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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1895-10-18 · 42 (18.10.1895) · page 19

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
12 (1895)
Issue
42 (18.10.1895)
Date
1895-10-18
Page
– (sequence 19)
Language
German
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Nr. 42 Seite 783 Dr. Blortz's Wochenschrift Die Baronesse flammte vor Entzücken über den Muth des Lehrers. Aber die übrige Gesellschaft klatschte ironisch: „Herrlich! herrlich! Sie müssen uns Sündern eine Predigt halten, Herr Kandidat. gleich, sofort, denken Sie sich, wir sind Hhre Gemeinde und Sie stehen auf der Kanzel!" Der Lehrer merkte zwar den Spott, aber wie von einer hehren Macht inspirirt, begann er: „Jenseits des Oceans lebt eine Religionsgesellschaft, man nennt sie die Quäker, die hat keine Prediger. Wen von der Gemeinde man zum Predigen auffordert, der predigt. Eine solche Religionsgenossenschaft ist auch das Judenthum; wir haben keine geweihten Prediger. Sie fordern mich zu diesem Amte auf: nun den —" Und wie verklärt sprach er von der Entartung der jüdischen Großen, von dem Mißbrauch des Reichthums und den Folgen, die deswegen über kurz oder lang im gesellschaftlichen Leben und Verkehr mit den Völkern eintreten müssen. Das war eine wunderbare Predigt. Sie erschütterte diese Religionsspötter. Und als der Prediger erschöpft in einem Sessel sank, schlich sich einer nach dem anderen der Gesellschaft weg, der junge Baukierssohn, der das Ganze provocirte, war der erste, der sich empfahl. Zuletzt waren in dem Saal nur noch der Lehrer, der verstört wie ein Prophet aussah, wenn die Vision, der göttliche Geist, von ihm gewichen, und die Baronesse, voll süßer, heiliger Schauer. Zum ersten Mal standen sie sich gegenüber — allein, in Gedanken eines mit dem anderen beschäftigt. Am nächsten Tage schon hingen die Portraits der Urgroßeltern im Empfangssalon des Schlosses. Eine andere Wirkung jener improvisirten Predigt trat viel später und erst nach harten Kämpfen in die Erscheinung. Zwei Jahre darauf fand im Schlöffe eine Hochzeit statt. Der Rabbinerssohn heiratete die Baronesse. Er trat an die Stelle seines Vaters und sie war stolz auf den Titel: Frau Rabbinerin. Ihre Brüder, die jungen Barone, verarmten, und das Schloß kam wieder in nichtjüdischen Besitz, was ja das Los alles jüdischen Reichthums ist. Literatur. Maimontdes als Arzt, von Dr. I. Münz, Rabbiner in Bereut. Verlag.von Siegm. Mayer, Trier 1895. Von populären Darstellungen wissenschaftlicher Themen wiro gemeiniglich, zumal aus dem Gebiete der jüdischen Wissenschaft, auch ein moralischer Zweck verbunden, Sie soll, so wünscht nicht nur der gedankenvolle, sondern selbst der schlichte jüdische Leser ganz unwillkürlich, irgend eine höhere Wahrheit veranschaulichen, eine erhabene Idee implicite enthalten, die ihm beim Durchlesen klar vor's geistige Auge träte. Ob auch nicht erst hervorgehoben zu werden braucht, daß es nicht dieser Maßstab ist, der den literarischen Werth bestimmt und bestimmen darf, wenn anders die Literatur nicht auf Abwege gerathen soll, so darf doch nichr mit Schweigen übergangen werden, daß dieses Ingrediens gerade heute, wo das Gefühl der Selbstlosigkeit, Aufopferung und edler Menschenliebe inemer seltener wird, sehr beachtet zu werden verdient. Es muß darum dem Verfasser obiger Schrift als umso größeres Verdienst angerechnet werden, in seiner Arbeit nicht nur den weitestgehenden Anforderungen der gelehrten Zunft und formellen Rücksichten auf Schönheit der Sprache und Klarheit der Darstellung gerecht worden zu sein, sondern auch — und dies ganz unbeabsichtigt — dem Proteste gegen Vermaterialisirung der Gesellschaft Ausdruck verliehen zu haben. Mit einer Bienenemsigkeit hat er den Stoff zusammengetragen, wobei er ihn geradezu erschöpft hat und von der besonnenen kritischen Sonde reichlich Gebrauch gemacht. Der Verfasser, der sich bereits in der Maimonides-Forschung*) und über die jüdischen Aerzte im Mittelalter**) die literarischen Sporen verdient hat, hat durch seine jetzige Arbeit bewiesen, daß er einer der besten Maimonides- Kenner und ein geistvoller populärer Darsteller ist. Es ist ein gelungenes Conterfei Maimonides' als Arzt, das uns hier geboten wird. Bald als praktischen, bald als schriftstellerisch thätigen Arzt sehen wir ihn hier nnd sind während dieser seiner Thätigkeit im Stande, auch seine Gefühlswelt bewundernd zu betrachten. All dies mit einer evpienartigen Genauigkeit und einer Schärfe der Contouren dargestellt, wie sie uns ein literarisches Bild gar selten geben kann. K r a k a u. I. .H o l z e r. *) Vgl. denselben: Die ReligionsphilosvPhie des Maimonides und ihr Einfluß, Berlin 1887. **) Vgl. denselben: lieber die jüdischen Aerzte im Mittelalter, Berlin 1887, Briefkasten. Wien, II. ,,S." Beamter. Sie ersuchen uns, Allen, welche einem antisemitischen Wäscheputzer Arbeit und Verdienst zuwenden wollen, nur Herrn Andreas Helmich II., Untere Augartenstraße 23, angelegentlich zu empfehlen. Hiermit gerne geschehen. Tulln „K. K." Sie werden begreifen, daß wir im gegenwärtigen Momente die Zuspitzung und Verschärfung der Gegensätze innerhalb des Judenthum-7 selbst nicht zu unserer Ausgabe mache» können. — Gruß. I. Koref, Prag. Die Beantwortung derlei Fragen überlassen wir grunosätzlich dem zuständigen Rabbinar. Hannover. »Hier exo--. Danken sür die „Evangelische Kirchen- Zeitung." In einem Aussatz über die Besetzung geistlicher Aemter mit positiv gesinnten Pastoren schreibt Herr Holtzheuer: „Ist nicht Stöcker zu Vorlesungen über Ethik (J), um nur die zu erwähnen, in einer Weise befähigt, daß diese Disciplin, von ihm gelehrt, alsbald ein Brennpunkt der gesammten theologischen Ausbildung auf der Universität werden würde, in deren Lehrkörper er, wenn auch ebenfalls nur nebenamtlich eintrete? " Zürich. »Carlo Z.« Der antisemitische Wucherer Scdlatzek hat sich also nack der Schweiz geflüchtet und ist dem Anträge der Breslauer Staatsanwaltschaft entsprechend aui Beschluß des Bundesgerichts in Zürich verhaftet, von dort nach Breslau transportirt und in das Untcrsuchungs-Gefängniß eingeliesert worden. Gegenwärtig finden die Vernehmungen der bewucherten Schüler statt. — Für die zugesagten weiteren Berichte im Voraus Dank. Wien. „Schöllerhof Ihre Mittheililng, daß der Greißler im Schöllerhof Heinrich Rakowsky ein enragirter Antisemit ist, nehmen und geben wir zur Kennrniß. Rew^ork. Tr. L—svn. Auf ihre Bemerkungen in puncto Blutmärchen verweisen wir sie auf Goerhe's Sprüche in Prosa: „Der Aberglaube flüchtet sich, wenn man ihn ganz und gar zu verdrängen denkt, in die wunderbarsten Ecken und Winkeln, von wo er auf einmal, wenn er einigermaßen sicher zu sein glaubt, wieder hervorbricht." Wien. 3/3. „Wollen sich die Inden der Gerechtigkeit und des Wohlwollens erfreuen, so müssen sie selbst mit gutem Beispiel vorangeheu und strenge Gerechtigkeit üben, nicht aber Parteilichkeit und Proiectionswesen fördern oder sich unberechtigter Einmischung schuldig machen/' Vollkommen einverstanden. Das Meritorische Ihres Schreibens zur Kenntniß genommen. Warum anonym? Wien. M. Ui., stud. med. Ihre Anfrage ist rein bnchhändlerischer Natur und entzieht.sich einer redactionellen Beantwortung. Wien. S. G. Es ist zu mindestens unwahrscheinlich, daß Sie die Bewilligung zur Eheschließung so rasch erhalten, wenn auch nicht ganz ausgeschlossen, wenn urgirt wird. Wir würden Ihnen empfehlen, in Preßburg zu heiraten. Wien. Philo ogus K—hn. Sie verstehen das Jubel-Gedicht der vom luror poeticrw besessenen Spitzer-Weimar'schcn (!) Schmäh- Schnorrpost nicht. Wir auch nicht. Die Juden sollen durch die Gemeindei aths-Wahlen unter Anderem gemahnt werden An das Zirpen von Cicaden (?) Bei des Waldbachs mächt'gem Tosen, Aus Empfinden von im Bergsturz Mitgerissenen Mimosen — (!!) An die Ohnmacht des Belsazar, Als der Schuldspruch vor ihm flammte, Der den schwelgenden Despoten lind sein Herrscherthum verdammte! Die Form ist die Form des Juden Heine, aber der Inhalt ist der krystallisirte Blödsinn der Reichspostillone. Wien. Frau Camilla S. Sie besuchen Theater und Concerte und sehen gar nicht ein, warum Sie sich in Ihrem Vergnügen stören lassen sollten'? —Die „Reichspost" schreibt in ihrer muckerischen Recension der Operette „Das Modell". „Mau denke nur an die neue Einrichtung, daß an allen numerirten Sitzplätzen hübsche und gute Operngläser in roth - sammtenen Etuis angebracht sind, welche gratis beigestellt und nach jeder Vorstellung unter ärztlicher Controls antiseptisch gereinigt werden! (Das Carltheater befindet sich nämlich in der Leopoldstadt. Die Red.)" I. Kahn, Tulln. Mit Rücksicht auf die antisemitische Strömung konnten wir die Einsendung nicht publiciren. Wien, Lügenblatt „Reichspost". In Ihrer Nummer vom 13. Oktober 1895 tischen Sie Ihren leichtgläubigen Lesern eine angebliche Rede eines englischen Oberrabbiners John Readclif aus dem Jahre 1880 aus, welcher unter Anderem auch gesagt haben soll: „Wenn wir uns zu alleinigen Besitzern alles Goldes der Erbe gemacht haben werden, wird die wirkliche Macht in unsere Hände übergehen, und dann werden sich die Verheißungen erfüllen, welche unserem Vater Abraham gemacht worden sind. Da die christliche Kirche einer unserer gefährlichsten Feinde ist, müssen wir mit Beharrlichkeit darauf hinarbeiten, ihren Einfluß zu untergraben; man muß dann so viel als möglich unter intelligenten Kreisen, welche sich zur christlichen Religion bekennen, die Ideen der Freigeisterei, Skepticimns und des Schismas verbreiten und religiöse Streitigkeiten helbeisühren. »velche ganz natürlich den Keim der Spaltungen und der Sectenbildnng im Christenthnm in l sich tragen.

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