Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 12 (1895)
- Issue
- 34 (23.8.1895)
- Date
- 1895-08-23
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 628 Nr. 34 Dr. Blorh's Mackenschrift. Glück meines Kindes gilt, füg' ich mich. SoÜ's meinetwegen , Kobele sein, wenn er Dir zu Lieb' seinem Bal-Machloke- Bater zu trotzen vermag." „Das wird er," sagte Vögele wieder lächelnd und verließ mit ihrer Mutter das Zimmer. Nach einigen Tagen sprach man allgemein der Gasse von der nahe bevorstehenden Verlobung Kobeles mit Vögele. Die ganze Gaffe war aber in die Jntrigue eingeweiht. Wer zu Gedaljah kam, erzählte ihm, wie Srole wüthe und was sich das arme Vögele von dem Vater Alles ausstehe. Sie werde doch noch vor der Hochzeit aus dem Hause gehen müssen, denn Sie wird's nicht aushalten können, wie er Sie sekirt. Wenn nicht die Mutter zum Glück schon die Ausstattung versteckt liegen hätte, müßte Sie rein wie aus einem Stein gesprungen unter die Chupe gehen und auf die Nedam wird Kobele schon warten müssen, bis der Alte über hundert Jahre stirbt. Und wer Srolen begegnete, wußte nicht genug zu erzählen von den Streitigkeiten, die zwischen Gedaljah und seinem Sohne täglich und stündlich Vorgehen. Kobele esse gar nicht mehr bei Tische und es ist die Rede davon, daß er sich ganz separiren und den Alten allein lassen will, der ihn wieder droht, er werde ihm keinen Pfennig geben, er solle sich nur an seine neue Mischpoche halten. Beide, Gedaljah und Srole, rieben sich vor Freuden die Hände, Jeder glaubte mit dieser Verbindung dem Anderen den größten Verdruß verursacht zu haben und heimlich betrieben beide Väter auf's Eifrigste alle Vorbereitungen zur glänzendsten Ausstattung ihrer Kinder und boten Alles aus, um den Verlobungsact so feierlich als möglich zu machen. Srole lud dazu alle seine Freunde und Gedaljah wieder die seinigen, so daß fast die ganze Gemeinde geladen war. Für Gedaljah war es selbstverständlich, daß die Verlobung nicht wie sonst üblich im Hause der Braut gefeiert werden könne, war doch ihr Vater gegen diesen Schiduch, und für Srole wieder war es selbstverständlich, daß sie nicht bei ihm gefeiert werden dürfe, weil er doch die kindlichen Gefühle des Bräutigams schonen müffe, der kein solches Freudenfest begehen wolle im Feindeshause seines Vaters. Und so fanden es Beide natürlich, daß die Verlobung nur auf einem neutralen Boden stattfinden könne. Kobele miethete zu diesem Zwecke das große Restaurationslocale der Gasse und arrangirte Alles. Im Speisesaal, wo einige hundert Personen Platz hatten, sollte die Verlobungsfeierlichkeit vor sich gehen und dann gespeist werden. Der hiefür bestimm e Abend war herangekommen. In der Mitte eines mit weißen Linnen bedeckten langen Tisches, von dem mehrere Candelaber Licht über den ganzen Saal ausstrahlten, der von frol gestimmten Gästen gefüllt war, saßen schon der Rabbiner und der Gemeindenotar mit der Feder hinterm Ohr und hatten die bereits geschriebenen Verlobungspacten vor sich liegen. Da wurden die Thüren an den beiden entgegengesetzten Seiten des Saales geöffnet und herein traten zu gleicher Zeit von der einen Seite Gedaljah mit seinem Sohn, von der anderen Srole mit seiner Tochter. Als sich die Väter gegenseitig sahen, erschraken sie und machten Miene umzukehren. Da erhob sich der Rabbiner und sprach: „Meine Herren, das ist der Tag, den Gott gemacht, dieser Schiduch ist vom Himmel, er vereinigt zwei unserer besten Familien, die bislang in Streit lebten, zum Schaden unserer Gemeinde. Treten Sie einander näher, beide Väter, und reichen Sie sich die Hände zur Versöhnung". Stumm und verwirrt befolgten Beide diesen Wunsch des frommen Mannes. „Einer von uns ist gescheidter als der Andere, sagte Gedaljah, nachdem er wieder zur Faffung gekommen, „aber unsere Kinderleben sind gescheidter als wir Beide. Unterschreiben wir die Tenvim!" Sie unterschrieben. Und aus der Menge drängte sich die Mutter Bögeles an den Tisch und schleuderte mit aller Kraft eine feine Porzellanschlale zu Boden, daß sie in Hunderte Splitter brach, und die Versammlung rief begeistert: „Masel tob!" Ein so großartiges „Tenoimschreiben" war seit Menschengedenken in der Gaffe nicht gefeiert worden. Schon Tags darauf wurde mit der Demolirung des strittigen Häuschens begonnen, um an deffen Stelle einen neuen schönen Bau aufzuführen, den nach einem Jahre Kobele und Vögele als neuvermähltes Ehepaar bezogen. Literatur. Jüdischer Volkskalender. In Kürze erscheint in Lemberg unter der Redaction des Dr. M. Ehrenpreis ein von der jüdisch-nationalen Partei Galiziens herausgegrbener jüdischer Volkskalender. Wie ans dem dieser Tage uns zugekommenen Prospecte zu entnehmen ist, durste der circa 15 Druckbogen (Großoctav) enthaltende literarische Jahrgang einen sehr interessanten Inhalt haben. Der erwähnte Prospect nennt außer einem überaus reichen informativen Theil (der speciell der jüdischen Kaufmannschaft sehr willkommen sein dürste) und außer den Arbeiten des Redacte rs Dr. Ehrenpreis noch Arbeiten von Schriftstellern wie R. A. Broicles (Lemberg), Rüben Breinin (Wien). Dr. Simon Bernfeld (Berlin), Dr. S. R. Landau (Wien), Dr. H. Malter (Berlin), Dr. I. Thon (Lemberg), Dr. I. Rosenbaum (Jassy), Juda Leib Landau (Krakau) u. v. A. Briefkasten. Prag, „M." Wenden Sie sich an Herrn Dr. Oppenheimer, Secretär der israelitischen Cultusgemeinde in Brünn, welcher Ihnen bereitwilligst die gewünschren Auskünfte ertheilen wird. Jwonicz. Sch. Daß Jwonicz einer der wenigen galizischen Lnrorte ist, wo der leidige Antisemitismus bisuun noch nicht festen Fuß gefaßt, sei hier gebührend hervorgehoben, aber dieses Thema zum Gegenstände eines längeren Aufsatzes zu machen, ist nicht in unserer Absicht gelegen. Concertberichte bringen wir nur ganz ausnahmsweise. Gruß! Marienbad. „@iu langjähriger Abonnent aus Lemberg " Es wird sich gewiß für uns noch oft Gelegenheit bieten, auf diese Sache, deren Bedeutung wir so wenig unterschätzen wie Sie, ausführlich zurückzukommen. Wir danken für das freundliche Interesse nnd die rege Aufmerksamkeit, mit der Sie die Vorgänge in unserem Blatte verfolgen. Wien. „E.n Mittelloser." Herr Dr. Ludwig Pollak, Wien, XII., Meidlinger-Hanprstraße Ist, ist bereit, die rituelle Operation an Ihrem neugeborenen Söhnchen ohne Entgelt vorzunehmen.Der genannte Arzt ist ein ausgezeichneter Specialist. Die Selbstlosigkeit, mit der er sich den Armen zur Verfügung stellt, verdient allgemeine Anerkennung. Wien, H., I. Th. Kleine Pfarrgaste. Das ist unserer Ansicht nach ein recht müßiger Streit um des Kaisers Bart, „ob das Judendeutsch in Polen Mundart, Jargon oder Dialect ist?" Einigen Sie sich mit Ihrem Gegner vorerst über die Difinition der Begriffe und darüber, was Sie unter jedem verstehen wollen, und Sie können sich die Antwort mit Leichtigkeit selbst ertheilen. Sie haben ja ganz richtig in Ihrem Schreiben bemerkt: „Die deutsche Sprache wurde offenbar von den nach Polen geflüchteten und ausgewanderten Juden in reiner Form, wie sie damals in Deutschland gesprochen wurde, gebraucht, wobei man sich allerdings auch mancher hebräischen Ausdrücke, welche sich wohl bei den Juden von früher her erhielten, bediente. Dies ist daraus zu schließen, daß die jüdischen Redeweisen, sorgfältig gesäubert von den im Laufe der Jahrhunderte erfahrenen Verstümmelungen und Verunstaltungen in Aussprache und Betonung, ein seines Hochdeutsch ergeben, wie es wohl im 13. bis 14. Jahrhundert in Deutschland gesprochen wurde. — Daß sich im jetzigen Jüdisch-Deutsch hie und da auch polnische Ausdrücke vorsindcn, was sich auf ziemlich wenige Worte beschränkt, ist bedeutungslos, indem solche durch das lange Zusammenleben und den Umgang mit den Polen sozusagen — bedingt wurde." Brzesko. „P. Z" Wir entnehmen Ihrem Schreiben folgendes nicht uninteressante Zwiegespräch zwischen einem k. k. Gerichtsadjuncten und einem jüdischen Kläger. Cs handelte sich um 740 fl. „Bei der Einvernahme sagte der Richter: „Sie können ihm diesen Betrag schenken", worauf erwidert wurde: „Wenn Herr Richter 100 sl. jemanden schenken würden, so gebe ich 500 fl.. Daraus explicirt der Richter in Gegenwart: so vieler anderer ebenfalls zur Tagsatzung vorgeladener Landbauern: „Ich schenke nur einem Christen, aber keinem Juden." Auf diese anzügliche Aeußerung entgegnete man: „Ich bm nicht dieser Meinung, heute eben habe ich einen bedürfligen Christen mit einem größeren Betrage beschenkt, als einen Juden." Nun sagte der Herr Richter: „Ach. wie mildthätig Ihr seid, wenn Ihr hier nicht wäret, so würde Brzesko viel besser stehen." Eine eigcnthümliche Verhandlung: Ad. Fischer, Krakau. Abonnement erhalten. Besten Dank. Wien. Löblicher Vorstand des israelitischen Bethausvereines Brigittenau. Auf Ihren Wunsch stellen wir hiermit die in Nummer 32 enthaltene Notiz dahin richtig, daß der Einweihung überhaupt kein Festmahl gefolgt ist und die Herren sich blos zu einer geselligen Zusammenkunft vereinigt haben. ,,B. P« Bp." — Galgocz „G." Ihr Bericht über die Kaiserfeier ist leider nicht rechtzeitig eingetrofsen. Für nächste Nummer konnte derselbe nicht zurückgelegt werden, da über diese Feier verspätet nicht berichtet werden kann. Brünn, „Alter Abonnent". „Viel Klagen hör' ich oft erheben Vom Hochmuth, den der Große übt, Der Großen Hochmuth wird sich geben, Wenn uns're Kriecherei sich gibt. Diese Verse sind von G. A. Bürger und heute sehr zeitgemäß. Dank und freundlichen Gruß. Wieliczka. S. R. Verbindlichen Dank für Ihren Bericht, der ansbewahrt wurde. Mit Ihren Anschauungen vollständig einverstanden. Herausgeber u. verantw. Redacteur: Reichsrathsabgcordneter Dr. Josef S. Bloch. - Druck v. L. Beck & Sohn, Wien, VIEL, Lerchenselderflr. 46. ' aA