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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1895-10-18 · 42 (18.10.1895) · page 16

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
12 (1895)
Issue
42 (18.10.1895)
Date
1895-10-18
Page
– (sequence 16)
Language
German
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Seite 760 Dr. Blvch's Wochenfrizrist. Nr. 42 Familienkreise still zu begehen. — Ich sreue mich daher, daß meine geehrten Freunde, zu denen ich auch durch mannigfache mir gelieferte Beweise den hierortigen löbl. Cultusvorstand zähle, in der Verwirklichung dieses meines Vorhabens mich unterstützt und von jeder äußeren Ehrung, von welcher ich niemals ein Freund war, abgesehen haben. — In dem erfreulichen Bewußtsein, daß der tiefste Friede in meiner Gemeinde, wie ich es zu wiederholten Malen ausgesprochen habe, ununterbrochen herrscht, besteht meine größte Ehrung. Dr. E. Hoff, Bezirksrabbiner. Mit Bezug auf die Correspondenz aus Proßnitz in der vorwöchentlichen Nummer Ihres geschätzten Blattes, das fünfundzwanzigjährige Jubiläum des Rabbiners Dr. H o f f betreffend, bitte ich nachstehendes Schreiben, bas ich an den Herrn Jubilar gerichtet, gefälligst veröffentlick en zu wollen. Euer Ehrwürden! „ Die Vollendung der fünfundzwanzigjährigen seelsorgerlichen Thätigkeit in .meiner Vaterstadt Proßnitz gibt mir freildige Veranlassung, Euer Ehrwürden auf's Wärmste zu beglückwünschen. Möge die allgütige Vorsehung Euer Ehrwürden ad multos anuüs in voller körperlicher Kraft und ungetrübter geistiger Frische erhalten, zur Freude Ihrer Familie und zur Zierde meiner Vaterstadt Proßnitz, die die Ehre hat, Euer Ehrwürden als Seelsorger zu besitzen. Milfolgende kleine Aufmerksamkeit bitte als schwachen Beweis meiner Anerkennung und Dankbarkeit geneigtest entgegennehmen zu wollen. Mit dem Ausdrucke vollster Hochachtung und tiefster Verehrung verharre Euer Ehrwürden ergebenster Eduard Beer. Wien, 18. Oktober 1895. Mähr.-Ostrau. Herr Rabbiner Dr. Leopold Goldschmied hat sich mit Fräulein Gisela Guttmann aus Mähr.-Ostrau verlobt. Biala, 13. October 1895. Herr Rabbiner Dr. N. Glaser feiert am 2. November d. I. das Jubiläum seiner fünfundzwanzigjährigen Amtsthätigkeit in der Cultusgemeinde Biala-Leipnik. London. Die Königin hat das Mitglied des Unterhauses, Herrn Julian Ritter von G o ldsm id zum Geheimrath zu ernennen geruht. Diese Auszeichnung ist eine umso größere, als sie in der Regel 'nur solchen Mitgliedern des Unterhauses verliehen wird, die dem Ministerium angehören. „Sehr Ehrenwerther" (Hight Honourable) — Titel der jnngenn Söhne von Grafen, der auch einem Geheimrath gebührt — setzt besondere Leistungen im parlamentarischen Leben voraus; ja, es ist in gewissem Sinne die höchste politische Auszeichnung. Im vorliegenden Falle ist er in hohem Grade verdient. Herr Julian Ritter v. Goldsmid hat an parlamentarischen Angelegenheiten thätigen Antheil genommen von der Zeit ab, da er nach dem Tode seines Vaters, des Herrn Frederick von Goldsmid als Abgeordneter von Honiton im Jahre 1866 zuerst in das Unterhaus trat. Während seiner ganzen parlamentarischen Laufbahn ist er ein wichtiges Mitglied und Jahre hindurch Präsident mehrerer Ausschüsse gewesen. Alle politischen Parteien werden darin übereinstimmen, daß die hohe Auszeichnung noch niemals mit größeren. Rechte verliehen wurde. Unser erster Glaubensgenosse, der zum Geheimrath ernannt wurde, war der verewigte Georg Ritter von Zessel, der im Jahre 1875 zum Ober-Archivar ernannt wurde. Galgöcz. Die hierorts gebornen, in New-Jork lebenden Herren Adolf und Anthony Wallach haben zum Baue einer Schule 2000 st. der Jsraeliten-Gemeinde Galgücz gespendet. Die wohltbätigen Herren haben schon früher 5000 fl. zum Baue eines Spitals gegeben. Frankfurt a. M, 8? October 1895. („Verlassene Kinder".) Der Polizeibericht meldet: „Gestern wurden einem Schutzmann vom israelitischen Hilfsveein zwei Knaben von 9 und 7 Jahren übergeben. Die Kinder gaben an, ihr Vater Abraham D a n s k y aus Jerusalem habe sie und ihre Mutter in „Gailingen" in Baden heimlich verlaffen. Ihre Mutter sei dann mit ihnen hierher gereist und habe einige Tage hier logirt. Am Dienstag Nachmittag sei ihre Mutter mit der Bahn ebenfalls abgereist und habe sie mit der Weisung zurückgelassen, sie sollten sich an den türkischen Consul wenden. Feuilleton. Die Tortur durch die Hoffnung. Bon A. de Villiers de L'Jsle Adam. Autorisirte Uebersetzung. Motiv: — „O, eine Stimme, ein Stimme, um zu schreien!" E. A. Poe (Der Brunnen und die Uhr.) Beim Sinken eines Tages von ehedem wars und in den unterirdischen Gewölben des geistlichen Gerichtshofes von Saragossa; da stieg der ehrwürdige Pedro Arbuez d'Espila, sechster Prior der Dominikaner von Segovia, dritter Großinquisitor von Spanien, gefolgt von einem fra redemptor (Hauptfoltermeister) und unter Bortritt zweier laternentragender Vertrauter des heiligen Officiums, hinab zu einem der entferntesten Kerker. Das Schloß einer massiven Thüre kreischte: man drang in ein mephitisches in-paoe, wo der Leidenslag, dessen Licht von oben einfiel, zwei an die Mauern befestigte Ringe, eine blutgeschwärzte Folterbank, ein Kohlenbecken und einen Krug zeigte. Auf einem Lager aus Dun^.stroh, von den Stricken aufrecht erhalten, den Hals in einem eisernen Ring, saß ein zerlumpter Mann, dessen Alter nicht mehr unterscheidbar war. Der Gefangene war niemand anderer als der Rabbi Äser Abarbanel, ein arragonischer Jude, der, des Wuchers und der unerbittlichen Geringschätzung der Armen beschuldigt, seit mehr als einem Jahre täglich der Tortur unterworfen wurde. Trotzdem, da „seine Verblendung so hart war wie sein Fell", hatte er bisher die Glaubensabschwörnug verweigert. Stolz auf eine Geschlechtsfolge von mehreren tausend Jahren und das Alter seines Stammbaumes, denn jeder Jude, der dieses Namens würdig, hält mit Eifersucht auf sein.Blut, leitete er seinen Ursprung nach dem Talmud von Othoniel ab und daher von Jpsiboe, der Frau des letzten Richters von Israel, — ein Umstand, der seinen Muth auch in den schlimmsten seiner unaufhörlichen Qualen aufrechterhalten. Mit Thränen in den Augen beim Gedanken, daß diese so starke Seele sich derart vom ewigen Heile ausschloß, näherte sich der ehrwürdige Pedro Arbuez d'Espila dem erschauernden Rabbi und sprach diese Worte: „Freue dich, mein Sohn; deine Prüfungen hienieden nehmen nun ein Ende. Habe ich auch gegenüber so viel Verstockung mit Seufzen sehr vielerlei Härten gestatten Uiüssen, so hat meine Aufgabe brüderlicher Zucht dennoch ihre Grenzen. Du warst der widerstrebende Feigenbaum, der so lang ohne Früchte blieb und nun Gefahr lauft, zu vertrocknen . . . doch nur Gott allein bestimmt über deine Seele. Vielleicht daß die unermeßliche Gnade dir leuchten wird in deinem letzten Augenblick! Wir müssen es hoffen! Es hat Beispiele gegeben . . . . Also sei es! — Ruhe denn diese Nacht in Frieden. Morgen wirst du an dem Autodafe theilnehmen. das heißt, du wirst dem Quemadero ausgesetzt werden, dem Rost, der die ewige Flamme vorbereitet: er sengt, wie du weißt, mein Sohn, nur aus der Ferne und der Tod braucht mindestens zwei (oft drei) Stunden, um zu kommen, weil wir ja Sorge tragen, Stirn und Herz unserer Holokausten durch nasse Tücher zu verwahren. Ihr werdet blos dceiundvierzig an der Zahl sein. Bedenke, daß du, als der letzte in der Reihe, die Zeit hast, Gott anzurufen, ihm diese Feuertaufe anzubieten, die vom heiligen Geist ist. Vertraue also auf das göttliche Licht und schlafe." Als er diese Rede geendigt, ließ Dom Pedro Arbuez den Unglückseligen entfesseln und umarmte ihm hierauf zärtlich. Dann war die Reihe am fra redemptor, der ganz leise den Juden bat, ihm zu vergeben, was er ihn hatte dulden machen, um ihn zu erlösen; — zuletzt umhalsten ihn die Vertrauten, deren Kuß durch die Gugel stumm war. Nach beendigter Ceremonie wurde der Gefangene allein und bestürzt in der Fiusterniß zurückgelassen. Mit trockenem Mund, das Gesicht vor Leiden wie verblödet, betrachtete Rabbi Äser Abarbanel anfangs ohne besondere Aufmerksamkeit die verschlossene Thür. — „Verschlossen?" . . . Dies Wort erweckte in seinen tiefsten Tiefen eine Grübelei. Er

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