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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1895-08-16 · 33 (16.8.1895) · page 16

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
12 (1895)
Issue
33 (16.8.1895)
Date
1895-08-16
Page
– (sequence 16)
Language
German
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Seite 612 Dr Bloches Wochenschrift. Nr. 33 Das Werk dieser Geißlerschaar war vollbracht. Es lebte keine jüdische Seele mehr im Städtchen. Sie sammelten sich wieder, um in Procession in die Kirche zu wallen. Unser Ritter voran, die Fahne tragend. In der Kirche schlossen sie die Thüren von innen, entledigten sich ihrer Kleider, bis auf eines von den Schenkeln bis auf die Lenden, warfen sich auf die Steinfliesen nieder und fingen einander zu geißeln an, bis das Blut in Strömen floß. Und als sie sich wieder erhoben und weiter ziehen wollten, fehlte der Anführer — der Ritter ließ sich geißeln, bis er todt liegen blieb. Literatur. Biblische Geschichte für die israelitische Jugend in den Volksschulen, bearbeitet von Dr. E. Hoff, Bezirks-Rabbiner der israelitischen Gemeinde und öffentlicher Religionslehrer an der deutschen Landes-Oberrealschule in Proßnitz. Unsere Vorfahren lebten während der vierzigjährigen Wanderung durch die arabische Wüste von Manna, welches in der Bibel dreifach benannt ist: Bechern Brot, Zapichos Bidwosch, Honigkuchen, und Tschad Haschemen, eine nahrhafte Flüssigkeit. Diese dreifache Benennung erklärt der Midrasch dahin, daß dieses Manna für alle Altersclasten ausreichte. Für den Mann war es ein kräftigendes Brot, für den Greis ein verdaulicher Honigkuchen und für das zarte Kind eine nahrhafte Flüssigkeit. Damit ist auch der Inhalt der Bibel gekennzeichnet. Die heilige Schrift ist nicht nur für gereiste Männer und erfahrene Greise eine seelenerquickende Lectüre, sondern auch mit ihren lieblichen Erzählungen und naiven biblischen Geschichten, denen rellgiös-sittliche Lehren zu Grunde liegen, die beste geistige Kost, gleich einer nahrhaften Flüssigkeit, für die zarte Jugend, unterhaltend und belehrend. Nach diesem Muster muß auch eine biblische Geschichte für die Volksschuljugend verfaßt werden. Die Schreibart muß flüssig, leicht verständlich und doch nicyt trivial sein; nicht in langathmigen Satzgefügen, sondern kurz und bündig. Der freie Vortrag des Lehrers ist die Hauptsache, der die Schüler fesseln muß, die biblische Geschichte ist als Text dazu in Betracht zu ziehen und zur Wiederholung der Schüler. In diesem Sinne hat Herr Dr. Hoff seine biblische Geschichte verfaßt. Die Ausdrucksweise ist correct, der Styl flüssig, ohne Phrasen, ohne Ziererei, der Auffassung der Schüler angemessen, Alles, was für Bolksschüler nicht von Bedeutung, oder ihrer Fassungskraft nicht entspricht, vermeidend. Es würde uns zu weit führen, alle diese Stellen, die dieses bestätigen, namhaft zu machen. Hier heißt es: Nasse Sefer w’nechse, um sich selbst zu überzeugen. Das zweite Heft benannter biblischen Geschichte ist für die Oberclaffen der Volksschule bestimmt und reicht der Inhalt bis zur Zerstörung des zweiten Tempels. Da müssen wir doch bedauern, daß der ehrwürdige Verfasser sich zu kurz gefaßt hat. Die Geschichte der Makkabäer sollte nicht mit Simon schließen, doch etwas ausführlicher behandelt werden; ein Capitel würde ausreichen, um das Werk zu vervollständigen. Da hätte sich auch die Gelegenheit geboten, die zwei Parteien: Pharisäer und Sadduzäer, einzuschalten und die Schüler mit der schriftlichen und mündlichen Lehre bekannt zu machen, was doch von Wichtigkeit ist. Nachdem die Ausstattung des Werkes sehr gefällig, der Preis mäßig und das Werk vom k. k. Cultus und Unterrichtsministerium als zulässig erklärt ist, können wir mit bestem Wissen und Gewisten die Einführung dieser biblischen Geschichte in öffentlichen Schulen, wie auch-als häusliche Lectüre empfehlen. Rabbiner L. W o l l n e r. Briefkasten. Dukla. B. I. Wietschner. Das Werk von Leroy-Beaulieu welches Sie zu besitzen wünschen: „Die Inden und der Antisemitismus" ist durch die Buchhandlung von R. Löwit Wien, Rothenthuimstraße zum Preise von fl. 1 zu beziehen. Podgorze. R. R. Von der im Curorte Szczawnica in Galizien am 16. vorigen Monats stattgehabten blutigen Schlägerei, welche antisemitische Hetze nach Ihrer Miltheilung, von dem ersten Cur-Arzte arrangirt worden sein soll, hatten wir bisher keine Kenntniß. Jntereffante Details hierüber nicht unerwünscht. Daß der leitende Artikel in unserer Nummer vom 9. August Ihren vollen Beifall fand und daß Sie denselben in allen Synagogen in hebräischer und deutscher Sprache publicirt wünschen, wird den Verfasser des Aufsatzes gewiß höchlich erfreuen. Wien, X., Leebgasse. H. B. Wir empfehlen Ihnen, in gegenwärtiger Zeitlage, blos speciell j ü d i s ch e Wohlthätigkeitsvereine zu unterstützen. Budapest. Dr. Arpüd T—i. Wir begreifen und theilen Ihre Entrüstung vollständig über das Vergani-Blatt welches dem Mörder des unglücklichen Ludwig Deutsch die volle Sonne seiner Sympathie zuwendet. Es schreibt unter dem 9. August: „Der Mörder, welcher Familienvater ist, ist ein stattlicher Mann, eine echte Förstergestalt mit gesund gefärbtem Gesicht und einem graumclirten Vollbart. Er macht durchaus den Eindruck eines ehrlichen Menschen...." Sie haben Recht. Weiter geht's nicht mehr. Vielleicht interessirt es Sie auch, zu erfahren, wie der Ehrenbürger von Mühldorf sich die Attake in der Kärntnerstraße zurecht — lügt: („D. V." Nr. 2371.) „Bei dem Versuche, die Officiere vom Trottoire herabzudrängen, gab der in Civil gekleidete Officier dem einen der Provocanten mit dem Schirme in begreiflicher Abwehr einen Stoß aus die Brust, wobei der Schirmgriff möglicherweise die vorspringende Nase des Hebräers in übrigens ganz leichter Weise berührt haben mag. Die beiden Juden begannen nun zu schreien, als wären sie^von den Officieren überfallen worden, während in Wirklichkeit sie den Vorfall provocirt hatten." Diese Karnikel — immer fangen sie an! Wien, „Reichspost" Spitzer-Weimar's (!)Jn Ihrem Feuilleton (?) vom 11. August entwischt Ihrem Mitarbeiter ein werthvolles Geständniß: „Der Metteur fleht neben mir- „Bitte, Manuscript, Herr Doctor, die Setzer warten schon!" und ich wüthe mit der Feder mit dem Blekstiste, kaum daß ich Zeit hatte, zu denken, worüber ich eigentlich schreiben will." Man merkt's auch dem Blatte an daß es seiner. Weihrauch-Schmöcken an der Zeit fehlt, zu denken, worüber sie eigentlich schreiben wollen: — und blos an der Zeit?? Wien, L. K. Wir danken für die Mittheilung; ohne den Namen des Betreffenden in keiner Form verwendbar. Gewiß ist ein Abtrünniger nicht als Glaubensgenosse zu betrachten oder gar zu berücksichtigen. Franzensbad. Treuer Abonnent A. G. I. Sie wünschen die Adresse des Amerikanischen Milliardärs Vanderbilt von uns zu erfahren? Niemand bedauert gewiß lebhafter als wir, mit demselben in keiner näheren Verbindung zu stehen. Auch die zweite Adresse ist uns unbekannt. Rcnöov E. T—G. Sie halten sich darüber auf, daß das von Ihnen gekaufte Buch „Der nationale Zwist" bereits 9 Jahre alt ist und klagen, daß sie nicht mit „frischer Waare" bedient worden sind? Wir würden Ihre Recriminationen bei Wecken oder Würsten einigermaßen berechtigt finden. Ein neun Jahre altes Salzstangel oder eine ihr zehnjähriges Jubiläum feiernde Cervelatwurst ist freilich wenig geeignet, selbst einem in seinen culinarischen Ansprüchen bescheidenen Magen besonderen Genuß zu bereiten. An literarische Arbeiten pflegt man jedoch andere Maßstäbe anzulegen. — Daß alle Leser mit den Anschauungen des Verfassers übereinstimmen würden, hat dieser nie erwartet. Er hatte das Buch in dieser Voraussicht überhaupt nicht geschrieben; es wäre dann außerordentlich überflüssig gewesen. Wir sind gewöhnt, an das Urtheil der Einsich-- tigen, politisch gereiften Denkenden zu appelliren; mit deren Zustimmung — welche uns in diesem Falle auch reichlich zutheil geworden ist — sind wir vollauf zufrieden. Gmunden. L. O. Die beiden dort ansässigen Cöhne heißen also nunmehr Kormany? Wir sind wohl im Principe gegen derartige Namensänderungen, sprechen aber dennoch Leuten, welche einst Spitzer hießen und nun Weimar heißen, entschieden das Recht ab, sie hämisch zu glossiren. (Schmähpost vom 13. d. M.) Budapest. Subabonnent R. G. Die Festpredigten von G. Salomon in Hamburg können wir Ihnen als für Ihren Zweck besonders geeignet empfehlen. David Arie, Zaleszezyki. Abonnement erhalten. Besten Dank. Win. „Ein Herrenfahrer." „Von der Bevölkerung hatte Kurz keinerlei Belästigung zu erfahren, lästig waren blos die Hunde und in Polen die zu dringlichen Juden. („Oesterr.-ung. Radfahrer-Zeitung" Nr. W v.!0. Aug.) An Viele Hausfrauen! Ihre Anfrage, wo „Laureol" zu haben ist, beantworten wir dahin, daß Sie sich wegen Bezuges desselben an den Vertreter der Fabriksfirma Julius Moll & Comp. Herrn Julius F r e u d e r, Wien, II., Scholzgaffe 13 wenden wollen, wo sie auf Wunsch Muster und Gebrauchsanweisung haben können. Danksagung. Der berühmte Ober - Cantor Mayer Schorr der neuerbauten „Synagoge nach polnisch-jüdischem Ritus" in Wien, wurde von einem Vorstandsmitgliede, Herrn D i a m a n t, zu einer Trauung nach Krakau berufen und bei dieser Gelegenheit unsererseits eingeladen, am Sabbath in der „Alten Synagoge" vorzubeten. Derselbe hat uns und Tausende Anwesende mit seinem Vortrage höchst erfreut und wird es uns allen ewig unvergeßlich bleiben, welchen hervorragenden Künstler wir vernommen haben. Die geniale Technik und seine ganze Vortragsweise hat die zahlreich Versammelten welche die Synagoge bis auf das letzte Plätzchen füllten, zu solcher Bewunderung hingerissen, daß wir es nicht unterlassen, im Namen aller Anwesenden den Künstler den herzlichsten Dank umsomehr zum Ausdruck zu bringen, als er das gesammte Erträgmß verschiedenen Wohlthätigkeitszwecken gewidmet hat. Der Vorstand der „Alten Synagoge". Samuel Ebersohn. Krakau, den 9. Tamus 5655. Herausgeber u. verantw. Redacteur: Reichsrathsabgeordneter Dr. Josef S. Bloch. — Druck v. L. Beck St Sohn, Wien, Vm., Lerchenfelderflr. 46

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