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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1895-11-01 · 44 (1.11.1895) · page 20

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
12 (1895)
Issue
44 (1.11.1895)
Date
1895-11-01
Page
– (sequence 20)
Language
German
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Seite 824 Dr. Bloch's Wo^ rnfchrist. Nr. 44 brmist für das Wohlergehen der Meinen, besonders für die Gesundheit der Mutter, welche kränkelte. E-nes Morgens erwachte ich aus dem Schlafe und fand die Mutter auf der Erde liegen mit einem schwarzen Tuche bedeckt und einem Oellämpchen zu Häupten, und der Großvater, der heute nicht die Runde durch die Gasse mit dem Hammer machte, saß auf einem Schemel zu ihren Füßen und betete. „Kind, Deine Mutter ist todt, wir stehen jetzt allein auf der Welt" sagte er zu mir ganz gebrochen. Ich jammerte, warf mich auf die Todte und bedeckte sie mit Küsten. Man brachte mich gewaltsam in das Haus einer Nachbarin, und als mich der Großvater Abends abholte, war die Mutter schon begraben. (Fortsetzung folgt.) Literatur. Lieder mit Benützung syrischer Melodien in Musik gcsetzt und für eine Smgstimme mit Klavierbegleitung, bearbeitet von Cantor S. T. F r i e d l a n d in Breslau, Eigenthnm und Verlag des Herausgebers. Das Heft bietet eine ganz eigenartig nnd überaus interessante musikalische Gabe. Die echten syrischen Melodien, welche ihnen zu Grunde gelegt sind, weisen mehr als einen familienbaften Zug mit den uralten Weisen der besseren traditionellen Synagogen-Gesänge, auf. In dem beigegebenen, für Cantor Fr. überaus schmeichelhaften Gutachten des Professors Dr. E. Bahn finden wir das Wort „herbe Originalität", welches den musikalischen Charakter der vier Liede»- zutreffend umschreibt. Herb, natürlich .unveropert" hat der Cantor die Lieder, so wie er sie gehört, niedergeschrieben und sie durch eine geschmackvolle, bescheidene, nie störende oder hemmende Begleitung gestützt. Bon dieser Folie heben sie sich frisch u d jungfräulich ab, diese uns fremdartig und doch so vertraut ansprechend klingenden Blüthen aus den Osten. Mögen viele sich ihrer erfreuen. Hebräische und deutsche Textworte find beigegeben. Briefkasten. Wien, stuck. Lur. L. I. Ihre gutgemeinte „Abwehr" ist gänzlich überflüsiig, denn kein vernünftig Denkender nimmt das Geschreibsel dieser conceffionlrten Lügenfabrikanten ernst. Sie möchten den jüdischen Studenten die Scandale der Deutschnationalen am liebsten in die Schuhe schieben. Die „Ostdeutsche" gibt bei dieser Gelegenheit dem wahrheitsliebenden Spitzer-Weimar eins.'hinter die Ohren: „Daß der schlagende jüdische Student sich dem Herkommen fügt und f ü r den Schläger demonstrirt, (?) ist ihm nicht zu verwehren; ob daMit die deutschnationale Studentenschaft als antisemitische auch den Juden für ebenbürtiger und satisfactionsfahiger ansieht, als den nichtschlagenden Deutschen, ist eine andere Frage, die hoffentlich auch noch ihre Lösung finden wird, ohne daß die getauften Juden der clericalen Presse hiebei um ihre Meinung gefragt werden. Constantinopel. O. 14. Trotz vieler Mühe, ist es uns nicht gelungen, über genannten Herrn Näheres zu erfahren. Agrarer. „Ein Vorstandsmitglied." Aus der Rede des Monsignore Scheicher vom St. Pöktener Katholikentag: „Dadurch sind schon Dinge eingetreten, die uns die Schamröthe ins Gesicht treiben muffen, (Diese Antisemiten sind doch ein curioses Völkchen, das sich immer — für Andere schämt!), wenn wir überhaupt der Scham noch fähig sind. (Eine wohl aufzuwerfende Frage!) Wenn ein jüdischer Rabbiner bei einer Gelegenheit, wo die anderen Eonfessionen sich bescheiden in ihren Grenzen halten, verlangt, daß er dort segne, wo man seinen Segen nicht begehrt hat, da ducken sich die Mollusken, die entmannten Exchristen und sagen: „Ja, das verlangt die jüdische Religion! Das muß man jenem als rühmenswerthe Ueberzeugungstreue anrechnen!" Wenn aber auf der anderen Seite die katholischen und christlichen Geistlichen in zustehender Angelegenheit zur rechten Zeit die katholischen Gebote urgiren und einschärfen, da schreit der judenliberal erzogene Philister: „Keckheit der Pfaffen! Weg mit ihnen! Wir lasten uns nichts sagen! Sie haben da nichts dreinzureben!" Glaubt wirklich der sonst für das deutsche Volk so begeisterte Artieulant, daß er mit einem Volke Ruhm aufheben wird, welches sich vor dem Rabbiner verneigt und den eigenen Priester einen Pfaffen nennt?" - Ja, Graz und Agram sind den Herren halt sehr unangenehm. Das pagt nicht recht in ihren Kram. Non turbare circuJos xneos! „ o Dr. Dora L. Sie sind also durchaus nicht dafür? Schon. Wie gefällt Ihnen z. B. dies: „Auch die „Kaufleute aus dem Osten" werden dann znfrredenersein, wenn sie von keinem einzigen Christen mehr behelligt, wenn sie so hübsch ganz allein unter sich und auf sich angewiesen sein werden. Ja, es ist sogar möglich, daß sie dann in einer Anwandlung von heißer Dankbarke-t eines Tages uns ganz verlassen und sammt und sonders nach dem Osten ziehen, um sich dort dauernd niedcrzulaffen.-— Darum: Christen, werdet klug! (Aus den „Herren-Moden-Nachrichten.") Wer boycottirt?? U. A. w. g. Graz. „Luise A." Die uns eingeschickte antisemitische Poesie wird au Miserabilität noch weitaus übertroffen durch die eines sicheren Vincenz Totzauer. Hören Sie! „Sie (die liberale Presse) streuet nichts als eitel bösen Samen, Aus welchem Dornen, Disteln geh'n hervor; Und diese bilden dann den Halt und Rahmen Für Früchte, die verlocken Aug' und Ohr." Ein Halt und Rahmen aus Dornen und Disteln für Früchte, die Aug' und Ohr (sic) verlocken! Weiter geht's nicht! Das ist das non plus ultra. Die antisemitischen Frauen sollten dem unsterblichen Poeten einen Halt und Rahmen überreichen als Ehrengeschenk, aber blos aus Disteln. Ein Paar Früchte für's Ohr — vielleicht Feigen — andere kennen wir nicht — könnten auch nicht schaden. Totis.„Alter Abonnent 712." Vergani's „Deutsches Volksblatt" wendet sich in bekannter Manier gegcn das „Wiener Tagblatt", »veil dieses — man denke horribile dictu — es gewagt hat, gegen Tokio zu schreiben. Das scheint den Herren ein sacrosanctes, antisemitisches Roß zu sein. O rühre, rühre nicht daran. „Man sollte es in der That kaum für möglich halten, daß es eine heimatliche Zeitung gibt, welche öffentlich ihre Schadenf r e u d e darüber ausdrückt, daß das beste Exemplar unserer einheimischen Pferdezucht im Wettkampfe mit Ausländern unterlegen ist. So sind sie eben, diese Tintenjuden! Was sür Wohlthätigkeitsacte mit dem auf „Tokio" gewetteten Gelde hätten geübt werden können, weiß der knoblauchduftende Scribler des „Schöpsernen" genau zu berechnen." Also keine Wohlthätigkeitsacie — lieber das Geld auf Tokio gelegt! Das hat an Sinn — da liegt was d'rin, Geist, Gemüth und — Logik! Ar. Mckr. »Zizzos.« Die Stelle ist ganz lustig. Fürst Liechtenstein leistete sich auf dem letzten Katholikentage diesen kleinen Bierschwefel : „Manche Historiker sprechen von den ersten Jahrhunderten des Christenthums. Mit Unrecht." Reizend! Wo der Tiessinn anshört, sängt gleich der Blödsinn an. Trotzpan. „Falsche Unterschrift." Ihren nur Sie selbst schändenden Brief beantworten wir mit dem Geständnis; einerschönen Seele, welches der „Ostdeutschen" vom 25. d. M. wider Willen entschlüpft ist: „Mancher ist nur Antisemit, um seine semitische Abkunst zn verbergen." Budweis. M. K. Sie iheillN mit, daß die Firma: C. Slölzlt's Söhne, Glasfabrik in Prag, Biergläser mit dem Portrait „Dr. Lucger's" anfertigt, welche in Wien als auch in anderen verseuchten Gegenden reißenden Absatz finden. — Das Interessante dabei ist aber, daß sich die Kundschaft obiger Firma zumeist aus Juden recrutirt und sollen besonders in Triest die graten Abnehmer Stölzle's Juden sein. — Ferner äußern Sie die Absicht, dem Reisenden des genannten Hauses, falls eres noch wagen sollte, bei Ihnen wieder vorzusprechen, ordentlich heimzuleuchten. Wien „Feldwebel (?) X." Sie wollen der Feldwebel sein, der dem jüdischen Soldaten gesagt hat, „er möge nickt wie ein Vorbeter dastehen?" Und Sie haben gar keinen jüdischen Vorbeier damit gemeint? Kleiner Spaßvogel! Wien. Besorgter Jude! Daß im „Cafe Dohan" verheiratete Frauen init Männern Karten spielen, ist sehr zu rügen, dürfte aber jedenfalls nur zn den ganz vereinzelten Ausnahmen zählen. — Der unwürdige Greis, der mit dem Rabbinotsbrief des seligen Rabbiners Sal. Quetsch aus Leipnik fleißig schnorren geht und am Samstag lange Pfeifen raucht ooram xnblieo, der gehört unserer Meinung nach nicht zu den Juden, denen geholfen werden soll. Zudringliche Berufsschnorrer müssen energisch abgeschüttelt werden. Brünn. Dr. M. Gr. Die Namen unserer Korrespondenten geben wir niemals bekannt. Für Ihre freundliche, in Aussicht gestellte Mitarbeiterschaft herzlichen Dank. Wien X. Der übersetzte Ausschnitt aus dem Blatt „Ruh" ist zwar nicht uninteressant, aber doch nicht recht zum Abdruck für uns geeignet. Dank. 8M jeder besonderen Anzeige. Allen Gönnern, Verwandten und Freunden die Nachricht., dass sich unsere Tochter Anna mit Herrn Josef Eisner ans Budapest (Firma Eisner & Steinhardt) verlobte. Pardubitz (Böhmen), am 27. October 1895. Ignatz nnd Berta Wertlieimer. Herausgeber u. verantw. Redactcur: Dr. Josef S. Bloch. — Druck v. L. Beck & Sohn, Wien, VIII., Leichenfeldeisir. 4G.

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