Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 12 (1895)
- Issue
- 52 (27.12.1895)
- Date
- 1895-12-27
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Nr. 52 Dr■ BlOCh 8 Jahrgang XII. Centralorgan für die gefsnnnien Interesten des Iudrnthnms. «- K. k. Pogsp ar k assen-Rmt >LleKringverkehr Nr. 610.976. «RrLartion und Administration: l Wien »..NntrrrVngaitrnstratzrla. Telephon - Nr. 6535. «- — Wien, 27. Derrmber 1895. Erscheint jeden Freitag. Wan abonnirt bei allen j?olmn Italien des In- und Auslandes. Bt'jugsureia Jiir i>e|K’rreirij: Halbjährig 4 >1. — 8 jjr. Einzelexemplare 25 kr. liit’B Ausland: halbjährig 5 sl- —!0 Kr. ganzjährig lO „ --- 2» „ Anzeigen: Die 4->al gelpallene P.iiizcile 12 N-. Inhalt: Leitartikel: An unsere geehrten Leser, Freunde und Gönner! — Lehrer als Hetzaponel. — Ein Rückblick auf die letzten Reichsrathsdebatten. — Die II. badische Kammer über den Schulchau-Aruch. — Balthasar Orbio de Castro. — Vom Iah rmarkt des Lebens: Ein Jubiläum des Br. I. Domba. Der Pariser Religiond-Eongreß. Nächstenliebe. Arischer Wucher in Egypten. Eine churakterische Anekdote. Der Präsident der »Alliance Israelite universelles». Ein Geistlicher über die Hetzpläne. Rayel von Varnhagen und ihre Zeit. Arischer Dank und jüdische Bäume. Wenn man wie ein Jude anssieht. Ein Antisemitensührer als Gerichtsverkürzer. Sittlichkeitsverbrechen eines Geistlichen. Bon der vollbesetzten antisemitischen Tafel. Musterstatut für die israelitische Cultnsgemeinden in Galizien. — C o r r e s p o n d e n z e n : Wien, Baden, Budapest, Graz, Lemberg, Stanislan, Berlin, Frankfurt a. M. London. — Vermischtes: Wien, Wien-Ottakring, Proßnitz, Olmütz. Trvppan, Brünn, Prag, Budapest, Eperics, Krakau, Neuhaus, Gießen, Genua. — F e ui l let o n: Anonymus. — Briefkasten. — Inserate. An unsere geehrten Leser, Freunde! und Gönner! Am 1. Jänner 1896 tritt die „Oesterreichische Wochenschrift" in das dreizehnte I a h r ihres Bestandes. Ein neues Jahr mühevollen, unablässigen Kampfes beginnt! Der Haß und die Wuth unserer Gegner haben sich mit ihren persönlichen Mißerfolgen gesteigert; wilder und fesselloser denn je zuvor schäumen um uns die Wogen der antisemitischen Hetze, und die Bedrüngniß wird fühlbar aus allen Gebieten des Erwerbslebens. Wenn auch endlich die verantwortlichen Gewalten unseres Staates zum Bewußtsein ihrer Pflicht gelangt scheinen — noch ist es nicht Zeit, das Schwert in die Scheide zu stecken und geruhsamen Sinnes der Zukunft entgegenzublicken. In ihren tiefsten Tiefen sind die Leidenschaften des Volkes aufgerüttelt, und was dem Ehrgeize der Führer auf gesetzlichem Wege unerreichbar blieb, das soll nun auf dem Wege der Drohung und der Gewalt erreicht werden. Die „Oesterreichische Wochenschrift" wird nach alledem auch im nächsten Jahre noch schwere Arbeit zu bewältigen haben. Die gehässigen Angriffe gegen das Judenthum, die Verleumdungen und Verdächtigungen sind nunmehr aus den Volksversammlungen auf die parlamentarische Tribüne getragen worden. Unter dem Schutze der Immunität, begleitet von den Jubelrufen und dem Händeklatschen der Galerien, wiederholen die antisemitischen Führer Tag für Tag mit eiserner Stirne gegen uns die schwerste Beschuldigung, fälschen unsere heiligen Schriften und besudeln nicht nur die Ehre des Judenthums als solches, sondern auch die Privatehre jüdischer Männer und Frauen. Und ungehindert finden dann diese aufreizenden Reden ihre Verbreitung durch eine an Rohheit und Niedertracht unübertroffene Presse. Aber gerade in dem Augenblicke, wo der Antisemitismus das Parlament zu seinem wichtigsten Kampffelde erkoren hat, mußte — den Jntriguen unserer Feinde weichend — der Herausgeber dieses Blattes aus demselben scheiden. Dr. Bloch ist nicht mehr in der Lage, durch die unmittelbar wirkende Macht der Rede und von der parlamentarischen Tribüne herab die Vertheidiguug des Judenthums zn führen und die nichtswürdigen Anklagen, die gegen unsere Glaubensgenossen erhoben werden, zu entkräften. Aber die Macht der Feder ist ihm geblieben! Noch zur Zeit, als Dr. Bloch Abgeordneter war, war die „Oesterreichische Wochenschrift" von den L n e g e r, L i e ch t e n st e i n und Schneider gefürchtet als ein eiserner Hammer, der wuchtig auf ihre Kopse niedersauste, so oft sie sich in seinen Bereich wagten. Und ein solcher Hammer soll und wird unser Blatt aucb fürderhin sein, nun erst recht, da seinem Herausgeber die parlamentarische Tribüne nicht mehr offen steht. Doppelt wachsam und doppelt eifrig werden wir jedem Schritte unserer Feinde folgen, ihre Anschläge zunichte machen, ihre Lügen entkräften. Sic sollen bald inne werden, daß mit dem Mandat des Dr. Bloch nicht auch seine zähe Kraft und sein Kampfesmnth erloschen ist, sie sollen inne werden, daß das geschriebene Wort unter Umstünden ebenso wirksam sein kann, wie das gesprochene! Rastlos und unerschrocken werden wir in der „Oesterreichischen Wochenschrift" unseren heiligen Glauben und die staatsbürgerlichen Rechte nuferer Glaubensgenossen gegen die antisemitische Schurkenbande vertheidigeu. Unseren geehrten Lesern und Freunden sagen wir heute herzlich Tank für die Theilnahme und die Unterstützung, welche sie uns die langen Jahre her zngeweudet haben. Aber wir bitten zugleich, uns diese Sympathien auch fernerhin zn bewahren und treu zu uns zu stehen. Offen sprechen wir es aus: W i r sind äuge w i e s e n auf ihrewerkthätige Hilfe und F v r d e r u u g, wir rechnen darauf, daß sie den Einfluß der „Oesterreichischen Wochenschrift" durch Anempfehlung und Weiter Verbreitung stärken werden! Ob mit oder ohne Mandat — der Herausgeber dieses Blattes wird den rücksichtslosen Kampf gegen die Feinde des Judeuthums stets als seine Lebensaufgabe betrachten und derselben bis zum letzten Athemzuge treu bleiben. Aber er bedarf hiebei des starken Rückhaltes, den ihm nur die Anhänglichkeit und das Solidaritätsgefühl aller Glaubensgenossen zu gewähren vermag.