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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1895-09-06 · 36 (6.9.1895) · page 16

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
12 (1895)
Issue
36 (6.9.1895)
Date
1895-09-06
Page
– (sequence 16)
Language
German
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Seite 664 Dr. Bloch's Wochenschrift. Nr. 36 ist Mensch, denk' ich — der Kerl schreit Zetermordio und kann natürlich so wenig schwimmen, wie ein Kanarienvogel — ich pack ihn am Bart mit der einen, am Genick mit der anderen Hand — schon spür' ich den drehenden Kreisel unter mir — na, jetzt find wir alle beide verloren, denk' ich mir — wegen einen Juden, daS war der Mühe werth — mit letzter übermenschlicher Kraft, reiß, ich den Kerl nach links hinüber und beide waren wir,-„Aus dem Waffer!" brüllte der Chor unisono. „Ein halbes Jahr später heftete mir der Kreisrichter dies Dingelchen da an die Brust". Er wollte auf das silberne runde Scheibchen mit der Hand deuten, die kam aber nicht so weit und sank ihm ermattet herab. Der alkoholschwere Kopf -neigte sich vornüber und der ganze Ehrenmann fiel, so lang er war unter dem eichenen Tisch. Der Jude rückte näher heran. „Meine Herren" begann er fragend und zögernd „die Geschichte da, die soeben erzählt wurde-" „Hat sich zugetragen, Moses, ja, die hat sich damals nämlich zugetragen, aber um ein klein wenig anders" begann ein alter weißhaariger stoppelbärtigcr Mazure, und strich sich mit dem Rücken der Hand über den Mund. Der Jude that, ^ls verstände er die Geberde des Durstes nicht. „Zahl' ein Schnäpschen und ich erzähl' dir, wie es thatsächlich dabei hergegangen ist." Das Schnäpschen kam und der Alte gab die zweite verbesserte Auflage der Erzählung zum Besten. „Wohl ist's wahr, daß der übermüthige Bursch, der Stanislaw, damals an der gefährlichen, verbotenen Stelle gebadet hat. Wahr ist's auch, daß der miserable Kerl" — er that einen verstohlenen Blick nach den unteren Regionen und fuhr, als von dort ein tiefes Größten heraufkam, beruhigt fort — „der elende Lumpenhund" — er schielte wieder hinab — „das besoffene Schwein — na, ich will nicht unhöflich werden — dazu kam und ins Waffer fiel, als er dem Buben die Stiefel, die am Ufer lagen eben wegtragen wollte. Ich war damals Mühlknecht und Hab' alles von der obersten Dachluke mit angesehen. Einer steht im Waffer, einer auf der steilen Erdböschung und Beide zerren an demselben Stiefel. Was natürlicher, als daß der ins Waffer fällt, der auf dem Trockenen steht. So war es, das erzählt er freilich nicht, der Lügenmund der. Kommt gerade ein Jude vorbei, zum Glück. In Heller Todesangst patscht einer mit Armen und Beinen mitten im Waffer herum und kreischt gottsjämmerlich um Hilfe. Der Jud wirft den Pinkel und Reisetasche, die er in der Hand schleppte, zu Boden, reißt sich den Rock vom Leib, springt ins Waffer und zerrt ihn glücklich an's Land. Der Ortsrichter erfuhr natürlich von der Sache und berichtete in die Kreisstadt an das Bezirksgericht. Von da ging der Act in die Provinzhauptstadt und dann in die Residenz? Ob eine unbeabsichtigte Verwechslung oder ein Jrrthum stattgefunden, weiß ich nicht zu sagen und glaube auch nicht daran. Wer wird auch einen Juden einen Orden geben! Eine Rettungsmedaille mußte aber gegeben werden, weil doch eine Rettung stattfand, folglich bekam sie der andere! — Irgend einer von den Amtsschimmelreitern hat das schon so weise eingerichtet". „Da muß ein Zufall, ein Mißverständniß mit im Spiel gewesen sein. Ich kann mir das nicht anders vorstellen," meinte wie entschuldigend der Jude und strich sich den Bart. „Nicht daran denken," entgegnete über den Tisch herüber ein anderer von den Bauern, der bis dahin stillschweigend zugehört. „Wie wäre denn sonst der Jude zu zwei Gulden Strafgeld verdonnert worden, wegen Badens an verbotener Stelle?" Briefkasten. Troppau, „Dr. Hpfilon". Die groteske Notiz der „Ostdeutschen Rundschau" vom 30. August über die Ehen zwischen Juden und Christen in Troppau ist doch keiner ernsthaften Erörterung werth. Wir sind gewiß keine Anhänger dieser Mischehen, aber so weit wie das Blättchen gehen wir doch nicht, sie „als Blutschande im höheren Sinne" zu bezeichnen. Sollte vielleicht^ richtiger heißen im »höheren Blödsinne". P . . . Reatschulsnpplent Albert R. Sie finden, „daß wir ein wenig übertrieben haben" und gestehen dem Satiriker nur ungern dies Recht zu. Es war aber durchaus nicht der Fall. Diese Herren treiben tatsächlich altnordische Vielgötterei zum Privatvergnügen. Lesen Sie nur aufmerksam die Brieflaftennotizen der „Unverfälschten", z'. B. gleich diese da vom 1. d. M.: Hagen Wolfung. Sie schreiben: „Was Abraham, Isaak und Jacob als sagenhafte Erzväter den Juden gelten, das sind uns Deutschen, wie Dr. H. Hofsmeister richtig bemerkt, Ingo Jsko und Jrmino, die Urahnen der 3. ältesten germanischen Bolksstämme: der Jngävonen, Jstävonen und Hermionen. Jeder dieser Ahnen, bezw. Götter, deren eigentliches Urbild vielleicht ebenfalls jenseits der Sintflüth (nicht Sündfluth) zu suchen ist. mochte in vorgeschichtlicher Zeit, seitens des betreffenden Stammes als ein überirdisches, höchstes Wesen verehrt worden sein, mit Eintritt des geschichtlichen Zeitalters jedoch, als gemeinsame Kriegsunternehmungen und dauernde Waffenbrüderschaften immer wünschenswerther erschienen, verschmolz jene Dreiheit zur Einheit: Tuis ko (Deut) um sich später wieder zu spalten." Vergleichen Sie ferner damit die Stelle aus einem Aufsatze in derselben Nummer: „Für künftige Fälle wollen wir Deutsche uns merken, daß uns höher als der Menschheitsdusel unser eigen Volksthum steht, daß der Kampf, den wir gegen die Feinde unseres Volksthumes zu führen gezwungen sind, keine Spielerei, kein Sport sein darf, den man blos zeitweilig treibt; daß, wo es sich um unser Heiligstes handelt — und das ist — unser durch Wodan (!) getragenes, von den Vätern ererbtes Volksthum, der christliche Grundsatz: „Liebe Deine Feinde, Ihne Gutes jenen, die dich verfolgen . . . ." hinter dem Grundsätze der volklichen Selbsterhaltung: „Jedem das Seine" und: „Wie du mir, so ich dir!" zurückstehen muß!" Tulln. S. S. Sie werden es begreiflich finden, daß wir es ablehnen müssen, uns in Differenzen privater und rein persönlicher Natur einzumischen. Die Sache beruht wahrscheinlich auf einem Mißverständniß, und Mißverständnisse aufzuklären ist die vertraitliche, friedliche Auseinandersetzung das geeignetste, die öffentliche Controverse das allerungeeignetste Mittel. Mlasov. D. L. Wir sind nicht in der Lage, Ihre Frage, ob Erzbischof Stadler aus Serajevo jüdischer Abstammung ist, zu beantworten. Vielleicht ist es einer unser Leser. Hortonn. G G. Wir danken verbindlichst für den Ausdruck so überaus liebenswürdiger Gesinnungen. Die Holzdiebstahls-Angelegcnheit paßt nicht in den Nahmen unseres Blattes. Wien, „Ein Neugieriger". Sie fragen, ob Stettenheim die Wiener antisemitischen Cvrruptionsriecher meint, wenn er schreibt: „Ich habe Pech", klagt der Wiedehopf, „wohin ich komme, stinkt es." Wir wissen es nicht, aber es wäre ganz wohl möglich. Krakau, Abonnent Lazar St—d. Wenden Sie sich an ein großes Jnseratenbureau und lassen Sie sich einen Zeitungskatalvg vorlegen. Gewiß gibt es eine Anzahl derartiger Fachblätter. Keeskemet. „Provinzler". Sie wünschen, daß wir ab und zu Rebusse, Rösselsprünge-Räthsel und Charaden bringen mögen? Der Raum des Blattes langt nicht dazu und die Zeiten sind zu ernst. Ausnahmsweise und um Ihnen einen Gefallen zu thun, wollen wir jedoch Ihnen eine kleine lustige Scherzfrage aufzulösen geben. Sie lautet: „W er schreibt das?" „Mich kennt Jedermann. Würde in meinem Vorleb e n e i n Makel nachweisbar sein, so hätten die Juden es gewiß gethan. Mein Vorleben ist rein, ich brauche nur aus die bekannte Erklärung des Justizministers Grafen Schönborn vom 4. Juli 1891 im österreichischen Abgeordnetenhause hinzuweisen." ('Wi *Q '1„jjojggjiogj uafpjma®" ut£) 'a,qi3uh)§> ftuaZ : ßunjgijitfö Jungbunzlau. B. B. Sie schreiben uns, daß anläßlich der Renovirung Ihrer Synagoge ein tüchtiger, jüdischer Goldstafsirer, seit 14 Jahren Steuerträger der dortigen Gemeinde, übergangen und die Arbeit einem Nichtjuden übertragen wurde. Wir sind natürlich der Ansicht, daß bei Zuweisung derartiger Arbeiten unsere Glaubensgenossen den Vortritt haben sollen, halten aber mit unserem Urtheil in vorliegendem Falle noch zurück, denn — audiatur ad altera pars. Wien. B. R. Ihre Zuschrift ist ähnlicher Tendenz wie dic soeben erwähnte. Die Firma Schl, soll angeblich den antisemitischen Golvsticker G. in der Reinprechtsdorferstraße beschäftigen. Von waschechten Antisemiten erzeugte Thoragegenstände! Ob's auch wahr ist? Stanislan „Kurjer Stanislawowski." In Ihrer Nummer 520 vom 1. September bringen Sie eine Notiz: „Das politische Testament Bloch's", welches so viele Lügen als Worte enthält. Lüge 1: daß Abgeordneter Dr. Bloch bereits auf sein Mandat verzichtet hat. Lüge 2: daß die „Oesterreichische Wochenschrift" zu erscheinen aufhört. Lüge 3: daß wir einen Artikel, überschrieben „Mein politisches Testament", veröffentlicht haben. Lüge 4: daß im Reichsrath ein jüdischer Club begründet werden müsse und in diesem Style Lüge 5, 6, 7, 8 u. s. w. Mocsiska Leop. Obstg. In Breslau existirt ein Verein „Schomre Sabbath", Stellennachweis für Kaufleute. Wien. Ep. Wenn Sie, Ihren voreiligen Glaubenswechsel bereuend, wieder zum Glauben Ihrer Väter zurückkehren wollen, so haben Sie nichts weiter zu thun, als dem Magistrate und der israel. Cultusgemeinde anzuzeigen, daß Sie Jude sind. Theresienstadt. Herrn Oblt. L. Ihre schätzenswerthe Zuschrift mit besonderem Interesse.und Vergnügen gelesen. Herausgebern, verantw. Redacteur: ReichsrathsabgcordneterDr. Josef S. Bloch. — Druck v. L. Beck & Sohn, Wien, Vin., Lerchenfelderstr. 46

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