Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 12 (1895)
- Issue
- 43 (25.10.1895)
- Date
- 1895-10-25
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 43 Dr. Bloch's Wochenschrift. Seite 803 ein anderer, ein besserer vorhanden ist? Warnm sind die Getauften schlimmer als die Inden? Und die Hauptfrage, die sie am meisten quälte, die Frage in Bezug auf ihren Papa, war noch immer nicht beantwortet und ließ ihr keine Ruhe. Wen soll ich fragen? wen? marterte sich Waria. Zur Axinia zu gehen lohnt nicht, die weiß bedeutend weniger als die Amme, und wenn diese nicht auf Alles Antwort geben konnte, so wird Axinia gewiß nicht zu antworten wissen. Soll ich vielleicht Papa selbst fragen? kam es ihr in den Kopf. Waria wandte sich niemals an ihn mit Fragen — der Bater war immer so beschäftigt; während des Tages im Dienst, und die Abende verbrachte er entweder allein in seinem Cabinete oder war überhaupt nicht zu Hause. Waria sah ihn nur zu Mittag, aber in Anwesenheit Aller zu fragen, war unmöglich; sie konnte es jedoch nicht bis zum nächsten Tage aushalten. Ich werde Nachsehen, ob er in seinem Cabinete ist und ihn dann geradeaus fragen, entschloß sich Waria. Sie war selbst verwundert über ihre Dreistigkeit und nahm sich vor, sie nicht zu verlieren. _ (Fortsetzung folgt.) Briefkasten. Wien, Kurt L.: Die „Deutsche Zeitung" widmet einen Theil ihrer sonst blos der Judenhetze gewidmeten Spulten der höheren Ausbildung von Liebeskünstlerinnen vom 20. Oktober: Das Tascheutnch an die Lippen halten heißt: „Wunsche mit Ihnen bekannt zu werden." An die Augen halten: „Du bist zu willig." Fallen Aasten: „Wir wollen Freunde sein." Die Wange reiben : „Ich liebe dich." An die rechte Wange halten: „Ja." An die linke Wange halten: „Nein." Falten: „Ich mochte mit dir reden. „Ueber die rechte Schulter werfen : „Folge mir!" Beiden entgegengesetzten Enden anfassen : „Warte ans mich!" An die Stirn Hallen: „Wir werden beobachtet." An das rechte Ohr halten: „Du hast dich verändert." Vor die Augen halten: „Du bist grausam." Um den Mitlelfinger wickeln: Ich bin verheiratet." In der Hand zusammenballen: „Ich bin ungeduldig." In die Tasche stecken: „Genua für jetzt." — Ihre eigenen Arbeiten sind lange nicht so interessant, wie Ihre Ausschnitte. Kornenbnrg „L." Wir waren schon damals ganz richtig informirt über die Angelegenheit. Jetzt erst bringt die „Ostdkutsche" Folgendes: Zah l 719. Strfs. An Sr. Wohlgeboren Herrn Georg Schönerer, Gutsbesitzer in Schloß Rosenau. Zur Ablegung einer Zeugenaussage in der Strassache gegen Ernst Bergani, gewesener Bürgermeister von Mühldorf, wegen A m t s v e r n n t r e u n n g, werden Euer Wohlgeboren hiern.it für Samstag den 3; August 1895, Vormittags, in das Gerichtshaus Zwettl, 1. Stock Amtszimmer, Nr. 2, vorgeladen. K. k. Bezirksgerichl Zwettl, 27. Juli 1895. Der k. k. Bezirksgerichtsadjunkt: U l t s ch. Wien. , Cato junior.“ Der Ehrenbürger von Mühldorf, bekanntlich in Sachen der zanbergewaltigen Erscheinung unbestritten erste Autorität, schreibt über die Lmters Bankern beim Ron ach er : „So haben wir sie nun da! Recht nette „Käser" sind diese Barrisons. Wenn sie auch nicht Schwestern sind, so befinden sie sich doch sammt und sonders unter den schützenden Händen der sreilich leider oft zu hoch und leicht geschürzten Muse, trogen gleiche Costüme, singen, schauen, lächeln, tänzeln und tanzen nach einem Schnitt und nach einem Commando. Wir wollen nicht prüde sein und gestehen, daß einige der Schönen recht hübsche Köpfchen haben; ob sie Jemanden z u „v e r f ü h r e n" i m S t a n d e s i n d, d a s wird der Wiener an sich erproben müssen." Ehren-Vergani möchte es wohl am Liebsten an sich selber probiren lassen! Wien. C. M. Pseuner's ganz im Geheimen erscheinendes Winkel-Blättchen lügt schon ganz wie ein großes: „Der Rabbi Bloch führt den jüdischen Damen zu Gemüthe, daß sie ja in den adeligen Kreisen der Christen doch nur die Rolle der blos Geduldeten spielen mußten, sie mögen also diese unwürdige Rolle aufgeben, denn eigentlich gebührt den Juden in der Gesellschaft der erste Platz." Nie haben wir dies gesagt, diese Behauptung ist ein infames Jnsinuatiönchen. In demselben verhetzenden Tone geht es weiter: „Sieht man nicht da ganz deutlich, wie schlecht es den Juden in Wien geht, es drückt sie nämlich die Last der Diamanten und die schwere Sorge, in welchem Kreise sie dieselben funkeln lassen sollen." So wird der Kampf, den die Wiener Juden um ihre Existenzmöglich-- keit führen, ausgelegt. Es ist den Herren doch ein wenig unangenehm, daß wir unseren Glaubensgenossen nahe gelegt, anstatt der öckater admirabiüs und des katholischen Schulvereins lieber des „Ferienheims" und der Talmud-Thora-Schule zu gedenken. „Es stiert's ihnen", wie man auf Wienerisch sagt, und das freut uns vom Herzen. Prag. S. G. Das Thema wurde im Blatte bereits sehr ausführlich behandelt. Man muß nicht immer A l l e s sagen. „In dem was er weise verschweigt, zeigt sich der Meister des Styls." Artikel aus diesem Grunde dankend abgelehnt. M. I., Lemberg. Die Namen Moritz und Moses sind identisch, und wer mit den hebräischen Namen Moses heißt, darf sich deutsch Moriz nennen. I. L. *5- Wien. Ueberweisen Sie die Sachen II, Kleine L-chiffgasse 28, Theresien Kreutzerverein oder Verein „Nächstenliebe" II., Circusgasse 38, Jacob Theumann. Wien A. L. Wir danken Ihnen verbindlichst für die „Breslauer Morgen-Zeitung" (5. September 1895). „Im klebrigen beweisen jene Interessenten, die das deutsche Pöbelmärchen von der semitischen Feigheit propagiren, daß ihnen nicht nur die einfachsten kriegs- und cnltnrgeschichtlichen Kenntnisse fehle»; sie zeigen auch, daß ihnen Völkerpsychologie und individuelle Psychologie — ein spanisches Dorf ist. Tausendjähriger Haß und Druck rüttelt die Köpfe auf, schärft die Sinne und potenzirt das Selbstbewußtsein! Das, was man „jüdischen Kopf" und das, was man „jüdische Arroganz" nennt, ist ein consequentes Resultat geschichtlicher Entwicklung. So kommt es aber auch, daß das, was äußerlich wie feige, dumpfe Ergebung in das aufgezwungene Schicksal aussieht, thatsächlich nur latente Kraft ist und Stolz und Trotz und mehrlausendjähriger Glaube an den endlichen Sieg der edleren Instinkte. Man vergleiche doch nur die Geschichte der römischmittelalterlichen Sclaverei und die sehr lehrreiche Geschichte des „modernen" Proletariats! Berlin „Kl. R." Die illustrirte in München erscheinende Zeitung: ,,Der Reise-Onkel" veröffentlicht ein Gedicht von Christian Flüggen über die Wiener Gemeinderathswahleu : „Wien, du bist erobert von dem Pöbel Feigster, niedrigster Gesinnungsart, Deutsche nennen sie sich, Deutsche?? Deutscher Knechte sich der deutsche Mann verwahrt. Das ist nicht der Kampf, den Männer führen, Buben sind es, die da gröhlend schrei'n, Wenn man ohne Aufsicht sie gelassen, — — Und vor Buben flohen Eure Reih'n!!" Die deutschen Christen draußen im Reich bilden sich ihre eigene Ansicht über die traurigen hiesigen Verhältnisse. Oder werden unsere Schreier auch dem Herrn Christian Flüggen das Chrisienthum und Deutschthum absprechen? Prag. S. K Soll willkommen sein. Ankündigung wird rechtzeitig erfolgen. Titel?? Gruß! Tcschen. I. F. Das Gedicht hat eine feine Pointe und hat uns gefallen. Doch ist es zum Abdruck nicht geeignet. Es ist zu leinst zu mißdeuten und zu parodiren. Wien, IV., Fany R. Wenden Sie sich au den Rechtsschutzverein der israelitischen Union. Wien. M. L. „Wie die „Neue Freie Presse" vom 19. d. M. mittheilt, hat die „Wiener Musik- und Theaier-Gesellschast" den Journalisten Maximiliau Harden zu einem Bortrage eingeladen. Wenn die Gesellschaft den jüdischen Mitgliedern einen Antisemiten Vorführer, wollte, warum nicht lieber den Rector Ahlwardt?" Wien. K. Sie wundern sich, daß Bergan i, K. H. Wolf u. s. w. bereits vergessen haben, daß sie Slatin Pascha als „Juden" für einen grundschlechten Kerl erklärt haben? Ein echter Antisemit erinnert sich überhaupt nicht. Wien, 17. Oktober 1895. Der geleugnete Antisemitismus! Herr Redakteur! Auf Grund des § 19 P.-G. ersuche ich im Bollmachtsnameu des Herrn Alexander Hornacsek. Vertreters der Ersten österreichischen Seifensieder-Gewerks-Gcsellschaft, „Apollo", um Aufnahme nachstehender Berichtigung der in Nr. 41 Ihres Blattes vom 9. (11.) Oktober 1895 auf Seite 758 m der Rubrik „Briefkasten" mit der Ueberschrift: „Wien, ein Israelit" erschienenen, meinen Clienten betreffenden Notiz: Es ist unwahr, daß Herr Alexander Hornäcsek „das liebliche Wörtchen Saujud" mit Vorliebe im Munde führt. Richtig ist vielmehr, daß derselbe mit den Leopoldstädler israelitischen Kaufleuten, welche Kundschaften der von meinem Clienten vertretenen Gesellschaft sind, im besten geschäftlichen und gesellschaftlichen Einvernehmen steht. Achtungsvoll Dr. Moriz Zwey brück Hof- und Gerichts-Advocat. Hilferuf. Eine mir sonst fremde, aber bekannt gewordene Familie, die, im tiefsten Elende schmachtend, durch die nahezu zweijährige Krankheit ihres Ernährers an den Bettelstab gebracht, denselben aus Scham jedoch nicht ergriff, hat nun der härteste Schlag getroffen. Der Gatte und Vater, auf deffen Genesung sie noch immer wie auf ihren Rettungsanker hofften, ist von seiner Gattin, seinen fünf unmündigen Kindern heute zu Grabe geleitet worden. Dieses Grab, das dem armen Verblichenen Erlösung und Frieden brachte, bringt seiner gebrochenen Witwe und seinen jammernden Kindern, von denen der älteste Knabe erst die Schule verließ, während zwei andere krank darniederliegen, den Kampf nm's Dasein? nein,um die Brodkrume