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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1895-12-20 · 51 (20.12.1895) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
12 (1895)
Issue
51 (20.12.1895)
Date
1895-12-20
Page
– (sequence 1)
Language
German
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-0T (Jivrovy. ,a Nr. 51 Dr. Bloch’s Jahrgang XII Centralorgan für die gefsmmten Interessen des Iudenthums. K. k. PoysparksUen-Aml Clearingverkehr Ar. 810.976. Sedactkvli und Administration: Wien II., Nrilrrr Vrigsrtrnflratzr L». Telephon - Nr. 6535. - -— -^- Wien, 20. Dezember 1895. -- Erscheint jeden Freitag. ->>»».———>ck— -- Wan abvnnirk bet allen PollanItalien des In- und Auslandes. .- =^===f I Se|aga»rsta für Oesterreich: Halbjährig 4 fl. — 8 Kr. Einzelexemplare SS kr. j ILr'a Ausland: | halbjährig v fl. — I» Kr. ganzjährig10 „ 20 . Anzeigen: Die 4mal gespaltene ,! Petitzeile 13 kr. *—-—- -- Inhalt: Leitartikel: Die Frau bei uns und um uns. — Der Papagei Schneider's. — Vom unlauteren Wettbewerb. — Dialoge. — ' * Beitrag zur Geschichte der russischen Juden. — Vom Jahrmarkt des Lebens: Regine Hieldburghäusser. Ein wunder Punkt. Ablwardt in New-Nork Was Herr Gregorig der Eommune kostet. Philosemitisches aus Mähren. Ernst Vergant und Heinrich Heine. Wie Deutschland die Eultur nach Afrika trägt. Die Germanen in Osten oder ein zweiter Kanzler. David und Lazar Münzer aus Drvhobycz als Antisemiten donaris causa. Epilog zum Chanukafeste. — Korrespondenzen: Wien, Kgl. Weinberge, Berlin, Weimar, München, London, Paris, New-Iork. — Vermischtes: Wien, Floridsdorf, Baden, Prvßnitz, Mährisch-Ostrau, Kremsier, Hvhenelbe, Krakau, Olmütz, Freiberg, Prag, Budapest, Essegg, Raab, Totis, Skole, Brody, Londcn, Philadelphia, Constantinopel. — Feuilleton: Das Testament. — Briefkasten. — Inserate. Die Iran bei uns und — um uns. In diesen licht- und glanzvollen Chanuka-Tagen ist das stille, liebevolle Walten der jüdischen Frau wieder einmal offenbar geworden. In Städten und Dörfern, allüberall, wo unsere Glaubensgenossen sich zu frommer Gemeinschaft zusammenfanden, ist in diesen Tagen jene große und herrliche Pflicht geübt worden, welche zu allen Zeiten eine der stärksten Stützen des Judenthnms bildete: die Pflicht der Wohlthätigkeit, und an der Spitze des Liebeswerkes standen wie immer unsere Frauen. Wer kennt sie nicht, diese emsige, selbstlose, freudige Thätigkeit der jüdischen Frauenvereine im Dienste der Nächstenliebe? Das Gebot der Schrift, der Witwen und Waisen zu gedenken und die Thränen der Armuth zu trocknen, wird von der jüdischen Frau nicht äußerlich und nicht leichtfertig genommen. Ihr ist das Wohlthun eine stetige, ernste Sorge, eine wahrhaft heilige Arbeit, der sie sich unablässig, unermüdlich widmet. Das gilt vielleicht mehr noch von unseren Schwestern in den kleinen Dorfgemeinden als von jenen in der großen Stadt. Da wird das ganze Jahr über Kreuzer auf Kreuzer gelegt und in den Mußestunden wetteifern die fleißigen Hände im Stricken, Häckeln und Nähen. Und wenn dann die rauhen Winterstürme hereinbrechen, wenn der Frost in die Hütten der Armuth dringt und es am Nothwendigsten, an warmer Kleidung für die zitternden Kinder, mangelt, dann dringt mit den Chanuka- Lichtern auch das ewige, unverlöschliche Licht der Nächstenliebe wärmend und belebend in diese Hütten. Und darum geht ein tief poetischer Zug durch dieses Fest, weil an demselben aus allen Sorgen und Kümmernissen, aus allem Kampf und aller Mühe des täglichen Erwerbslebens sich das reine MenschenthuM hervorringt, weil es Aller Herzen mit dem .Gefühle inniger und unverbrüchlicher Zusammengehörigkeit erfüllt und weil sich zu der Freude des Empfangens auf der einen Seite die Freude des Gebens auf der anderen gesellt. Nicht als ob Mitleid und Erbarmen auf eine bestimmte Zeit des Jahres warten müßten, um sich zu bethätigen. Bei jedem festlichen und bei jedem traurigen Anlasse sind es die Armen und Bedürftigen zuerst, deren der Jude gedenkt. Aber zur Chanuka- Zeit reift diese Mildthätigkeit zur herrlichsten Blüthe und die jüdische Frau tritt aus dem Kreise der engeren Familie hinaus in die leider, ach! so große Familie der Mühseligen und Beladenen! Das verleiht der Wohlthätigkeit unserer Frauen einen warmen und verklärenden Schimmer, daß sie dem Empfangenden nicht fremd gegenüberstehen, daß der Arme nicht gedemüthigt wird durch das Darreichen eines bloßen Almosens. Das Chanuka-Fest vereint Arm und Reich in der gleichen Erinnerung an die einstige Größe des Judenthums und an das Walten der göttlichen Fürsorge, die fortlebt und fortwirkt in den Herzen der edelsinnigen jüdischen Frauen. Und dem gegenüber — welch' ein Schauspiel bietet sich uns eben jetzt zur Weihnachtszeit auf Seite unserer Gegner! Tag für Tag berichten die Zeitungen über Fraueuversammlungen, in welchen blutiger, unversöhnlicher Haß gepredigt wird. Die Gesetze der Natur scheinen verwandelt, das weibliche Gemüth sich selber untreu geworden zu sein! Während die jüdischen Frauen Werke der Liebe verrichten, drängen sich Tausende und Abertausende christlicher Frauen, um den Aposteln des Haffes zu huldigen und mit ihnen einzustimmen in den von weiblichen Lippen doppelt grauenvoll klingenden Ruf-. „Nieder mit den Juden! Schlagt die Juden todt!" Auch von christlichen Frauen wird zur Weihnachtszeit der Armen gedacht, aber was ist das für eine Barmherzigkeit, die mit der Sorg für die Armuth das Hetzgeschrei: „Kauft nicht bei Juden!" ver indet? Welcher Art ist eine Nächstenliebe, die in fanatischer Wuth den Untergang von Tausenden Menschen fordert, die ein anderes Verbrechen begangen haben, als daß sie dem Glauben ihrer Väter treu geblieben sind? Wir haben sie geehen, diese Priesterinnen der christlichen Nächstenliebe, wie sie alte Männer auf der Straße niederstießen und ehrbare Frauen insultirten; wir haben sie gesehen, wie sie jeden Schimp wiederholten, den die Gemeinheit über die Juden ausgoß O. wir wissen es, nicht alle christlichen Frauen sind mit

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