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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1895-12-20 · 51 (20.12.1895) · page 17

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
12 (1895)
Issue
51 (20.12.1895)
Date
1895-12-20
Page
– (sequence 17)
Language
German
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Nr. 51 vollkommensten Grades emporgearbeitet. Kraft und Fülle des Tones, zarteste Lyrik, geradezu zauberhafte Technik und ernste, die Seele zur Andacht stimmende Auffassung und wieder mächtig ergreifende Leidenschaft, das sind die Qualitäten, die das Spiel Grünfeld's charakterisiren und ihm die Signatur des Vollendeten verleihen. Unser Publikum folgte auch den künstlerischen Gaben des hochverehrten Künstlers mit seltener Theilnahme und zeichnete ihn durch Beisallssalven und frenetische Jubelruf» aus, wie dieselben in diesem Concertsaale noch nicht gehört wurden. Nach dem Concerte wurde dem Meister zu Ehren im Deutschen Casino ein Banket veranstaltet, in dessen Verlaufe unser allnerehrter Baritonist des Stadttheaters Herr S z e n g e r y mehrere Lieder von Alfred G r ü n f e l d unter rauschendem und enthusiastischem Beifalle vorirug. Herr Sz en g ery, der ja als Opernsänger und Darsteller der ungetheilten Anerkennung unseres Publicnms sicher ist, bewährte sich auch als Liederfänger in der glänzendsten Weise, wie es ja bei seiner herrlichen Stimme und künstlerischen Feinfühligkeit vorauszusetzen war. Herr Alfred G r ü Ilse l d ehrte auch den jungen Künstler damit, daß er die Lieder persönlich accompagnirte. Der künstlerische Gesammterfolg. den Meister Grünfeld in unserer Stadt erreichte, wird daselbst unvergeßlich bleiben und freuen wir uns schon jetzt, ihn bald in unserer Mitte begrüßen zu können. E. B. Freiberg (Mähren). Der Functionär, welcher bisher die Gestion des Koreb, Schochet und Religionslehrers versehen hatte, mußte, da derselbe das österreichische Staatsbürgerrecht nicht besitzt, seine Stellung verlassen, daher unser Cnltusverein beschlossen hat. mittelst Concurses die Neubesetzung zu veranlassen. Mit diesen Functionen ist ein Jahresgehalt von 600 Gulden verbunden und haben sich Bewerber ehest zu melden. Prag. (Der i s r a e l i t i s ch e F r e i t i s ch - V er e i n in P r a g) hielt am 11. d. M. unter dem Vorsitze seines Präses Herrn JUDr. Nathan Robitschek seine ordentliche Generalversammlung^ ab. Dem Geschäftsberichte zufolge blickt der Vorstand mit Befriedigung wieder auf ein Jahr erfolgreicher Thätigkeit zurück. Durch die seit 36 Jahren wiederkehreude und sich steigernde Unterstützung seitens edler Wohlthäter war es dem Vereine ermöglicht, an 221 Studirende und Haudwerkslehrlinge während des abgelaufenen Schuljahres 46.869 Freitischportionen zu verabreichen, wodurch die Zahl der seit Gründung des Vereines verabreichten Portionen aus 692.672 mit einem Kostenaufwande von fl. 139.700-31 gestiegen ist. Mit Schluß des Vereiusjahres zahlt der Verein 209 gründende und 2449 beitragende, zusammen 2658 Mitglieder, um 168 mehr als im Vorjahre. Die Jahresbeiträge betrugen ft. 5977, die Barspenden Gulden 2244°08, die Fondspenden fl. 1250 uom. und die Interessen Gulden 2544 96. Das Vereinsvermögeu beziffett sich mit ft. 60.571-8Ö. Die Freitischkvst wurde verabreicht an 185 aus Böhmen — 10 aus Mähren — 9 aus Niederösterreich — 4 aus Galizien — 5 aus Ungarn — 1 aus Deutschland und 7 aus Rußland. Die Kost bestand wie seit vielen Jahren .aus sechsmal in der Woche Fleischsuppe — Fleisch — Zuspeise und Brvd und einmal in der Woche aus Suppe — Mehlspeise und Brod, nebstdem wurde an hohen Fest- und Feiertagen auch Frühstück und Nachtmahl verabreicht. Der Vorstand erachtet es als seine angenehme Pflicht, allen Gönnern des Vereines in und außerhalb Prag den besten Dank anszusprechen. Den im Vereinsjahre verstorbenen Mitgliedern widmete der Vorsitzende einen warmen Nachruf. Der Geschäfts- und Cassebericht wurden genehmigt und dem Vorstände das Abiolutorium ertheilt und der Dank ausgesprochen. Bei der hierauf erfolgten Ersatzwahl in den Vorstand wurden die Herren: S. A n g e l, M o r i tz Maier, Hermann Schütz, Dr. Moritz Tauber und S a m. W e i s e l e s wieder und Herr Arnold Tnrnau neu gewählt. Zu Revisoren wurden berufen die Herren: I u l i u s K o h n, Hermann N e u m a n n und JUDr, I u l i u s P o p p e r. Nach Schluß der Generalversammlung constituirte sich der Vorstand folgendermaßen: Präses Herr JUDr. stk a t h a n R o b i ts ch e k, I, Präses - Stellvertreter Herr Dr. Moritz Tauber, II. Präses - Stellvertreter Herr Moritz Maier, Cassier Herr JUDr. Isidor P e t s ch e k, Controlor und Rechnungsführer Herr JUDr. Julius D u s ch e n e s, Geschäftsleiter Herr S. Auge l, Geschäftsleiter-Stellvertreter Herr Sam. W e i s e l e s. Budapest. (Auszeichnung.) Dem Großindustriellen Alexander Deutsch von Hatvän ist in Anerkennung seiner Verdienste auf commerciellem Gebiete von Sr. Majestät dem Kaiser der Orden der Eisernen Krone ll. Classe verliehen worden. Effegg. Unsere hiesige israelitische Gemeinde und das gesammte ungarische Judcnthum hat einen schweren Verlust erlitten. Herr Oberrabbiner Dr. Samuel Spitzer, Ritter des Franz Josef-Ordens, ist im 67. Lebensjahre nach kurzem Leiden in ein besseres Jenseits abberufen worden. Der Heimgegangene war ein bekannter Theologe von umfassender Gelehrsamkeit, hinterließ zahlreiche Werke, die eines großen Ansehens sich erfreuen. Wir werden dem Heimgegangenen in der nächsten Nummer einen eingehenden Nekrolog widmen. Seite 953 Raab. Am 16. d. M. fand im hiesigen festlich beleuchteten Gemeinde - Prunksaale das Schülerinnen - Bekleidungsfest des Raaber- und Raab-Szigeter israelitischen Frauenveremes statt, bei welcher Gelegenheit in Anwesenheit zahlreicher Mitglieder des Frauenvereines, des Vorstandes, der Schülercommtssion, des Lehrkörpers und der Chewra-Kadischa über 60 Kinder mit vollständiger Wrnterbekleidung betheilt wurden. Welch' schwere Kämpfe und Opfer die Herberschaffung der verschiedenartigsten Winterausgaben für die Armen kostet und mit welch' unermüdlicher, echtjüdischer Herzensgüte die hochgeachtete und verdienstvolle Präsidentin Frau Sigmund H e r z l und Cassierin Frau Dr. Emerich Leszlenyi sich dieses heiligen, humanen Actes stets entledigten, dies hobSe.Ehrwürden HerrDr.JuliusF is ch er, Oberrabbiner, in seinem solennen, die tiefsten Satten des menschlichen Herzens vibriren machenden elastischen Appell an die anwesenden Festgäste mit lebhafter Freude hervor. Und als diese armen Schulmädchen, nachdem eine Collegin im Namen Aller ihren tiefgefühlten Dank ausgesprochen, strahlenden Antlitzes an den mit Backwerk, Obst, Kaffee und Südfrüchten beladenen Tischen platznahmen, da machten alle anwesenden Damen mit der Frau Präsidentin an der Tete mit lebhaftem Vergnügen die Honneurs und packten den Kleinen auch für ihre zuhause gebliebenen Angehörigen in Düten reichlich ein. Totis Am letzten Samstag (Sabbath Chanuka) hielt Rabbiner Dr. A. Tänzer, der Schwiegersohn unseres ehrwürdigen Oberrabbiners, vor dicht versammelter Gemeinde eine mit großem Beifall aufgenommene Predigt. Herr Dr. T ä n zer hat sich bereits auch auf literarischem und wissenschaftlichem Gebiete einen hervorragenden Namen erworben und befindet sich gegenwärtig ein größeres Werk von ihm „Die Religionsphilosophie Albos" unter der Presse. Skole, 16. December 1895. Unser israelitisch.literarischer Leseverein „Dorschei-Madah" hielt am 11. d. M. eine Makkabäerfeier unter Theilnahme der gebildeteren hiesigen Bürgerschaft ab. Herr Spiegel hielt einen hebräischen, Herr Dr. Friedländer einen deutschen, Herr Aron Liebesm ann einen polnischen Vortrag. Die Feier machte einen erhebenden Eindruck. Brody. Am ersten weihevollen Chanukatage hat die verehrliche Verwaltung des hiesigen S - ulbekleidungs-Fondes die Betheilung von 300 armen jüdischen Schulkindern mit Winterkleidern, Schuhen, Stieseln und Strümpfen in solenner Weise vorgenommen. Zu diesem feierlichen Mildthätigkeitsacte fand sich die in jeder Beziehung um das Wohl dcr Schuljugend so verdienstvolle Schulinspection ein, wie auch der Lehrkörper zur Aufrechthaltung der Ordnung. Die edle Frau Münz und die durch ihre Wohlthätigkeit bekannte Frau Aller Schapire vollzogen mit wahrer mütterlicher Sorgfalt dieses herzerhebende Werk. Ihnen zur Seite standen Herr Leo Herzberg-Fränkel, Herr L. B l o ch und Herr Dr. Groß. An der Spitze der Verwaltung des Bekleidungsfondcs, verwegen der stets zunehmenden Armuth den Anforderungen keineswegs entspricht, steht seit einer Reihe von Jahren Herr Leo Herzberg-Fränkel. M. Markstein, Schullehrer. London. Louis Lederer, ein geachtetes Mitglied der Londoner New-Dalston jüdischen Gemeinde, ist im Alter von 62 Jahren am 1. November hier gestorben. Herr Lederer war ein geborener Oesterreicher, entstammt einer sehr achtbaren Familie aus Gablonz in Böhmen, und war über 30 Jahre am Londoner Platze etablirt. Seine Wohlthätigkeiten sichern ihm ein ehrenvolles Andenken bei Allen, die ihn gekannt haben. - kd. 0». Philadelphia. (Eine jüdische Musterfarm in Amerika.) Wieder „Jewish Exponent" in Philadelphia meldet, wird in D o y l e st o w n, eine Stunde von Philadelphia, auf Anregung des Rabbiners Joses Krauskopf eine Musterfarm für die jüdische Jugend errichtet werden. Die Kosten belaufen sich auf 100.000 Francs, wovon die Hälfte bereits durch Subscription gedeckt ist. Conftantinopel. (L e w y E s f e n d i,) unser Glaubensgenoffe, wurde vom Sultan zum Agrar-Jnspcctor von Syrien ernannt, hauptsächlich um als agrarischer Forscher ersten Ranges und Kenner des Kaffeecultus Bericht über die Versuche mit Kaffeeplantagen dort und in Tripolis zu erstatten. Er ist dazu ausersehen, später die Herstellung großer Plantagen in diesen Gebieten zu leiten. Dr. Bloch's Wochenschrift.

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