Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1895-12-13 · 50 (13.12.1895) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
12 (1895)
Issue
50 (13.12.1895)
Date
1895-12-13
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3020846-3021061-3021112--05138-3029360
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

Br* 50. Bloch’s Jahrgang XII. Ceniralorgsn für die gesammten Interessen des Iudenthnms. 8!" K. K. Postspsrk alsen-Amt Clearingverkehr Nr. 610.976. Redaktion und Administration: Dirn II., UrilrroDrrsartrristratzr la. Telephon-Nr. 6535. =3J6 -- Wien, 13. Dezember 1895. —»»v'- Erscheint jeden Freitag. Wan abunnirt btt allen Pa 6an Hallen des In- und Auslandes. St>;ugsvrris für Oesterreich: Halbjährig 4 fl. 8 J?r. Einzelexemplare 25 kr. Ifir’H Ausland: halbjährig 5 si. — 10 Kr. ganzjährig 10 „ — 2V Anzeigen: Die 4nal gespaltene Pelilzeilc 12 kr. =* Inhalt: Seitartite l: Dr. Lueger und die Wahl in Kolomea. — Das Muster einer Fraueu-Mobilisirung durch die Jesuiten. — Eine Lücke im bürgerlichen Gesetz. — Dialoge. — Oesterreich-Israelitische Union. — Rabbiner Dr. Salomon Fuchs. — Beitrag .zur Geschichte der russischen Juden. — Vom Jahrmarkt des Lebens: Den Deutschnationalen ins Stammbuch! Falsche Beschuldigungen. Nicht bestätigt. Bon den Grazer Gemeinderathswahlen. Ein jüdischer Soldat. Berlin. Schlecht angebrachte Wohlthätigkeit. Der „Spruch eines unbekannten Rabbiners". Arische Löhne. Jüdische Arbeitgeber. Lehrlingslos. Wieder Einer. Racenheye unter den Schulkindern. Aus der Vergangenheit des Dr. Lueger. Das erste Wiener Judcnviertel. Die Partei der christlich-socialen Pastoren. Selbstständige jüdische Handwerker. Auch eine Brunnenvergiftung l Otto Seeck. Wie's gemacht wird. Macaulnv von Juden bestochen. Der antisemitische Hochverrats Wegen Meineids. Die badischen Antisemiten unter sich. Arisch-germanischer Geschäftsgeist. Arischer Wucher in Rußland. Christenhaß in China. Ackerbauminister Ignaz Daranyi — Jude. Darum Antisemit. Eine principiell bedeutungsvolle Entscheldung. Freiherr von Springer. — C o r r e s P o n d e n z e n: Wien, Holm, Sniatyn, Drohovicz, Krakau, Neubydschvw. Prag, Leipzig, Breslau, London, Bagdad. — Vermischtes: Wien, Hohenelbe, Proßnitz,Budapest. — F e ui l le t o n: Am Chanuka- Abend. — Literatur. — Briefkasten. Dr. Lueger und die Wahl in Kolomea. Dr. Maximilian T r a ch t e n b e r g wurde im Städtebezirke Kolomea-Sniatyn-Buczacz mit 2165 Stimmen zum Reichsraths-Abgeordneten gewählt. Der frühere Abgeordnete dieses Wahlbezirkes, Dr. Bloch, blieb mit 605 Stimmen in der Minorität. Jn,S n i a t y n erhielt Dr. Tr achte nberg 485, Dr. Bloch 273 Stimmen; in B u c z a c z entfielen auf Dr. T r a ch t e n b e r g gleichfalls 485, auf Dr. Bloch 265 Stimmen. In Kolomea erhielt T r a ch t e n b e r g 1195 Stimmen, Dr. Bloch blos 67. In Kolomea genießt Dr. Bloch eine Popularität, daß Kind und Alt Groß und Klein seinen Namen nennt, er besitzt dort vielleicht einige Gegner aus alter Zeit, sonst aber nur Freunde und Verehrer. Dennoch erhielt er blos 67 Stimmen. Diese Wahl ist geradezu eine Ungeheuerlichkeit, ein Unicum in der Geschichte constitutioneller Staaten. So interessant es wäre,die Ereignisse, die Kniffe und Künste, welche ein solches Resultat herbeisührten, eingehend zu erzählen, so nmssen wir uns doch eine Beschränkung auferlegen, mit Rücksicht aus die Vorgänge in der Sitzung des österreichischen Reichsrathes vom 7. December. Dr. Lueger fühlte sich veranlaßt, die Wahlvorgänge in Kolomea dem Ministerpräsidenten vorzuhalten und mit erheuchelter, sittlicher Entrüstung einzelne gegen Dr. Bloch verübte Maßnahmen zu besprechen. Mit Recht bemerkt dazu die „Neue Freie Presse": „Ein interessantes Moment der Debatte war die heiße Liebe für Dr. Bloch, die plötzlich im Herzen des Herrn Lueger erwacht ist. So lange Dr. Bloch im Hause saß, interpellirte fast jede Woche ein Mitglied der Antisemiten-Gewerbe-Genossenschaft, warum das Mandat Bloch's noch nicht annullirt wurde; nun, da Dr. Bloch aus Veranlassung des Prinzen Liechtenstein vom Obmann des Polen-Clubs genöthigt wurde, sein Mandat niederzulegen, findet Herr Lueger nicht genug Worte des Mitleids für den armen Dr. Bloch, der gegenüber dem Abgeordneten Trachtenberg unterlegen ist. Oder erscheint Herr Dr. Bloch den Antisemiten als ein so gefährlicher Gegner, daß Herr Lueger ihn durch seine Liebe compromittiren will?" Wer hat den Tribun von Margarethen zum Anwalt des Dr. Bloch bestellt? Während des Wahlkampfes haben Herr Tr. Lueger selber und seine Parteifreunde der Candidatur des Doctor Trachtenberg ausgiebige Unterstützung geleistet, rmd nun drängt Dr. Lueger den: unterlegenen Dr. Bloch eine Bundesgeuosienschaft auf, für welche er keinen Bedarf hat. Oder hat Herr Dr. Lueger, haben seine Parteifreunde dem Wahlkampfe in Kolomea vielleicht theilnahmslos zugeschaut? Lesen wir das offieielle antisemitische Organ „Narod" in Lemberg vom 1. December Nr. 23. An leitender Stelle publicirt es einen scharfen Artikel gegen den Grafen Badenizu Gunsten Dr. L u e g e r's, dann eine Interpellation der Christlich-Socialen im Reichsrath über Kol-Nidre und den jüdischen Eid, ferner das Pasquill „Die Wahrheit über das Judenthum". Weiters einen giftigen Artikel „Die Juden in der Armee" und zum Schluffe - - einen drei Spalten langen Wahlaufruf für D r. Maximilian T r a ch t e n b e r g. Dieser Wahlaufruf leistet an Schmähungen und Verleumdungen des Dr. Bloch und des gesammten Judenthums das Undenkbarste und endet mit einen warmen Appell an die christlichen Wähler, für den Cultusvorsteher Dr. T r a ch t e n b e r g einzutreteu. Dann heißt es am Schlüsse» „Was? — so rufen uns die Naiven zu —Antisemiten empfehlen uns, für einen Juden zu stimmen? „So ist es! Nicht allein wir empfehlen, wir Antisemiten „b i t t e n e u ch dringend, f ü r D r. M aximi- „lian Tracht enb erg einzutreten, ihn mit „aller Energie zu unterstützen! Vergesset nicht, wer sein „Gegencandidat ist! Der berüchtigte Dr. Bloch. Diesen „zu beseitigen, ist jeder Preis werth." Und nun kommt ein nochmaliger Schimpserguß gegeilt Dr. Bloch, um neuerdings in rührenden Tönen die christlichen Wähler zu beschwören, für Dr. Trachte nb e r g einzutreten. Im Hause des Herrn Baron Capri hatte Herr Dr. Bloch selber Gelegenheit, Zuschriften des Herrn Dr. Lueger, Telegramme gezeichnet L., zu lesen, gerichtet an einen pensionirten Officier Namens Delle r, i in welchen im Namen der Christlich-Socialen in Wien j dringend ausgesordert wird, die Candidatur Tr. B l o ch's

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.