Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 12 (1895)
- Issue
- 39 (27.9.1895)
- Date
- 1895-09-27
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/3020846-3021061-3021101--04930-3029141- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 720 Dr. Bloch's Wochrnfchrifi. Nr. 39 eine Unterbrechung, Frau Gobeles, als unparteiischer Zuhörer,? Ihrer Auseinandersetzungen mit Herrn Ruffer!" fiel ich ihr in's Wort. „Ich kann eine begründete Veranlaffung zu einem so gereizten Wesen, wie Sie es gezeigt haben Herrn Ruffer gegenüber, nicht finden! Sie nehmen mir das nicht übel, verehrte Frau, aber ich habe die Empfindung, daß dieses alte Beinkleid nichts weiter sein soll, als das greifbare Object für die Auslaffung Ihres Zornes gegen Herrn Ruffer — eines Zornes, dessen Ursprung entschieden viel tiefer liegt, eine weit wichtigere Sache betrifft, als eine solche Bagatelle." Ich wollte nämlich endlich erfahren das traute Geheimniß zwischen Sarah und Ruffer, das Geheimniß, das bereits die halbe Welt kannte. „Ae Chochim.^) was Se find, gar gebenscht.2) Ruffer sitzt doch da, laß er erzählen." Das Eis war offenbar gebrochen. Ich hatte Stimmung gemacht. Wie von einem schweren Alp befreit, sagte Seifensteiner: „Gott sei gedankt." ,,Omein",3) murmelte Jeiteles. — „Wolssohn, bringen Se uns ä Glas Bier und ä Würschtl." — „Ei weh, seh der nor an den Seifensteiner, was ist mit Ihnen los? Ae so splendide? Seifensteiner muß in der Lotterie gewonnen haben!" rief elektrisirtJeiteles. — „Was heißt splendid? For wen? For mich!" erwiderte Seifensteiner trocken. — „Aber mir gestatten Sie doch, Sie zu einem Glase Bier mit obligatem Würstchen emzuladen? Bitte, Herr Wolfsohn, heda, Wirth, laffen Sie uns fünf Glas Bier — Herr Aron, wenn ich bitten darf? — Ob Se derfen, sehr gern, geehrter Herr, Se wissen —" „Ich zahle die höchsten Preise in baar," fiel ich ihm schnell in's Wort, „also fünf Bier und Würstchen bringen." — „Ei weh, die Leit werden doch gar meinen, mer essen mit dem Kaiser," schmunzelte Aron, sich zu uns setzend. — „Verzeihen Se, geehrter Herr, die Frage: Wer sennen Se?" frug mich Sarah sehr freundlich. „Ich bin das versöhnende Element, ich bin der Ausersehene, Sie mit Herrn Ruffer zu versöhnen." — „Haste Gemith," sagte Aron zu Jeiteles. „Ob's ä Gemith is," bestätigte Jeiteles dem Aron. „Was Se meinen, geehrter Herr," fuhr Sarah fort, „weiß ich, aber verstanden Hab' ich Se osser." 4) „Nun reden Se schon, Frau Sarah, drücken Se los das Geheimniß von Ihrer geehrten Brust," animirte sie Seifensteiner. ,Laß doch Ruffer reden!" — Wenn Se mehr versprechen, Frau Sarah, m,ich nicht zu unterbrechen, will ich reden." — „Ist mer so w as vorgekommen, Hab' ich Se schon einmal im ganzen Leben unterbrochen, geehrter Herr Ruffer? Wolfsohn brachte eben das bestellte Frühstück. „Alle jüdische Kinder gesagt solche Werschtel5) die kriegen Se nor bei Wolfsohn, geehrter Herr," behauptete Aron. Als wenn nie etwas zwischen Sarah und Ruffer vorgefallen wäre, saßen sie und aßen sie jetzt friedlich nebeneinander, ohne ein Wort zu sprechen. — „Ae Spaß Jeiteles, acheln6) Se, was jogen Se sich die Worscht so hinunter? Es steht doch Keiner mit ä Peitsch' hinter Ihnen und das Schennste *) und Beste von der Worscht, de Zippels,8) loßt er liegen," dgHiit nahm sie ihm Seifensteiner vor der Nase weg und aß sie mit Wohlbehagen auf. Die Würstel waren gegessen, Ruffer benutzte zum Unterschied von den anderen sparsameren Freunden sein großes, buntes Taschentuch als Serviette, trank sein Bier aus und sagte: „Nu werd ich Ihnen was erzählen, da werden Se die Hände über'n Kopf zusammenschlagen, aber selbstverständlich unter Discretion vor Alle. Soll ich tackesch erzählen, Frau Sarah?" Sie nickte zustimmend und Ruffer begann: „Wie ich Ihnen schon gesagt habe, find wir zusammen' ausgewachsen. Sarah hat sich verheiratet, ich Hab' mich verheiratet, jung, sehr jung — d. h. — ich! — „Ae Chutzbe,,0) dabei war ich noch 6 Monat jünger zur Chaffeue.") als Ruffer." — „Nu da haben Se's doch — sie läßt Einen nicht reden." — „Reden Sie nur, nit ä Wort soll man sprechen können," entschuldigte sich Sarah. „Wmn wir auch nicht verwan t sind, was übrigens noch gar nicht so erwiesen ist, haben wir doch viel zusammen verkehrt und waren gute Freunde geblieben. ') kluger Mensch. (Fortsetzung folgt.) 2) gesegnet. 3) Amen. 4) entschieden nicht. 5) Würstel. *) essen. 7) Schönste. 8) Wurstenden. 9) wirklich. 10) Unverschämtheit. ") Hochzeit. ' I Briefkasten. O. H. Coustantinopel. Oberkirchenrath Dr. Theodor Kroner in Stuttgart. Mitarbeiter Petersburg: Die Wiederholung geschah auf Wunsch der Familie Guttmann. Wien. E. B. Zu unserem Bedauern haben Sie uns den Bericht, den wir gebracht hätten, viel zu spät eingeschickt. Wir können doch jetzt nicht die Vorgänge im August behandeln. Eger. K—g. Sie machen uns auf die Stelle in den Gedichten des antisemitischen Poeten Polzer aufmerksam, welche in jüngster Zeit erhöhte Bedeutung gewonnen hat: „Fetzt geht die Zeit mit Lüg' und Bosheit schwanger, Und Treu' und Wahrheit steh'n verfehmt am Pranger, Zu Würden kommt der rückenkrume Wicht. — Dein graden Manne spuckt man ins Gesicht." Aus der Schule geschwatzt! — S. R. Landau: Reichskanzler Caprivi war nicht preußischer Minister des Innern. Agram. P. Ihre Anregungen sind werthvoll und machen sowohl Ihrem Geiste als Ihrem Herzen alle Ehre. Doch werken Sie zugeben, dast ein so hochwichtiger Schrill vorher gründlich durchdacht und wohl überlegt sein will. Es wird nämlich nicht blos hin, sondern auch zurückgeschossen. Prag. Leopold M. Die verrücktes Sprachreiniger erzeugen die ungeheuerlichsten Neugebilde. „Wehrher^' für Ofsicier ist wirklich großartig. Ob der bedauernswerthe jüdische Soldat von einem Wehrherrn oder Ofsicier chikanirt wird, dürste sich für ihn wohl ziemlich gleich bleiben. Tulln. St. M. Sie sind also auch angebettelt worden? — Schönerer schreibt in seinem Blättchen sehr lieb über den politischen „Farbenwechsler" Lueger: „Und ein solcher Mensch wagt es heute, die Provinzbewohner, von denen er els ,.Ur-Wiener" gern „loskommen will", die er als ein Unglück für Wien zu betrachten scheint, anzufechtrn um Geldspenden, welche ihm die Besteigung des Wiener Bürgermcisterstnhles mittelbar ermöglichen sollen. So etwas soll „christlich", vielleicht deutsch sein? Nein, so etwas ist mehr als slavisch, das ist semitisch — nein, noch etwas mehr — das ist echt Verganisch. In einem jeden öffentlichen Geschäfte, in allen Gasthäusern des flachen Landes Niederösterreichs sollte jene Beleidigung der Bewohner des flachen Landes öffentlich angeschlagen werden, damit er den Mnth verliert, die Provinzbewohner noch länger mit der unbefugten Bettelei für seinen „Wahlfond" zu belästigen. Ausser Stande, für die vielen Liebeszeichen, die uns anlässlich des Rosch Haschonoh-Festes geworden, einzeln zu danken, sprechen wir auf diesem Wege all denen, die sich freundlichst unser erinnerten, unsern besten Dank aus. Dr. Gustav Kohn und Frau. Bibelschule I., Seitenstettengasse Nr. 4. Die Einschreibungen an der Bibelschule I., Seitenstettengasse Nr. 4, finden Sonntag den 29. September und Sonntag den 6. October jedesmal von 10 bis '/-12 Uhr statt. .. II., Tempelgasse Nr. 3 Die Einschreibungen an der Sprach- und Bibelsehule II., Tempelgasse Nr. 3, finden Sonntag den 29. September von 11 bis 12 Uhr und Mittwoch den 2. October von 5 bis 6 Uhr Abends im Locale daselbst Statt Der Vorstand der israelitischen Cnltnsgemeinde. Wien, am 23. September 1895. Mit Erlass eines hohen k. k. Ministeriums für Cultus und Unterricht vom 10. Mai 1888, Z. 7020, wurde „Das Synagogenjahr“ Leitfaden der jüdischen Liturgik von Adolf Hiawatsch Preis 40 kr* zum Gebrauche beim Religionsunterrichte für die höheren Classen sowie der Bürgerschulen zulässig erklärt. Die Jüdische akademische Lesehalle IX., Harmoniegasse 8, verschafft mittellosen Studenten Lectionen und ersucht das P. T. Publicum, ihr allfällige 1 Adressen zukommen zu lassen. Herausgeber u. verantw. Redakteur: Dr. Josef 8. Bloch- — Druck v L. Beck & Sohn, Wien, VIII., Lerchenfelderstr. 46. 514207