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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1895-09-13 · 37 (13.9.1895) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
12 (1895)
Issue
37 (13.9.1895)
Date
1895-09-13
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Nr. 37. Dr. Bloch’s Jahrgang XII. Centralorgan für die gefammten Interessen des Iudenthums. R. ft. Postsparftasten-Amt Clearingverkehr Nr. 810.976. Redartion und Administration: Wien II., Llnlrrr AuMttrnflrastr 1a. Telephon-Nr. 6535. «- —- --—- Wien, 13. September 1895. -4- Erscheint jeden Freitag. -- Iffian abonnirt bri allen Possanffalten des In- und Rnslandrs Ve;ugsvrri» stir Sesterreich: Halbjährig 4 fl. — 8 j?r. Einzelexemplare 25 fr. lür’a Ausland: halbjährig v fl. — 10 Kr. ganzjährig IO „ 20 „ Anzeigen: Die 4'nal gespaltene 'Inhalt: Leitartikel: Zn den Wiener Gemeinderatbswahlen. — B 0 Nl Jahrmarkt d e s L e b e n s: Dr. Lueger und seine Gesellschaft. „Die Gedärme heraus!" Mechaniker Schneider in der Reparatur. Roznauer Nachklänge. Gegen die Grazer Fabrikanten. Dr. Knpka nnd die Apostelführer. Der alte Cato als Weinfälscher. Bismarck und Stöcker. Anarchismus und Antisemitismus. Der Tod Alexander III. Zur Schächthetze. Christlicher Thierschutz. — Der Antisemitismus der slavischen Volksstimme. — Der schwarze Jndendoctor. — Die liebe Jugend. — C 0 r r e sp 0 n d e n z e n: Wien. Essek, Prag, Budweis, Mährisch-Aussee, Sadagora, Berlin Gelsenkirchen. — Vermischtes: Mistelbach, Jglau, Pilsen, Skole, Constantinopel. — Feuilleton: Edi's erster'Tempelgaug — Briefkasten. — Inserate. — Beilage: Aus Rußland. — Vom jüdischen Religionsunterricht in den Gymnasien. — Aus der Kunstaustalt. — Die Juden der türkischen Hauptstadt. — Alte Kleider. Zu den Wiener Gemeinderathswahlen. Rede des Hof- und Gerichtsadvocaten Dr. Hermann Fialla, Präsidenten des Politischen Volksvereines, gehalten in der Plenarversanlmlung vom 19. September 1895. Geehrte Versammlung! Lediglich unter dem, wie wir hoffen wollen, trotz Allem noch immer ausreichenden Schutze unserer vaterländischen Gesetze, nicht umgeben von einer wohlorganisirten Miliz handfester Ordner, auch einer sonstigen Sicherheitswache entrathend, eröffne und begrüße ich die heutige Vereinsversammlung, indem ich die so zahlreich erschienenen Vereinsgenossen und unsere Gäste herzlich willkommen heiße. Vielleicht entspäche es auch dem allermodernsten Comment für Wähler- und Bereinsversammlungen, Sie, meine Herren, daran zu mahnen, einen etwaigen gegnerischen Redner nicht „anzuspucken", im Eifer der Debatte auch Niemanden zu „hauen" endlich auch — nach einem Versammlungsvorbilde von gestern — nicht „über den Durst" zu trinken, doch ich besinne mich, daß wir hier eine Versammlung bilden, in welcher die große Mehrzahl der Anwesenden der doppelt verketzerten Race der Liberalen und Juden angehört, denen es, Gott sei Dank, wohl für immer versagt ist, sich diese Culturblüthen „judenreiner arischer Bolklichkeit" anzueignen. (Heiterkeit und Beifall.) Meine Herren! In zwei mächtige Heereslager getheilt, sehen wir derzeit Wien, welche unter dröhnenden Schlachtrufen um den Sieg in den bevorstehenden Wahlen einen gigantischen Kampf rüsten und durchzuführen willens sind. Auf der einen Seite steht die Partei der Aufklärung, des Fortschrittes, des Freisinnes, die alte in den Empfindungen undUeberzeugungen desVolkes wurzelnde liberalePartei der Bildung und Gesittung, auf der anderen Seite jene lichtscheue Gruppe von Feinden der modernen Rechtsordnung und Cultur die, ein Agglomerat clericaler, feudaler, bürgerlicher und pöbelhafter Elemente, sich ursprünglich unter dem Namen Antisemiten vereinigten, um sich später unter dem allgemeinen Begriffe der A n t i l i b e r a l e n zu erweitern. Was früher diesem letzteren Parteigebilde nachgerühmt wudre: der geschlossene stramme Zusammenhalt, die unerschütterliche Disciplin, welche das gegnerische Lager ebenso gefährlich als gefürchtet machte, dieses Machtgefühl glaube ich nunmehr unter nicht ungünstig veränderten Verhältniflen für unsere Partei reclamiren zu können. Es ist ein erfreuliches Symptom dieser Wahlbewegung, daß sie sich auf unserer Seite in unverhoffter Weise unter dem Zeichen der Einheit und Geschlossenheit vollzieht. Befriedigt können wir zunächst darauf verweisen, daß jener bedrohliche Zwiespalt, von dem auch unsere Versammlungen zu widerhallen pflegten, jene Gefahr, daß liberale und demokratische Wähler sich trennen und durch diese Trennung die Gesammtpartei schwächen werden, glücklicherweise abgewendet wurde. Ein Sieg unseres in der Zeiten Noth gesteigerten Pflichtgefühles, ein Sieg unseres lebhaft erwachten Bewußtseins der gemeinsamen Gefahr ist es, daß ihr gegenüber dieses einheitliche Zusammengehen noch rechtzeitig als patriotische N 0 th w en d i gkeit erkannt wurde, daß man sich angesichts der über alles Maß bedrohten Wohlfahrt der Stadt unter der beide Parteien einigenden Devise zusammenfand: Gerechtigkeit und Bürgerfriede! (Stürmischer Beifall.) War diese Gefahr abgewendet, welche speciell auch uns Wähler jüdischer Confession zu erfassen drohte, weil, wie nicht verkannt werden soll, gerade in unseren Kreisen jener demokratische Zug kraft der begründeten Unzufriedenheit unserer Glaubensgenossen mit dem bisherigen Verhalten der lidtialen Partei an Vertiefung gewonnen hatte, so drohte ein eigentlicher Zwiespalt oder Zerfall in der großen liberalen Partei überhaupt nicht mehr. Denn jenes dritte Element, das socialistische oder socialdemokratische, gleichfalls emporgewachsen aus dem vielästigen Stamme der Freiheit, unentscheidend jedrch drrzeit noch für das Schicksal der in Frage stehenden Wahlen, entschiid sich für eine mehr oder minder wohlwollende Neutralität, insofern minder, als der Wortführer der Socialdtmokratie mehr den Sieg des Antisemitismus zu wünschen erklärte —' freilich nicht aus Ueberzeugung, vielmehr kraft jener verhängnißvollen Doctrin, wonach ein Sieg der antiliberalen Partei sie vollends aä absuräum führen und ihre Vernichtung aus sich heraus bewirken müsse. Wie gestalten sich dieser unserer Situation gegenüber die Verhältnisse auf Seite unserer Feinde? Wie hat sich dort die beneidete und gerühmte Eintracht und Einmüthigkeit gerade in den letzten kritischen Wochen bewährt?

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