Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 12 (1895)
- Issue
- 38 (18.9.1895)
- Date
- 1895-09-18
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
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Seite 700 Nr. 38 Dr. Bloch's Wochrnfchrifk. heißt der Wirth. Sarah konnte sich so schnell nicht über Ruffer's Rathschlag, „daß sie lernen solle", beruhigen, sie murmelte fortwährend vor sich hin und trank mit Hast das bestellte Glas Bier aus. „Wissen Sie, woher der ganze Streit zwischen den Beiden kommt, geehrter Herr? Von ä Paar alte Hosen." Wolf Ruffer hatte sich wieder an seinen Tisch gesetzt. „Was zankt Ihr Euch 'rum mit der Sarah?" warf ihm der Rumänier vor, der genau so gut „jüdisch-deitsch" sprach, wie Ruffer und Seifensteiner. „Ich zank' mich gar nischt herum, lass' se platzen," erwiderte gleichgiltig Ruffer. Ich hatte mich en passant an den Tisch herangesetzt, bat den Seifensteiner um Feuer und hielt ihm, wie seinen beiden Freunden mein Cigarrenetui, sich zu bedienen, hin. Sie nahmen sich Jeder eine Cigarre, etwas erstaunt zwar, aber sie nahmen sie und zündeten sie sich an. „Haben Sie denn der Frau Sarah etwas gethan?" frug ich den Ruffer. — „Gott bewahre, die ganze Maaffe') kam nämlich so. — Wir kennen uns schon unberufen ä halbe Ewigkeit und sind immer gut miteinander ausgekommen. Sie ist aus Posen und ich bin aus Posen! Da ist aber nischt mehr zu holen und so bin ich nach Berlin gezogen. Es hat gar nischt lang gedauert, war Sarah Gobeles auch da. Ich Hab' angefangen, mit alte Kleider zu handlen, hat sie auch angefangen, mit alte Kleider zu handeln. Es ist ihr gar nicht schlecht gegangen, aber sie wollte immer oben an sein, Alles sollte tanzen nach ihrer Pfeife. Gott soll hüten, wenn Loebel, was ihr Mann ist, wagen sollte, ihr zu widersprechen, nit erleben soll man's! — Ich habe gehabt zwei Kinder, hat sie schon gehabt fünf, ich Hab' immer noch gehabt die zwei zu gesund bis hundert Jahr, hat sie schon neun! Natürlich will das ernährt sein, leicht ist es nicht, und ich kann nicht anders sagen, als daß die Sarah eine sehr fleißige und tüchtige Frau ist, aber sie kann nicht sehen, wenn ä Anderer auch etwas verdient. Ich bin Experteurj) ich kauf', was mer unter die Händ' kommt, fall ich mal rein mit 'ner Kleinigkeit, nu schön, fall ich auf der andern Seite wieder raus, ich kann's aushalten, Sarah aber muß ihren ganzen Kram hier verkaufen und wenn se sich hat ä mal eingeseift, kann se sitzen bleiben mit dem Päckel, bis Mschiach * * 3) kommt. Nu kommen hier die kleinen Leute, die da handeln ä Weste, ä Hose, ä Rock, was es ist, und bieten mer an die Sachen, weil ich Alles kauf', ob viel oder wenig, ich kaufe! Wie ich bin gerade dabei, von Einem ä Rock zu kaufen, biet' 'n And'rer der Sarah ä Paar Hosen an. Sie handeln, und machen und thun, aber sie werden nicht handelseinig. Da kommt der Verkäufer zu mir heran und ich geb ihm, was er hat verlangt, darüber ist sie geplatzt nach allen Richtungen und wenn se mich sieht, möcht' se mich vergiften, warum? Wegen ä Paar alte Hosen! — Wenn ich gewußt hätte, daß se mer wird so viel Geferres 4) machen, osser 5 6) hält' ich die Hosen gekauft, und wenn er se mer gelaffen hätte for de Hälfte — ä Paar alte plundrige Dinger, nischt Werth das Ansehen." Sarah hatte zwar ihre Augen wo anders, aber ihre Ohren ganz bei Ruffer! — Das wußte dieser ganz genau, er kannte Sarahleben und deshalb wiederholte er nochmals mit ganz besonderem Nachdruck: „Ae tüchtige, fleißige Frau, aber — es ist nicht zu reden mit ihr. Wenn se sich mal hat was in den Kopf gesetzt, da können Se eher aus dem Stuhl da was herausbringen, wie aus ihr. Alles versteht se falsch, redt sich ein in Kas°) und meint, man will se uzen. — Dabei wohnten wir in einem Hause und das war mer das Unangenehmste bei der ganzen Geschichte, schon for de Leit!" — „Gibts denn da gar kein Mittel zur Versöhnung? — Man sollte doch meinen, daß" — „Ob's ä Mittel gibt, ä feines sogar", sagte Seifensteiner den Ruffer mit scharfen Blicken fixirend, — „was Jeiteles! — Ob's ä Mittel gibt!" „Was packter da for Geschichten aus," rief ärgerlich Wolf Ruffer, „se interessiren den Herrn acceraP) so, wie mich der Ferscht von Calabrien!" — „O, bitte, bitte, fiel ich ein, ich ahnte wohl, daß zwischen Ihnen und Frau Sarah etwas Wichtigeres die Scheidewand bildet, als die alte Hose, aber selbstredend will ich nicht in Ihre Geheimnisse dringen." 1) Geschichte. 2) Exporteur. *) Erlöser. 4) Unannehmlichkeit. s) entschieden nicht. 6) Wuth. ’b mccurat. — „Es ist gar kein Geheimniß mehr," bemerkte Jeiteles, „es sollte ä mal eins sein, aber Se wissen doch, ä Geheimniß ist bei einer Frau genau so aufgehoben, wie ä Vogel im Freien, er fliegt fort und weg ist das Geheimniß. —" _ (Fortsetzung folgt.) Briefkasten. Wien, III. Ottmar A. Nein, den ganzen Schlachthhmnus der Schwarzen können wir nicht abdrucken, aber die . letzte Strophe kennzeichnet diese sonderbarste Sorte Poesie: „Nur wacker, im weisen Vereine, Schlagt jene Gesellen zurück, Ihr Wiener, der Tapf're hat Glück, Ihr lenkt euer eig'ues Geschick, *- Den Schädlingen, macht ihnen Beine — Gebt Antwort auf östliches Schwindelgeplärr: Hoch Habsburg! Heil Lueger! Gelobt sei der Herr!" W.en, VH., Myrthengasse. K. Wir danken Ihnen herzlich für den Ausdruck Ihrer freundlichen Gesinnungen. Galah. Paul Abeles. Wollen Sie uns mittheilen, welche unserer Feuilletons Sie in fremder Sprache zu veröffentlichen gedenken. Wien, IV. Ein Enthusiast. Sie waren höchlich überrascht, daß Bildhauer Costenoble als antisemitischer Candidat auftrat. Das veranlaßt uns aber durchaus nicht, wie Sie es wünschen, gegen die künstlerischen Leistungen des Mannes aufzutreten. Er ist vermuthlich nur im Rausche der Begeisterung den geriebenen Gimpelfängern auf den Leim gegangen. P. Lemberg. Ein Testament ist weder zu kritisireu noch zu ändern. Die Verfügungen eines Verstorbenen, sobald dieselben bei gesunden Sinnen getroffen wurden, sind unabänderlich. Joachim Neiger, Kozlow. Wir können leider mit Lotterie- Angelegenbeiten uns nicht abgeben. Den geehrten Lesern, Gönnern und Freunden wünschen wir aus Anlass des Jahreswechsels Die Redaction der ,,©österreichischen ^Wochenschrift“ DR BLOCH. Allen ihren Bekannten und Freunden wünschen herzlichst -■ ' v'' n 12 Wien. L. Hildesheimer und Frau. Die jüdische akademische Lesehalle IX., Harmoniegasse 8, verschafft mittellosen Studenten Lectionen und ersucht das P. T. Publicum, ihr allfällige Adressen zukommen zu lassen. Herrn CARL STRELL, Professor der Handelswissenschaften in Wien, I., Bauernmarkt 9. Sehr geehrter Herr Director! Genehmigen Sie meinen besten Dank für das mir übersandte Zeugniss. Als Lehrer, der eine sechsjährige Praxis hinter sich hat, kann ich der Wahrheit gemäss das fachmännische TJrtheil abgeben, dass ihre Unterrichtsbriefe über kaufmännisches Rechnen, Handelsbriefwechsel, einfache und doppelte Buchhaltung nach einer äusserst leicht fasslichen Methode verfasst sind, welche die Erlernung obengenannter Lehrfächer spielend gestaltet. Ich werde als schwache Gegenleistung für Ihre mir gewidmete Mühe gerne bei passender Gelegenheit auf Ihr vorzügliches Institut Hinweisen und zeichne mit Hochachtung ergebenst Brandais Max, m. p., Lehrer. Egydi-Tunnel, am 28. August 1895. Das Original obigen Schreibens erliegt mit vielen Andern ähnlichen Inhalts in der HastWlsschule des Professor Carl Strell zur Einsicht auf. Herausgeber u. verantw. Redacteur: Dr. Josef E. — Druck v L. Beck & Sohn, Wien. VHI., Lerchenfelderstr. 46.