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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1895-10-25 · 43 (25.10.1895) · page 2

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
12 (1895)
Issue
43 (25.10.1895)
Date
1895-10-25
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 786 Dr. Bloch's Wo^rnfchrist. Nr. 43 Civilifation ablenkenden Wegen, von der Erhaltung der gesellschaftlichen Ordnung gesprochen und er hat seine Worte ausklingen lassen in die schöne und trostvolle Verheißung, daß das oberste Princip seiner Wirksamkeit und die unverrückbare Richtschnur seines Thun und Lassens die Gere cht i g k e i t sein werde. Nichts anderes wollen wir Juden in Oesterreich. Aber verschieden, wie die Ansprüche und Lebensbedingungen der einzelnen Menschen, sowie ganzer Völker und Bevölkerungsclassen, war zu allen Zeiten der Sinn, den man dem erhabenen Worte: „Gerechtigkeit!" unterlegt hat. Tie Worte des Grasen B a d e n i haben einen guten Klang, aber Alles kommt daraus an, welchen Inhalt er ihnen durch seine Thaten geben wird. Wir möchten den Umstand, daß der neue Cabinetsches die leidige Judenfrage und die antisemitische Bewegung nicht ausdrücklich in den Kreis seiner programmatischen Erklärungen gezogen hat, nicht von vorneherein in einem für unsere Glaubensgenossen ungünstigen Sinne deuten. Wir haben es erlebt, daß die besten Vorsätze sich in ihr Gegentheil verwandelten, daß die feierliche Versicherung, allen extremen Bestrebungen energisch entgegentreten zu wollen, in die Lust gesprochen war und daß trotz dieser Versicherung eine Regierung, welche sich zu dem Grundsätze der „Wahrheit" und „Offenheit" bekannte, die antisemitische Bewegung insgeheim und mit allen Mitteln macchiavellistischer Hinterhältigkeit gefördert hat. Es spricht nicht zu Ungunsten des Grafen Badeni, daß er nicht mit klingender Phrase sich als Drachentödter des Antisemitismus annoncirt, uni vielleicht späterhin sich selber Lügen zu strafen. Aber wenn er es mit seiner Werthschätzung der deutschen Cultur ehrlich meint, dann kann er, so glauben wir, unmöglich dem häßlichsten und giftigsten Auswüchse deutschen Wesens, dem Antisemitismus, weiterhin freie Bahn lassen; und wenn er wirklich die Umwälzung oder gänzliche Vernichtung der gesellschaftlichen Ordnung mit starker Hand verhindern will, dann kann er sich den verheerenden und zerstörenden Wirkungen, welche die Judenhetze auf alle unsere öffentlichen Verhältnisse geäußert hat, nicht verschließen. Die gesetzliche Anerkennung der staatsbürgerlichen Rechte der Juden war der Schlußstein in der Entwicklung Ungarns zu einem modernen Staate. Ein moderner Geist, eine wahrhaft staatsmännische Auffassung geht auch durch die Rede des Grasen Badeni. Mit diesem Geiste ist eine fernere Beschränkung derRechtsgleichheit der Juden, sei es auf gesetzlichem oder agitatorischem Wege, unverträglich. Die letzten Jahre haben es gezeigt, daß der Antisemitismus mehr ist, als die bloße Judenftage, daß er eine zersetzende Kraft ist, welche die Rechtsordnung des Staates und das friedliche Zusammenleben der bürgerlichen Gesellschaft untergrübt. Nicht nach seinen Worten, sondern nach seinen Thaten wollen wir den Grafen Badeni und sein Ministerium beurtheilen. Der Vorsatz, die bürgerliche Ordnung zu erhalten, schließt die Pflicht energischer Bekämpfung einer Bewegung in sich, welche die Zertrümmerung dieser Ordnung zum Ziele hat und welche selbst außerhalb dieser Ordnung steht. Begreift Gras Badeni diese Pflicht und hält er sich in diesem Punkte das Beispiel Ungarns vor Augen, dann wird die Zuversicht, mit welcher er heute an die Erfüllung seiner Mission geht, nicht zu Schanden werden. Diese Mission besteht aber in nichts Anderem, als auch die cisleithanische Reichshälfte zu einem modernen Staate zu machen, in welchem jeder Bürger — sei er welcher Nationalität und Confession immer — sein Recht findet. In jenem „patriotisch gesinnten und solidarisch vorgehenden Oesterreich", welches Graf Badeni als das Ziel seiner Regierung bezeichnet hat, kann auf die freudige Mitwirkung der Staatsbürger jüdischen Glaubens nicht verzichtet werden, und deshalb kann dieses Ziel nur erreicht werden, wenn alle Bestrebungen, welche auf die Beeinträchtigung der Rechtsstellung der Juden gerichtet sind, ebenso zurückgewiesen werden, wie in Ungarn. Geschieht dies, dann wird dem Grafen Badeni dieselbe Anerkennung aller wahrhaften Patrioten zu theil werden, deren sich heute der ungarische Ministerpräsident Baron B an ffy erfreut. Die Juden im statistischen Jahrbuchs der Stadt Wien. Von Dr. Arnold Ascher. Das vor wenigen Tagen erschienene statistische Jahrbuch der Stadt Wien für das Jahr 1893 gibt unter zahlreichen interessanten Daten auch näheren Aufschluß über die unsere Wiener Glaubensgenossen betreffenden Verhältnisse. Ungeachtet der außerordentlichen Mühewaltung der mit der Herausgabe betrauten Herren Magistratsrath Dr. Stefan Sedlaczek und Magistrats-Secretär Dr. Wilhelm L ö w y, ist es natürlich nicht möglich gewesen, nach jeder Richtung die speciell die israelitischen Mitbürger betreffenden Ziffern aufzunehmen, allein in vielen Beziehungen finden wir anregende Mittheilungen, welche auch das Interesse weiterer Kreise in Anspruch nehmen dürften. Die im vorjährigen Jahrbuche veröffentlichten Zählungsergebniffe nach der Bearbeitung durch die k. k. statistische Centralcommission wurden diesmal nicht wiederholt, so daß blos die Ziffern nach dem Stande am Ende des Jahres 1890 angegeben werden können. Damals wurden Israeliten gezählt: I. II. III. IV. V. Bezirk ge sammle Bevölkerungszisfer Juden männlich weiblich zusammen I. 67.029 6.515 6 304 12.819 II. 158.374 24.942 24.156 49.098 lll. 110.279 3.641 3.663 7.304 IV. 59 135 1.246 1.083 2.329 V. 84.031 1.359 1 326 2.685 VI. 63.901 2.433 2.199 4.632 Vll. 69 859 2.377 2.117 4.494 Vlll. 48.976 1.101 930 2031 IX. 81.170 6.247 5.704 11.951 X. 84 813 1013 1.085 2.098 XI. 28.685 229 221 450 XII. 60.866 701 716 1.417 xm. 44.006 328 347 675 XIV. 54.341 1.156 1.104 2.260 XV. 44.162 1.027 1.241 2.268 XVI. 106 861 1.694 1.675 3.369 XVII. 74.657 1.620 1.625 3.245 XVIII. 68.862 1.774 1.592 3.366 XIX. 31.890 622 666 1.328 Militär 22.651 676 Zusammen 1,363.548 60.741 57.754 118.495 Aus den über die Eheschließungen angeführten Ziffern ist zu ersehen, daß im Jahre 1893 von 13.076 Männern 805 Männer und von 13.076 Frauen 814 Frauen mosaischen Glaubens sich verehelichten, erstere schlossen mit 782 Bräuten mosaischen und 23 confessionslosen Bräuten die Ehe; letztere verheirateten sich an 782 Juden und 32 Confessionslose, im Ganzen waren demnach 32 Mischehen. Vor den jüdischen Seelsorgern fanden im Ganzen 780 Trauungen statt, und zwar 116 außerhalb Wiens, von den übrigen in den Bezirken: I. 71 XI. 1 II. 304 Xll. 2 III. 43 XIII. 4 IV. 7 XIV. 11 V. 18 XV. 14 VI. 22 XVI. 23 Vll. 25 XVll. 19 Vlll. 13 XVIII. 9 IX. 60 XIX. 2 X. 16 Durch einverständliche Scheidung wurde die Ehe in 8 Fällen gelöst, ohne Einverständniß in 2 Fällen, eine Ehetrennung kam bei 48 Fällen vor. Von den im Jahre 1893 lebend geborenen 50.327 Kindern waren 1538 männliche und 1409 weibliche mosaischen Glaubens, und zwar wohnten mit Rücksicht auf den Wohnort der Mutter:

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