Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 12 (1895)
- Issue
- 43 (25.10.1895)
- Date
- 1895-10-25
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 783 Dr. Bloch's Wochenschrift. Nr. 43 Kinder mosaischen Glaubens gegen 1376 und 1280 in den Vorjahren. Realgymnasien besuchten 470 Schüler gegen 450, beziehungsweise 436 in den Vorjahren, und zwar das Communal-Realgymnasium im II. Bezirke 340 und das k. k. Staatsgymnasium im VI. Bezirke 130 israelitische Kinder. Realschulen besuchten 997 jüdische Kinder gegen 982 und 943 in den Vorjahren, und zwar die k. k. Staats Oberrealschulc im I. Bezirke 168 Privat-Unterrealschule ,, I. 14 k. k. Staats-Oberrealschule II. .. 196 k. k. Staats-Unterrcalschule , u. .. 184 k. k. Staats-Oberrealschule ui. .. 93 Privat-Unterrealschule ,, IU. 10 Communal-Oberrealschule IV. .. 49 k. k. Staats-Unterrcalschule ,, v. .. 11 Communal-Oberrealschule ,, VL „ 90 k. k. Staats-Oberrealschule ,, VD. „ 69 Privat-Unterrealschule ,, VH- „ 7 k. k. Staats-Oberrealschule ,, XV. „ 50 „ n n n „ XVIII. 56 Den percentuell größten Antheil nehmen die jüdischen Schüler respective Schülerinnen unter den Besucherinnen der höheren Mädchenschule ein; das Jahrbuch führt an, daß unter den 1200 Mädchen, welche solche Institute besuchten, 561 jüdischen Glaubens waren; es besuchten hievon das Mädchengymnasium des Vereines für erweiterte Frauenbildnng 20 Mädchen, das Lyceum Jeiteles 136, Liste 7, Luithlen 45, des Wiener Frauen Erwerbvereinrs 142, die Fortbildungscurse Gunesch 12, Hanausek 4, Simonson 13, Weiser 7. Szanto 6, Thilo 11, Mädchenunterstützungsverein 27. der evangelischen Gemeinden 75, Petritsch 1, Langer 2, Schulvereines für Beamtentöchter 52 und Winterberg 1. Ueber das städtische Pädagogium finden wir keine Daten; bei den Lehrer- und Lehrerinnen-Bildungsanstalten sind nachstehende Ziffern angeführt: es besuchten erstere 4 Personen, letztere 17, überdies aber die Privatbildungsanstalt für Kindergärtnerinnen 9 Mädchen und 1 die Lehrerinnenbildungsanstalt des k. k. Civilmädchenpensionates. Ueber die Zöglinge des Conservatoriums sind keine Daten angegeben; ebenso nicht bei der Mehrzahl der gewerblichen Lehranstalten. Dies ist umso mehr zu bedauern, als damit der den Juden so oft gemachte Vorwurf entkräftet würde, daß sie körperlicher Arbeit ausweichen. Daß dieser Vorwurf gänzlich unbegründet ist. erhellt übrigens aus den wenigen, bei den fachlichen Fortbildungsschulen angegebenen Ziffern. Letztere ergeben, daß die Fachschule für Anstreicher und Wagenlackirer 1 Bäckerlehrlinge im I. Bezirke 3 ,, ,, XIV. ,, 3 n n XVII. ,, 3 Buchbinder rc. 2 Buchdrucker, Schriftgießer 16 Drechsler 7 Gastwirthe 9 Gürtler, Broncearbeiter 1 Hoteliers 2 Juweliere rc. 13 Kleidermacher 5 Schlosser 4 Tapezierer 23 Uhrmacher 30 Zimmer- und Decorations-Maler 2 Zuckerbäcker 11 Lehrlinge mosaischen Glaubens besuchten; die allgemein gewerblichen Fortbildungsschulen für Lehrlinge und Gehilfen besuchten 304 jüdische Burschen, bei den für Mädchen waren 203 eingeschrieben. In den 70 gewerblichen Vorbereitungsschulen waren 402 jüdische Schüler, die Anzahl derselben in den fachlichen und allgemeinen gewerblichen Fortbildungs- und gewerblichen Borbereitungsschulen ist nicht ersichtlich, ebenso nicht ihre Anzahl in den Handelsschulen. Genaue Daten finden wir bei den staatlichen und städtischen Volksschulen; an den elsteren betrug die Zahl derselben 54, darunter 26 Knaben, in den letzteren 15.530, und zwar waren in den Bezirken: männliche weibliche zusammen I. 624 771 1.395 II. 3.061 3.614 6.675 III. 399 528 927 IV. 134 142 276 V. 149 161 310 VI. 276 305 581 VII. 263 299 562 VW. 97 146 243 IX. 483 596 1.079 X. 174 233 407 XI. 48 52 100 XII. 101 129 230 XUI. 45 46 91 XIV. 241 197 438 XV. 161 139 300 XVI. 264 243 507 XVII. 255 288 543 XVIII. 218 248 466 XIX. 74 146 220 in den Bürgerschulclasien 1340, 2480, 3820, allgemeinen Volksschulclassen 5727, 5803, 11 530. (Schluß folgt.) Die Juden der türkischen Hauptstadt. Im Gegensätze zu den Griechen und Armeniern haben die hiesigen Juden bis vor einigen Jahrzehnten für ihre geistige Entwickelung in weltlicher Hinsicht nichts gethan. Aus Spanien vertrieben, lebten sie seitdem in gänzlicher Zurückgezogenheit, daß aber ihre völlige Abgeschlossenheit einen furchtbaren Rückstand für ihr ganzes Außen- und Innenleben bedeutete, darum kümmerten sie sich, wenig. Sie wußten es vielleicht nicht. Immerhin scheint es, als ob sie fast 400 Jahre nötyig gehabt hätten, um sich von den Verfolgungen und Unterdrückungen zu erholen, deren Opfer sie in ihrer alten Heimat gewesen. Noch immer machen sie den Eindruck von einer gewissen Schüchternheit. Deshalb haben sie auch, statt sich kühn in den Lebenskampf wieder hineinzustürzen, es stets vorgezogen, in aller Abgeschiedenheit ihr ärmliches Dasein zu fristen. Auf diese Weise haben sie sich selbst zu bedauernswerther Unthätigkeit verurtheilt. Ihre natürlichen Gaben, die sicherlich herrliche Früchte für das Judenthum und das Vaterland getragen hätten, blieben unuusgenützt. Zugleich verrinLerien sich die angeborenen und mitgebrachten Fähigkeiten und sind viele guten Eigenschaften, die man ihren spanischen Vorfahren nachgerühmt, verloren gegangen. Natürlich gereicht ihnen diese Selbstvernachlässigung immer zum Nachtheil. Daher nimmt es Einem auch sehr Wunder, daß diesem beklagenswerthcn Uebelstande innerhalb der Juden im Orient nicht schon in den letzten Jahrhunderten abgeholfen wurde. Wie die Geschichte ausweist, hat es große Köpfe, leuchtende Geister unter ihnen genug gegeben. Keiner jedoch, so scheint es, hat für die geistige Hebung der jüdischen Bevölkerung etwas gethan. Sollten sie einfach keinen Sinn für diese Dinge gehabt hoben, oder war es schon die Furcht, daß mit der Zufuhr geistiger Nahrung, mit der Verbreitung von weltlicher Bildung dem Judenthume ein Schaden zugefügt werde, die sie davon abhielt? Die Negierung, das ist nachg - wiesen, hat freilich oft Besserung in diese Verhältnisse bringen wollen. Sie konnte jedoch nichts ausrichten, so lange die Juden nicht selbst zur Erkenntniß gelangten, daß sie sich aufraffen müssen, um aus dieser traurigen Lage herauszutreten. Es fiel ihnen aber trotz der jeweiligen Antriebe nicht ein, sich mit angemessener Mannhaftigkeit zu erheben, uni ihren Rückstand aus der Welt zu schaffen und durch angestrengtes Fortschreiten zu demselben Grad von Wissen und Können zurückzukehren, den sie in Spanien besessen. Vielmehr gewinnt man, wenn man sich ein wenig in ihre Geschichte vertieft, den Eindruck, als ob sie in ihrem Jammer und Elend alles Streben und Wollen verlernt, alle Fühlkraft für Ruhm und Ehre verloren hätten. Es ist dies ein trauriges Zeichen für ein Volk. Wenn es keine Sehnsucht nach einer höheren Lebensstellung empfindet, wenn es nicht den Wunsch hegt nach Aufschwung, Erfolgen und Errungenschasten, weiht es sich selbst dem Untergange, spricht cs sich selbst das Todesurtheil.... Freilich werden und können die Juden zu diesem Aeußersten nicht kommen. Davor bewahrt sie glücklicherweise schon ihre religiöse Erziehung^ ihr moralisches Empfinden. Trotzdem ist es eine wenig erbauliche Erscheinung, daß ihnen nicht der Gedanke kam, aus der Gleichberechtigung und den ander, n; wohlwollenden Zugeständnissen, die ihnen die ottomanische Regierung gewährt, die berechtigten Vortheile zu ziehen. Es blieb für sie