Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 12 (1895)
- Issue
- 50 (13.12.1895)
- Date
- 1895-12-13
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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/ r ^Seite 936 Dr. Bloch's Wochenschrift. Nr. 50 stimmen und bezwingen, da sie doch schon durch das unabänderliche Wesen Gottes in unabänderlicher Weise bestimmt und bezwungen sind? Geschieht ja nicht seitens der Menschen und wird auch nichts seitens ihrer gedacht, was Gott nicht vermöge seiner Natur durch sie thut und in ihnen denkt. Wäre der Staat da nicht so eigentlich ein Staat im Staate, im Gottesstaate, ja sozusagen ein Gegengott? Spinoza erklärt deshalb die Entstehung der Staaten als in der Natur der Menschen, demnach in der Natur Gottes begründet, als die nothwendige Folge der bestehenden Ursachen, wie es überhaupt alle Erscheinungen sind. Wie sonst Dinge und Gebilde in der Welt aus dem Wesen Gottes gleichsam ausstraylen, so auch die Staatengebilde. Darum spricht sich auch Spinoza mit Entschiedenheit für keine der vorgeführten Staatssormeu aus und hat er so viel Lob für die ursprüngliche < Theokratie des Judenthums als das Naturgemäßeste. Denn die Staatsformen sind eben, wie sie bei beu jeweiligen Völkern zeitlich aus den Bedingungen und Ursachen mit Nothwendigkeiten sich ergeben. Spinoza führt nur aus, wie und in welcher Art die jeweiligen Staatsversassungen ihre und der Bürger Existenz am besten verbürgen oder verbürgen würden. Existenz ist aber nach Spinoza die einzige Tugend, und die Erkenntniß der Existenzbedingungen sind nur die zureichenden Borstellungen Gottes, welche mit den Welterscheinungen parallel verlaufen. Zwecke und Ziele gibt cs nach Spinoza nicht — auch die Staaten entstehen nicht zu Zwecken, sondern aus Ursachen. Wir aber, die wir im Leben nicht nur Existenz, sondern auch Zielen und Zwecken zusprechen, haben freilich auch vom Staate und seinen höhern Zwecken andere Begriffe. Dr. M. L. S1 e r n — Triesch. Die Haggada von Lector Friedmann. Während wir das Erntefest feierten, heimste die hebräische Literatur, ohne daß wir es wußten, eine sehr kostbare geistige Frucht ein. Der sehr geehrte Seminarprofessor Herr Lector F r i e d m a n n, Redactenr oer Mechilla, des Sisrs, der Pesikt Rabbah, Verfasser ver- ( schiedener (Kommentare über die Propheten, wie: Richter, Ezechiel rc., bereicherte auch diesmal unsere Literatur um ein sehr kostbares Buch unter dem Namen: „Das Festbuch der „Hagada", bearbeitet und erläutert nach den Quellen von: Misna, Sifrü, Sifre, Tosifta und Borajta«. Dieses Buch ist im Gaonaisch-Hebräischen geschrieben und so inhaltsreich, daß es jeder Volksschichte empfehleuswerth ist. Der Kenner der hebräischen Literatur sindet darin Quellen, Lesearten, Commentare rc., die er nicht leicht zusammentragen könnte. Jedes Lapitel der Passah-Hagada wird in diesem Buche analysirt, seine Entstehung und historische Entwicklung angegeben, der Grund, warum es so und nicht anders gestaltet wurde, geschildert und sämmtliche Varianten gesammelt. Auch werden hierin alle Stellen aus der Misna, dem Sitte, der Tosifta und der Borajta, wie die aus dem jerusalemischen und babylonischen Talmud; sämmtliche Ansichten der wichtigsten Exegeten: (Jbn Esra, Abrananel rc.) und nicht minder die der Gaonim, infoferne es die Beleuchtung erheischt, vor Augen geführt. All' diesen riesigen Stoff der hervorragenden, seit 35 Jahren populären Redner in dem Rahmen eines Buches von 113 Seiten stark so einfach zu bringen und so leicht übersichtlich darzustellen, daß es jedem des Hebräischen noch so wenig Kundigen bis ins Detail klar und verständlich gemacht wird, ist eine anerkennenswerthe Leistung. Möge der Allmächtige zu Gunsten unser Aller und zur Bereicherung der hebräischen Literatur hagadischer, halachischer und exegetischer Zweige diesen hochverehrten greisen Verfasser noch lange gesund, frisch und kräftig erhallen. I eh u d a Til! inger stuck, phil. und theol. Jalkut Sofer, 2 Theil (Schemoth) vom Bezirks- Rabbiner Josef Sofer in Derecske (Ungarn). Der Name des Herausgebers obenbenannten Werkes, dessen Werth seinerzeit beim Erscheinen des ersten Theiles (Bereschith) in diesen Blättern gewürdigt und hervorgehoben wurde, dürfte den Lesern kern unbekannter mehr sein. Die Anerkennung, die der erste Theil dieses eine reichhaltige Sammlung von zu Hochzeits- und Beschneidungsfesten, zur Bar-Mizwo und Trauerseür passenden, nach den Wochenabschnitten der Bibel geordneten Midraschim enthaltenden Werkes in der gesammlen jüdischen Presse gefunden, und die vielen Nachfragen, die beim Herausgeber behufs Ankauf desselben eingelausen, haben diesen in Stand gefetzt und bewogen, in der kurzen Zeit von kaum einem Jahre auch den zweiten Theil des Jalkut Sofer (Schemoth) erscheinen zu lassen. Auch dieser umfaßt einen reichen Schatz der seltensten Midraschim, des Sifro, Sifri, Tosephta, Targum, Jonathan, Jeruschalmi, Pirks d' R. Elieser, geordnet nach Wochenabschnitten, sammt einer schönen Blumenlese der gediegensten und geistreichsten Erklärungen und Auslegungen berühmter Commentatoren nebst den eigenen Geistesproducten des Verfassers aus dem Gebiete der Bibelexegese. Dieses für Rabbiner, Religionslehrer, wie jüdische Privatgelehrte sehr nützliche Werk ist ein gutes Schatzkästlein für die bei freudigen und traurigen Anlässen zu benützenden Midrasch- und Talmudstellen. Wenn wir noch hervorheben, daß die bedeutendsten talmudischen Autoritäten, wie die Rabbiner zu Preßburg und Pacs und nenestens auch der berühmte Rabbiner R. Jecheskel Halb er stamm in Schinova in ihren befürwortenden Gutachten sich in der lobendsten und anerkennendsten Weise über dieses Werk ausgesprochen, so glauben wir mit Recht voraussetzen zu können, daß auch der zweite Theil des Jalkut Sofer in dem Bücherkasten eines jeden Bibel- und Talmudkundtgen nicht fehlen und einen würdigen Platz finden wird, und daß der Herausgeber durch zahlreiche Bestellungen in die Lage versetzt wird, durch die Herausgabe der noch fehlenden drei Theile dieses nützliche Werk zu vollenden. H. L—r. Briefkasten. Czernowitz. Dr. N. Artikel unverwendbar, da nur oft Gesagtes wiederholt wird. Der Antisemit Masai d ek spricht das kürzer aus: „So lange die Welt steht, ist noch Niemand so zum Narren ge. halten worden, wie die Juden von unseren Liberalen." („Ostdeutsche Rundschau" 10. November.) Salzburg. Th. K. Die Nachricht ist interessant: „Der Salzburger Turnverein, welcher im Juli d. I. das Fest seines 35jährigen Bestandes feierte und seit einigen Jahren einen Mitgliederstand von über 400 Mitgliedern zählt, hat in der am 4. d. M. abgehaltenen außerordentlichen Hauptversammlung mit mehr als '% Mehrheit cen Beschluß gefaßt, aus dem Verbände der Deutschen Turnerschaft auszutreten und sofort dem Deutschen antisemitischenTurn erkunde beizutreten." „Einer, der sich schämt." Wien. Wir haben es erst kürzlich gebrandmarkt,daß Juden sich dazu hergeben, Lueger-Ballons, -Münzen rc. zu verkaufen. Derselbe Händler I. Fleischmann, denn wir damals an den Pranger stellten, ist der Verleger eines Schandbüchleins, welches, allem Anscheine nach von einem Antisemiten verfaßt, von Jnvectiven gegen die Juden strotzt. Diese hämischen Witze, welche zeigen sollen, wie schlecht schon das jüdische Kind denkt, wie habgierig der Jude und wie verdorben die Jüdin sei, werden sonst nur von den ärgsten Feinden des Judenthums colportirt. Es ist, gelinde gesagt, schmählich, daß ein Jude eines geringen Nutzens wegen nicht davor zurückscheut, solch ein eckelhastes Sudelwerk in Tausenden von Exemplaren drucken und durch seine Exporteure verbreiten zu lassen! Das Büchlein sindet unter den Antisemiten reißenden Absatz und dient zu Propagandnzwecken J Wiener städtischer Lehrer, Wien. Die Niedrigkeit ihrer Gesinnung geht zur Genüge aus dem Umstande hervor, daß Sie Anstand nehmen, ihre Brodneid verrathende Zuschrift, die übrigens unsere Angaben in der Sache vollauf bestätigt, mit ihren Namen zu decken. Anonymes wandert übrigens stets in den Papierkorb. Herrn L. B., Wien. Herr Josef Mayer, IV., Große Neugasse 44, offerirt zwei L u e g e r - S p i e l e. Wir bringen dies zur Kenntniß der jüdischen Abnehmer dieses speculativen Lueger- Fructificirers. K., Drohobyez. Daß der gute Elzelt ein Lügner ist, ist nicht erst seit heute zn constatiren. Der Mann betreibt das Lügenhandwert schon seit Jahren. Rabbiner Dr. Kaufmann in V. Herzlichen Dank für die theilnehmenden Worte. Israel. Landeslehrer-Verein ln Böhmen. Wir müssen diesmal es ablehnen. M. D. Leider ungeeignet. Christlicher Urwiener. Man darf sich über nichts ärgern und über nichts verwundern. Gruß und Dank. Rosalia Kornblnh, Wien. Wir dürfen den Antisemiten nicht Alles nachmachen. C. Theodor. Das Manuscript ist uns nicht zugekommen oder es ist in der Redaction in Verlust gerathen. Herrn Dr. Max Ornstein, Wien. Herzlichen Dank für die sreundl. Zeilen. Dr. F. in P. Herzlichen Dank. Dr. Simon Wolfsohn. Besten Dank. Jaeob Epstrin, Wien. Eine solche Versammlung kann nur entweder vom Cultusvorstand oder von einem großen und verbreiteten Verein unternommen werden. Ch. D. Salomon, Tuchotv. Besten Dank und Gruß. Leser der Wochenschrift, Linz. Zum Nachfolger des Herrn Rabbiner Pollak wurde der ehemalige Schnlinspector der isr. Cultusgemeinde Herr Dr. Breuer ernannt. Derselbe ist ein gediegener Talmud ist. Eni Freund der Wochenschrift in Krakau. Dr. Bloch war 14 Tage abwesend, das erklärt Ihnen Manches. Verein ,,Libanon", Krakau. Wir sind leider nicht in der Lage. Ihrem Wunsche zu entsprechen. I. H. Lemberg. Mit den sonderbaren „Ehrenmännern," über welche wir vor mehreren Jahren das Urtheil gesprochen haben, uns jetzt neuerdings näher zu befassen, erachten wir unter unserer Würde. Dr. Bernhard Templer, Mährisch-Aufsee. Herzlichen Dank. Dr. S. M. Die Wähler wissen nicht blos das, sondern noch viel mehr. S. M., Rohatyn. Für ausländische Zeitungen zahlt der Empfänger den Stempel, für inländische die Redaction. Herausgeber u. verantw. Redacteur: Dr. Josef S. Bloch. — Druck v. L. Beck & Sohn, Wien, VIII., Lrrchenselderstr. 46.