d e n z e n: Wien, Prag. Lemberg, Berlin, Paris, Bern, Chicago. — Vermischtes : Wien, Jglau, Bochnia, Randnitz, Lemberg, Graz, Stanislau, Budapest, Paris. — Feuilleton: Kinder des Ghetto. — Briefkasten — Inserate. Zum Proretz Deckert. Dienstag den 14. d. M. stand Pfarrer Deckert wegen seiner berüchtigten Conserenzreden vor dem Wiener Schwurgerichte uno wurde freigesprochen. Die Geschwornen haben in den Hetzreden, welche Pfarrer Deckert von der Kanzel herab gegen die Juden hielt, nicht das Vergehen der Aufreizung erblickt und diesem vielberufenen Priester von der gegen ihn erhobenen Anklage freigesprochen. Es wäre zwecklos, an dem Verdicte der Geschwornen herumdeuteln zu wollen. Ob sie ihr Nichtschuldig deshalb aussprachen, weil sie in dem berüchtigten Haß- und Verachtungsparagraphen eine Beschränkung des Rechtes der freien Meinungsäußerung erblickten oder weil sie, unter der zwingenden Gewalt jener Strömung, die heute Wien beherrscht, sich mit den Anschauungen des Pfarrers Deckert in Uebereinstimmung fühlten, ist für den Effect dieses Processes ganz irrelevant. Der Schwerpunkt liegt nicht in dem U r t h e i l e, sondern in der A n k l a g e. Es gibt keinen Juden, der seinen Rachedurst an der Person des Pfarrers Deckert befriedigen wollte; aber unsere sämmtlichen Glaubensgenossen harrten seit Jahren bangen Gemüthes auf die Beantwortung der Frage, ob dem Priester gestattet sein könne, was das Strafgesetz dem Laien verbiete und ob der Geltungsbereich dieses Gesetzes vor den Mauern einer Kirche aufhöre. Jndenr die Staatsgewalt die Anklage gegen Pfarrer Deckert erhob, hat sie auf diese Frage endlich mit einem klaren Nein! geantwortet. Das Urtheil der Richter aus dem Volke ist den wechselnden Strömungen des Tages unterworfen, die Anwendung des Gesetzes aber durch die hiezu berufenen Factoren darf von diesem Wechsel nimmermehr beeinflußt werden. So wenig die Ehre des Judenthrrms durch einen Deckert geschädigt werden konnte, so wenig bedurfte sie einer Entschädigung durch dessen Verurtheilung. Aber die verletzte Autorität des Gesetzes erheischte eine . Sühne, und wenn eine solche durch das Verdict der Geschwornen nicht geboten wurde, so ist dies einzig und allein im Interesse des Staates und des Ansehens seiner Gesetze zu beklagen. Auch aus dem Rahmen dieses Processes tritt uns das Bild des Pfarrers Deckert scharf Umrissen entgegen. Ein katholischer Priester, der sich zum Racenantisemitismus bekennt und damit die Axt legt an die Grundvesten seiner eigenen Kirche! deicht im Bekenntnisse, sondern in der Abstammung erblickt Pfarrer Deckert die Berechtigung, das Judenthum zu bekänipfen. Er hat in seiner Vertheidigungsrede denselben Standpunkt eingenommen wie in seinen Conferenzreden, welche über die auch vom Christeuthum geheiligten Gestalten des Alten Testamentes eine Fluth von Schmähungen ausgosseu. Es ist unsere Sache nicht, zu fragen, was vom Christenthume noch bleibt, wenn man den Stamm Jsaias in solchen Ausdrücken beschimpft, wie dies Pfarrer Deckert in seiner Weinhauser Kirche gethan hat. Die österreichischen Bischöfe sind ja in diesem Augenblicke versammelt und der Proceß Deckert kann ihnen reichen Stoff für die Beurtheilung der Frage geben, ob die christliche Kirche aus dem Rassenantisemitismus einen Vortheil zu ziehen vermag oder nicht. Aber sehen wir uns nun diesen Fanatiker der Racentheorie näher an. Es ist möglich, daß er durch die Erfahrungen in seiner allernächsten Umgebung zu dem Grundsätze gelangt ist, daß in der Race, im Blute die Schweinerei liege. Der Begriff der Schweinerei schließt jenen der Unsauberkeit in sich, und die Unsauberkeiten,welche Herrn Pfarrer Deckert anhaften, scheinen thatsächlich ein Familienzug und eine Folge der Racenvererbung zu sein. Herr Deckert hat von jeher eine ausgesprochene Befähigung dafür gezeigt, die Befugnisse seines heiligen Amtes mit gewissen geschäftlichen Interessen zu verknüpfen. Wir erinnern an seinen berüchtigten Proceß wegen der „Luftvilla" und an die Scrupellosigkeit, mit der er trotz seiner Racentheorie in geschäftliche Verbindung mit Juden trat und diesen gegenüber sich als der Geriebenere erwies. Der Racenantifemitismus hat den Pfarrer Deckert auch nicht gehindert, in Gemeinschaft mit dem getauften Juden Paulus M eye r, einer der erbärmlichsten Creaturen, die Gottes Erdboden je getragen, den Betrug mit deni Ritualmorde in Östron o in Scene zu setzen, und er hindert ihn nicht, sich eines Tr.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.