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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1895-12-27 · 52 (27.12.1895) · page 17

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
12 (1895)
Issue
52 (27.12.1895)
Date
1895-12-27
Page
– (sequence 17)
Language
German
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Nr. 52 Dr. Bloch's Wochenschrift. Seite 973 teurer, der in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts großes Aufsehen erregte. Es war im Anfang des März 1524, als ein kleiner, durch Fasten abgemergelter Mann von dunkler Hautfarbe in Rom austrat und sich für einen Sendboten des Bruders des Königs Joseph von Chabor (auch Chaibar und Tabor werden als Namen des betreffenden Landes angegeben) ausgab, der über 300.000 freie Juden gebiete. Er behauptete, zum Papst gesandt zu sein, um diesen zum Kriegszug gegen die Türken zu gewinnen. Dieser Mann hieß David und nannte sich mit dem Beinamen Röubeni, da er dem verloren gegangenen Stamme Milben angehören wollte. Er hat Memoiren hinterlassen, die früher nur stückweise bekannt waren, aber seit einigen Jahren vollständig bekannt sind; wie zu erwarten, ist darin die Wahrheit offenbar stark mit Dichtung vermischt. Durch sein kühnes Auftreten gelang es David, den wohlwollenden Papst Clemens VII. und den Cardinal E g i d i o zu gewinnen. Es wurden ihm große Ehren erwiesen, trotz mancherlei Gegnerschaft wußte er den Papst zum Eingehen auf seine angeblichen Pläne, Einführung europäischer Waffen und Kriegsführung in seinem Land Arabien, Sturz der Herrschaft des Islam, Eroberung Jerusalems u. s. w. zu bewegen, und erhielt päpstliche Schreiben an den König Johann III. von Portugal, den fabelhaften Priesterkönig Johannes in Abessynien und alle christlichen Mächte, sowie werthvolle Geschenke. Im Triumphzug ging es nun durch Italien, überall wurde er reich beschenkt, dann folgte er der Einladung des Königs von Portugal. Die Marannen (Neuchristen) wurden damals in Spanien aufs Blutigste verfolgt, in Portugal dagegen hatten sie Ruhe und behielten sie auch, solange David in Portugal weilte. Allein nur 16 Monate hielt er sich dort auf, vermuthlich wurden ihm die Hoffnungen, welche die Marannen auf ihn als ihren Erretter setzten, doch unbequem. In Avignon angelangt, wurde er gefangen genommen und mußte zwei Jahre im Gefängniß zubringen. Während seines Aufenthaltes in Lissabon hatte sich ihm ein schwärmerisch angelegter Maranne, Diego Pires angeschlossen und war unter dem Namen Salomou Molch o zum Judenthum zurückgekehrt. Da David ihn zurückwies, ging Molcho nach Salonichi, Rom, Venedig u. s. w., entging durch die Freundschaft des Papstes in merkwürdiger Weise dem Feuertod (unter seinem Namen wurde ein Anderer verbrannt), und traf in Norditalien wieder mit David zusammen. Dieser überredete ihn, mit ihm zu Kaiser Karl V. nach Regensburg in einer wichtigen Mission zu reisen. Sie hatten eine Audienz, nach deren Beendigung beide in Ketten gelegt wurden. Karl nahm sie mit nach Mantua. Hier erreichte Molcho doch sein Schicksal; er wurde von der Inquisition znm Feuertod verurtheilt. Auf dem Holzstoß, als ein Bote des Kaisers ankam und ihn fragte, ob er widerrufen wolle, und als ihm der Knebel aus dem Munde genommen worden war, sprach er ruhig und heiter: „Ich will als wohlgefälliges Ganzopfer für meinen Gott sterben." Ueber das Ende David Rsubeni's weiß man nichts Sicheres. Auch er soll im Jahre 1541 in Mantua verbrannt worden sein. Ueber seinen Charakter wird berichtet, daß er hochmüthig, zurückhaltend und klug war; er war kein Schwärmer, auch kein Hochstapler, er war ein Abenteurer, wie es deren in der damaligen Zeit der geistigen und staatlichen Umwälzungen viele gab. Sympathie kann er uns nickt einflößen. Dagegen ergreift uns Hochachtung und Mitgefühl vor Molcho, dessen Ende allein schon Zeugniß für seinen edlen Charakter ablegt. London, 9. December. Das Ereigniß der letzten Woche, welches über das Weichbild unserer Stadt hinaus Interesse wachrufen dürfte, ist die Wahl eines neuen Präsidenten der „Anglo Jewish Association“, welches Amt durch den Rücktritt des Sir Julian G o l d fm id vacant geworden war. Die einstimmig erfolgte Wahl des Herrn Claude G. Montefiore für dieses wichtige Ehrenamt ist ein Beweis für das Ansehen, welches dieser junge Sproß einer in der englischen Judenheit hochgeschätzten Familie allseitig genießt. Herr Montefiore hat sich auch in der jüdischen Literatur einen Namen gemacht — er ist Mitherausgeber der lewisb Qnarteriy Review — und gilt in Schulangelegenheiten als Autorität, Eigenschaften, welche ihn berufen erscheinen lassen, als ein würdiger Nachfolger seines pflicht.;etreuen Vorgängers zu amtiren. Ein anderes Mitglied derselben Familie, Herr Joseph Sebag-Montefiore, der Neffe und Erbe des Sir Moses Montefiore wurde adjf Tage früher zum Präsidenten des „Board of Deputies“ gewählt, eine Thatsache, welche gleichfalls ungetheilte Befriedigung geweckt hat. Wien. Se. Majestät der Kaiser hat den Professoren des Clavierspieles am Wiener Conservatorium, Julius Epstein und Adolf Prosnitz, das goldene Verdien stkreuz mit der Krone zu verleihen geruht, ferner angeordnet, daß dem Regimentsarzte Dr. Jacob Kamp e l des 22. Landwehr-Jnfanterie-Regimentes die kaiserliche Zufriedenheit ausgesprochen werde. Wien. Der Bezirksschulrath der Stadt Wien hat den Jnspections-Bericht über den Zustand der Knabenvolksschule, II. Bezirk, Czerninplatz 3, „mit besonderer Befriedigung zur Kenntniß genommen und das eifrige, umsichtige und erfolgreiche Wirken des gesammten Lehrkörpers, insbesondere des Oberlehrers S. Kohn, anerkennend hervorgehoben". Wien. Sonntag am 29. December 1895 um halb 2 Uhr Nachmittags findet im israelitischen Tempel II., Große Schiffgasse die Trauung von Fräulein Rosa Neu mann, Tochter des Herrn Michael N e u m a n n aus Wien, mit Herrn Geza Popper aus W a r t b e r g statt. Wien. Unser geschätzter Mitarbeiter Herr Ignatz Kaufmann in Kojetein, Bruder des Herrn Professor Dr. David Kaufmann in Budapest hat sich mit Frau Sofie Sch rotier, geborene König, verlobt. Wien. (Todesfall.) Am 14. December, 7 Uhr- Abends, ist nach kurzem Leiden Frau Karoline Weich, verwitwete Koppel, geborene Lacke nbacher, sanft verschieden. Der Trauerfall erregte allgemeine Theilnahme. Wien. (LeopoldBalba n.) Im Alter von 61 Jahren ist am 15. d. M. der Banquier Leopold B a l b a n einem Herzschlage erlegen. Der Verblichene erfreute sich ob der Biederkeit und Lauterkeit seines Charakters allgemeinen Ansehens und verdienter Hochachtung. Er war ein Wohlthäter im edelsten Sinne des Wortes; in aller Stille und geräuschlos übte er Werke der Humanität aus und für seine armen Glaubensgenossen hatte er stets ein warmes Herz und er half, wo er helfen konnte. Seine persönlichen Eigenschaften, seine Liebens- Würdigkeit, sein concUiantes Wesen, gepaart mit einer Bescheidenheit, wie sie nur wahrhaft tüchtigen Menschen eigen ist, machten ihn zu einer überaus sympathischen Erscheinung. Balban war ein kreuzbraver Mann, ein Ehrenmann nack altem Schlag. Dabei verfügte er über ein umfassendes, tiefes Wissen, er war in der hebräischen Literatur ebenso zuhause wie in der deutschen oder englischen. Bei dem Leichenbegängnisse gedachte Rabbiner Dr. G ü d e m a n n in warmen, ehrenden Worten der Tugenden des so jäh Dahingeschiedenen. Wien, 1.8. December. Heute Vormittags fand bei zahlreicher Betheiligung der Leidtragenden und Bekannten die Beerdigung der in hohem Alter verschiedenen und in hohen Ehren bestatteten Frau Regine H i el d b u r g h ä u s s e r, Präsidentin des israelitischen Frauen- Wohlthätigkeitsvereii es und Gattin des hochbetagten Cultusvorstehers Herrn Josef H i el d b u r g h ä u s s e r, statt. Nach Recitation des Hazzur durch Obercantor Singer in Begleitung der Cantoren Schiller und Blatt nebst dem Gesammt-Tempelchor sprach Herr Oberrabbiner Dr. G ü d e m a u n 'das Menuche-Ncchone und widmete der Heimgegangenen einen warmen Nachruf, in welchem er besonders ihr erfolgreiches humanes Wirken a» der Spitze des Frauenvereins, dem sie 35 Jahre Vorstand, nach Verdienst würdigte. Wie das Lichtfest seinen Ausgang macht, so geht auch diese Lichtgestalt glänzend und leuchtend aus dem Leben und wie sie als treue, aufopfernde Gattin, als treue Gefährtin und Genossin im edlen Streben, als Wohlthüllrin der Armen Licht um sich verbreitete — so gilt mit Recht von ihr der schöne Vers im Preisliede: In der Nacht erlischt nicht ihr Licht! Ji, der Todesnacht leuchten hell ihre vielfachen guten Werke und Tugenden und so zieht sie ein in's Reich des Lichtes und Segens, ihr ehrcuvollcs Andenken sei und bleibe gesegnet! Der einfache, lichte Holzscra, mit reichcm Blumenschmuck bedeckt, wurde nun versenkt, daraus sang der Chvr in höchst ergreifender Weise den Psalm: Schiwissi und ein Zögling des Taubstummen insiituts trug recht deutl'ch das Kaddischgebel vor. So mögen denn der gebeugte Gatte und die trauererfüllten Kinder und Verwandten Trost und Aufrichtung finden in der in so reichem Maße sich manifestirenden Theilnahme und in der allgemeinen Anerkennung der gemeinnützigen Wirksamkeit der Verklärten. Sie ruhe in Frieden! — n Wien. 18. December 1895. Durch die Rührigkeit des Tempelvereines im XI. Bez. ist es seit mehreren Jahren ermöglicht, zur Chanuka-Zeil arme israelitische Schulkinder dieses Bezirkes mit warmer Kleidung zu versehen. Auch in diesem Jahre wurden 9 Knaben und 4 Mädchen mit completen Wintcranzügeu, Schuhen, Strümpfen und Kopfbedeckungen

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